Serie roo
Pädagogische Post
mx. 19
als Rcproduktionsmotiv zu wirken) erregend auf die Spurn oder
Reproduktionsgrundlagen des (Erlebnisses gleichen Namens und be
wirkte so das Austauck-en des Namens E. Nleumann und des Bcldes
von E. Mcumann. Mein Aufsatzthema ist nämlich in räumlicher
Beziehung gervesen mit einem fast gleichen Thema, dies mit E. Mcu-
niann und drescr Name mit seinem Bild. Es mutz also zwischen
den Spuren des Komplexes „Ockonomic des Lernens" —. „Ernst
Meumann" — „seine Photographie" ein Band bestehen. Dieses
Baiid bezeichnet man als Assoziation. Unter „Assoziation" versteht
man mithin das die Spuren ehemaliger Erlebnisse zusamrnen-
ftissende Baiid, das bewirkt, wenn eine Spur erregt oder aktua.isiert
wird, es die Erregung oder Aktualisierung der ankern nach sich
zieht. In unserem Beispiel wurde der Wortkomplex „Oekonomic des
Lerruns" durch dieses Thema erregt, dieser erregte assoziativ den
„Namen E- Meumann" mid dieser „aktualisierte" endlich „Das Bild
von E. Menmann". Da nun di- Spuren psychophysiologischer
Natur sind, so trifft dasselbe auch für die Assoziationen zu. Außer
dem gibt es aber noch „rein" physiologisch-motorische Assoziationen,
wie Sprechbewcgnngen, Gehen, Schreiben, Rauchen, manche Kunst
stücke. die auf Schnelligkeit der Bewegungen beruhen usw.
Wann bilden sich nun Assoziationen? Ich will hier nicht auf
die Entlvicklung der sogen. Assoziationsgesetze eingehen; nur darauf
möchte ich Hinweisen, datz auch das sogen. Beriihrungsgesetz, nach
dem sich zeitlich und räumlich berührende Einrücke assoziieren
sollen, in dieser Fassung unzureichend ist. So sehe ich jeden Tag die
räumliche Anordnung meiner Schreibutensilien auf dem Schreib
tisch, ohne datz sich eine einzige Assoziation zwischen ihnen bildet,
z. B. Uhr — Bleistift. Allerdings jetzt, wo ich ihn aufmerksam be
trachte, sind sie in Fülle da. Es müssen eben gewisse allgemeine Be
dingungen erfüllt sein, damit Assoziationen gestiftet werden können.
Solche sind:
1. Die Aufmerksamkeit mutz sich zu den Eindrücken hinwenden.
Was man nicht beachtet, das behält nran auch nicht. Alan
denke an den Schnley, der den Lehrer „anstiert", aber nicht
bei der Sache ist. Die Aufmerksamkeit bewirkt, daß die Be
ziehungen zu einander geklärt und verdeutlicht werden.
2. Der Wille wirkt insofern begünstigend, als er den Vorsatz, sich
erhöht ruft einem Gegenstände zu beschäftigen, stärker
determiniert.
3. Die Gefühlsbetonung bewirkt, datz die Aufmerksamkeit sich dem
Objekte zuwendet. Was interessant ist. behält man spielend.
