katholische Zeiffchrlff für Erziehung und Sildung:
OOIIIcnfchaff - TCunjf - Politik
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Lnhalt: Lebensvolle Stoffvermittlung im Gesch chtsunterricht. — Von einem wenig beachteten S'osfgcbtet im naturkundlichen Unterricht.
AuS der katholischen Junglehrerbewegung. — Lehrer warte: BezrrkSlehrerrat Münster. Bericht über die bisherige Tätigkeit des
Vereins „Jugendspende für Kriegerwaifen" e. B.. Essen. Otmarstr. Lä. Preußischer Landtag. Richtlinien deS Instituts für Wissenschaft,
liche Pädagogik in Münster Wests.). — 8. westfälischer FortbildungS fchultag. — Büchertisch. — Vereinöanzeigen. — Anzeigen.
1. Sßätrgang
dlltfCuioch, den 29. Qfttävz 1922
(Hummer 24
Lebensvolle Stoffvermittlung im
Geschichtsunterricht.
Von H. Dohma nn.
I. Theorie.
Im Geschichtsunterrichte soll sich das Kind au» der lebendigen Ge
genwart in die graue Vorzeit versetzen, aus der holden
Märchenwelt der Kinderträume soll es hineingeführt werden in das un
bekannte fremde Land der Geschichte. Es soll mit den Menschen ver-
gangcner Tage denken und dichten, arbeiten und beten, zürnen und
luveln. sorgen und bangen, kämpfen und dulden. Das Kind soll idealen
Umgang pflegen mit den Borsavren. m't großen historischen Persönlich»
ke".cn, sowohl als den typischen Vertretern sozialer Gruppen (Mönch.
Ritter Eoloat. Bauer usw.) ES soll Einblick gewinnen in ihr Seelen
leben, in die Beweggründe ihres Handelns, sie aus ihrer Leit heraus
verstehen uiid erkennen [erneu, was die Leit ihnen verdankt E ne
.f e h r s ch w i e r r g e Aufgabe! Daher ist es gerade für den Ge-
^ch'ctnAunterrichs doppelt tv.chtig, ba^ die Stoffbcriiuttclunfl tcc^t
lebensvoll gestaltet. .... nr ,
Wo es nur immer möglich ist. nehmen wir die Heimat zum .luS-
stcrngspunkte. Der Lehrer erzieht feine Minder zu Heimatforschern.
gibt ihnen Beobachtungsaufgaben und knüpft an den Bericht darüber
den neuen Stoff an. Noch besser ist es. wenn er Uel>erreste aus grauen
^ägen mit den Kindern aufsiicht u.>d gle ch an Ort und Stelle unter
richtet. Das könnten Stunden voll inneren Erlebens werden. Wenn
der Schulorl oder die Schule selbst ein Museum hätte, würde man dort
viele Geschichtsstunden halten können. An der Sammlung von In
schristen, Fremdwörtern, Redensarten, Sprichwörterll Namen. Sagen,
Bildern, Münzen. Extrablättern. Stadtgeld. Lebenömitteimarken usw.
können sich die Schüler lebhaft beteiligen. An alle diese Dinge kann
der Unterricht anknüpfen, alle sind zur Belebung und Veranschaul.chung
hera-nzuziehen. .
Sehr bäusig wird nian von Stoffen aiisgehen können, die in der
Heimatkunde schon berührt worden sind. — Gedenktage. Tagcscrcign sic
(etwa eine Wahl) und Lehrstoffe aus den übrigen Fächern bieten Ver
anlassung. Gelegenheitsunterricht zu erteilen. Dafür muß
Leit und Platz im Lehrplan vorhanden sein.
Wir halten an dem Grundsätze der Arbeitsschule fest und verlangen,
daß alle Unterrichtsmatznahmen nicht vom Lehrstoff, sondern vom Kmde
aus bestimmt werden müssen. Danach müßten wir als Form der
Darbietung das entwickelnde Verfahren wählen, weil
durch dieses die Kräfte des Kindes am besten angeregt werd n Es
wuß dann aber vorausgesetzt werden, daß im Kinde Apperzept onS-
bilfcn, Lebenserfahrungen vorhanden sind. aus denen sich das Kind
selbsttätig, natürlich »uter geschickter Leitung des Lehrers, den neuen
doff aufbaut. Anl besten läßt sich dieses Verfahren Wohl bei kultur-
Leschichtlichen Stoffen anwenden, wenn man den Unterricht an Sachen
Anknüpfen kann. Aus den Ruinen einer Burg erbaut die Phantasie
des Kindes eine neue. an den allen Türmen und Wällen der' Stadt
^vag es Mahl finden können, wie die alte Stadt angegriffen und
verteidigt worden ist. Mit dem gesch chtlichen Lesebuch in der Hand
kwrd es in der Lage sein, den Charakter einer historischen Person, den
Verlauf einer Handlung oder ein Kulturbild selbsttätig zu erarbeiten.
