Nr. 21
Pavagogische Post
Seit« 32$
Teuerungsznschlag.
25 Prozent ans Summe aus Grundgehalt + Ortszuschlag.
Einheitsteuerungszuschlag.
25 Prozellt auf die ersten 10000 Alk Grundgehalt — 2500 MI.
Frauenzulage: 1000 Mark-
Endgehalter.
ruppe
Grund
gehalt
Orls-
guschl.
2+3+25°/ 0
Teurungs
Zuschlag
4+2500 M.
Ginheits-
teur.Zuschl.
Bish.
Eink.
Absol.
Mehr.
1
1k 000
4000
25 000
27 500
21200
6300
2
18000
4800
28500
31000
23 360
7640
3
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6600
32000
34 500
25 760
8740
4
21500
5600
33 875
36 376
27 920
8456
5
23000
6400
36750-
39 250
30080
9170
6
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6400
39 250
41 750
33080
6670
7
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6400
41 750
44 250
36 680
7570
8
31000
7200
47 750
50250
41840
8410
9
36 000
7200
54 000
56 500
47 840
8660
10
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8000
62500
65 000
55040
9960
11
48000
8000
70000
72 500
64 400
8100
12
60 000
8000
85 000
87 500
80000
7500
13
80000
8000
110000
112 500
107 600
4900
Nachklänge zum Beamtenstreik.
— Schluß. —
Mit ihrer freundlichen Haltung zum Streik bleibt die Preußische
Lehrerzeitung ihrer Vergangenheit treu. Schon am 7. September 1020
veröffentlichte sie einen Aufsatz von Hofrichter. Magdeburg, in dem es
heißt: «Nkan stelle sich vor, die Leitung unserer Organisation Ware ge
zwungen, zum Streik aufzurufen! Und vielleicht stellt sich die Not
wendigkeit schneller ein. als es mancher Zipfelmützenträger unter uns
ahnt. Wäre der Streik durchführbar, ohne daß seine Folgen für *»<>*
Volksganze von jedem einzelnen unseres Standes erwogen worden
— Welch ein Aufhorchen würde es in den Fabriken, cm den Stätten
werktätiger Arbeit geben, wenn die Lehrer sämtlich ihre Klassen
schlössen! Man würde die geistige Bundesgenossenschaft in Anwendung
des Streikrechtes in den lveitesten Kreisen des werktätigen Volkes leb
haft begrüßen. Der Lehrerstreik würde eine Radikalisieruitg der Massen,
der Jugend bedeuten, die der Staat nicht zu ertragen vermöchte. — Ich
kenne gewiß das Aber vieler. Darüber brauchen wir uns heute nicht zu
unterhalten. Es gilt jetzt Stärke zu zeigen, und in dem Bewußtsein
der Stärke wie ein eherner Wall hinter unsern Führern zu stehen-
Das wird cmch sie stützen in schlverer Kampfeszeit. — Noch hoffen wir
Lehrer! Wir können uns nicht denken, daß die Finanzverivaltung und
die Vertreter des Volkes im Landtage der wirtschaftlichen Verelendung
des Volkes noch die geistige beigesellen wollen." Auw andere Blätter
des Deutschen Lehrervereins stellten sich durchaus auf die Seite der
Streikenden. Die schärfste Stellung nahmen wie immer die Sachsen
ein. So schreibt die Leipziger Lehrerzeitung in Nr. 5 vom 8 Februar
1022: „Dieser Staat hat den Beamten eine gesicherte Lebenshaltung
verbürgt und wird einfach vertragsbrüchig, wenn er seine Verpflichtun
gen nicht erfüllt. Auf Bitten hört er nicht, Verhandlungen führt er
nicht. Die Volksvertreter kümmern sich nicht um die Sache. Was sollen
verzweifelnde Beamte anders tun, als zur letzten Waffe greifen? Wx
verlangen gar nicht, daß man in unserer Anstellungsiirkunde oder in
einem künftigen Beamtengesetz uns das Streikrecht ausdrücklich garan
tiert. Auch die Arbeiter haben es nirgends verbrieft bekommen. Uns
wie ihnen genügt die Verfassung, die unter Vereinigungsrecht in keiner
Weise einschränkt, und wir wissen aus Erfahrung, daß das Streikrecht
hat. wer es wagt, es sich zu nehmen . . .
