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Nr. 18
4. Sind Ihnen kathol. deutsche Lehrer bekannt, welche demnächst
auszureisen wünschen?
Bei dreser Gelegenheit bittet der Unterzeiötzlete gütigst die Vor
sitzenden der Ortsgruppen, die gewünschten Antworten zu gebe«,
falls eS noch nicht geschehen ist. (Geschäftsstelle der AuÄandSgrnppe
des K. L. V.: Bochum, Blücherstr. 40.) Im Interesse der kfthol.
Auslandssache bitten wir dringend, auch anderweitige, Ihnen be-
kamrte kathol. Persönlichkeiten, die im Austande waren und dort
Erfahrung gesammelt haben, für die Mitarbeit zu gewinnen. —
Die Statuten der AuÄandsgrnpPe werden nach erfolgter Geneh
migung veröffentlicht? — Es braucht woht nicht bewiesen zu
werden, daß gerade glaubensstarke und deutschtumsseste Lehrer die
berufensten Hüter nnd darüber hinaus auch Bahnbrecher deutscher
Kirktnr nnd katholischer Lebensauffassung find. Für die Grund
legung deutscher Art rmd Kultur ist die Erhaltung der deutschen
Schule ein Ehrenpflicht. Der Jugend, auch der ausländischen Ju
gend gehört unsere Arbeit nnd nufer Streben. Das grobe Publikum
in Deutschland macht sich im allgemeinen kein richtiges Bild davou,
wie übe,aus wichtig die deutschen Auslandsschulen für die Erhal
tung des Deutschtums find. Dian bann ihm aber kaum einen Vor
wurf daraus machen, denn es hat tvenig Gelegenheit gehabt, sich
mit diesen Dingen zu befassen, das ganze Gebiet liegt ihm ziemlich
fern. Dieser Zustand ist sehr bedauerlich; alles, was die deutschen
Volksgenossen im Auslande betrifft, sollte man viel mehr beachten,
da es durchaus nicht so gleichgültig für uns daheim ist, als wir
weinen. Der Krieg hat gezeigt, wie stark bei den Anslairdsdeutschen
Vas Gefühl für die alte Heiurat ist. Auch fie haben sich au der
Unterstützung der Kriegsbeschädigten, des Roten Kreuzes usw. be
teiligt, obwohl sie Nacbkourmeu deutscher Eltern in znreiter und
dritter Generation sirrü. die Deutschland nie gesehen haben. Aber
deutsche Sprache und deutsches Lied haben ihnen trotzdem die Liebe
zur Hcimat ihrer Vorfahren eingeimpft.
Trübes und Schweres hat das Jahr 1921 auch für das Aus-
!andsdeutschtulu gebracht. Aiuh dort spürt man die Wirkung des
Zusammen braches. Die Blätter haben im Laufe des Jahres viel
von geistiger und wirtschaftlicher Not, von urvendlicher Unter
drückung und Mchachtung deutschen Strebens deriästen müssen.
Aber Not erzeugt Kraft und Härte, und aus der Bedrückruig
erwächst jener Geist der Zähigkeit und des Willens zum Wieder
aufstieg, dessen wir bedürfen. Wir wollen die kulturellen urrd wirt
schaftlichen Interessen im Auslande zu vertoirklichen suchen nnd so
auf unsere Art und Weife au dem Wiederaufbau tatkräftig mit
wirken. lieberall, wohin die Lehrer kommen, mögen fie stets auf
die Ausländsdeutschen und ihre Nöte aufmerksam machen mW
sagen, daß das Deutschtum im Auslande keine Privat-, Partei- oder
Regkerungssachc, sondern BolkSsache ist. Gerade jetzt erweist
es fich als ein Posten von ungeheurer Bedeutung, und es steht und
fallt mit seinen Schulen Das Jntcreffe für all die Hunderttausende
deutsch-sprachiger Ausländer muH geweckt werden bei uns daheim.
Es darf nicht vorkommen, daß einein Austandslrhrer, der nach der
alten Heimat kommt, um Freunde für die deutsche Auslandsschrrle
zu werben, von einem Herrn gesagt wird: „Ach. wissen Sie, die
ausgewanderten Deutschen haben für uns ein Interesse mehr. die
find der Heimat verloren."