Wenn wir auch großen Wert darauf legen. , alle Kräfte im Kinde
V^bil zu machen, so dürfen wir doch vor den Nachteilen des ent
wickelnden Verfahrens nicht die Augen verschließen. Es kann, lvie schon
gesagt, nur da angewendet werden, wo Erfahrungen für den
Ausl«u des Stoffes vorhaiiden sind. Das dürfte für Kinder im 5.
und 6. Schuljahre verhältnismäßig selten der Fall sein. Es ist m
bcii meisten Fällen unmöglich, daß das Kind aus sich heraus konstruieren
kann. was Erwachsene m fernen Leitverhältnissen gedacht, gefühlt,
gelvollt und getan haben. Es besteht in vielen Fällen die Gefahr,
daß das Kind sich aufs Raten verlegt, daun wird aber der Eniwlck-
lungsgung der Gesch.chte oft in falsche Bahnen gelenkt goer es mischen
sich fremde Bestandteile in ein Kulturbild. Viele Berichtigun-
gen wären nötig, und die Bildung richtiger, geschlossener Assoziationen
tväre sehr erschwert Bei mühsamer Entwicklung der Te le des Stoffes
kann kein starkes Totalgesühl erzeugt werden. Formale Gefühle
wie beim Rätselraten können uns nicht genügen, rvir «vollen Begeiste
rung wecken für den geschichtlichen Stoss. Das Kind soll
möglichst viel selbst reden, aber seine Phantasie muß gebildet lverden.
eS muß das Sprechen lernen, auch durch das Beispiel des
Lehrers. Wir glauben, daß bis in die letzten Schuljahre die gute Er
zählung des Stoffes durch den Lehrer die am meisten gebrauchte Form
der Tarbietuug bleiben wird. Wo sie sich vernünftig anwenden läßt.
soll man die entwickelnde Form gebrauchen, aber auch bei der guten
Erzählung ist das Knd nicht rein passiv, es bleibt ihm noch genug
zum S e I b st t u n übrig. S'.e führt zum Erlebnis und liegt daher
auch im Sinne der Arbeitsschule.
Lunächst muß sich der Lehrer selbst in den Stoff ganz einfühlen,
dann rmrg es ihm gelingen, ihn so zu erzählen, daß der Schüler
die Gegenwart darüber vergißt und ganz darin aufgeht. D e Erzäh.
lung muß die Spa n n u n g lvecken und zu einem Höhepunkt
vorwärtsschreiten. „Volk" ist für das Kind ein abstrakter Begriff, die
GeschichtScrzähtung muß eine oder lvenige Hauptpersonen
haben. In ihre Seele kaun sich das Kind hineindenken, ihnen kann
es Teilnahme entgegenbring n und ihr Denken Fühlen. Wollen und
Handeln verstehen. Diese Hauptpersonen brauchen nicht immer nur
Fürsten. Heerführer. Minister, große Erfinder. Dichter. Denker usw.
zu sein, es kann irgendein typischer Vertreter eines Standes, ein
Lehnsherr oder Vasall, ein Ritter oder Bauer, ein Kaufmann oder
Handwerker, ein Soldat oder Mönch als Hauptperson auftreten. Wo
man in der Lage ist. das Aeußere von Personen zu schildern oder
aus einem Bilde zu zeigen, soll inan es tun. Man läßt ihr Sinnen
und Trachten durch die wörtliche Rede ausdrücken. Z u st ä u d t
sind tu Handlungen. Ein Gebäude läßt man entstehen, eine
Kleidung anlegen Man gibt nicht die Beschreibung einer mittclaitcr-
lichen Stadt, sondern man besucht sie. Die geschichtliche Erzählung
darf nicht modernisiert werden, das würde der geschichllichcn
Wahrheit widersprechen. Man zeige die Persönlichkeiten nur in ihren
Kulturverhältnissen. Bringen wir die Vergangenheit in Beziehung zur
Gegenwart, dann wird das Kind schon ahnen, daß das rein Ütcniantcl>e
sich kaum verändert, daß der Dichter recht hat. wenn er Jflßt- ..Men
schen sind die Menschenkinder aller Leiten, aller Lonen. Besonders
das Typische (Belebnung. Krönung) ist breit auszumalen.
Wenn das Kind tvirklich sehen und hören soll. dann muß man
(Stnjcl feiten Drinnen, Doch bet Deifet c3, tr>cifc Dnltcn, bettnit ft£
den Gang der Handlung nichl hemmen, lvie das bei vielen eingeflocho
tcnen Erläuterungen anch oft der Fall ist. Die Erzählung darf nicht
zu lang sein. sonst kann sie das K-nd nicht überschauen Wenn
der Lehrer mit warmem Herzen dabei ist, wird sich der Ton der
Stimme, die Sprache des Auges und die Bewegung de»
Körpers schon dem Gesuhlsriihalt der Handlung anpassen Dl«
Sprache muß kindlich, aber nicht kindisch sein, sie muß der Alters

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