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Padairoalsche Poft
Nr. ia
Eine wacker Rettunq>tat.
»ollbrachte am Montag, den 30. Januar Kollege Saus von der Schule
am Bassenhenner Hos in Coblenz. Es war am Vormittag, und die
10 Ilhr-Pauje der Schule hatte eben begonnen. Tie aufsisichlführenden
Lehrpcr,onen gingen auf dem Spielplätze auf und ab. Da geschah es,
datz c.n junges Mädchen nach vorausgegangenem Zank mit einem
fremden Mann oberhalb der alten Mojelbrücke von der hohen Werft
mauer herab in die hochgehende Mosel sp.c-ng und in ihren eisigen
Fluren verschwand. Ten weiteren Hergang schildert d»e „Coblenzer
Vollc-zeitung" in Nr. £0 wie folgt:
Der Herr Lehrer Saus von der Schule Bassenheimer Hof sah es vom
Spielplatz aus. zog schnell seinen Nock aus. sprang herunter crufs Weift
und dem Mädchen nach ,ns Wasser. Mit kräftigen Armen durchschnitt
ec d e tosenden Wogen und bald hatte er die Lebensmüde fest gepackt
und schwamm mit ihr abwärts, Oben auf dr Brücke u. auch an dem Ufer
hatten sich rasch viele Manschen angesammelt. b-ie zu Hilfe eilten oder
mit der größten Spannung das aufregende Schauspiel verfolgten. Von
den vor Anker liegenden Schiffen eilte man mit Nettungsnachen herbei.
Am ersten Lagerschuppen, wo ein schwerbeladenes Kiesschiff lag. gelang
ev. den kodesmurigen L bensretter nebst der Lebensmüden zu bergen
Während jene bis zur Abholung m t einem M. P.-Auto auf dem Schiff
verblieb und dann nach dem Lazarett abgefahren wurde, bemühten sich
eine Anzabl Personen in aufopferndster Weise um den unerschrockenen
Lebensretter. Nachdem man ihn fürsorglich in wollene Decken gehüllt,
umgezogen und in ein warmes Zimmer gebracht hatte, wurde er später
ourch den Hospitalwcrgen in seine Wohnung in die Eltzerhofftratze ge»
bracht. Tie Heldenmut ge Tat des Herrn Lehrers Laux wurde überall
in den höchsten Lobesworten gepriesen" Graf.
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Vom Büchertisch.
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Landwirtschaftlich gerichtete Naturkunde.
Von Rektor Senner in Frankfurt a. M. sind im Verlage von
Ehrig m Heidelberg 2 Merkchen erschienen, an denen ken Lehrer acht
los vorübergehen sollte:
1. Wie kann die Schule bei Hebung unserer wirt
schaftlichen Notlage helfen? (76 S.. 6 Mark ungeb.)
L Naturkunde auf Grundlage der heimischen
Scholle. (170 S., ungeb. 20 Mark.)
Die beiden Schriften gehören zusammen; sie verhalten sich zu
einander wie Theorie und Praxis. Ausgehend von der augenbl Mich
herrschenden großen Not unseres Volkes, weist der Verfasser nach. wie
unsere Landwirtschaft bereits vor dem Weltkriege die Ergebnisse der
Naturwissenschaft benutzte und so die Menge ihrer Erzeugliisse von
Jahr zu Jahr bedeutend steigerte. Aber auch heute noch ist eine
Ste gerung der landtoirtschaftlichen Erzeugnisse um 20 bis 30 Prozent
und damit eine Hebung unserer wirtschaftlichen Notlage möglich, wenn
et gellngt. namentlich unsere Kleinbauern, die 70 Prozent des deut
schen Bodens bebauen, im neuzeitlichen Sinne für ihre Aufgabe zu
schulen. Diese Schulung soll bereits in der Volksschule beginnen, und
darum soll der ganze naturkundl che Unterricht wenigstens in den Land
schulen mehr als bisher landwirtschaftlich gerichtet werden. Die Stoffe
find aus der Pflanzenkunde (Phvfiologle und Biologie), Naturlehre,
Chemie und Mineralogie (Gesteinskunde) so auszuwählen und zu be
handeln, daß der Schiller aus dm Unterricht unmittelbaren Nutzen
für seinen späteren Beruf als Landwirt ziehen kann. Da nach
Senners Ansicht den meisten Lehrern die für den erfolgreichen Unter-
richr nötigen Kenntnisse abgehen, so hält er entsprechende Lehrgänge
für notwendig. Den Stoff hat der Verfasser in einem sorgfältig aus
gearbeiteten Stoffverteilungsplane für die Oberstilfe der einklasfigen
Landschule auf 40, für die mehrklassige Schule auf 80 Unterrichts
stunden (1» bezw 2 Wochenftnnden) verteilt. Dafür kommen andere,
weniger tü chtige Gebiete der Naturwissen'chaft in Fortfall. Geeignete
Versuche sollen dem Kinde das Verständnis für den Lehrstoff er
schließen; sie sind so auszuwählen, daß sie zwanalos die Beziehungen
zur Landwirtschaft aufdeck n. Mit besonderer Wärme tritt der Ver-
faß'cr für das landwirtschaftliche Versuchsfeld ein (nicht zu verwechseln
mit dem Schulgarten). Das Feld ist im Besitze dek Lehrers; b efer
bearbeitet und bebaut es, ibm fällt auch die Ernte zu. Zu rein körper
liche,r Arbeiten sollen die .Kinder auS bekannten Gründen nicht Heran
gezogen werden. Ihre Hilfsdienste sind mehr belehrender Natur; im
übrigen spielen sie den apsmerkamen Zuschauer und Beobachter. D:e
fiir den Unterricht nötigen Apparate und Chemikalien beschafft der Ver
fasser auf Wunsch für jede Schule. Die Auslagen belaufen sich auf
Höchstens 300 Mark.
