Sette 12
Pad-s-grsche O-ff
Nr. X
fftne nengeschaffcne soziale und demokratische SJctfciJunfl soll sich im
bfjeiulichrn Veden zum Wähle der Volksgemeinschaft auswirken. Die
Gahlreßbcn Kumpfe der Parieren und Jntcccsjeugruppen über Zrntrali.
fauon oder Tezeulraliiaiion. Einheit oder Vielheit, Freiwirtschaf» oder
Zlouiigc-lv>rljch«rfr find ein deutliches Leichen dafür, biß sich die neue
Sraaieaufsasiung noch nicht durchgesetzt hat. ES fehlt noch die Funda-
MsutrermlS an der Volte-seele. Ein drutkleS Gefühl der Träumer«»,
der Utopie sitzt in den Massen. ES ist die Idee de» Parlam.ntarrsmu»
einerseits, die der Rätcorganisation anderer,eitS. Aus der absolu
tist: scheu St.ratsausfaßung mit der Auswirkung LcS persönlich poli-
Lischt»: Regiments sind iv.r heraus- und in die utilitaristische
.SrckalS.ruffassung hiinlugekommen. Heute «st sich aber die breite Masse
schon bewußt, dag diese Staatsgrsilinnng keine befriedigende Losung
dec großen Kullurprobieme geben kann, da noch zuviel Egoismus der
Individuen, Partc:en und Jule.sscngruppen, zuviel der alten Macht»
iujiiiikle ,»och vorhanden sind. Nur die Besinnung auf d u Kultur-
wert des Sta.rtcs läßt uns hier e.lten Schritt weiter kommen. Der
geniiiuschasttiche Untergrund, das allen Gemeinsame ist das Volts-
turn. Auf femcin Grunde »:uß die neue Bildung erwachten,
d:e alle Glieder unseres Volkes gleichmäßig umfaßt und dem Bolle
d»S gibt, was wir heute so schmerzlich vermissen: Die Einheit lich
tet t unserer gciamtc«» Vo4kSkultur.
S ie erwächst nicht auS dem WirtschaftSethoS. wie man heute faß
durchiveg glaubt, sondern auS dem BerufSethoS. Tie kultu
relle LebcnSäußcrung des Menschen ist sein- Arbeit. sein Beruf. Dort
offevl'.rr.n sich d:e geistigen Werte deS Menschen und feine Beziehungen
zum Nächsten, zur Volksgemeinschaft. An Arbeit und Beruf liegt die
geistig-sittliche, wirrschastliche und politiscl)« Einheit des Kulturmenschen
verbo gen. Ter eigentliche Wert deS deutschen Kulturmenschen.ruht
im völkischen Kulrurbewußtscin. Dieses in vollem Umfange wieder
herzustellen. de Einheit unfcrcs VolksbewußtsernS und der nationalen
Bildung zu erreichen, ist un'ere Kulturaufgabe. Auf diesem Gebiete
liegt das Schwergewicht unserer Betäligung im öffcntlick'.en Leben.
Die Kulturrdee muß für die innere und äußere Politik grund
legend und führend sein. Sic ist maßgebend für die Neugestaltung der
staatlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse.
Dieser kulturelle Staatsbegriff muß sich mrf neue
Menschen gründen, ans Menschen, die in jeder gesellschaftlich nütz-
kicl'en Arbeit eine strattiche Kulturlcistung anerkcni,en und sie als
solche zu werten verstehen. Alle Merle haben ihre Berechtigung nicht
nur als Werte für unser persönliches Ich, sondern auch als Werte für
die Gemein'chaft. Ist unser ganzes öffentliches Leben einmal mrf eine
solche Grundlage gestellt, daß nicht der persönliche Vorteil als solcher,
jonDcrn der Dienst am Ganzen, der Beruf am Volke ausschlaggebend
ist. dann ist erst der „Reue Staat" im Werden. Eine Wiedergeburt
des Geistes und Gewissens, ein echter Eh istgcift muß in den S.elcn
dec Bürger lebendig werden. Der neue Mensch muß vor allem wissen,
was Liebe ist. Liebe zur Familie. .zum eigenen Hem. zur G.nssien-
fchaft, zum gleichsuchcndcn Menschcnbruder. zur Gemeinde, zur Heimat,
zum angestammten Volke, dessen Vergangenheit und Zukunft, dessen
Wesen. Sein und Werden. Wer nicht selbst zurecht kommt, möge sich
au seelisch reife Führer wenden, die ihm Wegweiser. Wegberatcr. Berater
und Helfer m allen Lebenslagen sind. Gemeinschaft und Fuhrer-
i ordnung sind die Grundlagen des neuen Ela rtsbcgrüfS. Freiheit und
Einheit dessen charakteristische Merkmale. Wahrheit und Liebe die natür
lichen Wege zur Verwirklichung eines echten VolksstaatS. Nur der
gemeinsame sittliä>e G undwille der staatlichen Volksgemeinschaft kann
erue echte Lebensordnung, eine wahrhafte VottSkuttnr schaffen.
