Pisvagoglsch, Post
Nr. 2S
und wollte wissen. u»ie groß die Entfernung ist und wie schnell die
Tauben fliegen. De» Lokoinolivniann batte eine Frage über Durch-
schn>ttSgeschwi»»digkrit. Jeder brachte »eine Aufgaben b^i. ),e dann
gemeinsam gerechnet wurden. Nach den» Rechnen wurde entweder
geniciniam gelesen oder vorgelesen Dann kam daS Schönste: Das
Pfei'chrn wurde hc» vorgeholt, und während Hie Wolken stiegen,
wurde eine lxttbc Stunde oder eine ganze zemütuch verplaudert.
Alle möglicl-en Tinge, wie ne in den Kopien juirger Leute umgeben,
wiird^'n besprochen Ich Ijihte zu. gab Antwort auf ihre Frugen,
grill auch rvehl belehrend in das Gespräch ein und lenkte fo wie ein
besonnener Steuermann das Schifficin unaushaltsam sprudelnder
Rede Im Winter »c1>artcn wir uns dabei um den Ofen.
Nebenbei sparten wir für eine Reife Im :üuü war ich mit den
jungen Leuten zwei Tage an der Ahr. Wir übernachteten in cinin
Sel'ulzimmer auf Ltroh. Ter «'teste meiner Schüler, zweiundzwan-
zigiährig. lag neben mir. In der Not des Schlotes legte er sein
Oanpt auf meine Brust. Ich l>abe diejes Hanot »licht beiseite gescho
ben, weil ich bei mir dachte, der arme ScUlm muß schwer arbeiten
und l)at die Ruhe nötiger als du. Tie Folge war. daß ich selbst nicht
schlief. Ich war aber auch nicht mützig, sondern mackste natur-
gesch'chtlickc Studien. Ich stellte fest, das» ein Schiller ein furchtbares
Instrument mit sich führte, das er im Schlafe blutig handhabte. Ver
mittels einer Säge, die er mit Geraffel immerfort durch seinen Hals
zog. sägte er ein Taselbcin bis auf das Mark durch, sodab wir »rüh°
morgens, um das Leben der Tafel zu retten, zur sofortigen Ampu
tation schrcilen mutzten.
A»n ersten Sonnabend im September stand ich mit den ältesten
der Schüler auf der Höhe des Niederwaldes neben Mutter Germa
nia. Tie hohe Frau hatte den ganzen.Tag viel Besieh von Aus
ländern gehabt uird viele n>cl»ri>e Laute anhören müssen. Nun kam
drr Abend, und mit oerhaltenein Ate,n horchte sie auf das Rauschen
des dout'chen Waldes und au» das Braus-n des deutschesten S»ro«
ines. Mit Wohlgefallen glitt ihr mütterlick-cs Auge die rebenrcichen
Weinberge abwärts, ruhte einen Augenblick aus RüdeSbeim, das an
d-n Futz des Berges sich schmiegt, lustwandelte über den Rhrnigau
wie über ein lack-endeK Paradies, glitt mit den Silberwellen Dv»
Stromes zu Dal. ging mit den Schiffen vor Anker. Fern im W?stcn
badete die müde Sonne in Purpur, während ihre rosaroten Wol«
kenschleier weitab flatterten und ein Heer von WolKnsckäfchen aus.
jog zur friedlich',, Parade vor ihrmn Generalfeldrnarschall Mond.
Von Bingen jenseits des Strom«»- läuteten die Glocken de- heilige»
RockmS zur Nacht. Ta trat ein Schüler an meine Seite. Herr Leb-
rer so sprach er. dieser Anblick ist wunderbarlich schön. So ctivaS
wr-rdm wir nie vergessen. Wir danken Ihnen sehr, datz Sie unS
diese Fr-ude tot rfcf afft haben. Während wir hier stehen, ist in einem
Nachbarorte zu Hause KirmeS. Wären wir nicht hier bei Ihnen, so
wären wir vielleicht dort auf dem Ball. Aber hier ist es viel schönem
— In diesem Augenblicke, in dem ich solche Worte horte, macht»
mein Herz einen frohen Sprung. Welch' ein schöner Erfolg! Ei»
Erfolg, den ninmals ein KreiS»rlmlrat feststellen wird. Ein Erfolg,
der niemals in staubigen Akten geschrieben *cin wird. Ein Ertol-
aber. der in meinem Innern geschrücken steht mit einer Schrift, die
nie verlischt.