Im zweiten Teile zeigt Herr Senner, wie sich feine Ansichten
in die Tat umsetzen lassen. Das Werk ist mit Liebe, Gosch ck und
Sachkenntnis geschrieben und verrät auf jeder Seite den erfahrenen
Schulmann. Nachdem der Verfasser das Notwendige über Apparate
und Ehennkalien gesagt hat, behandelt er in einzigartiger klarer Meise
nocheniander: Wasserstoff, Sauerstoff (Wasser), Stickstoff, Kohlenstoff,
Schnösel Chlor, Phosphor, Kalium und Kalzium, ferner Acker- und
Gartenerde, dann nach Stärke Zucker, E weiß und Fett; auch gibt
er treffliche Anweisungen zu Schuldüngnngsversuchen. So tot die
Ueberschriften, so diel Leben in der Ausführung! Alle Versuche sind
einfach und leicht ausführbar und so eingehend behandelt, datz sie auch
dem Anfänger gelingen müssen Niemals vergißt der Verfasser, auf
besondere Schwierigkeiten und Gefahren hinzuweisen. De Versuche
Lvd oh noch durch Bilder erläutert: regelmäßig schlietzt sich ihnen die
Beobachtung an. Besonders tvertvoll werden sie dadurch, daß sie dem
Kinde zwanglos ihre Beziehungen zur Lniidwirtschaft aufdecken. Stet»
lernt der Schüler mit Naturnotwendigkeit best mmte Maßnahmen
kennen, die rn einem neuzeitlichen landwirtschaftlichen Betriebe zur
Erzielung von Höchsternten zur Anwendung kommen müssen. ES
unrerliegt keinem Zweifel, daß der vom Verfasser geforderte landwirt-
schafilich betonte Unterricht in der Naturkunde in hohem Maße ge
eignet ist, den veralteten landwirtschaftlichen Kleinbetrieb in neue
Bahnen zu lenken, ihn zu höheren Leistungen anzuspornen und zu be
fähigen. Aber auch jeder Erwachsene, der zum Garten- und Landbau
irgendwie in Beziehung steht, kann aus dem Buche manche wertvolle
Anregung schöpfen. Durch den landtvirtschaftlich gerichteten Unter
richt will aber die Volksschule keineswegs im Gegensatz zu den be
stehenden landwirtschaftlichen Schulen treten. Sie will vielmehr für
den erfolgreichen Besuch dieser Schulen die Grundlage legen und die
Kinder zum Eintritt begeistern.
Ich darf das einzigartige Werk jedoch nicht beiseite legen, ohne
vorher eiwas Wasser in den Wein zu gießen. Es ist gewissermaßen bei
vielen Lehrern Mode geworden, für alle Mängel in ihrer Bildung
das alte Seminar haftbar zu machen. So läßt auch die natur
wissenschaftliche Ausbildung des Lehrers, von Ausnahmen abgesehen,
nach Ansicht des Verfassers viel zu wünschen übrrg. Ich denke, umge
kehrt wird ein Sckuh daraus: die mangelhafte Ausbildung war
Ausnahme. Wenn der Verfasser aber andere Erfahrungen in dieser
Beziehung hat, so sollte er sie auch entsprechend begründen. Natur
kunde war bisher am Seminar Nebeiffach, dem die meist humanistisch
gebildeten Anstaltsleiter und Auffichtsbehörden wenig Bedeutung bei
legten. Darum wanderte es auch nicht selten von einer Hand in die
andere. Für notwendige Anschaffungen war meist kein Geld da. Dem
Schüler aber schadeten bei Prüfungen mangelhafte Kenntnisse in der
Naturkunde weniger, als wenn er über irgend e nem Charlatan in der
Pädagogik mißgenügende Auskunft aeben konnte. Wozu sich also unnütz
plagen? dachte der Seminarist. Wer indes Naturkunde ernstlich be
treiben wollte, hatte auch im alten Seminar reichlich Gelegenheit dazu.