Nun hat der Eisenbahnerkampf eine Wendung genommen, die die
Sache noch viel erlister macht. Es geht jetzt um die allgemeinen Staats,
buigerrechte der Beamten. Und daran ist der Erlaß des Reichspräsi-
deuten schuld, der den Streik einfach verbietet und hohe Gefängnis-
und Geldstrafen denen androht. d,e zum Streik auffordern. Dieser
Erlaß ist verfafsungswldrig, wie auch fachmännische Kenner der Ver
fassung urteilen, und er ist überdies in einer Form gehalten, die wir
in unserer Zeit nicht für nrüglich gehalten hätten. Daß der Reichs-
Präsident hier schlecht beraten war, als er seine Zustimmung erteilte,
tft fetzt schon offensichtlich. — Das- Vorgehen des Berliner Polizei
präsidenten, der zu Verhaftungen und völlig gesetzwidrigen Eingriffen
in das Vcreinsvermögen der Gewerkschaften geschritten ist. hat dazu das
feine getan und auch die Eisenbahnarbeiter, sowie die Postbeamten auf
den Plan gerufen.
öur Stunde ist das Ende des -Kampfes nicht abzusehen. Aber wanü
und wie es auch komme, cn unserer grundsätzlichen Auffassung kann
es nichts anderii. Die Beamtenschaft darf sich ihre Staatsbürgerrechte
Nicht rauben lassen. Sie hat Anspruch auf menschenwürdige Arbeits
und LebcnSbedingungen. Werden ihr die voni neuen Staat vorent-
halten, so ist es ihre sittliche Pflicht, darum zu kämpfen. Wenn sie
das auch mit scharfen Mitteln tut. wenn sie einen seine Pflichten ver-
kennenden Staat dazu zwingt, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen und
dadurch einen feieren, arbeitsfrohen, staatSbe,ahenden Beamtenftand zu
erhalten, so leistet sie diesem Staate selbst den größten Dienst." In
Nr. 7 der Leipziger Lehrerzcitung heißt es: „Wir erklären uns aber
auch mit aller Schärfe gegen die übrigen ausgesprochenen Absichten,
gegen eine Ergänzung des Beamtenrechts, die grundsätzlich die Frage
des Streikrechtes regelt. W r fordern die volle Koalitionsfreiheit, die
uns die Verfassung zuspricht. Ein Reichsgesetz für die technische Nothilfe
z^r staatlich organisierten Slreikbncherarbeit liegt ganz in der Ent-
Wicklungslinie, die mit der Auszahlung von Präniien an solche Beamte.
d:e ihren um die Existenzmittel für die Familie kämpfenden Kollegen
ui den Rücken fielen, eingeschlagen wurde." Aus dem Westen sei die
Westfälische Lehrerzeitung angeführt: „Der Verlauf der Gehaltsbewe
gung zeigt mit aller Deutlichkeit, daß wir vor ernsten Entscheidungen
stehen. Nach dem ablehnenden Verhalten der Regierung hat der
D. B. B. nun den Reichstag angerufen. Seine Entscheidung bedeutet
Krieg oder Frieden. Werden auch die berufenen Vertreter des DolkeS
uns die notdürftigsten Mittel zur Fristung des nackten Lebens ver
sagen, dann wird der Augenblick des Existenzkampfes da sein. Wie
wir erfahren, ist der D. B. B. willens, den Kampf aufzunehmen und
mit allen gewerkschaftlichen Mitteln durchzuführen. Er wird zu diesem
Zwecke zunächst e.ne Urabstimmung zur Anwendung des Streikmittels
unter seinen Mitgliedern vornehmen. Von dem Ergebnis dieser Ab-
stimniung wird alles abhängen.
Unsere Mitglieder werden sich an den Gedankengang gewöhnen
müßen, daß die Macht einer Gewerkschaft nicht darin liegt, daß sie
sich als solche auf dem Papier bezeichnet oder auch bei Verhandlungen
droheqd auf die im Arsenal der Getverkschaft aufgespe-cherten Macht-
mittel, sondern allein in der Kampfkraft, die sich aus dem Entschluß-
willeu jedes einzelnen Mitgliedes ergibt.
Tie Stunde ist ernst! Bereit sein ist alles!"
Ebenso schreibt das Blatt des Rheinischert Prov-nziallehrerver-
bandes; in Nr. 7 der Neuen Westdeutschen Lehrerzeitung vom 18. Fe
bruar 1022 heißt es: „Die 77 000 Lokomotivführer in Klasse 6 und tz
mußten das schwere Unrecht besonders empfinden, daß niaii ihnen zu-
Nlutete. mit knurrendem Magen den verantwortungsvollen Außendienst
zu tun und die -m Speisewagen schlemmenden Schieber, Wucherer
und Steuerdrückeberger durch Deutschland zu fahren, während ihre Vor-
geictzten in gemütlichen Büros sich ihres bedeutend erhöhten Einkom
mens ab Klasse 10 erfreuten. Und die Regierung, voraii der Rcichs-
f'.nanzmlnister» hätteri bei einigem guten Willen und ein lvcnig mehr
pchchologftchem Verständnis den Streik verhindern köniien, wenn sie
nicht in so schroffer Art jedes we.tere Verhandeln über die nur zu
berechtigten Forderungen abgelehnt hätte. — Taf; es 'nicht mehr dazu
gekommen ist, begrüßt niemand- froher als die Beamtenschaft selbst.
