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PLVaaoaffche Dost
Nr. 29
Sie ist die wahre Wissenschaft des Geistes. Nicht Erkenntnis ver
Erscheinungen des Vergänglichen und Zufälligen, entspricht der
wahren Natur des menschlichen Geistes, sondern Erkenntnis der
Ideen, des Unvergänglichen in den Erscheinungen ist allein des
ewigen Menschengeistes würdig. - Die Philosophie, als Wissenschaft
von den höchsten Ideen ist daher die grundlegendste Wissenschaft, so
daß dem, wer sie,'die Jdeenlehre nicht kennt, nach einem Worte des
hl. Augustinus der Zugang zur Erkenntnis überhaupt verschlossen
bleibt. „Denn nur wer sie «rkennt. hat die letzten Gründe der
Dinge erkannt, das Mas; kür alles, was da ist. Die Idee 'ft aber
nicht blos; Urgrund, sondern auch Ziel aller Dinge, zu dem alles
sich binbewegt. Darum ist die Philosophie Weisheit, die Voll
er düng alles menschlichen Wissens, ohne welche alles Wissen wie im
Ginstern tappt, die alle übrigen Wissenschaften mit ihrem bei benden
Geiste durchdringt, allen ihre wissenschaftliche Form. Sicherheit und
Methode verleiht, jene königliche Kunst, welche Sokrates gesucht
hat. „Sie ist sehr vorzüglich", belehrt uns Aristoteles, „in allen
ihren Zweigen, aber nicht ist vorzüglicher, als die Theologie"), die
darrnn auch die erste Philosophie genannt wird, denn sie hat mit
dem zu tun, was das Ehrwürdigste von allen ist."")
Auch der heutige wissenschaftliche Sprachgebrauch, der von
Wurzeln, Stämmen, Aesten und Zweigen der Wissenschaft spricht,
hält dadurch wenigstens sprachlich ant organischen Charakter der
Wissenschaft fest. Sonst aber ist den Modernen diese Kenntnis viel
fach verloren gegangen. Willmann, dem Altmeister der Pädagogik,
wird man deshalb zustimmen müssen, wenn er schreibt"): „Als
Mutterpflanze oder Stamm wird man die Philosophie jedenfalls
gelten lassen nrüsscn; aber nach der heute gangbaren Ansicht von
der Wissenschaft berührt ibr Absterben nicht das von ihr ausgegan-
ge ne Netz der Fachwissenschaft :n, denen man eher zuspricht, das; sie
von der Verwesung jener nur gewinnen können. Aber es sind An
zeichen vorhanden ...... daß die Fachwissenschaften aus der
Philosophie hervorgegangen, den alten Stamm umgeben als
Stützen seiner Krone und mit ihn; in steten; Austausche der Lebens
geister stehend Die Philosophie ist Prinzipienlehre, und so gewiß
alle Fachwissenschaften eine Verarbeitung ihres Stoffes nach
Prinzipien anstreben, entwachsen sie der Philosophie zu keiner Zeit
und ist ihre Slbwendung von derselben ein Zeichen, daß der ganze
Organismus kränkelt; an Stelle des gesunden Lebensverkehrs von
Staunn und Ausläufern tritt, weil ein Verkehr unerläßlich ist, der
unnormale, wie ihn beim Organisinus die Unterbindung bewirkt.
Es liegt in dem Partikularismus der Fachwissenschaften etwas von
Autonomie, wie er auch mit den autonomistsschm Verirrungen
der Neuzeit zuscnnmenhängt. Der Einzelforscher, der mrr aus sein
Fach bedacht ist und von dessen Zusammenhange mit dein Ganzen
nichts wissen will, da das Ganze von selbst um so besser gedeihen
werde, je intensiver man das Einzelne bearbeite, gleicht dem Geld
macher der smitbschen Wirtschaftsordnung, der überzeugt ist. das;
die Betätigung seines Egoismus das beste Mitel ist, das Gemein
wohl zu fördern. Hier wird von; Mechanismus des Marktes, dort
von dem spontanen Konsensus des geistigen Lebells die richtige
Summierung der autonomen Einzeltätigkeit erwartet." Ebenso
vergleicht Willnrann den Partikularismus der Fachwissenschaften
mit dem Autonomismus des kantischen Tugendhelden und fährt
dann fort: „Englischer Empirismus und kantische Kritik haben das
ihrige beigetragen, um jene Grundstimmung der modernen Wissen
schaft herzustellen; legte man an die Wissenschaftlichkeit jener die
Sonde, so würde man erkennen, lvelche Unwissenschaftlichkeit ihr
Autonomismus in den WissensVetrieb eingeschlepvt hat. Der Au
tonomismus isoliert die Einzelnen und sftNvächt dadurch sic und das
Ganze; er macht aufgeblasen und unsicher, trotzig und verzagt zu
gleich; erläßt keine Grenze gelten und raubt sich dadurch auch jeden
Halt. Friedrich Nitzsche sagt nicht zu viel, wenn er in der moder
nen Wissenschaft „einen Maugel an Glauben an sich selbst, eine Un
ruhe der Jdeallosigkeit, eine unfreiwillige Genügsamkeit" findet."
