Nr. 28
Pädagogische Post
Seite 441
durch das Haus, den Garten und die nächste Umgebung, und dann
einigte ein einfaches Abendessen Aufsichtsrat und Vorstand zu brü-
derliclfer Gemeinschaft. Dabei wurde der verdienstvollen, leider
allzufrüh verstorbenen Mitglieder gedacht und eine „Ehrentafel für
Verdienst unl das Lehrerheim" angeregt, die Arbeiten und Ver
dienste des zeitigen Vorsitzenden gebührend gewürdigt, das gute
Einvernehmen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gefeiert, eine
gegenseitig noch engere Verbindung zwischen St L. V. Rheinland
und Genossenschaft Lehrerheim seitens des Provinzialvorsitzenden
Herrn Topp angestrebt und zuguterletzt dem Vorsitzenden d:s
Aufsichtsrxrtcs .Herrn Niggemann Dank und Anerkennung erwiesen.
Ein anschließend geselliger Teil hielt alle Mitglieder beider Körper
schaften noch mehrere Stunden in rheinischer Gemütlichkeit und
rheinischen: Frohsinn zusammen und zeigte erneut, daß das Lehrer
heim dazu so recht geeignet ist, wenn man im Zeitenernst, in Be
rufsnöten und AUtagssorgen eine Wohlbcrechtigtie, notwendige und
bescheidene Erholung sucht?
Mögen dre vielen Kollegen bit Bruderverb Lude Rheinland,
Westfalen, Hesserl-Nassau uud Hannover für sich, ihre Allgehörigen,
ihre Freunde und Bekannten zur Erholung oder Gellesung sich in
recht ausgiebigem Maße des Lehrerhcims zu Rhöndorf am Drachen
fels eriilliern. Ein herzliches Willkommen, eine liebevolle Auf
nahme. gute Verpflegung und rheinischer Frohsinn ist allen ohne
Ausnahme sicher!
Brennende Beamtenstaqen.
Die nächste Zeit wird für die Beamtenschaft Tage von größter
Bedeutung brlngen. Beamtenrätegesetz, Beamtendisziplinargesetz und
eine Novelle zum Beamtengesetz sollen in Kürze das Licht der Welt
erblicken. Werden sie als fertiges Machwerk der Beamtenschaft vor
gelegt werdeil ohne deren Mitarbeit? Wahrscheinlich! Es handelt
sich nur um Beamtenangelegenheiten. Da rnuß Schneid gezeigt
werden — so wollen's alte Geheimräte. „Regierung, werde hart!"
Der Entwurf des Boamtenrätegesetzes sicht drei Klassen vor:
untere Beamte 1—5, mittlere Beamte 6—9, höhere Beamte ab Gruppe
10. Warum soll's denn auch heute im demokratischen Staate anders
sein als früher?! Die Mitbestinnnung durch Beamtenkörper scheint
ausgeschlossen zu werden; entscheidend ist der zuständige Minister
allein. Branchen wir Beamte keine Schlichtungsausschüsse im Gegen
satz zu Angestellten mrd Arbeiten:? Hier heißt es für alle Führer,
an maßgebender Stelle für die Beamten eine Lanze zu brechen.
Das Beamtendisziplinargesetz soll für uils günstiger werden.
Hinein nmß aber noch, daß dem gemaßrcgelten Beamten seine Pen-
sions- und Hinterbliebenenbezüge riicht verloren gehen. Er hat
rechtlichen Anspruch daraus; denn diese Bezüge hat man ihm früher
vo,l seinem Gehalt für diesell Zweck vorenthalten. Aus demselben
Grunde darf man auch an den erworbellen Rechten der älteren Be-
anlten nicht rütteln. D:e Drohung, die inan in dieser Hinsicht in
letzter Zeit gern ausstößt, karrn mau rechtlich nur an neu eintreten
den Beanlterl wahr machen.
Und ellülich die Novelle zum Beamtengesetz. Es soll das wahr
gemocht werden, was vor kurzer Zeit durch die bürgerliche Presse
ging. Streikende Beamte lverden sofort entlassen, sie können auf
Privatdienstvertrag wieder eingestellt werden und eoentl. nach fünf
Jahren in ein neues Beamtenverhältnis einrücken mit Verlust der
Vorteile früherer Dienstjahre. Man mag zum letzten Eisenbahner
streik stehen, wie man will, aber zugeben mich man, daß nianchen
die bittere Not der Familie in den Streik getrieben hat. Aber da-
vorl will man nichts wissen. Auch wenn wir den letzten Streik ver
urteilen, sollen gerade wir Beamte nicht mit vollen Backen in das
Regierungshorn blasen; denn es enthält doch manck)S Aiitztöne. Ge
setzlich gibt es für den Beamten kein Streikrecht, so legen berufene
Kenner die Reichsverfassnng aus. Die Grundlage aller Gesetz-
gebmlg muß die Moral bilden. Ist nun das Streikrocht moralisch
zu begründen? In gerechter Notwehr darf ich meinen Gegner
töten, so lehrt die Moral Ist dadurch nicht auch das Streikrecht
für Beamte bedingt gegeben? (d. h. in Notlage und wenn zur Be
seitigung der Not andere Möglichkeiten nicht gegeben sind.) Es
handelt sich um die Löfurrg der prinzipiellen Frage, wie auch das
Gesetz diese Frage tm Prinzip lösen will. — Wird die Novelle in
der vorgeschlagenen Form angenommen, so ist die Beamtenschaft
der Negierung, dem Parlament auf Gnade und Ungnade aus
geliefert. Der Staat nimmt für sich alle Rechte in Anspruch, der
Beamte hat nur Pflichten Bei elender Besoldung können eventl.
