i^rvagogtsche Post
Str. 24
p.t 374
ein sich das Berfügungsrocht über die Verwendung der Gelder der,
traglich gesichert Hut und diese Spende in steter Fühlungnahme mit
den Spendern Nerweirdct. Kapital und Zinsen sollen satzungsgemäß
in den nächsten 15 Jahren aufgebracht werden, um möglichst vieler:
und nachdrücklichst helfen zu können.
Der Verivaltungsausschuß, der die Unterstützungsanträge der
Waisen durch Vermittlung der Lehrer oder der amtlichen Fürsorge-
stellen errtgegennimmt, seht sich ans Vertretern des niederen und
höheren Schulwesens, des Ministeriums und des Präsidiums der
Ratwnalstiftung zusammen.
Der verhältnismäßig geringen Summe wegen können nicht alle
hier eingehenden Anträge Berücksichtigung findm. Trotzdem war
nur in ganz geringen Fällen die Eingabe der Waisen erfolglos
Zwar gibt der Verein nur gut bearrlagten Kriegertvaisen die Mittel
zur Berufsausbildung. Er führt aber auch für die Waisen, deren
Gesuche abgelehrrt werden mußten, die Verhandlung mit den maß
gebenden Stellen und besorgt ihnen nach Möglichkeit aus anderen
Quellen Zuweisungen.
Die Jugendspende unterstützte fortlaufend 379 Kriegerwaisen
mit einem Kostenauflvande von 313155 Mark. Allein im verflossenen
Jahre betrugen die Aufwerrdungen 135 OM Mark.
Die bisherigen Unterstützungen verteilen sich auf die einzelnen
Provinzen wie folgt:
bei industriellen Werken Schilde als Büroschmuck abzusetzen und
eine Spende seitens der Werke für die Jugendspende flüssig zu
machen. Bei Spenden über 500.— Mtark übermittelte der Verein
den industriellen Werken fertiggenagelte Schilde als Erinnerungs
zeichen . Tie Anregung möchten wir unsern Gönnern zur Mch-
ahmung dringend empfehlen. Durch jede Gabe spenden Sie Trost,
Hilfe und Glück.
Vorsitzender:
Rektor Valentin, Esten.
Geschäftsführer:
Reinirkens, Esserr, Otmarstr. 2«.
Provinz:
Zahl der Waisen:
Summe:
Westfalen
123
122 050 Ji
Rheinland
89
64485 Ji
Schlesien
36
18 000 Ji
Hannover
26
18900 M
Pommern
18
9 400 M
Brandenburg (Berlin)
• 16
16175 Ji
Hessen Älassan
H
13120 Ji
Ostpreußen
9
10285 Ji
Schlecwig-Hokslein
9
10 640 Ji
Bersch Provinzen und Landrstcile 29
25 550 Ji
Abgetrennte Gebiete
8
4 490 M
Vor: den unterstützten 394 Waisen sind 76 Handwerkslehrl:
120 stehen m der Ausbildung als Lehrer bezw, Lehrerin, 11 besuchn
eine Handelsschule, während 172 Schüler höherer Schulen sind
Die übrigen verteilen sich auf verschiedene Berufe: 6 Musik 1 Kin
dergärtnerin, 2 Bau- und 2 Forslfach.
Jl)re Ausbildung in vorstehenden Benrfcn haben mit Unter
stützung des Vereins folgende beendet: 19 als Handwerker, 0 als
Lehrer b-'zw. Lehrerin, 1 als Kindergärtnerin, 1 als Baugeiuerbler,
>2 als Kontoristinnen und Kaufmann, 4 Waisen sind gestorben. Be:
16 Waisen wurde die Unterstützung eingestellt aus irgeird einem
Grunde (günstige Wiederverheiratung der Mutter, bester« Ver
mögenslage usw.) nach Rücksprache mit dem Pfleger uird der Für
sorgcstclle
Nachdem durch Verordnung vom 6. Februar 1920 das Reich die
soziale Fürsorge sür die Kriegertvaisen übernommen hat, konnte::
durch Verhandlung mit den Hauptfürsorgcstellen im lausenden
Jahre 139 Waisen Zuweisungen aus Reichsmitteln in Höhe von
72 647 Mark besorgt werden; bei anderen sckiveben noch die Ver
handlungen. Es steht zu hoffen, daß unsere Bemühungen auch hier I Volksgesemtheit schlummernden'«räH oi C m «c
I werden in«r„ ^ ^ Licht zu bringen, sie wirksam
Preußischer Landtag.