Wie bekannt, hat das Neichswandernngsamt in Berlin für das
ganze Reich eine Anzahl von amtlichen Zweigstellen eingesetzt, wo
fich Auswanderungswillige kostenlos Auskunft und Rat holen
können. Die Leiter dieser Zweigstellen find ohne Ausnahme .Herren,
die sich selbst lange Jahre im Auslande aufgehalten haben. So
können sie also nicht ans Büchern heraus, sondern ans dem eigenen
Schatz der Erlebnisse ihre Erfahrungen den Ratsuchenden zugäng
lich machen und fie vor übereilten Schriften bewähren. Das Reichs-
tvande rungsamt hat auch der Geschäftsstelle unserer AuslandS-
gnlppe den Charakter einer gemeinnützigen Nuskunftsftelle ver
gehen. da solche Beratungen durch die Berussvereine weit intensiver
sein können als durch einen allgemeinen Auswandervercin.
Die austvanderungswillkgen Lehrer mögen fich darum an die hie
sige Geschäftsstelle wenden, wo fie jederzeit kostenlos Rat und Aus
kunft erhalten. Es wird gebeten, bei allen Anfragen Rückporto
beizufügen.
Zur Zeit sind die Aussichten für die auswanderungswilligen
Lehrer nicht günstig. Die Reichsschulkonferenz gab nn Jahre 1920
die Zahl der akademisch gebildeten stellen suchenden Lehrer auf 400,
tic der seminaristisch gebildeten auf mehr als IO**) an. Die Ver
mittelung der Lehrer-stellen an deutsche Auskandsfchulen geschieht
durch das Auswärtige Amt in Berlin, da nur in diesem Falle die
Auslandezeit für den Schuldienst und die Pensionsberechtigung
anerkannt wird. Den privaten und organisatorischen Anschluß und
die Vertretung bei den maßgebenden Behörden finden die betreffen
den Lehrer cm unsere Auslandsgruppe.
Die Sache des Auslandsdeutschtuncs ist in weit höherem Maße
eine katholische Sache, als eS bisl>er den meisten von uns be
sann war. Wenn unter 25 Millionen Ausländsdeutschen 15 Mil»
lionen Katholiken find, so zeigt dies ohne weiteres, wie
stark jeder Katholik und vor allem jeder katholische Lehrer an dieser
hochwichtigeu Sache Tlnteil nehmen muß. In einem Erlaß des
Hochw. Herrn Bischofs von Osnabrück heißt es: „Infolge der
wirtl'ckiaftliclxm Not in unserm Vaterlande werden zahlreiche
Männer, Frauen und Kinder auswandern, um in der Fremde fich
ein neues Heim und Glück zu suchen und zu gründen Stoch hat
die Auswanderung nicht in großem Maße eingesetzt. Der Mangel
an. Schiffsraum und die hohen Neberfahrlkosteu hindern einstweilen
daran. In den kormnenden Jahren aber wird sich eine größere
Lluswanderung nicht vermeiden lassen. Die deutschen Katho.
Liken werden als der minderbemittelte Volksteil in Verhältnis-
mäßig größerer Zahl zu den Auswanderern gehören. Diese Aus
wanderer im fremden Land. das sie gewählt haben, religiös zu
schützen, muß darum eine der Hauptfragen der zurückbleibenden
Katholiken sein."
In hohem Maße fallt diese Arbeit den kathol. Lehrern zu. Für
die Auslcmdslehrer ergibt sich diese Aufgabe von selbst. Damit fie
aber in den Stand gesetzt werden, sie zu erfüllen, müssen fie orga
nisch zusammengefaßt werden, um fie kulturell nnd wirtschaftlich zu
fördern. Dem Lehrer stehen hierzu verschiedene Mittel zur Verfü
gung: Schul-, Standes- rmd Jugendvereine, in denen der Aus
landsgedanke vertreten wird, die Bereitstellung von Schriften, Lehr
mitteln, Büchern sowie Lichtbildervorträge.
Lehrmittel, Bücher, Landkarten, Bilder für den Anschauung^
unterricht find aber so teuer bezw. ruht ein so hoher Einfuhrzoll
darauf, daß die Dinge weit mehr kosten als in Deutschland. Da
könnte von der alten Heimat mit geringen Mitteln viel geleistet
werden, Wern» nur alle. die ein Herz für die deutsch-sprachigen
Kinder des Auslandes haben, fich es angelegen ein lassen. Wer
dazu in der Lage ist, sollte dieses oder jenes fich dafür eignende Bild
oder was es sonst ist: Globus, Alas, Landkarte hergeben mit der
aufgedruckten Bemerkung, von wem es geschentt ist. Dadurch wird
erreicht, daß die Kinder täglich daran erinnert iverden: daheim in
Deutschland, der Heimat unserer Eltern, gedenkt man unser. Auf
diese Weise wird das Genleinschaftsband geschlungen und gefestigt.
