Nr. 25
Pädagogische Post
«seit 389
Zur Schaffung von Konrektorstellen.
Arbeitsgemeinschaft rhein-weftf. Dortmund, den 25. März 1922
Lehrer- mrü Lehrerinnenverbände. Arneckestr. 66.
An
das Preußsiche Staats Ministerium
z. H. des Ministerpräsidenten Herrn Braun
Berlin.
Die Lehrerschaft Rheinlands und Westfalens wartet seit DLo-
naten auf die Schaffung von Besörderungsstellen, die ihr nach dem
V. D G.. vom 17. 12. 1920 in der Form von Konrektorstellen zuste
hen. Viele Millionen Atark sind der Lehrerschaft im Gegensatz zu
anderen Beamtengruppen durch die bis jetzt nicht erfolgte Einrich
tung von Besörderungsstellen verloren gegangen. Einzelne Gemei-
den in Rheinland und Westfalen haben nunmehr endlich in ihren
Etat Summen fiir diese Stellen eingesetzt, wollen aber von der Er
nennung von Lehrern zu Konrektoren die Ausführungsanweisungcn
abwarten
Nachdem diese am 20. Februar auch vom Staatsrat in dem vom
Landtage abgeänderten Fassung angenommen sind, bitten wir daS
Preußische Slaatsministerium um die sofortige Veröffent
lichung derselben.
Der Vorstand der A.-G. rhein -Wests. Lehrer- und
Lehrerinnenverbände:
L i n h o f f, Lehrer.
Anm.: Gleiche Schreiben gingen an das Ministerium ftir
Wissensckxrst. Kunst u,rd Volksbildung und an das Finanz
ministerium.
Die Diätarzeit für Lehrerstudenten von
7 auf IO Jahre verlängert.
Von Dr. Hoven, Aachen.
So brutal steht der Satz zwar nicht in den Gesetzen, doch wird
er in der Praxis so gehandhabt. Folgender Fall möge das zeigen:
Nach bestandenem Abiturienteneramen besuchte ich das Lehrer
seminar, legte erste und zlveite Lehrerprüfung ab, war beinahe fünf
Jahre als Volksschullehrer tätig und endgültig angestellt. Da ich
auf mein Hochschulstudium nicht verzichten wollte, mußte ich Ende
1918 aus dem Volksschuldienste ausscheiden, da ich sonst als Beam
ter nicht inimatrikuliert werden konnte (heilte genügt Beurlaubung).
Ich studierte Geschichte, Deutsch und Pädagogik und promovierte
Ende Juli 1921 mit einer Arbeit über die „Geschichte des Volksschul
wesens im Bezirk Köln von 1816—1827" zum Dr. Phil. Mit dem
1. Dezember 1920 hatte ich mich der Aachener Negiermrg wieder zur
Verfügung gestellt. Am 16. Oktober 1921 wurde ich endlich als
Schulamtsbewerber beschäftigt, welche Stellllug ich arrch
heule noch bekleide.
Ein Gesuch an den Minister fiir Wissen schuft, Kunst und Volks
bildung um Anrechnung meiner Studienzeit aus das Besoldungs
dienstalter wurde abgelehnt, da nach § 5 L jj. S des V. D. G. „Unter
brechungen des öffentlichen Schuldienstes nicht angerechnet werden".
Es wird also nicht berücksichtigt, daß die Unterbrechung doch nur int
Interesse der Volksschule stattgefunden, daß sie mit bedeu
tenden ftnanziellen Opfern verbunden, daß es also nur ein Akt der
Gerechtigkeit wäre, wenn man den studierenden Lehrern in dieser
Frage entgegen käme. Ms ich mein Hochschulstudium begann, gab es
noch kein V. D. G. Ich konnte also damit rechnen, sofort wieder
angestellt zu werden. Allstatt im neunten bin ich nun erst im sechsten
Dieilstjahre, kann also noch nicht endgültig berufen werden,
trotzdem ich es schon früher war. So wird also der Fortbildmigstrieb
der Lelirer „belohnt". Wäre ich auf meinem Dörfchen geblieben, wie
viel besser stände ich heute! Ich wäre endgültig angestellt, hätte
drei J-ahre lang mein G-Halt weiter bezogen, anstatt ein halbes
Vermögen auszugeben, wäre im neunten, statt im sechsten Dienft-
jahre. Ich will gar nicht daran denken, wie es wäre, wenn ich die
mir seiiwrzeit angebotene Präparandenlehrerstelle angenommen
hätte, die ich auSschlug, um in meinem Sttldium nicht gehen,mt zu
werden.