Literatur und politische Wiedererweckung.
Von Chefredakteur Georg Wieder,
arüber wi.d Ich» Zweifel bestehen: wir haben auch jetzt
^ 1 wiederum die merkwürdige Tatsache zu verze-chnen. daß in dem
großen Niedergang, in dem gewaltigen Chaos, in das unser
Vaterland tuneingerissen wurde, sich die deutsche Liter.Uur
ebeuscwcnig zurechtfindet, wie sie vor »dem Kriege den großen
Aufsncg Deutichtands »n wirtschaftlicher und» völkischer Hinsicht in
den Bannkreis ihrer Gedanken zog.
Tie Literatur ist. trotzdem man oft die Achsel über sie zuckt, den
noch der beste Barometer für die seelischen Zustände eines Volkes.
Im Gegensatz zu anderen Ländern finden wir nur n» Deutschland
tiefen Gleichklang zwischen den literarische» Geistes-
ström ungcn undden Forderungen derNation nndder
Wirtschaft nicht oder dich nur in so geringem Umfange, daß
jen» Strömungen nicht ausschlaggebend wirken können. Wir mußten
uns aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten zum Weltvolk durcharbettcn.
»ich» nur materiell, sondern auch geistig. Vor der materiellen Stärke
brauchte uns n»cht.zu bangen, unsere Industrie war leistungsfähig,
die Arbeiterschaft hoch qualifiziert, die technische Wissenschaft ton-
angebend. Monopole halten wir nn» errungen, die Weltmärkte ver
langten deutsche Ware, der Wohlstand deS Inlandes wuchs. Aber
waren wir geistig auch stark genug, ein Westvolk zu werden^ ohne die
feste Ankcrung der heimatlich nationalen Tendenz unter den Fußen
zu verlieren? Wenn der Deutsche über die Grenzen seines
Landes hinausgeht, scheint er im Meere deS Geistes der anderen
Länder unterzugehen, oder aber — und darin gleicht er dem Russen —
«s tritt in ihm die Idee deS AllmenschtumS auf. Das Wort vom
»Bruder Mensch" ist rn keiner Literatur so häufig vertrete«, wie
(in der deutschen und russischen. Run mag ja auch viel dazu beitragen,
daß der deutsche Geist wie kaum ein anderer an seiner Seite daS
Gefühl stehen hat. diese seltsame Mischung auS lausend Stimmungen.
Sehn,ächten und Ahnungen; aber daneben mutz doch auch betont
werden, daß seit unserer klassischen Periode (Lesskng Goethe. Schiller)
-er Gedanke deö Weltbürgertums — trotz der dent'chcn Art der Werke
— mit großer Wucht in di« deutsche Seele geschleudert touüK, die
dafür umso aufnahmefähiger war, je geringere Wurzeln das bewußt
natconale Gefühl in ihr harte.
/LS war eine f»»rchtbare Spannung zwischen der notwendige«
v2/ materiellen und gcistigen Ausdehnung zum
Weltvolk und der Flucht de» deutschen Geistes in
Gebiete, die dem geistigen Ausstieg zum Weltvolk direkt cnrgegcu-
gesetzt warcr». Diese Spannung zerriß die deutsche Seele, statt sie
zu eine».
Theodor Brauer hat mit Recht vor kurzem in der »Kölnische«
Volkszcitung" darauf hingewiesen» daß zum Zusammenbruch unsere»
Geistes der R ar ro na t»s m n S, der d>e Wurzel unserer Start«
angesrcssen hatte, in großem Maße beigetragen habe. Das war eben
dre Sattheit, das Gähnen, das Lachen über ewige Normen, und alle»
umgrenzt von phttlsterhift engen Gesichtspunkten. Wclkvolt werde«
heißt vtingcr fern, giftig streben unter Wahrung ewigcr Moments
rn unabtäfflger Arbeit, fern jedem trägen Gebühren. In einem
großen Teil der unteren Schichten war ein Plus an diesen Qualitäten
vorhanden, wahrend demgegenüber die übrigen Stände fast nur er«
Minus auswiesen.
An diesen Zwiespältigkeiten überraschte uns der Krieg. Es konnte
tiefer Blickenden nicht verborgen bleiben, daß der erste nationale An
sturm. der glühende Hauch erner patriotischen Welle, man möchte fast
behaupten, nicht so sehr dre deutsche Seele als vielmehr die deutsch«
Zeitung war. Schon nach einem Jahre fiel »m Inland« der Firni»
ab. Wir müssen immer und immer wieder betonen, daß die wirklich
nationale Literatur während des Krieges geführt wurde von Arbeiter«
(Lcrsch, Bröger. Petzold. Barthel. Wö.le. Wicprccht) oder von den Werk-
leuten auf Haus Nylond (Wmklcr. VerShofcn. Kneip). Die schweren«
glattgehobelten Verse Rudolf Alexander Schröders oder Gerhard Haupt
manns zeigten viel zu sehr Schreibtisch und Tintenfaß, um die wahr«
Glut »m Herzen des deutschen Volkes neu zu beleben, wie es einst die
Lieder Arndts oder die Reden FrchteS getan haben.