Proteste losgelasien werden, denen man kein Gehör schenkt. Und
was dann? „Wenn der Bedrängte nirgends Recht kann finden,
greift er hinauf zu seinen ewigen Rechten, die droben hangen unver
äußerlich" — auch trotz Novelle! War 1618 die Involution gesetz
lich? Und fand man sich nachher daurit ab.
Die Regierung scheint wirklich.zu glauben, sie habe ihre Pflich
ten 5cn Beamten gegenüber immer voll erfüllt. Auch die neue Be
soldung läßt wieder einen großen Teil der Beamtenschaft hinter
anderen vergleichöberechtigten Berufsgruppen weit zrrrück. Daß
währen- der Streiktage einige Milchzüge nicht gefahren wurden, !
nannte man ein „großes Verbrechen". Wie will man dann da-
nennen, daß ein erheblich:r Teil der Beamten ihren Kindern
monatelang keine Milch kaufen konnten, da ihr Geheilt dazu nicht
reichte?! Darüber schweigen Regierung, Parlament und Presse,
Wenn die Regierung der Beamtenschaft im künftigen Beamten
gesetz keinen Weg offen läßt, den sie betreten kann, wenn der Staat
seine Pflichten nicht erfüllt, dann nimmt die Regierung für sich daS
Streilrechi in Anspruch Denn auch hier bedeutet Nichterfüllung
des Vertrages Streik. (Die letzten Gehaltszahlungen waren z. B.
nur „Notstairdsarbeiten".)
Treiben wir nicht ängstliche Beamtenpolitik. Auf unsere Pen-
sions- und Hinterbliebencnbezüge haben wir Rechtsanspruch. Der;
Beamte ist vom Staate abhängig — einer geeinten Beamtenschaft
gegenüber ist auch der Staat ohnmächtig Treiben wir rechtliche
Beanrtcnholltik, nicht Interessen-, -einseitige Partei- und Regiqc
rungspolitik!
! »
Aus den Vereinen.
Li 1
Einladung
zur
Bertreterversammlung
des Kath. Lehrerverbandes, Prov. Rheinland E. B.
in Köln
am Sonntag, den 28. Mai d. Js-, vormittags 9%1 Uhr.
Tagesordnung:
I. Hauptversammlung. j
1. Prüfmrg der Mandate und Ausstellung der Vertreterliste.
2. Jahres- und Kassenbericht. Festsetzung de§ Etats und dns
Beiträge.
3. Endgültige Feststellung der Satzungen.
4. Besoldungsftage. Res Topp- Duisburg.
6. Anträge.
6. Besprechung der Tagesordnung für Fulda.
II. Hauptversammlung (nachm. 2Vz Uhr).
1. Lehrerbildung. Res. Seifert-Bonn.
2. Kolleg. Schulleitung. Res. Stroh-Duisburg.
3. Lesewerk für die kath. Volksschulen.
Res. Schumacher-Köln.
4. Satzungömäßige Wahlen.
5. Wahl der Provinzialvertreter für dir Versammlungen de-
.Hanptverbandes und der Preußischen Abteilung.
6. Anträge.
(Änderungen vorbehalten.)
Alles weitere über Wahl und Zahl der Vertreter etc. ist z«
ersehen aus dem Bericht über die Sitzung des geschäftsführende«
Vorstandes in der vorigen Nunnner der „Pädag. Post".
Der Vorstand :
I. Auftr.
gez. Eberts, gez. Franz Topp,
Schristführrr. Vorsitzender.
Duisburg, 10. April 1922.
Bezirksverband Köln. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung
unserer Mitglieder an der Pädagogischen Woche zu Köln. Dauer:
Vom 18. 4. abends bis 21. 4. Ort: Weißer Saal der Bürgergeselb»
schaft. Beginn der Vorträge am Mittwoch, den 19. 4., vormittag-
8 Uhr. Gesamtkarten 25 Mk, Tageskarten 12 Mb Näheres bei
Beginn

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