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Pädagogische Post
Nr. 28
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wußten, daß die Führer der Juden und die aufgewiegelte Volks
menge a»lch ihnen selbst nach dem Leben strebten. Erzählt uns doch
idas Evangeliudaß sie sich aus Furcht vor den Inden eingeschlossen
hatckn. Ihre Hoffnung, der Herr werde Israel erlösen, war da
bin; mutlos blickten sie in die Zukunft. Was konnte sie ihnen noch
Dringen, da die Feinde Jesu. die auch ihre Feinde waren, sich ihres
Triumphes freuten? Und doch war ihre Rettung nahe. Darum,
verehrter Leser, sollen auch wir nicht verzagen, mögen auch noch so
Düstere Wolken den Himmel trüben. Wohl werden unsere Feinde
fortfahren, ihren ebenso wie der Hass der Juden aus dem Neide
geborener! blinden Haß an uns zu kühlen. Dennoch — das ver
bürgt uns die Auferstehung Jesu — ist die Hilfe nahe. Und wenn
auch unsere Leiden noch jahrelang danern, wenn sie für viele unter
uns erst mit dein letzten Tage ihres irdischen Daseins cnürgen soll
ten, vor dem Herrn find, wie der PsaKnist sagt, tausend Jahre wie
ein Tag. Und wenn anch nickt eher, so wird doch an dem Tage, an
welchem wir unsern Levenslauf vollendet haben, der Stein von
unserm Grabe weggewalzt, unsere Seel- von dein auf ihr lastenden
Drucke befreit werden. Strahlend wie der verklärte Leib des Hei
landes weiden wir vor das Angesicht Gottes tr.-t-n. wenn wir die
Leiden dieser Zeit aus Liebe zu ihm ertrage,» hab-m. Diese Leiden
werden uns nicht mehr als ein Uebel erscheinen, sondern als von
Gott gesandte Boten, welche uns z»r ihn», dem Auferstandenen und
Verherrlichten, hinführen..
So wollen wir uns derrn. meine lieben Freund?, des Oster
festes von ganzem Herzen frencn. Denn was sind die Leiden dieser
Zeit, wenn Nur sie vergleichen mit der ewigen Glü,Lseligke:t! Freu
dig wollen wir einstimmen in den Ruf. den wir in der Osterzeil so
oft vernehmen: Alleluja! I?e* *£trc*it sic ul dlxit, der Herr ist auf
erstanden, wie er gestrgt hat! Alleluja!
Bedeutung und Aufgabe der Philosophie..
(Bon Nikolaus Vogel, Lehrer in Rockeskyll.)
I.
„Was ist schöner als philosophische Wissenschaft? Wo mancher
zuweilen 1(rtt Griffe versuchet, um eine verwirrte Frage recht zu erör
tern und gleichwohl letztlich mit dem Verstände scheitert, all dort
ohne Mühe, besser als ein mazedonischer Alexander, löst solchen
Knoten auf der Philosophns. . . Tausend Wunderdinge veran
lassen manchen Ungelehrten zu viel unruhigem Nachfinnen, da
unterdessen ein Philosoph den stillen Fußpfaden der Natur nach
schleichet und dero heimlich« Birkungen erhaschet. Deshalb sind'
solche Weise jederzeit zu groß.-n Ehren gelangt und haben von den
verständigen allen gebührenden Respekt und verdiente Glory ein
gezogen . . . Lehr uUd Wissenschaft find in dem Menschen wie ln
der Erde daS Gold, in den, güldenen Ring der Edelstein, in dem
Edelstein der Glanz.- So spricht sich Abvaham a Santa Clara in
„Mertt Wien- übrr die Bedeutung der Philosophie und Wissenschaft
auS. Er steht damit nicht allein in der Geschichte und un'er den
großen Marment der Zeiten. Biele ahnlichlautende oder noch höher
klingende Aeußerungen ließen sich zu grinsten der Wissenschaft über
haupt und der Phssosophie im besondern beibringen.