Ja die meisten Mängel unserer Zeit, die Versunkenheit in diesen
seichten Materialismus, diese Zucht- und Zügellosigkeit, dieser
1T ) Unter Theologie versteht Aristoteles die philosophische Gottes
lehre oder Theodicee. nick; aber die Theologie ;n Weherem heutigen
Sinne. Diese kannte er ja nicht.
1S ) Dettinger, a. a. O. S. 33.
Willmann, Geschichte des Idealismus. III. 92J-
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Kampf aller wieder alle u a m. ist eine Frucht des allgemeinen
Fehlens einer tiefern philosophischen Bildung. Jedoch darüber
ein andermal mehr. Soll es besser werden mit uns. sollen die Zeit-
übel überwunden und gehoben werden, dann nützt nicht „Arbeit
allein", wie Afterweise uns glauben machen wollen, sondern dann
muß die Wurzel des Uebels ausgerodet werden. Das aber geschieht
nur durch eine allseitige tiefgründige philosophische Bildung aller
jener Kreise, die dazu berufen sind, unserm Volke Führerin bei dem
Aufstieg, den wir alle fiir es erhoffen, zu sein. Zu diesen Kreisen,
darüber sind wir uns doch alle einig, gehört aber in erster Linie
der Volksschullehrer. Deswegen vor allem Fachsimpeln, vor allem
Nippen an naturwissenschaftlichen Brosamen, vor allem Geschichts
wühler; heran an die Philosophie und durch gründliches Studium
dieser gesorgt, daß man auch vor lauter Bäumen den Wald noch
steht.
Die Gestaltung der Schulmessen im Geiste
der Liturgie.
Von Baltin, Winden.
(Schluß.)
Die Erfahrung lehrft, daß die Verwirklichung eines Gedankens
am leichtesten wahr wird, luenn unbeaueme Arbeitsvoraussetzungen
für die Inangriffnahme behoben werden. So folgt denn hiermit
eine Reihe kindertümlicher „Meßformulare", die jeder Einzelne
freilich nach besonderem Gefühl und Ernressen anders gestalten und
umgruppieren mag. Es geht vorerst nur darum, den Reichtum
unseres augenblicklichen Diozesan-Gebetbuches (gemeint ist hier das
Gesang- und Gebetbuch für die Erzdiözese Köln, I. P. Bachem,
Köln) für die Ausgestaltung der Messe in dem Sinne der Liturgie
aufzudecken, da wir ja aus lange noch mit d.'m Kommuniongebet
buch der Kinder rechnen müssen. Be; der Auswahl unterbleibt die '
Angabe der Seitenzahlen, da bei den mannigfachen Ausgaben das
Nachschlagen unnötig erschwert würde. Daneben niöge im ganzen
Wortlaut stehen, was aus andern brauchbaren Quellen geschöpft,
besonders aus der Kinderstube hinzugetragen wurde.
Maria hil f- Messe.
Stafselgebet.
Lied: Maria wir dich grüßen,
O Maria hilf . . .
Gloria.
Evangelium.
Lied: 2. Strophe.
Opferung: Jungfrau, Mutter Gottes mein,
last mich ganz dein eigen sein;
dein im Leben, und;m Tod,
dein in Unglück, Angst und Not,
dein in Kreuz und bittern; Leid,
dein für Zeit und Ewigkeit!
Jungfrau, Mutter Gottes mein,
laß mich ganz dein eigen sein!
Amen. Minderstube.)
Lied: Sei gegrüßt viel tausendmale,
o Maria, Jungfrau rein. . .
Stille Messe: Gesetz des Rosenkranzes mit den; Zusatz:
V. O Maria immer hilf,
R. in allen Nöten und Gefahren.
Nach der Wandlung:
Lied: O Maria, voll der Gnaden . . .
Alle: Hilf Maria, es ist Zeit,
Mutter der Barmherzigkeit
du bist mächtig uns cu;s Nöten
und Gefahren zu erretten;
denn wo Menschen Hilfe bricht,
mangelt doch die deine nicht.
Nein, du kannst das heiße Flehn
deiner Kinder nicht verschmähn.
O z-eige, daß du Mutter bist,
wo die Not am größten ist.
Hilf Maria, es ist Zeit,
Mutter der Barmherzigkeit.
Amen. (Altes Marienbuch.)
Nach der Kommmrion:
Unter deinen Schutz und Schirm . . .
Lied: Milde Königin gedenke,
wic's auf Erden unerhört . . . 1, ‘ r;
^ (Kevelaerlied.)
Schutzengel-Messe. (Menstag.)
Staffelgebet.
Alle: Heiliger Schutzengel mein . . .
Lied: Du mein Schutzgeist, Gottes Engel . , .
Opferung: Nimm an, o Herr, die Gaben
aus deines Priesters Hand.

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