Der Lehrer z. B.. der einst als gewissenhafter Schüler zu den Füßen
des verstorbenen Oberlehrers Hartmann gesessen hat, wird in SennerS
Werke wenig Neues finden. Er ist sogar in der Lage, an manchen
Stellen noch wertvolle Ergänzungen zu machen. Und noch manch
anderer Kollege wird sich ähnlich äußern können. Wer aber in der
Naturkunde ein Laie ist. sei es. weil tatsächlich der genossene Unrer-
richr mangelhaft war, sei eS, weil dem Betreffenden früher die not
wendige Zeit und Liebe zur Sacke fehlte, dem kanq das vorliegende
Werk treffliche Dienste leisten. Es ist so einfach und klar geschrieben,
daß eS eine Lust ist, sich durchzuarbeiten.
Die S t o f f m e n g e ist meines Erachtens ziemlich reichlich aus
gefallen, und es gehört ein erfahrener und geschickter Lehrer dazu, dSa
Gebotene in der dazu bestimmten Zeit zu bewältigen. Allerdings sind
es für die Landwirtschaft durchweg wichtige Dinge, die zur Behandlung
stehen. Ob aber dabei doch die übrigen Zweige der Natur
kunde nicht zu kurz kommen, wird die Erfahrung zeigen. Ohne
dem Werke Zwang anzutun, könnte man es auch bezeichnen alS:
»Chemie auf Grundlage der heimischen Scholle"; denn die Chemre
ist naturgemäß tonangebend. Darüber hilft kein Klügeln hinweg. Und
auch der Herr Minister, der die Regierungen angeht. Erfahrungen zu
sammeln und zu dem landwirtschaftlich betonten Naturkundeunterricht
Stellung zu nehmen, scheint diese Elnseirigkeit empfunden zu haben;
denn er weist gleichzeitig darauf hin. daß auch biologische Gesichts
punkte (Sckmeil!) aus Landwirtschaft und Gartenbau zu berücksicht gen
seien (bl III A 1711. I.). ES steht zu erwarten, daß demnächst der
Naturkunde (ähnlich wie dem Turnen) im Stundenpläne mehr Zeit
zur Verfügung gestellt wird. Nur dann können wir auch die Ziele
für dieses so wichtige Fach zeitgemäß erweitern und erhöhen. Jeder
Landlehrer aber greife schon jetzt zu dem Buche. Er wird darin
eine Fülle von Belehrungen finden, womit er seinen Unterricht be
fruchten kann. Auch für Elternabende bietet es ihm anziehenven
Stoff was bereits der Verfasser betont. Der Anfänger stoße sich nickt
an den vorkommenden chemischen Formeln. So wie Senner sie
erläutert und anwendet, ist gegen ihren Gebrauch nichts einzuwenden.
Da die meisten Versuche von den Schülern ausgeführt bezw. wiederholt
werden können, so kommt auch dre Arbeitsschule zu ihrem
Rechte. In zahlreichen Abbildungen treten dem Lehrer die
Erfolge einer sachgemäßen Düngung vor Augen. Solche Darstel
lungen regen gewiß zu ähnlichen Versuchen an. Der Schulgarten
kommt beim Verfasser n cht so gut weg; diese Einrichtung ist für ibn
beinabe abgetan. Das ist e'nseitig gedacht. Dian wähle als Leiter für
den Schulgarten Lehrpersonen auö, die die nötige Erfahrung und
Liebe zur Sache besitzen, gebe ihnen eine angemessene Vergütung kür
ihre Mehrarbeit, und auch der Schulgarten wird, namentlich n der
Jndustriegegend, reichen Segen stiften. — An den Seminaren uuv
Volksschulen von Hessen-Nassau tvird auf cmpfeblende Veranlassung
durch die Behörden bereits nach beu Vorschlägen Senners gearbeitet;
warten wir die Erfahrungen ab.
Es sei noch anerkennend hervorgehoben, daß Senner auch die
neuesten Ergebnisse der Wissenschaft berücksichtigt (Aufnahme der Kohlen
säure durch die Wurzeln; saurer und besischer Boden bei Phospbor-
säurcdüngung usw.). Ueber einige Ansichten kann man indes geteilter
Meinung fein („Gift". „Verwesen", „Verfaulen", „Kali" usw.). Auch
der sprachliche Ausdruck läßt oft zu wünschen übrig (Gebrauch v. „der
selbe". Fortlassung des Dativ — e, Gebrauch der Bindestriche usw.).
Indessen lassen sich diese kleine Schönheitsfehler bei einer zweiten Auf
lage leickt beseitigen. Möge das Buch reichen Segen stiften! Mit
diesem Wunsche schließ« ich die Besprechung.
Brock, Seminarlehrer. Dorsten i. W.

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