Dazu kommt noch eine Anzahl besonderer Bedingungen, die ich
bei den Lernregeln anführe. Durch die aufmerksame Betrachtung
' werden also die Objekte in Beziehung gesetzt, die Aufnlerksamkeit
wirkt ausleseud auf die große Zahl der Eindrücke. Was hier die
Aufmerksamkeit allein leistet, das kann erhöht werden durch die
denkerrde Beziehung mehrerer Objekte aufeinander, durch bewutzt
gesetzte logische Akte des denkenden Erfassens. Das assoziative Band,
das in manchen Lehrbüchern eine geheimnisvolle Nolle spielt und mit
naturnotwendiger Genialt die Eindrücke mechanisch aneinanderketten
soll, entpuppt sich bei genauerer Analyse als die dispositionelle Auf
bewahrung von Beziehungserlebnisscn, seien sie nun logisch gesetzt
als Dcrckakte oder durch die sarmnelndc und auslesende Aufmerksam
keit herbeigeführt. Das in aller Klarheit nachgewiesen zu haben, ist
das Verdienst Geysers. Wir können jetzt das Assoz-ationsgesetz so
fornmlieren: „Eindrücke, die in erlebter Beziehung miteinander ge
standen haben, assoziieren sich." Die sogen aristotelischen Gesetze
(Raum, Zeit. Aehnlichkcit und Gegensatz) sind bevorzugte Be
ziehungen Es verbinden sich also nicht ohne weiteres äbnliche
sDinge, wie z. B. Stuhl — Sessel, sondern das Bemerken der ähn
lichen Beziehung Ist die Ursache des assoziativen Bundes
Wovon hängt nun die Reproduktion ab? Ist sic allein in der
Assoziation verankert? Auch das war so ziemlich bisher die Meinung
der Psychologen. Aber auch diese Frage mutz herrte anders beant
wortet werden. Zuzugelxm ist ohne weiteres, datz die Assoziation die
Hauptursache der Reproduktion ist, aber nicht die alleinige. Dahin
gehört:
1. Die Reproduktion durch Aehnlichkeit. Sie besagt, datz eine
Spur nicht nur durch ein gleiches, sondern auch durch ein ähnliches
Reprodnktionsmotiv Wiederaufleben kann. Ick) lerne z. B. eine be
stimmte blaue Blume kennen, sagen wir die Kornblume. Einige
tzeit darauf fertige ich eine Skizze an. Ich gehrauche dazu ein*
blaue Farbe. Während ich sie in meinem Farbekasten allsehe, tcmcht
in mir die Vorstellung der Kornblume auf. War das eine „asso
ziative" Reproduktion? Eine Assoziation liegt dann vor, wenn beide
Erlebnisse in Beziehung gestanden haben. Das war hier nicht der
Fall, denn das jetzige Blau der Farbe ist niemals mit dem ähnlichen
Blau der Kornblume und ihr selbst.irr erlebter Beziehung gewesen,
also haben wir hier eine „nicht"assoziative Reprodrcktion. Man
sonnte vielleicht einwenden, das „Blau der Farbe" errege die Vor
stellung der Blume selbst. Das ist richtig, aber das Reproduktions
motiv „blaue Farbe" ist nicht- mit dem „Blau der Kornblume"
assoziiert gewesen; mithin ist die Reproduktion auch keine assoziative.
2. Die Perseveration. Darunter versteht man das Bestreben einer
Spur, sich von selbst zu aktualisieren- In vielen Fällen wird aller
dings eine mittelbare Assoziation vorliegen. Wenn ich z. B. über
die Straße gehe und plötzlich fällt mir ein. datz ich nieinen Brief zu
Hguse habe liegen lassen, so scheint das keine assoziative Reproduk
tion zu sein, sondern eine „frsistcigende" Vorstellung. Analysiert
yran aber sein inneres Erleben, so wird man z. B. daraus kommen,
daß man einen Briefträger oder Briefkasten gesehen hat- Dieies
Gesichtsbild erregte nun assoziativ bie Vorstellung „Bries". In
nianchcn Fallen jedock) versagt eine solche Erklärung. Wer kennt
nicht die Tatsache, datz ein Problem, ein Gedanke, eine Melodie, ein
BUd uns stundenlang verfolgen kann und bei dem jedes Abwehren
versagt. Die Perseveration das Beharren erklärt sich dadurch, daß
die Spuren noch frisch sind und so leicht von selbst Wiederaufleben.
3. Eine nichtassoziative Reproduktion kann auch entliehen durch
rein physiologiiä)e Prozesse. Das trifft zu bei manchen Traum- und
Zwangsvorstellungen.
4. Endlich können Reproduktionen veranlaßt werden durch be
ziehende Denkakte. Ich suck)e geistig z. B. ein ähnliches Bild wie
das Anschauuugsbild „Volksopfer 1813". Allerdings wirken hierbei
Assoziationen mit aber das Denken trifft unter ihnen eine bestimmte
Ausn»ahl der Selektion. Dadurch w'rden vielleicht schwache
Spuren, sogen, „unterschwellige" erregt und treten ins Bewußtsein.
Llach deni Gesagten ist es klar, datz dre Begriffe „Assoziation"
und „Reproduktion" reinlich und scharf zu trennen sind, was viel
fach nicht geschieht und zu Irrtümern Anlaß gibt.