Noch etwas anderes: In vielen deutschen Schulen befinden fich alte
Unterrichtsgegenstände: Karten, Bilder, ausgestopfte Tiere, phy
sikalische Apparate usw., die veraltet durch neue ersetzt sind und nur
die Schränke stillen. Im Auslande würde man sich freuen, diese
Dinge zu vekümmeu. Man braucht sie nur instand zu setzen, denn
Ausbesserungen wären drüben zn teuer, vorausgesetzt, daß es über
haupt jemand nmchen kaun. In der Heiurat wäre man nicht bloß
den Ballast los, sondern hätte andern eine große Freude gemacht.
Auf diese Weise wäre der Anslandsschule geholfen.
Was Deutschland urrterli-cß, hat Frankreich. England, Anrerika
im Laufe vieler Jahrzehnte betrieben. Wir dürfen in unserer
Kulturpolitik aber hinter keinem andern Volke zurückbleiben, son
dern muffen danach trachten, an die erste Stelle zu gelangen.
Um alle diese Ziele, die ich Ihnen auseinandergesetzt habe, schon
bald in die Tat umsetzen zu können, hatten sich am 10. Dezember
vorigen Jahres verschiedene Führer des .Kath. Lchrerverbandes mit
dem Geschäftsführer des „Reichsverbandes für die kath. Ausländs
deutschen* in Berlin zusannnengeftmden, um die Richtlinien für die
praktische Durchführung de Beschlnffes des K. L. B., Abt. Preußen,
vom 28. XL 1921 festzlckegen. Der damals gefaßte Beschluß lautete:
„Der Kath Lehrerverband. Abt. Preußen, fordert die Mitglieder
der kath Lehrervercine mri das dringendste auf, sich als Förderer
der vom Verein zu errichtenden Schn Gruppe für deutsche Aus-
lanüsschulen anzuschließen und die Bestrebungen für das deutsche,
besonders das katholische Auslandsschulwesen. nach Maßgabe der
von dieser Schulgruppe gegebenen Richtlinien aufs wärmste zu
mrterftützc a." Auch in der Sitzung des G. A. des K. L. B., Abt.
Preußen, vom 13. Januar 1922 befaßte man sich noch einmal mit der
uns so wichtigen Frage.
In uns lebt ein gctvaltiges Streben! Mut, Fleiß und Aus
dauer pnlst in unseren Adern, und ein starker Wille belebt unsern
Geist, und wo cm Wille, da ist cnrch ein Weg. Unser Volkstum, be
sonders das kath. Volkstum, in aller Welt zu Ansehen und Achtung
zu bringen, soll unsere Losung fein.
Heinrich Meier,
Obmann der Auslandsgruppe des K. 8. V.
Geschäftsstelle: Bochum. Blüchersiraße 40.
Vom Reichswanderungsamt anerkannte Auskunftsstelle
für Auswanderer.
Bezirkslehrerrat Osnabrück.
SidunaSberrcht der 4. Vollversammlung.
Anwesend: sämtliche Mitglieder de« BezirkslehrerraiS. als Ver-
trclec der Regierung Regrerungs-. und Schulrat De Gude. Schulrat
Oppen. RegierungSrat Dodenstevt und Regierung^- und Gewerbeick,!-
rat Selle, ferner die KceiSschulräle Wehenkel. Fulst. Rauer und Völker.
Ter Verhandlungsbe richt über die letzte Sitzung wurde genehmigt,
ebenso der Jahresbericht über die Hauptversammlungen und die Vor-
standsfitzungen.
AuS dem umfangreichen Bericht des Borfitzenden über die Tätig
tet» des Borsten des fei folgendes erwähnt:
r. Biel beschäftigte den Vorstand die Be so ld u ngs an ge
legen heit. Zur Durchführung der Besoldungsgesetze haben Io
Lehrer 4—£> Tage auf der Regierung mitgearbeitet, ebenso wurden bet
den KreiSkaffen Hilfskräfte gestellt. Durch Vorstellung des Vorsitzenden
bet der Regierung wurde erreicht, daß eine beabsichtigte Personalver-
ällderung von fachkundigen Beamten verhindert wurde. Die Berrcch-

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