Nur Nachteile sind mir bisher ans meirrem Studium erwachsen.
Wenn nun auch noch der Altersaufftieg maßgebend sein wird (schon
bcrfujiebmtlid) mußte ich hören: „Sie stnd noch zu jung". Anschei
nend auch zur Anstellung), warum mutet nian dann dem Lehrer zu.
die ungeheuren Opfer des Universttätöstudiums auf sich zu nehnn n?
Es wurde doch entschieden beguemer sein, einfach zu warten, bis das
verlangte Mter da ist. Hat man denn dem Lehrer den Zugang zur
Hochschule nur deshalb geöffnet, um ihm das Stndiunr auf andere
Weise, wenn nicht unmöglich, so doch äußerst schwierig zu nrachen?
Statt 7 Jahre hat er jetzt 10 Jahre Dienstzeit. Anstatt sie abzu
kürzen, hat man sie verlängert gerade für die strebsamen Lehrer.
Bei welcher anderen Kategorie von Beaniten ist das möglich? Bal
dige Abhilfe ist rm Interesse öer studiere,lden Lehrer sowohl wie dc-s
ganzen Lehrerstgnd.s zu soröern.
Inzwischen kam mir der „Entwurf eines Gesetzes zur Abände
rung des MittelsckMlehrer-DiensteinkommenSgesktzes" (P. P.
Nr. 22) zu Gesicht. Dort heißt es in Art. H:
Zu § 4 tritt als Abs. 9 folgende Bestimmung:
„Lehrer oder Lehrerim,en, welche die gleise einer ancrkauuten
höheren Lehranstalt erreicht und nach einem Hochschulstu diu, n von
minüstens drei Jahren die Prüfung für die Anstellung als Mittel-
schullchrer^abgelegt haben, können auch vor Zurücklegung
einer anrechnungsfähigen Schuldrenstzeit von 7 Jahren endgül
tig als Mittelschullehrer angestellt werden, wenn sie das 2 7. Le
bensjahr vollendet haben."
In der Begründung hierzu sagt der Minister, daß Artikel H
„eine Härte" ausgleichen soll, welche nach dem gegenwärtigen Ge
setze dieMittclschnllehrer treften tvürde, die nach vorherigem Hoch
schulstudium unmittelbar die Befähigung zur Anstellung als
Mittelschullehrer erwerben. Slach den bisherigen Bestimmungen
des § 4 würde auch von diesen vor endgültiger Anstellung eine
siebenjährige Schnldienstzeit verlangt werden müssen, und sie wür
den dadurch in erheblich späteren, Lebensalter zur
endgültigen Anstellung und zur Erreichung höherer Gehaltssätze
gelangen können als die auS dem Volksschullehrerbcrufe l>ervor-
gegangenen Lehver und Lehrerinnen an öffentlichen mittleren
Schulen. Du,ch die Beftinmrung des Entwurfes bietet sich die Mög
lichkeit, sic im Besoldungsdienstaltcr den aus den, Bolksschullehrer-
berure hervorgegangenen Lehrkräften gleichzustellen."