Wenn schon eine Assoziation zwischen a und b besteht und es
soll a mit c verbunden werden, so bemerkt man eine Hemmung
(assoziative, generative .Hemmung). Darauf ist es zurückzuführen, d«rtz
jemand, der sich etwas Fa'lck)es eingeprägt lmt. nur schwer nun das
Nichtige behält. (Wichtig beim Lcienlehren durch Eltern und Lehrer k
Elternabend!) Hat man fermer einen Eindruck a mit b, c, d, e, {...
assoziiert, so bemerkt man beim R. Produzieren von a—b oder *—d...
ebenfalls eine Hemmung (reproduktive, effektnelle Hemmung). Dar
auf beruht teilweise das schlechte Ergebnis des Einpaukens, weil zu
viele Assoziationen auf einmal gestiftet werden. So kann z. B. auch
ein Redner mitterr irr feinem Vortrag stecken bleiben, nicht weil er
zu wenig weiß, sondern weil zu viel aus einmal auf ihn einstürmt.
Dies möge genügen für die psychologische Grundlegung; die große
Bedeutung dieser Tatiacheu und Theorien wird uns gleich klar wer
den. Vorher wollen wir nock) ganz kurz die Entwicklung') des Ge
dächtnisses in der Schule streifen, denn wie sollen wir Leistungen
vom Kinde verlangen können, wenn wir nicht wissen, was es über
haupt leisten kann und wann es am meisten leistet.
Im allgemeinen geht die volkstümliche Meinung dahin, daß das
Gedächtnis*) der .Kinder viel besser sei, als das der Erwachsenen. Die
experimentelle Forschung hat aber das Gegenteil -rwicsen. DaS
Lernen der Erwachsenen ist immer besser, als das der Kinder.
Wenn es anders scheint, so liegt der Grund darin, daß die Erwach
senen weniger geübt sind im Lernen, besonders im mechanischen.
Heben sie sich aber, io überholen sie die Kinder auf allen Alters
stufen schnell und leicht. Die Lernfähigkeit schreitet im Kind->salter
fortwährend weiter, allerdings nicht ohne Schwankungen. Die un
günstigste Periode liegt zwischen 1t—15 Jahren (Pubertätszeit). Die
relativ günstigste ist nach Lobsien die zwischen 10—12 Jahren. Ddit
22—25 Jahren tritt als Höhepunkt ein relativer Stillstand ein. von
da an nimmt die Lernfähigkeit langsam ab. Eine merklick)e Ab*
nähme tritt erst nach dem 50. Lebensjahre ein. Die Mädck-en sied
im allgemeinen den Knaben überlegen-'), erst im 14. Lebensjahr
kommen die Knaben den Mädchen bei und überholen sie dann
meistens Währmd also die Lernfähigkeit der Erwachsenen größer
ist als die der Kinder, ist dagegen die Treue des Bcbaltenen bei
deinen Kindern größer als bei älteren und bei diesen größer als bei
Erwachsenen/) Auch die Reihenfolge der am besten behaltenen
Objekte ist eine bestinrmte- Den Entwicklungsgang zeigt folgendes
Schema (Meumann):
I. Knaben:
1. Gegenstände, Sachen. Dinge;
2. Worte mit visuellem Inhalt;
3. Worte mit akustischem Inhalt;
4. Töne. Laute;
5. a) Tast- und Bewegungsvorstellungen;
- b) Zahlen und abstrakte Begriffe:
6. Gmütsbewcgungen.
fl. Mädchen. 2, 1, 4, 5b. 3, 5a, 6 der Knaben.
Die p8dagogisck)en Folgerungen sind so klar, datz cs sich
erübrigt, daraus besonders hinzuweisen Besonders beachte man die
späte Entwicklung des Zahlengedächtnisses.
(Schluß folgt.)
Familienaeist und Erziehung.
W. Rahmen- Moers.
Ueber den Begriff „Familie" stehen sich zwei gewaltige Welt-
anschauungen gegenüber. Das Ehristcntum stellt als „Familie" hin
das Streben zweier Menschen, im Sinne ihrer Weltanschauung ein-
*) Genaueres in Meumann. Vorlesungen 1. 1016, Vorles. 6.
®) Gemeint ist immer das „dauernde Behalten", nicht das „un
mittelbare Merken"!
ch Wenigstens vom 9. bis 10. Jahre an!
ch % h., ihr Vergessen ist langsamer.

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