I!
3m DolEtsffaaf
3
Politische Schulung der Jug eud'ichen.
„Wie die Alten snngen. so zwitschern die Jungen", heißt es im
Volksmunde. Aber in der heutigen Zeit »ck>eint das Sprichwort nicht
mehr Rech, zu haben. Ohne weiteres zwitick>ern die Jungen nicht so.
wie d,e Alten sungen. Die Natur spielt hier den Vertretern der
Entwicklungslehre schwere Streiche. Jeder mutz von vorn anlangen,
wenn er das Liedlein Pfeife»» will und wenn wir Alten wünschen,
dass die Jungen dasselbe Lied, welches wir biSl>er gesungen haben,
zwitschern sollen, io müssen wir es ihnen lehren.
Polktnrtze Gesinnung vererbt sich nicht Soll die Fugend unsere
Wege weiter gehen und unsere Ziele verfolgen, dann müssen wir sie
dazu erziehen. In einem Volksstaate liegt die Verpflichtung schwer
auf uns. Tenn wir und unsere Fugend werden gleichberechtigte
Staatsbürger oder Knechte der anderen sein, je nachdem es gelingt,
unsere Weltanschaunngsgrnndsätze im politischen Leben zur Gel
tung zu bringen. Wir sind nicht mehr Güterwagen, sondern R!a-
schinen geworden und müssen auch deinen, spreckrend arbeiten. — In
den Reihen unserer Führer haben wir in letzter Zeit grosse Verluste
erlitten. Eine Reihe der Besten ist von uns geschieden. Lindere
werden ihnen folgen. Wer soll dann unsere Ziele verfolgen? Wer
«nderS. als unsere Jugend! Unsere Jugend steht aber mitten in
einer oft anders denkenden Welt. Die Verhältnisse um uns herum
sdrd ott mächtiger als wir Leicht folgt die Jugend den Sckstncichel-
reden unser Gegner, man verspricht ihr Freiheit und Rechte — von
dem Schaden, den sie zu tragen hat. spricht man nicht — »,»b leicht
lockt man sie ins Lager, um so eher, je weniger wir uns um sie be
kümmern. Samunckn w,r st« als» nicht, wird ste von andern ge
lümmelt.
Beide Geschlechter, Jungfrauen und Jünglinge, müssen von ,mS
bl Schulung genommen werden. Wir dürfen niemand vernachlässi-
grn. Heute gcht eS nicht nur um Geld und Gut. sondern die Politik
»nässt stch Rechte an. auch in Weitausrf)auungssragen (Schulgesetze)
tiefeinschneidend zu bestimmen. Da mutz man der christlichen Frau
daS Rocht geben, ihre Stimme auch im politischen Leben zur Gel
tung zu bringen, weil wir ste von der Berantwormng vor ihrem
Gewissen nicht lossprechen können. Die Frauen waren eS, welche die
christlichen Grundsätze u»»d Rechte tn unserer Verfassung gerettet
haben. Eie haben der Mittelpartei ihre Stimmen gegeben und so
üne Anzahl Vertreter nach Weimar geschickt, die stark genug war,
«n den freien Entscheid der Staatsbürger gegenüber den Gewalt
ansprüchen der Gegner zu retten. Unser Staatsschiff würde lange im
»roten Meere" ertrunken sein, wenn stch die Frauen hätten verleiten
Lassen, der Linken ihre Stimme zu geben, weil diese mit so vielem
Getös« da- Frauenstimmrecht verlangte. Wollen wir die Jugend
vielleicht diö zum wahlberechtigten Alter gehen lassen, dann sind wir
der Mühe enthoben, uns überhaupt noch um dieselbe kümmern zu
nüssen. Während der Zeit, in der wir schliefen, säte der Feind Un
kraut genug zwischen die junge Saat. Unsere Gegner sammeln sie.
