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Pädagogische Pos.
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zeichnung von Genüssen, die vielleicht durch Musik oder Kunst er
zeugt werden. Andern ist die Religion nichts als Gefühl. Sie
feiern ihren Gottesdienst in stummer Betrachtung der Meresbran-
dung, des Rauschens des Windes. Kurz, der Begriff Religion ist
gebunden durch die Weltanschauung, und es heißt eine Unehrlichkeit
begehen, wenn man verspricht, einen neutralen Religionsunterricht
zu erteilen.
Endlich ist die Simultanschule eine Unehrlichkeit dem Kinde
gegenüber, weil sie dem Kinde vorenthält, worauf es einen wohl
begründeten Anspruch hat. Zwei Forderungen kann das Kind an
die Schule stellen: 1. daß es auf den späteren Kampf vorbereitet
wird, 2. daß es zum Charakter erzog"N wird. Keine dieser Forde
rungen wird die Simultanschule erfüllen. Hinter den Fragen
sozialer Art. wie denen des Einzellebens stehen immer Weltan
schauungsfragen. Was endgültig triumphiert, sind die geistig sitt
lichen Kräfte. Darum hat die Schule nur dann ihre Pflicht erfüllt,
wenn sie das Kind mit großen Ideen erfüllt hat. Die Pädagogik
der Neuzeit sicht ihr Ziel in der Persönlichkeit; aber es müssen die
Modernen erst einmal zeigen, wie ein ganzer Charakter erwachsen
soll, der seine Wurzeln nicht tief in eine religiöse Weltanschauung
gesenkt hat. Oder kann uns die Simultanschule nachweisen, daß sich
sittliche Helden gebildet haben, ohne eine große Weltanschauung?
Wir Christen sehen in der Gottheit Jesu die Zentralsonue, die über
unser Erdendasein ihre klärenden Strahlen wirft, die den Menschen
willen erwärmt für das Gute und Edle. Die Simultanschule, die
Christus aus ihren Räumen verbannt, betrügt das Kind um das,
was der Gottmensch uns vermacht hat und wonach cs sich selbst
sehnt.
Alle, welche die Simultanschule fordern, sehen in ihr nur ein
Kampfmittel gegen die Religion, einen ersten Schritt zur religions
losen Schule. Darum die Augen auf: der Wolf legt sich einen
Schafspelz an! Wir wollen daher. niemals unsere Kinder einer
nichtchristlichen Einheitsschule ausliefern. Hören wir die Worte
des Bischofs Keppler: „Es ist Wahnsinn und Verbrechen, es ist
bethlehemitischer Kindermord." W. H.
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Landesschiedsgerichte.
Das Gesetz über die Errichtung von Landesschiedsgerichten ist
am 25. Februar vom Landtage angenommen worden. Durch dieses
Gesetz soll die Besoldung der Gemeindebeamten auch in die all
gemeine Gehaltsregelung einbezogen werden Die Staatsbeamten
klagten bisher sehr, daß die Gemeindebeamten ihnen in der Besol
dung vorankämen. Nun wird das Reichssperrgesetz auch für die
Gemeindcbeamten wirksam werden. Da die Gemeinden die für die
Beamten nötigen Mittel nicht mehr aufzubringen vermögen, sind
ne auf Zuschüsse des Reichs angewiesen. Sie müssen ihre Besol
dungspläne der Finanzverwaltung einreichen und erhalten die Zu-
chüsse nur, wenn von der Finanzverwaltung keine Einsprüche er
folgen. Eine völlige Gleichstellung von Gemeinde- und Staats
beamten ist nicht beabsichtigt und anch nicht möglich. Die Verhält
nisse innerhalb der Gemeinden weichen allzu weit von einander ab.
Es sind für die einzelnen Provinzen Richtlinien aufgestellt, inner
halb deren sich die Gemeinden bei ihren Besoldungsfestsetzungen
halten müssen 'Bei Streitigkeiten zwischen den Gemeinden und der
Finanzverwaltung über die Höhe der Beamtenbesoldung sollen ide
Landesschiedsgerichte entscheiden.
Der Gesetzentwurf war dem Beamtenausschutz des Landtages
zur Vorbereitung überwiesen worden. Diesem trugen sowohl der
Verband der Kommunalbeamten wie auch der preußische Städtetag
ihre Wünsche vor. Dabei zeigte sich, daß die Wünsche der Gemeinde
beamten und die der Staatsbeamten stark von einander abweichen.
Stadtrat Ehrmann führte namens der Kommunalbeamten aus,
daß die Gemeinden nur in seltenen Fällen über das gegebene Maß
hinausgegangen seien. Die Gemeinden seien genötigt, sich den ört
lichen Verhältnissen anzupassen. Es komme vor, daß Arbeiter und
Angestellte höher besoldet seien, als die Beamten, die sie beaufsich
tigen. Das sei weder für die Gemeinden noch für die Beamten er
träglich. Eine einheitliche Besoldung für die Gemeindebeamten in
ganz Preußen sei ein Unding. Dennoch wolle der Verband bei der
Durchführung des Gesetzes helfen. Aber im Reichsfinanzministeriunl
sind Dinge vorgekommen, die die Gemeindcbeamten nicht übersehen
könnten. Deshalb verlangten sie Sicherung der Beamten und Ein
richtung von Bezirksschiedsgerichten, die paritätisch zusammengesetzt
seien und deren Beschlüsse für die Gemeinden wie auch für die Lan
desschiedsgerichte die Grundlagen abgeben müßten.
Auch der Vertreter des Städtetages war der Ansicht, daß die
Gemeinden nur in seltensten Fällen in der Besoldung ihrer Beam
ten vorbeigegriffen hätten. Er erklärte sich entschieden gegen die
Bezirksschiedsgerichte, die in die Selbstverwaltung der Gemeinden
tief eingreifen würden.