Den Mittelschullehrcrn soll also gewährt werden, was man den
Volksschnllehrern versagt. Die oben ausführte Begründung paßt
doch Wort für Wort auf das, was ich oben sagte. Warum sollen L7e
Volksschnllehrer, die ,hr Hochschulstudium abgeschossen, die die
Opfer an Zeit und Geld nicht gescheut haben, mn sich weiterzubilden,
warum sollen diese nicht mit 27 Jahren anstellnngsfähig sein? Oder
will man nur den Reinakademikern die Laufbahn erleick-tern, den
studierenden Volksschullehreru aber erschweren? Es ist dringend
erforderlich, daß ein,' gleiche Bestimmung, wie sie hier für die Mit-
telschullchrer geplant ist, auch baldigst in das B.D. G. hinein ge
bracht wird, damit die „Möglichkeit sich bietet", die studierenden
Lehrer „im Beföldungsdienstalter" den anderen Volksschullehrern
„gleichzustellen".
Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott.
Unter dieser Spitzmarke schreibt die Nene Westd. Lehrcrztg.
Nr. 12: „Die Lehrer und Lehrerinnen der freien Schulen Kölns —
e s sind 8 Schulen mit 65 Klassen — faßten in der Sitzung
der Arbeitsgemeinschaft dieser Lehrenden am 2. 3. 1922 folgenden
hoch bedeittsanlen, einstimmigen Beschluß:
„Die Lehre rinnen und Lehrer der freien Schu
len Kölns bekennen sich zur kollegialen Schullei
tung. Sie erklären, eine Ernennung zum Rektor
abzulehnen."
Die nicht anwesenden Lehrer und Lehrerinnen erklärten später
schriftlich ihre Zustimmung. Eine geschichtliche Tat! An den freien
Schule Kölns, die eine Verwirklichung der Schulforderungen des
Deutschen Lehrervereins bilden, ist somit die kollegiale Schulleitung
gesichert.
Es wäre zunächst das Geständnis festzuhalten, daß die jetzt be
stehenden weltlichen Schulen eine Verwirklichn,rg der Schulforde-
rnngen des D. L. V darbieten. Darüber hinaus aber muß mau den
Abschluß der weltlichen Lehrer in Köln wirklich eine Tat nennen.
Sie haben dadurch kn,rd gctan, daß sie gewillt sind. fiir ihre Ueber
zeugung auch Opfer zu bringen. So lange ja den «veltlichen Schu
len der gesetzliche Boden fehlt, wind die Regierung der kollegialen
Schulleitung an denselben kaum Hindernisse in den Weg legen. Wie
die Sache aber konrntt, wenn die weltliche Schrrle einmal im Gesetz
verankert ist, muß die nahe Zukunst zeigen. Es wäre höchst beda,»er
lich, wenn nur unter dem Sozialismus die demokratische Schulver-
fassulrg gedeihen könnte. U. E. muß gerade das Christentum, die
Religion der Liebe, dem Lehrer die Erlösung bringen. In feinem
Sinne liegt es doch tief begründet, daß sich alle Sorge eines Lehr
körpers um das Kind beivegt, nickit rm, kleinliche Fragen der Macht
und des Ansehens. Wer darüber aber nicht hinweg sehen kann, wenn
gar, daS liebe Ich und die eigene Bequemlichkeit über das Wohl deS
Kindes und die christliche Schrrle geht, der schrvc'ige im Schulkampse.
Das Herrenn»enschentum Nietzsches und die Preuß. Staatsphilosophie
.Hegels haben letzten Endes auch die Kämpfe um die innere Gestal-
tung der Schule gezeitigt. Es wird Zeit, daß diese falschen Grund
sätze nicht nur für den Staat überhaupt, sondern auch ftir die Schule
überwunden werden durch eine wahre christliche Demokratie. Es ist
an dieser Stelle schon ausgesprochen worden, daß der christlichen
Schule innerhalb der Lehrerschaft ei,re Gefahr dadurch droht, daß
die innere Schulfreiheit von gewisser Seite bekämpft werde. Seien
wir da alle auf der Schanze, wo es gilt, die Freist des Lehrers zu
verteidigen. Aufklärung der Elternschaft, strengste Pflichterfül
lung in der Schule, mrentwegt und unverwo cen. das seien unser«;
blanken Waffen in diesem Kampfe,

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