Stegenvald sagt in seinem Artikel „Das Alte stürzt" sehr trefiend?
»AlS alles gut stand, schrieben deutsche Profesiorcn „Deutsche Red?«
in schwerer Zeit", und als alles auf des Messer» Schneide stand, schwiege«
sie". Die deutsche Hermatliteratur kann dasselbe für sich buchen.
Der einzige, der arbeitete für den Geist deS deutschen Volkes, war
der zerkaute Söicijtift und eut Stück zerknittertes Papier unserer
Arbeilerdichter draußen.
CVcfct stehen wir im Zusammenbruch. Wir sind akS Weltvolk ausge-
/v\ löscht und aus die eiigcn Grenzen des Kontinents zurückgeworfen,
^ von übermächtigen Feinden umgebe.« Wirtschaftlich e»n Knecht,
im Stolz geknickt, des Ansehens beraubt, voll Zweifel an un'erer
Würde. Wir müssen, wie die Bewohner der Halligen nach schweren,
vernichtenden Sturmfluten. die alles zerstörten, was Menschenhand
schuf, wieder von vorne anfangen. Mehr als das. Wir können d:S
Alte, wie es war. nicht mehr aufbaurn. wir stehen im Ansauge, vor
Neu cm. Den Gedanken an ein Weltvolk müßen wrr auS unserm
Geiste streichen, nur bauen in unseren Grenzen erst den neuen Bau.
Wir wünschen rn den Tiefen unserer Seele, daß ein Völkerirühling
keimen soll nach den sclrwcrcn. lastenden Rächten. Daß der Wirklich
keit werde, ist unsere Sehnsucht. Aber eia solche» Gebäude läßt sich
nicht mit Tändeleien ausbauen. und dre Aufgab«, d-e der Literatur
zufällt, um den Polksgerst rn Ire Bahne» ernsten schaffenden Ringens
zu führen, ist so groß, aber auch so ernst, daß es der ganzen Stärke
bedarf, um die,er Aufgabe gerecht zu werden.
Denn wir hab.n eme hehre Mission zu erfüllen. Wir sprachen
von einer Weltmißion deS deutschen Geistes; größer ist die Mission
am eigenen Volke. daS in seiner Not schreit. Röhr sprach einmal von
der „Sittlichkeit der Gedanken", die die Volksseele in stärkeren Schwin
gungen durchzittern müssen, als eS vor dem Zusammenbruch dec
Fall war.
Auf drei Grundpfeilern muß sich jetzt das deutsche Literaturlebe«
«heben, wenn eS auch von ihm heißen soll, daß es mit seinem Talent
gewuchert und daß fein Talent gute Frucht gebracht habe.
Das find: Ta» Gefühl für dre unteren Schichte«
de» «olle», für die Nation und für die Menschheit.
er in die unteren Schichten hinabstieg von den Führern unsere«
modernen Literatur, tat das kaum so sehr aus dem Bewußtsein,
an der notwend-igen sittlichen und geistigen Hebung der untere«
Stände zn arbeiten, als vielmehr auS dem unbewußten — und oft
auch sehr bewußten — Gefühl des Neuartigen und Fremden; denn dec
Dunst der SchnapSbudikc. daS Berliner Hinterhaus, die tiefen Augen
fchivindsüchtiger armer Frauen und junge Menschen, in denen das
Dirnentum aufflackerte, waren rn der Literatur eben noch selten dar
gestellt worden, und man glaubte, nach dem abgestandenen Kraml
philisterhafter Englseit dort ein Stück des primitiven starken Menschen
zu finden. Aber daS hielt naturgemäß nicht lange vor. Das Reale,
Naheliegende, mit den Hände« zu packende wich dem Symbolismus
und den metaphysischen Strömen eine» Stevhan George und Rainer
Maria Rilke. Man ging viel lieber mit Mcgrink durch die enge«
niedergedrückten Gassen deS Ghetto und schritt mit HanS Heiz Ewers
durch schwüle mystische Traumgärten. Der notwendige Zusammenhang,
den jede Literatur auch mit den unteren Schichten haben muß. tocnn
sie ihre Ziele und ihre Zwecke erreichen will, fehlte. Man überließ,
wenn man von einigen Volksbüchereien absieht, die breite« Schichte«
der Kolportagetrteratur und vergrößerte dadurch den geistigen Ritz,
der zwischen oben und unten schon bestand. Im neuen Deutschland wird
es auch Ausgabe der Literatur sein, nicht nur einsame Höhenwcge mit
Wenigen zu gehen, sondern irr umfassender Kraft auch die Massen zu
bilden und zu heben.
Das zweite, was unserer Literatur nottut. ist das Gefühl für dre
Natron. Sre schrieben alle deutsch und verlegten bei deutschen Ver
legern. aber ihr Denken war außerdeutsch geworden. Darrn helfe«
auch einige; Krtegsgedichte^ die unsere Erste« Herausgaben, -nicht viel.

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