Aus -er 83. Sitzung am 14. Dezember 1921.
(Schluß.)
Vizepräsident Garnich: Das Wort hat der Herr Abgeordnete
Herrmann (Breslau).
Herrmann (Breslau), Abgeordneter (D. Dem.): Meine Damen und
Herren, wenn man als letzter Redner zum KuUuSetat spricht und einen
so glänzenden Vorredner gefunden hat,
(Heiterkeit)
wenn man zurückschaut, in welchem eiligen Tempo ein so wichtiger
Ela: verabschiedet wird, so will cs einem einigermaßen schwer werden,
noch etwas zu sagen, da man nämlich mittlerweile auf dem Tiefstand
der Enttäuschung angelangt ist- Die Notwendigkeit, daß auch meine
Fraktion zu Punkt 2 der Tagesordnung, Absatz IV des KültusetatS
spricht, legt nur die Pflicht auf, mich über gewisse Fragen zu äußern.
Als die gegenwärtige Regierung sich dem Hohen Hause in einer
Erklärung vorstellte, gab sie auch in einigen Sätzen etwas Program
matisches über die Kulturpolitik bekannt. Wenn ich diese Sätze über
schaue, so komme ich zu dem Urteil, daß sie etwas dürftig und mager
sind, und daß uns mit verbindlichen Worten sehr wenig Verbindliches
gesagt worden ist. Wenn man sich einigermaßen mit der Regierungs
erklärung über diesen Punkt zufrieden geben will, dann nur. wenn
man den Leitsatz, der der Regierungserklärung vorangestellt ist, auch
für die Kulturpolitik gelten laßt Er lautet: „D«e Situation, in der sich
unser Polk befindet, heischt nicht Worte, sondern Taten und hingrbcnve
Arbeit zum Wöhle des Bolköganzen." Ick nehme an, daß dieser Satz
auch für die Arbeit und Wirksamkeit des Ministeriums für Wissenschaft,
Kunst und Volksbildung Geltung und Gültigkeit hat.
Meine Damen und Herren, der Vertrag von Versailles schränkt
a,lf vielen Gebieten unseres staatlichen Lebens unsere bisherigen Rechte
ein. Auf dem Gebiete, das der pfleglichen Behandlung des Kultus
ministeriums unrcrliegt, auf dem Gebiete der Kulturpolitik, ist unsere
Freiheit — Gott sei Dank — erhellten geblieben. Man muß also sagen,
daß für das Kultusministerium ein weites Wirkungsfeld vorhanden ist.
Ter Herr Minister Tr. Boclitz hat gestern bei seinen Ausführungen
zum höheren Schulwesen einen Satz geprägt, in dem er erklärte: er
betone die Notwendigkeit der Erhaltung der alten Bildungshöhe unserer
Hochschulen. Ich glaube, daß ich ihm nichts unterstelle, wenn ich an
nehme. daß er sich ein gleiches Ziel auch für die Volksschule setzt. DaS
ist aber durchaus notwendig, da in der Gegenwart be gesamte schul»
Pflichtige Jugend zum mindesten vier Jahre durch die Volksschule geht.
In einer Zeit, wie der heutigen, einer Zeit stärkster Anspannung, einer
Ze,t des Wiederaufbaus, muß der Hebung der gesamten Volksbildung
d,e^ftarkste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Gelingt es. die in der
von Erfolg sind.
Mit Riicksicht auf die ungemein gesteigerten Unterhalt::::ge
kosten l>it der Verein in aller: Fällen neben dem Zuweisungen aus
Reicksmitteln auch die bisherige Unterstützung aus Mitteln des
Vereins gezahlt.
Mit besonderer Anerkennung gedenkt der Verein der Krnpp-
stntuiig-Essen. Mit größter Freigebigkeit hat sie die von uns über
mittelten Einträge reichlichst bedacht und fortlalrfcnde Beihilfen vor:
se 1 bis 3000 Mark bewilligt an Waisin, die sich im höheren
Studium befinden.
Wenngleich der Verein keine neuen Geschäftsunternehmungen
zur Vergrößerung des Unterstütziingsfonds betreibt, ist er doch
eifrig bemüht, Außenstände an Nagelnngsgeldern, die sich auf mehr
wie 1 Million belaufen, herein zu bekommen.
