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PLSagogffche Post
Nr. 29
-einen Lehrervereinen- und kammern zusammen, scharf abgewogen
und geprüft, das „Für und Wider" hervorhckbend. Alle jedoch erden
ein getreues Spiegelbild des kollegialen resp. dienstlichen Verkehrs
der Lehrkräfte untereinander wieder, diese die autokrative frühere
Einrichtung lobend, jene mit der kollegialen jetzigen Einrichtung
sehr sympathisierend. Unsere Vertreter in den einzelnen Vereinen
waren gewiß von dem guten Vorsatz: und Willen durchdrurrgen,
zum Wohle der Schul? und zum Gedeihen eines wahrhaft fried»
lichen Verhältnisses aller Lehrenden eirrcs Schulverbandes mir
Gutes zu schaffen.
Woher, die Auswüchse? Es gibt eben hier wie dort immer noch
Leute, an denen die Revolution spurlos vorübergegangen ist. Alan
kann sich immer noch nicht mit dem Gedanken abfinden, mit der
neuen Zeit vorirärts schreiten zu müssen, seine Fahne nach dein
Winde einzustellen. Allzusehr klebt man am Alten, möchte gar
nichts von dem preisgeben, was einem in der Vorkriegszeit durch
irgcndtvelche glücklichen Umstände in den Schoß gefallen ist und
wettert nun über die neuen Einrichtungen los, als wenn Idioten
ihre Schöpfer seien- Daß unter solchen Verhältnissen von einer
Einheit im Streben und Wollen eines Lehrkörpers keine Ruhe sein
kann, ist einleuchtend. Wo ist der Grund zu mchen, wenn solche
unangenehmen Auswüchse in einem Kollegium sich breit machen?
Die geschickte Hand eines sozialgesinnten Schulleiters ist ' s m- E.
ganz allein, die hier den rechten Weg vorzeichu't.. Soweit ich über
das kollegiale Leben und Streben innerhalb des Lehrkörpers der
näheren und weiteren Umgebung unterrichtet bin, habe ich nur
Lobenswertes gehört- Aber am eigenen Schulsystem fürwahr,
gcht's nur selten friedlich her. Es ist nicht zu leugnen, daß mit
Einführung der kollegialen Schulleitung Parteien ins Leben traten,
d^e sich meistens aus persönlichen Gründen zusammengefunden
haben. Tatsache ist es ferner, daß unter den weiblich Lehrenden der
größte Prozentsatz zu finden ist, der dein alten System nicht den
Rücken kehren kann, der gleichsam aus Sympathie zu seinem Schul
leiter an den: Strang der alten Rektoratsglocke weiterzieht. An
solche irgendlvelche Auiklärungs- und Bekehruugsnersuche anzu
stellen, halte ich für zwecklos.
Am 16. Januar 1921 erschien als Beilage zum Anrtl. Schulblatt
für den Reg.-Bez. Düsseldorf die Dienstamveisung für Lehrer und
Lehrerinnen der Volksschulen. In einer Systemkonserenz der
14klassigm Marienschule in Steele im März 1921 würd? diese zum
Gegenstand der Besprechung gemacht und dabei als besonders wich
tig die Obliegenheiten der Lehrerkonserenz im Rahmen der behörd-
lichen Bestimmungen beleuchtet. Diese besagen im § 3 unter ande
rem. daß der Schulleiter nicht dauernd die 1. Klasse führen soll oder
daß gar neueintretende Schu'amtsbewerüer regelmäßig die Schul
neulinge bekommen. Man einigte sich dahin, daß abwechselnd sich
4 Herren in die unteren und 3 Herren (darunter auch der Schul
leiter) in die oberen Jahrgänge teilen sollten. Der neue Modus
fand die Zustimmung der gesamten Konferenz. Somit war für die
Zukunft ein geordneter und geregelter Schmbetrieb gesichert. Doch
weit gefehlt. Als im März d. Js. abermals der Punkt „Klasien-
verteilung" auf der Tagesordnung stand, ging ein allgemeine-
Rannen und Staunen durch das männliche Kollegium. (Die Da--
men einigen sich von Jahr zu Jahr.) Und siehe da, der Herr Schul
leiter fand es unter »einer Ehre, aus der Oberklasse scheiden zu
sollen und den 5. Jahrgang zu übernehmen. In sichtlicher Ge-
kränktheit versuchte er, über die nachstehende Frage eine Abstim
mung herbeizuführen: »Wer ist dafür, daß ich aus der Oberklasse
verdrängt werden soll?" Da von cine»n Verdrängen keine Rede
sein konnte, wie ihm bedeutet wurde, daß er vielmehr sich an den
Konferenzbeschluß zu lalten hätte, gab er zur »veiteren Aufklärung
den »vahren Grund seiner Opposition an. „Ta die anderen Rek
toren in der Stadt in diesem Jahre wieder die Oberklasse behalten,
so komme ich in der Stadt in Mißkredit, wenn ich den 5. Jahrgang
übernehme. Was wird die Leffentllchkcrt dazu sagen?" so sagte
der Rektor wörtlich. Die Konferenz hielt an ihrem Beschlüße fest
und nun steckte sich der Rektor hinter den Schulrat. Zum größten
Erstaunen entschied der Schulrat dahin, daß er aus „persönlick-cn
und pädagogischen Gründen" niemals seine Zustimmung dazu geb n
würde, daß der Rektor eine andere als die Oberklasse bekomme.