Ministerialdirektor M u l e r t führte dann aus, daß das Reichs
sperrgesetz in der bestehenden Form kaum verlängert werden würde.
Er glaubt nicht, daß sich viel Streitfälle für das Schiedsgericht er
geben werden. Durch die Richtlinien und die Zuschußzahlungen
seitens des Reiches werde sich die Gemcindebeamtenbesoldung ohne
Streit regeln lassen. Berechtigten Wünschen der Gemeindebeamten
toll entgegengekommen werden. Bel den Oberpräsidien werden
paritätische Gutachterausschüsse errichtet, die Grundlagen fiir die
Beschlußfassung schaffen sollen.
Der Ausschuß lehnte darauf die Einrichtung öon Bezirksschieds
gerichten ab und nahm die Vorlage mit urlwesentlichen Verände
rungen au. Der Landtag ist diesem Beschlusse des Ausschusses bei-
gctreteu.
Die 12 Millionen für die Schulamtsbewerber.
Der Hauptausschuß des Landtages hat in den Haushalt für
1922 zu „widerruflichen laufender! Zuschüssen für Schulamtsbewcrber
und -bewerberinnen" 12 Millionen eingesetzt. Er erhöhte trotz des
Widerspruchs der Finanzverwaltung noch andere Ansätze des Haus
halts. Das hat den Finanzminister in Erregung versetzt. In mehr
fachen Unterredungen mit den Parteien suchte er diese Erhöhungen
aus dem Haushalt herauszubringen. .Der ganze Etat müsse in Un
ordnung geraten, wenn Ausgaben ohne Deckung höher angesetzt
würden. Dies Verfahren widerspreche anch der Verfassung. Diesen
Ausführungen wurde im allgenieincn zugestimmt, aber der Landtag
wollte sich nicht das Recht nehmen lassen, Erhöhungen der im Etat
ausgeworfenen Summen vorzunehmen. Voraussichtlich werden alle
Posten, die vom Hauptausschuß erhöht wurden, noch einmal in den
Hauptausschuß verwiesen werden. Damit sind die 12 Millionen
noch einmal gefährdet.
Bei dieser Sachlage ist es nützlich, sich im preußischen Haushalt
nach ähnlichen Posten umzusehen. Man findet 15 Titel, in denen
widerrufliche Zuschüsse für Beamte im Vorbereitungsdienst aus
geworfen sind. Den größten Betrag beansprucht die Justizverwal
tung für die Referendare, nämlich 29 600 000 Mark. Es folgt die
Finanzverwaltung für die jungen Verwaltungsbeamten mit 6616 306
Mark. Für die Studienreferendare sind 3069 000 Mark in Ansatz
gebracht, für die Studienreferendarinnen im besonderen 51150
Mark. Die weiteren 11 Titel bleiben unter einer Million und be
tragen insgesamt etwa 4 Millionen. Der preußische Staat gibt alsr
rund 45 Millionen für Beamte im Vorbereitungsdienst aus. Dir
Zahl der Stellen, für die dieser Vorbereitungsdienst bestimmt ist, ist
kaum so groß wie die Zahl der vorhandenen Schulamtsbewerber
und -bewerberinnen. Man wendet ein, daß die Lehrer ja bereits
Anwärter wären, also mit den Referendaren nicht gleichzusetzen
seien. Aber auch die jungen Lehrer haben noch die zweite Prüfung
vor sich, ihre Ausbildung ist also nicht vollendet. Wenn die Aus
bildung für die Akademiker anders geregelt ist als für die Volks
schullehrer, so ist das kein Grund, fiir den einen Teil "15 Millionen
und für den andern gar nichts einzusetzen. Weiter wird auf die un
absehbaren Folgen in Hinsicht auf andere Beamtengrnppen auf
merksam gemacht. Da die Akademiker, wie bereits erwähnt, schon
berücksichtigt sind, könnten nur die mittleren Beamten in Frage
kommen. In den Haushaltsgruppen 7, 8 und 9 besitzt -aber der
Preußische Staat nur 27 000 Stellen, von denen etwa ein Drittel
Aufstiegsstellen aus anderen Gruppen sind. Selbst wenn man also
annimmt, daß die Berücksichtigung der Volksschnllehrer Folgen für
andere Beamtengruppen besitzt, so handelt es sich nur um eine ver
hältnismäßig geringe Zahl. Der aufzubringende Betrag würde
etwa ein Sechstel der für die Lehrer notwendigen Mittel betragen.
Bisher sind die Fraktionen des Landtags wenig geneigt, auf den
Druck des Finanzministeriums hin Abstreichungen vorzunehmen,
aber es ist doch notwendig, daß die Lehrerschaft Vorsorge trifft, da
mit dieser gute Wille nicht ins Wanken gerät.
Zur Beamtenbesoldung.
Peinlich fürwahr mutzte es berühren, wenn man erleben mutzte,
wie anläßlich des Streiks der Eisenbahner alle Welt über den Beamten
herfiel. In der Tagesvresse. in säst allen Parteivcrsammlungen und
in-den Parlamenten, überall hallte es wieder von Drohungen. Ver
dammungsurteilen und Vorwürfen schlimmster Art. Sie alle aber
wißen oder fühlen nichts von der Not des Beamten. Und doch muß
jeoer, der kühl und unbefangen die Löhne der allcrineisten Berufsklassen
mit dem Gehalt der Beamten vergleicht und dann noch die ungeheure
Welle der Preissteigerung beobachtet, zugeben, datz es jo nickst' weiter
gehen kann. Bei allen Lohn- und Gehaltsregelungen wird das Existenz-

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