Für unsere Zeitgenossen ist es an und für sich völlig überflüssig,
ein Wort über die Bedeutung der Wissenschaft überhaupt zu Ver
lierer:. Nie wird man der Gegenwart vorwerfen können, daß sie
eS an Wertschätzung der Wissenschaft und des Wissens fehlen ließ
Im Gegenteil: Der Vorwurf scheint eher berechtigt, daß die heu
tige Menschheit die Wissenschaft und das Wissen überschätzt, daß sie
glaubt, auf ihrem Lebensivege und bei ihrer» Kulturschassen mit
dem bloßen Wissen, mit den natürlichen Wissenschaften aus-
komnren und jeglicher höhern Erleuchtung, wie sie das Glariben
geivahrt, cntbehren zu können Wir leben iS anerkannternraßen in
einem Zeitalter der blühenden Natur- u,id technischen Wissenschaf
ten. Was für das praktische Leben an Wissen dienlich, das wird
für notwendig crodviet. Wer solches Wissen in reichstem Maße
erivorben, der gilt als der Tüchtigste.
Einer solchen Zuneigung gegenüber, die inr materiellen Sinn der
Gegenwart, in der Himreigung zum Materialismus, ihre Ursache
hat. erscheint es mrs sicher am Platze, die Bedeutung und Ausgabe
der Philosophie zu betonen. Denn, das sei vorwcg zugegeben: Die
Philosophie ist jene Wissenschaft, welche ersichtlich den ivenigften
direkt praktischen Wert hat. und materiell verspricht sie keinen Er
folg. Ja noch mehr: es kann sogar sein, daß ein Studium der Phi
losophie manches, was wir — folgend dem Zeitzuge — und als
sichern Bestand unserer Ueberzeugung aneigneten, als hinfällig
erweist. Die Lehrerschaft darf sich durch solche Zeitftrömungcn nicht
beirren lassen. Sie für das Studium der Philosophie zu begeistern,
besonders viele Junglehrer hierfür zu gewinnen, sei Der Zioeck
dieser Zeileir.
Philosophie ist wie jede Wissenschaft ein Wissen, ein Erkennen.
„Alle Menschen-, sagt Aristoteles'), „streben von Natur aus nach
Wissen. Das zeigt daS Verlangen nach sinnlichen Wahrnehmungen;
denn abgesehen vou dem Gebrauche werden ste um ihrer selbst
willen geliebt und am meisten von allen diejenigen der Augen.
Denn nicht bloß um zu haudein, sondern anch, wenn wir nichts
tun wollen, lieben wir das Sehen sozusagen vor allen anderen-.
Eine allgemein anerkannte Tatsache stellt der Stagircke hiermit fest.
Das Auge wendet sich gteichiam instinktiv denr Lichtstrahls entgegen.
Ebenso besitzt das Ohr die natürliche Neigung zu den ihm ange
paßten Toneindrücken. Man enrpiindet Freude au: Sehen De«
Lichtes, am Hören des Schalles; absolute Dunkelheit und Stille
peinigen dagegen Die Sinuc sind mithin von Natur aus hinge
ordnet nach den ihnen entsprechenden Eindrücken; sie zeigen gleich
sam ein Hinstr-eben nach denselben.
So ist es in der ganzen Natur bei allen Sinnenwesen, ob Tier,
ob Mensch Die durch die Sinne gewonnenen Eindruck' rverden
durch den inneren Sinn nach ihrer Zusammengehörigkeit verknüpft,
durchs Gedächtnis festgehalten, durch die sinnliche Einbildungskraft
gewissermaßen moduliert und ergänzt. Das Sinnenwesen bildet
sich Vorstellungen Der menschliche Verstand aber gestaltet Be
griffe, Urteile und Schlüsse. Wenn nun auch diese Erkenntnis-
tätigkeit bei deu eirrzelueu Individuen sich in sehr verschiedenem
Grade sowohl bezüglich seiner natürlichen Triebkraft als auch der
Intensität seiner Auffassungsgabe zeigt, so steht doch fest: 1. Eine
gewisse iwtürlichc Triebt rast zeigt das menschliche Erkenutnisver»
mögen bei allen Menschen und 2. Es ist anch bei allen eines ge
wissen Grades der Jtensität fähig. Jedenfalls fehlt keinem Men
schen der Erkenutnistricb, und vier I>ei seinen Kindern die vielen
Fragen, die sie von dem Augenblicke, wo die Vernunft ivach wird,
stellen, beantworten konnt?, der Uv iß, wie rege der Erkenntnistrieb
bei allen Menschen von Anfang an ist.
Alle Dinge saßt der Mmsch unter dem Begriff des Seins, dieser
ist der höchste und allgenleinste, ihn sagt er von allen Dingen aus.
Der Erkemrtnistrieb geht nun auf alles, :vas ist; das Seiende will
er erfassen, so wie es ist. Diese formale Einheit zwi'chen Erkennen
und Sein ist es. wir die Wahrheit der Erkenntnis nennen.