Dem Herrn Schulrat dürfte bekannt sein, daß gerade persönliche
und pädagogische Grrinde, die ihre Ursache in der Person des Rek
tors haben, einen Wechsel notwmdig erscheinen kiffen. — Die kolle
giale Schulleitung wird dadurch illusorisch, daß di? Konserenzbe-
schliisse von ber Genehmigung des Schulrats abhängig gemacht
werden und er solchen Beschlüssen, die den Rekror. der ihm Freund,
Berater und Mitarbeiter ist, von seinem alten Glanze etwas neh
men wollen, di? Genehmigung versagt. Es liegt im Interesse der
gesamten Lehrerschaft, die den jahrzehntelangen Wunsch nach kolle
gialer Schulleitung erfüllt zu festen glaubt, wenn diese Zeilen dazu
beitragen würden, ähnliche Vorkommnisse der Oeffmtlickkeit
bekannt zu geben I. S.
Junglehrernot, Preußischer Landtag uird
Regierung.
Unter dieser Ueberfchrist berichtet die „Allgemeine Deutsche
Lehrerzeitung" in Nr. 11 vom 17. 3. 1922 über die 2. Lesung des
Bolksschuletats und über die Verhandlungen im Hauptausschutz.
Dabei wird unter den Abgeordneten, die sich mit „besonderer Wärme
der Junglehrernot annahmen", der Zentrumsabgeordnete Gott
wald mit keiner Silbe erwähnt Das muß umsomehr auffalten,
da eine vorurteilslose Darstellung dieser Verhandlungen an seinem
Namen nicht vorübergehen kann, weil die gemeinsamen Anträge
unter seiner Führung gestellt und die praktischsten ihn und seine
Partei als Urheber hatten Wo bleibt da die so oft mit der Mene
der Selbstgefälligkeit ausgesprochene parteipolitische Neutralität deS
D. L. V. und seiner Organe, wo die Rücksicht auf die durch die Ta
gespresse besser unterrichteten Leser? Oder hat nran ein Interesse
daran, durch Verschweigen der feststehenden Tatsache, daß in der
Junglehrerfrage das Zentrum und der Abgeordnete Gottwald bei
all den letzten Verhandlungen führend waren, in dein weniger
miterrichteten Leser von selbst die Meinung aufkommen zu lassen,
daß man „nach der ganzen Haltung dieser Partei (Zentrum) kei
nerlei Förderung der wichtigsten Schul, und Standesfragen von ihr
erwarten kann", wie die Preußische Lehverzeitung am 1. 10. 1921
schrieb. Der Anteil des Zcritrums und des K L. B. an. der Sorge
für die jungen Lehrer ist in dem Aussatze: Was geschieht für dce
jungen Lehrer? m Nr. 2, Jhrg. 1922 der Schulpolitik dargestellt;
hervorgehoben soll noch werden, daß der gemeinsame Antrag aller
Parteien vom 14. 12 1921 betr. Unterbringung der Flüchtlings
lehrer in dm autzerpreußischen Ländern der ursprünglich vom Aog.
