TCcsfhoCifche Zeü/chtiff für Svziehung und Bitdungs
1Di/Jen|chaff — Kunff — ®o(ififo
Haupt5satt ff er Aweigveröknde des Kafft. fcfircroerßstndcs des Deutschen Neickes: Meinland. Westfalen. Lasses. Hrkdeskeim. Osnabrück
«ad Traunfekiveig — Deröffeatückungsorgaa der Hermann-HuKerlus-Zttftuag — Air Iveftfakea: Aorlfehung der TadagogifcKen WocKe
3F. Schumocscev, Bocftum ß a U p ( ( cH vlfffciftAttg S t roh, 2) ui s bürg
Kanalstrage 53, Fernsprecher 1393 Pulverweg 14. Fernsprecher 4615
GeichüftssteNe: Bochum. Miihlenttrahe IS, Fernsprecher 810» 8S1 and 3838
Sendungen sind zu richten: Für den allgemeinen, stanvespolittschen. vcreiirspolt-
ttichen und Aachrtchtentcil an F, Schumacher. Bochum. Für den wissenschaft
lichen. allgem:inpolttt,'chen und schulpolinichen Teil an A. Stroh, Duisburg.
Anzeigen und Beilagen an Schürmann LKlagges. Bochum. Mühlenstrake 12
Erscheint Mittwoch» und Samstag». Anzeigen und Beiträge müssen für dt: Mttt-
wochsnummer bis Sonntag, für die Samstagsnummer bi» Mittwoch vorliegen. —
Bezugspreis: I8Mk. vierteljährl. (durch die Post zu beztrhen). Amzet genpret«:
1,00 M!. die 6 gespaltete Millimeterzeile. Beilagen: Das Tausend von 40 Mk. an
Inhalt: Th. Storm als Führer zur Stille. — Aus Karl Spittelers Sprachwerkstatt. — Alfred Mombert. — I m Volk 8 ftaat: Steuer,
pelitische Mängel. Die politischen Parteien deS Deutschen Reichs tages. — E ch u l p o l i t i scb e Z e i t f r a g c n : Die „Zertrümmerung"
der Volksschule. — Lehrer warte.: Das Universitätsstudium der Volksschullehrer. Lehrerbildung und Landschule. Aus den
Vereinen. Vereinskalcnder. Anzeigen.
t. 3ahrgaitg
«fölifötu&cfs» den 3. Otlai 1922
dtummer 31
Th. Storm als Führer zur Stille.
H. N üthe r, Vinsebeck.
„Leben heißt: in Herz und Hirn
Kampf mit, finsteren Gewalten,
Dichten heißt, ein Strafgericht
Ueber sich selber l>alten "
In seinem tiefgründigen Buchs „Der Kampf um einen geistigen
Lebensinhalt" spricht 3t. Gucken mit hohen Worten von der Bedeu
tung und Stellung des „Werks" im geistigen Leben der Adenschheit.
Das Sich-erkämpfen-müssen und der Ausstieg zürn Work rst ein
Ringen um die stille Offenbarung der innern Wahrheil und Frei
heit, ein Hineinversenken in die Schatzkammer unseres Glücks. Von
einem Werk ist nur zu reden, wem: die Folge der einzelnen Werse
von der Idee eines Ganzere beherrscht und geleitet ist; das Werk muß
ein Gesamtwerk, ein Lebenswerk sein. Eine unendliche Wohltat ist
das Gelingen eines Werkes. Es führt den Schaffenden iiOer sein
bloßes Ich lvcit hinaus, verleiht ihm eine absolute Unabhängigkeit
gegenüber aller Meinung der Außenstehenden, einen weiten Blick in
der Beurteilung der geistigen Zusammenhänge. Nicht viele Er
scheinungen in der Gegeuivarr gibt es, auf die sich diese genannten
Gcsichrtspnnkte anwenden lassen. Und wenn ich mich hier ans die
Dichtkunst beschränke. so wird das Urteil Zustimmung finden, daß
gerade die Jetztzeit und auch die verflossenen Jahczchnte uns reich
liche Enttänsämngen gebracht haben. Zurück zu den Altvordern, zu-
-rück zu den Meistern der Lhrik, wo ein Lied mehr sagt, als sädWkt-es
Gewinsel und Gestammel verloddener Kaffeehausliteraten und
Jdeenjäger.