Keiner ist so gewissenlos, daß er sich der furchtbaren Folgen eines Be-
amtcnstreiks nicht bewußt lväre; es ist unwahr, daß die Eisenbahner
leichtfertig den Streck vom Zaune gebrochen hätten." Aus diesen Ver«
ösjenrlichunaen geht hervor, daß der Deutsche Lehrerverein den Be-
Lmtcnstrelk nicht nur für berechtigt hält, sondern, daß er über den Not-
und Abwehrstreik hinaus einen Streik billigt, der ausschließlich die Er-
zlciung besseren Einkommens zum Ziele hat.
Noch ausgesprochener ist dies bei der Gewerkschaft deutscher VoUs-
schiillehrer der Fall. Der Schriftleiter ihres Blattes schreibt in Nr. 7/8
vorn 23. Februar: „Die Lehrerschaft wird mit einem Streik niemals
ansangen können; sie kann überhaupt kaum allein streiken. Wären
wir nur aus uns angewiesen, so bestände für den Staiid wahrsche nlich
gar keine Streikfrage. Aber wir wollen als Gewerkschaft die Einheits
front des Lehrerstandes zur Einheitsfront der Beamtenschaft aus.
dehnen, ja streben darüber hinaus zur Einheitsfront aller Arbeit«
netzmcr. Folglich müssen sich die Glieder organisatorisch angleichen;
sie haben sich also auch u. a. zu den gleichen gewerkschaftlichen Mitteln
zu bekennen.
Ter Elsenbahnerstreik ist zusammengebrochen, weil im D. B. B.
keine Einigkeit, kein fester Zusammenhang, keine gewerkschaftliche Zucht
und Solidarität bestand. Das gilt sowohl für die Reichsgewcrkschaft als
auch für den Gesamtverband. Der Streik mußte ferner scheitern
wegen der fehlenden Verbindung zwischen dem Bcamtenbnnd und den
Arleiiergewerkschaften. So konnte die Regierung die letzteren und aus
schließlich auch den D- B. B. gegen die Reichsgewerkschaft ausspielen.
E:ii Einheitsstreik aller Arbeitnehmer wird jede Regierung auf die Knie
zwingen. — Alle Arbeiter müssen also in irgendeiner Spitzenforrn sich
zusammenfinden. Dann werden sie stark sein gegenüber dem KäpitaliS.
milS wucherischer Volkskreise usw. Diese große Einheitsfront läßt sich
aber nur als Gewcrkschaftsfront begründen. Sie wird aus gerechter
Notwehr im Kampf unter Umständen auch zum letzten Mittel greifen
müssen. Also haben alle Glieder das Streikrechl für sich in Anspruch
zu nehmen. Der Beamte wird seltener streiken als der Arbeiter; der
Lebrcr vielleicht am allerwenigsten; das ergibt sich aus der Bersch-eden«
arligkcit des Arbeits- und Rechtsverhältnisses der genannten Gruppen.
Aber grundsätzlich muß allen Teilen das Streikrecht zugesprochen wer-
der»" Damit hat Herr Maaß die Neutralität, zu der sich die Gewerk
schaft verpflichtet hat. ausgegeben. Das sozialdemokratische Herz geht
m t ihm durch; was er will, ist der ittassenkampf und die Diktatur
der Arbeitnehmer. In allen schwierigen Augenblicken wird die Gewerk-
schast die gleichen Erfahrungen machen; ihre Neutralität verschwindet,
sobald cs gilt, Stellung zu nehmen, und nach der ganzen Anschauungs-
und Arbeitsweise der Gesellschaft bleibt nur der Ausschlag nach links
möglich.
Wer die Entwicklung vor dem Streik beobachtete, wird sich klar
darüber sein, daß er nicht nur durch die Notlage der Beamten ver
ursacht wurde. Diese ist groß und der Unmut der Beamten berechtigt;
aber es wurde doch auch in dieses Feuer stark bineingeblasen. Die un
klare Haltung des Bcamtenbundes und der Führung des Deutschen
Lehrerbereins wurde bereits angeführt. „Besonders zu denken gibt", wie
der „VolkSfchullehrcr" schreibt: „eine Aeußerung von A. Gehlen, dem
GeneralpräseS des Verbandes kath. Beamtenvereine Deutschlands, i»

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