Schon vor der Schulcntlassm^ sucht man die Namen der »Neulinge"
drnnen zu lernen, um ste durch die Jugendweihe in würdiger Weise
in die eigenen Reihen aufzunehmen. Im eigenen Lager beginnt man
schon während der Schulzeit. Die Jugmdturnvereine dienen oft kei-
ßm anderen Zwecke als der politischen .Erziehung der Schuliuaend
ln der grwünschten Richtung. Diese wird schon durch daS Abzeichen
verrate Ein »*" ist au» den, Turnerzeick-en gestrichen und ein »8«
schlängelt sich um die 3 gebliebenen (Frisch, fröhlich, stark, frei). —
Auch ergibt sich die Notwendigkeit der politisck-en Jugenderzle-
knnrg arrS dem Alter der Wahlberechtigten. Rkit 21 Jahren darf de,
Staatsbürger erst »iber sich selbst bestimmen, während man ihm dost
Reck>t zugestanden hat. schon mit 20 Jahren über andere zu bestim-
wen. Nun wer das rstll der mutz auch wissen, über was für Dinge
n entfrfjcibct. Oder rechnet man absichtlich mit der Einsichtslosigkeit
der jungen Wähler, um prhlreicheS Stimmvieh zu erhalten? Die
Verfassung, welche am letzten Schultage ausgehändigt wird, wird
wohl auch wenig hieran ändern. Wir »vollen aber nicht nur Mit
läufer, svndern Anhänger, denen nickt di» Einsicht und Umsicht fehlt.
Sckialfcn wir ihnen darum die Grundlage, vermitteln wir ihnen
Verständnis für den Staat und leine Aufgabe. Sprechen wir mit
ihnen über unsere Pflichten und den sich daran- ergebenen Rechten
Nur ,ver seine Pflichten erfüllt, hat auch Rechte. ES ist daher falsch
— auch »n der Verfassung wird der Fehler begangen — zuerst von
den Rechten und dann von den Pflichten zu reden. Letztere ko»nn»en
dann wohl meistens zu kurz, nickst nur bei der Besprecl)ung, sonder»
auch im Leben. Unterrichten wir sie über das Verhältnis von Staat
und Kirche. wie das Reich Cäsars auf die Dauer nicht bestehen kann
ohne bas Reich Christi Führen wir ihnen die verfchiedenen Staats-
formen klar vor Augen und zeigen wir ihnen dabei recht deutlich d»«
verschiedene Stellung deS Volkes. Vergessen wir aber auch nicht z»
sagen, datz wir uns in einoin Bolksstaare gewaltig regen müssen,
wenn wir Herr bleiben wollen und nickst Knechte der andern r»
werden beabsichtigen. Wir müssen sie zur Anerkennung der beste
henden Verhältnisse fuhren, denn untere Fugend darf nicht mehr jo
erzogen werden, wie zur Zeit des FaustrrchteS.
Nacktem man so die Grundlage (Verfassung, soziale Einrich»
tnngm usw.» behandelt hat. gehe man zu den Parteien über. Wolle«
olle Staatsbürger- das gleiche Ziel verwirklichen? Wie wollen sie ihr
Ziel erreichen? Wer gehört zu dm Parteien? Wann haben sie sich
gebildet? Welches ist die letzte Ursache der Zersplitterung? Bet
Beantwortung her letztm Frage werden wir auf die Weltanschauung
als Ausgangspunkt kommm und der Jugend zeigen, daß Politik
nur in die Tat uingesetzte Weltanschauungsgrundsätze sind. Wie all»
ein echter Christ niemals einer Partei angehören kann, welche di«
Religion bekämptt oder über andere Mitchristm nur Spott und
Hohn auSsckstittet und nur zur Zeit der Wahlen Zuckerbrote für sie
Übrig hat Anhänger solcher Parteien sind die Grundursache zu der
Beleuchtung: »Die Kirche verdummt die Menschen"; denn wer nur
biS drei zählen kann, geht nicht dahin, wo er für sein Geld noch ver
spottet wird. Nur eine klare Stellung kann uns helfen. Was Mie»
uns Leute, die am Vormittag in der Kirche stehen: JD Gott, ich danke
dir" und am Skacbmittage unter dm größten Feinden der
Kirche sitzen, Partei und Presse der Gegner unterstützen und Waffe»
schmieden gegen sich selbst.
Dann gebe man sich Mühe, die Presse in den Reihm der Jm
gmdlichm einzuführen. wenigstens in d e n Familien, wo sie von de»
Eltern nicht gelesm wird. Täglich mutz unserer Jugend die Augm
geöffnet werden, wenn sie überzmgte Anhänger unserer Sache wer
de» joü. Dann lege man dm Jugendlichen auch gognerzsche Zei«

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.