Tie Bezieher der Schilde übernahmen die moralische Verpflich-
tung, sür die Benagelung mlfznkomnwn. Wenn auch zugegeben
werden nmb, daß in vielen Fällen äußere Einflüsse eine Vollendung
unmöglich machten, so haben wir leider feststellen müssen, daß man
cherorts eine gewisse Saumseligkeit :md JntcrestlnUosigkeit Platz ge
griffen l)at, durch tvclchc der Verein solch große Ausfälle erleidet.
Nicht einmal die Selbstkosten der Schilde sind von einzelnen Schule::
dem Verein ersetzt worden. Manche Schulen haben ihre unbemr-
gelten Schilde auf unsern Rat zur Herstellung von Tischchen ver
wandt oder aber dieselben zum Preise von 40-50 Mark als Tisch
platten an Schreiner angegeben. wodi:rch denn Verein wenigstens
die Selbstkosten der Schilde ersetzt wurden.
Nachdern wir Ihnen imd den: Kollegium in Vorstehende::: ein
Bild unseres bisherigen Schaffens und der großen Zuluustsam-
ben zeigten, bitten wir Sie dringend, unterstützen Sie unsere Be
strebungen. Veranlassen Sie in den Klassen eine freiwillige Spende
sür die Waisen oder wenden Sie uns die Erträgnisse von Festveran-
staltungen, Schillerkonzerten, Elternabende und dergleichen zu.
Lurch persönliche Verbindungen :var es manchem Lehrer, ulöglich,
. . , — O" vvmwUi |IC Il'lUjUJIl
werden zu lassen, dann wird, nach meiner Ueberzeugung, der Kultutz.
minister einer der wichtigsten Minister sein, er wird mit Aufbauminiiter
sem. Wir verlangen von diesem Ministcrirnn nicht nur, daß der biS-
lu'rige Stand der Volksschule gewährleistet bleibt, sondern wir erwarten
vielmehr eine Förderung, eine Hebung und Steigerung der Leistungen.
Ick möckte hinzufügen, daß ick bei tur Forderung selbstverständlich
die Landschule voll und ganz einbegreife.
(Sehr richtig l bei den D Dem.)
Ich gebe dem Herrn Abgeordneten Kickhöffel völlig recht und stimme
ihm zu. daß mit zuerst die Hebung der Landschule erforderlich
ist, und ich teile auch sein Bedauern, daß es bei der Kürze der zur
Verfügung stehenden Zeit nicht rnöglich ist, in eine aussührliche Be
sprechung über die Hebung der Landschule einzutreten. Aber in einem
PiNikte möchte ich mir eine kleine, vielleicht etwas ironische Bemerkung
nicht versagen, Herr Abgeordneter K ckhöffel. Sie haben gesagt, daß
dir Seßhaftigkeit weitester Schichten der ländlichen Bevölkerung ab
hängig von der Lösiing der Schulsrage sei. Das ist richtig; das ist
auch weine Aufsassung. Aber doch gibt es eine Landflucht seit vielen
Jahrzehnten. Daher ziehe ich den Schluß aus ihrer Auffassung, daß
ebeii die alte Regierung, die ans der Zeit vor 1918, sich arg und schwer
an der Landschule versündigt hat.
(Sehr richtig! bei den D. Dem. und den Soz.-Dem.)
Das »e ll z u st e l I e n, ist im gegenwärtigen Augenblick, wo die neuen
geistig r Ströme emporquellen und die Kulturpolitik eine wirksame und
viel krä'iiaere Forderung von Seiten der gegenwärtigen Regierung er
fährt. als das früher geschehen ist, durchaus notwendig.
Jede Förderung und Hebung der Volksschule, jede Steigerung und
Bert'esung ihrer Leistungen kommt der Gesamtheit zugute und prägt sich
im erhöhten Kräftespiel, in erhöhten Leistungen aus. Sie schafft aber
auch die Voraussetzungen zur späteren aktiven Mitarbeit des Einzelnen
als Staatsbürger. Die Neugestaltung des politischen Systems stellt den
letzten Staatsbürger vor Verantwortlichkeiten. Damit der Staatsbür
ger ihnen nachkommen 1a,m. ist Vertiefung der Bildung erstes Erfor
dernis. Es siegt im Wesen unserer demokratischen Neugestaltung, daß
der Einzelne voll an: Staatdleben interessiert sein, daß er seinen staats-
bürgerlichen Wichten voll nachkommen muß. Dieser Bewußtwerden

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.