Diese Wahrheit der Erkenntnis hat ihren Grund im Erkannten, m
der Wahrheit der Dinge, welche hinwiederum auf der Ueberein
stimmung des Dinges mit seiner Idee im vorerkennenden Intellekte
des göttlichen Schöpfers aller Dinge beruht. Von Wahrheit vor
den Dingen, in de:: Diicgen und nach den Dingen spricht daher die
Schule. Die ganze Wahrheit, alles Seiende, denn wahr ist. was ist,
ist das Ziel dos Strebend der Erkenntnis. „Kenn seiendes ist von
der Erkenntnis ausgeschlossen, sondern alles Seiende ohne Aus
nahme — der einzelne Strohhalm so gut wie das Wesen Gottes —
kann von uns erkannt werden, wenn es die Bed'nrguwgen unseres
Erbrnnens erfüllt."^) Der Mensch strebt also von Natur aus nach
der ganzen Wahrheit, nach der Wahrheit ohiw jode Einschränkung.
Daß diese Undeschriinktheit des menschlichen Erkenntnisktreb-mS
durch die uns auf Erden gegebene Erkenntnis nie befriedigt werden
kann, daß diele Schrankenlosigkeit des Zieles ratsächlich eine schran
kenlose Wahrheit und damit Vvllkommcnhüt voraussetzt, l-arauf sei
hier bloß hingc-wiesen.
Die Wahrheit erstrebt der Mensch so zu erfassen,
die Dinge so zu erkennen, wie sie tatsächlich sind. Er strebt
danach, die Ueberzeugung zu gewinnen, daß seine Erkenntnis mid)
tatsächlich der Wirklichkeit entspricht, suckst sich über das Warum des
Soieins Sicherheit zu verslixrfscn. Das Erkennen erhält die Festig
keit der Gewißheit, die Erkenntnis ist Wissen geworden. Wissen ist
des GcistcS Ziel, nach Wissen streben nach obiger Stelle des größter»
Gelehrte« der vorchristlichen Zeit alle Menschen, klares Wissen er*
l-cbt den Geist aus dar Jrdischkcit.
Wenn nun auch so der vienschliche Verstand einer sicheren und
gewissen Erkenntnls fähig ist. wenn er mich unb-schränkt im Ziele
seines Erkennt» isstrebenS ist, so ist lein Erkennen doch, der be
schränkten menschlichen Naftrr entsprechend, ein sehr bedingtes, end
liches nnd beschränktes. „Als er:d!iche Kraft bew-egt die menschlich«
Erkenntnis sich naturrrotwcndig in Schranken. Sie beginnt mit
dem Zustand der Unwissenheit,, und wie weit sie auch im Wissen
fortschreitet, der Umfang desselben bleibt stets zwischen einer
inneren und äußeren Schranke stehen. Alle unsere Begriffe gleichen
einer geometrischen Figur, \wl&rz diesseits und jenseits ihrer Linien
eine leere Fläche zeirft. Jeder Erkenntnisakt ist ein von Nickchvissen
umgebenes Wisse;:. pjne äoain ignorant:«,. wie Nikolaus von Eues
sagt."') Ebenso haftet unserer Erkenntnis stets eine aewisse Schwäche
in die Einsicht der Uebereinstimmung zwilchen Erkenntnis und
Wirklichkeit an. Damit »oll nicht die Gewißheit einzelner Wahr*
leiten bestritten werde::, sorrdern es sei damit bloß hervorget-oben,
daß die Wahrheitserlenrcknis leicht in Gefahr kommt, getrübt und
verwirrt zu werden. Die Geschichte zeigt, daß das menschliche
Wahrheitsstreben ja eine tortlausende Kette von Täuschungen ist. s»
daß durch diese Tatsache sich nianche Geister bewogen fühlten, über
haupt an der Möglichkeit. daS Wahre zu erkennen, zu zweifeln.
Jedoch :var diese Skepsis stets nur das Erbteil einiger weniger ver*
irrter Geister. Die Menschheit als Ganzes — sie ist der wahre
Mensch, — hat daran festgehalten, und dies ist demnach die Offen
barung der wahren Mcnfchennatur. daß die Skepsis eine kranNuiftr
Bcrirrrmg sei. Sie hat nie daran geziveifelt — trotz aller Miß»
•l Metaphyf. I. I.
■) nirtd: Glaube «. Mssen S. 84L.
*i Kajjner: GruMmte der Aufgabe dex.Philosophie

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