Gottwald gestellte Antrag tvar. Ter positive Vorschläge enthal
tende Antrag — widerrufliche lausende Unterstützungszuschüsse für
Schulamtsbewerber in Höhe von 12 Millionen Mark im Kapitel
118 unter dem neuen Titcck 39a einzufügen — ist von der Zentrmns-
partei gestellt und durch den Abg. Gottwalü eingereicht. In: 30.
Ausschuß des Reichstags (für das Bildungswesen) hat der Zen-
truinsabgeordnete Rheinländer gleichzeitig nach den Anträ-
gm Löwenfteins jmen gemeinsamen Antrag deS Landtags ncxy-
mals gestellt und dahin gewirkt, daß Mittel der produktiven --
wcrbslosenfürsorge auch für die Junglehrer bereitgestellt werden
möchten. Hier waren uird mußten das Zentrum und feine Abae-
ordrretm aus dem K. L. V. führend sein; denn die Not der kati>o-
lischen Junglehrer ist anr größten; aber die Allgemeine Deutsch?
Lehrerzeitung glaubt das in einem Bericht unerlvähnt lassen zu
können. Wenn rn demselben Bericht ang-dentet wird, daß die Ge
dankengänge der vom D. L. V an den Reick-sminister dcS Innern
über die Not der Junglehrer gerichtetm und in Nr. 8 vom 24. 2.1922
verösrmtlichtm Denkschrift sich wie ein roter Faden durch die Ver-
handlungm des Landtags gezogen hätten, so klingt das doch ecu
wenig anmaßend. Einen richtunggebenden und bestimmenden Ein
fluß konnte jme Denkschrift nickt mehr ausübm; das ist aber doch
das Eiitscheidcnde jeder Politik. Auch in Nr. 12 vom 24. 3. 1922
werden die Anträge des 30. Ausschusses des Reichstages nochmals
mit jener Denkschrift erläutert. Auch bier hat sse nur erklärenden
Charakter; Anstoß und Richtung jmer Anträge kamen von anderer
Seit?. Man sühlt fick anscheinend überholt und sucht sein Vec-
spätm durch schön gesetzte Rede bei dm Zuschauern zu verwischen.
Oder rührt man umso lauter die Werbetromniel, je kleiner das
Handgeld ist? Der K L. V., Abteilung Preußm. hat in seinen
Denkschriften vom 7. 7. 1921 und vom 13. 10. 1921 gangbare Wege
zur Linderung der Not unter den jungm Lehrern gezeigt, konnte
sie durch die enge Verbindung seines Vorstandes mit dem Zmtrirm
in dm Parlamentm zu Antragen verdichten und bat sich an die
maßgebenden Behörden an seine Mitglieder und an die Zentrums-
sraktionen in den autzerpreußischen Ländern vor unter Tätigkeit in
dm Parlamentm gewandt, um so dm Bodm vorzubereiten in dem
die Arrträge zur Linderung der großen Not unter der katholischen
Junglehrerschaft hoffentlich ein wmig Frucht bringen werden.
Knöchelm an u.
Bezirkslehrerkammer Minden.
Protokoll
über die Tagung der B"zirkSlehrcrkammern am 15. März 1922
im Hotel „Veveinshaus" zu Bielefeld.
Antvesend sämtliche Mitglieder, als Vertreter der Regierung:
Oberregierunqsrat Bartels und Oberregierungs- und Schulrat Dr.
Heilmauu; ferner d ie Kreisschalräte: Busse und Feit-Minden.
Dr. StechLübbecke, Fischer-Herford, Dr. Fischer-Halle, Andre?-Wie-
denbrück
Vorsitzender: Obermeier.
Beginn 10 Uhr, Mittagspause 1 Mi—214 Uhr, Schluß 7 Uhr.
1. Kleine Anfragm:
1. Anfrage (Müller) betr Ferien in Orten ohne hö
here Schulen. Die Regierung h.U laut Mg. vom 24 12. 21 Nr.
3071 II dl die Ferien in den Orten ohne höhere Schulen so v-r-
teüt. daß hier die Oster- und Weihnachtsferien bezl. Beginn und
Ende von der Festsetzung nach Abschnitt A abweichen. Eine solche
Festsetzung ist in mehr als einer Hinsicht nicht wünschenswert.
Ist deshalb die Rg. bereit,
a) ihre Vfg. dahin abzuändern, daß daS Ende des Schuljahres
1921 auf dm 11. April Mt, damit alle übrigen Termine für

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