„Ein kleines Lied, wie geht's nur an,
daß man so lieb es haben kann,
. was liegt darin? Erzähle!
— Es liegt darin ein wenig Klang, '
ein wenig Wohllaut und Gesang,
und eine ganze Seele."
Das ist es, was die Lieder Storms auszeichnet, durch die ihm „das
schöne Gefühl des Bleibens". wie Erich Schmidt ihm einmal schrie,,
beschieden ist. -Seinen Lebensgang nebst einer Würdigung der
Novellen habe ich in einem Aufsatz in Nr. 61 des letzten Jahrganges
der „Pädagogischen Welche" gestreift, lveshalb ich mich hier auf seine
Lieder beschränken will. Jeder wahre Künstler ist kritisch
gegen sich selber. So war Storm, trotz gerechten Stolzes auf das,
was er wirklich vermochte. Mitunter kann man sogar Bedenken
baden, ob nicht gegen seine ersten Entwirre der Dichter allzu streng
gewewn, so. wenn man das Gedicht „Ostern" im frühesten Drucke
rennen lernt. ES sei hier gestattet, diesen Text mitzuteilen und die
Varianten darunter in Klammern; die Vergleichung gewährt einen
intimen Blick in die Werkstatt des Poedm.
A u f dem Deich.
Ostern 1843.
(Ostern.)
„Hoch oben stand ich auf dem Meeresdeich
(Es lvar daheim auf unsrem Meeresdeich,)
Und ließ den Blick am Horizonte gleiten;
(Ich ließ)
Zu mir herüber scholl verheißungsreich
Mit vollem Klang das Osterglockenlänt"n.
Wie brennend Silber funkelte das Meer,
Tie Inseln schwammen aus dem hohen Spiegel,
Die Möven schossen blendend hin und her.
Eintauchend in die Flut die weißen Flügel.
Im tiefen Kooge bis znm D.'ichesrand
War sammetgrün die Wiese aufgegangen.
Der Frühling zeg prophetisch über Land,
Die Lerchen jauchzten und die Knospen sprangerr. —
Entfesselt ist die urgewalt'ge Kraft,
Die Erde guillt, die jungen Särte tropfen.
Nnd alles treibt und alles webt und schafft.
Des Lebens vollste Pulse hör' ich klopfen.
Der Himmel stürzt aus seiner blauen Kluft
(Der Flut entsteigt der frische Meeresduft.)
Auf uns herab die goldne Sonnen fülle;
(Vom Himmel strömt die goldne Sonnensülle;) -
Der Frühlingswind geht klingend durch die Lust
Und sprengt im Flug des Schlummers letzte Hülle.
O wehe fort, bis jede .Knospe bricht.
Durchström die Welt, du wonniglühes Werd.'!
(Daß endlich uns ein ganzer Sommer werde.)
Entfalte dich, du gottgeborneS Licht,
Und wanke nicht, du feste Heimaterde! —
Hier stand ich oft, wenn in Novembernacht
Aufgor das Meer zu grschtbestänüten Hügeln;
Wenn Finsternis und Sturm in lauter Schlacht
(Wenn in den Lüften war der Sturm erwacht.)
Die Kappen peitschten mit den Eulenflügeln.
(Die Deiche peitschend mit den Grierflügeln.)
Und jauchzend sah ich an der festen Wehr
(Und jauchzend ließ ich)
Den Wellenschlag die grimmen Zähne reiben;
Denn machtlos, zischend schoß zurück das Meer —
Das Land ist unser, unser soll es bleiben!"
„Bilde Künstler, rede nicht, nur ein Hauch sei dein Gedicht*,
dieses Goethesche Motto ist von Manchen wiederholt, von Wenigen
erfüllt worden. Storm gehört zu diesen, seine Lieder sind tanz
individuell, ganz Empfindung, ganz Bild, ganz rhythmische Be
wegung. Ein leiser ©ang, eine stille, auch in Leidenschaft zurück
haltende Sprache ist ihnen eigentümlich. Sein Lied will aber weder
belehren, noch bilden, weder sinnliche, noch moralische, noch politisckie
Rührung und Erregung hervorrufen, weder schmeicheln noch ent
setzen, für alles das ist er viel zu naiv. Was Storm selbst vom
Liede fordert, hat cr in der Vorrede zu seinem Hausbuch ansge-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.