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Pädagogische Post
Nr. ZS
Im 2. Vierteljahr 1922 werden erhoben
») von vollzahlenden Mitgliedern
für den Reichsverband “/« A = « 3,75 A
für den Provinzialverband '"/» M = * . . . • 2F0 A
für die Pädagogische Post — 19,00 A
für den Bezirksverein V» . 1,25 A
26,50 A
t>) von Pensionären mit Zeitungsbezug
für Päd. Post 19,00 A
für Reichs- und Provinzialverband 3,75 A +
2,50 M — 6,25 JL ; 2 = 3^25 A . , , . , 3,13 ^
für den Bezirksverein 1,25
23,38 A
c) von Pensionären ohne Zeitung
für Reichs- und Provinzialverband . . . , . 3,13 A
für den BezirkSverein 1L5 A
4,38 A
d) von stellenlosen Junglehrern bei Zeitungsbezug . 19,00 A
e) von stellenlosen Junglehrern ohne Zeitung . . .
Den Vereinen, die trotz Wtahnung länger alS vier Wochen nach
Fälligkeit mit der Beitragszahlung im Rückstände bleiben, - wird
künftig eine Vcrsäumnisgebühr von 10 Prozent des Restbetrages
zugunsten der Bezirkskasse auferlegt werden müssen. Es geht nicht
an, daß durch die Verzögerungen einzelner Vereine schließlich eine
geordnete Kassenführung unmöglich gemacht wird.
2. Vertreter für die Provinzialversammlung zu Cöln am
28. 5. 22 sind folgende 10 Mitglieder: Dreßler-Mayen, Dünzen-
Ravengiersburg, Erben-Danersberg. Hannes LeutcHdors. Lamby-
Eoblenz, Nikolay-Bremm, Querbach-Krenznach. Strauck-Ahrweiler,
Wagner-Salzig, Witzenrath-Arenberg. Etwaige Verhinderung bitte
frühzeitig dem Unterzeichneten mitzuteilen.
.Dernbach, Vorsitzender.
Der Verband zur Bekämpfung der öffentlichen
Unsittlichkeit
veranstaltete am 19- Avril zu Essen seine 11. Dertreterversammlung,
die aus Rheinland und Westfalen zahlreich besucht war.
Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes und der Geschäftsbericht
des Generalsekretärs bewiesen ein reiches Mab ernster und fruchtbrin
gender Arbeit im Dienste des Gemeinwohles, insbesondere zur Besei
tigung der die Volksstttlichkeit bedrohenden Gefahren, die letzten Endes
den Bestand unseres Volkes überbauvt in Frage stellen. Der erste Teil
der Verhandlungen sicherte die finanzielle Grundlage des Generalfekre,
tariats (Köln, Schwalbengasse 24). In sachlicher Beziehung erörterte
die Versammlung sodann den Gesetzentwurf zur Bekämvsung der De*
fchlechtskrankheiten, gesetzliche Mabnabmen »ur Vekämvfung von
Schmutz und Schund und die Wiickungen des Kinogesetzes vom 12.
Mai 1920.
Die Verhandlungen fanden ihren Niederschlag in folgenden Ent
schließungen:
1. Die Vertreterversammlung anerkennt, dab in dem dem Reichs
tage vorliegenden Gesetzentwürfe zur Bekämpfung der Geschlechtskrank
heiten einige Verbesserungen gegenüber der bisherigen Rechtslage vor
geschlagen werden. Sie hält es aber für bedenklich, dab in den Ent
wurf nur ein allzusehr beschränkter Teil des Prost tutionsvroblems und
dieser lediglich vom gesundheitlichen Gesichtspunkte aus behandelt wird.
Auch im einzelnen ergeben sich aus dem Entwurf wesentliche Bedenken.
6o vermissen wir beisvieelsweise klare Bestimmungen, durch welche die
Zulassung irgend welcher Form der konzessionierten Unzucht, von Bor
dellen und bordellartigen Betrieben ausgeschlosien wird. Indessen
sind wir der Meinung, dab den Prostituierten gegenüber polizeil che
Mabnahmen nicht ganz entbehrlich sind Unter allen Umständen dür
fen Fürsorgenmabnahmen für die Prostituierten nicht behindert oder
unmöglich gemacht werden, was nach dem Wortlaute des Entwurfs zu
befürchten ist. Völlig unannehmbar erscheint de Bestimmung, wonach
das Ausstellen. Ankündigen und Anpreisen von Schutzmitteln straflos
fein soll, soweit es nicht in einer Sitte und Anstand verletzenden Weife
erfolgt. Wir fordern deshalb die Verwerfung des ganzen Entwurfs
durch den Reichstag, wenn diese Best mmung nicht entsprechend den
I christlichen Sittlichkeitsgrundsätzen geändert wird-
2. Die Vertreterversammlung spricht dem Herrn Reichskanzler ihr
Erstaunen und lebhaftes Bedauern darüber aiw dab die Reichsregie-
i tuns entgegen dem Beschlusse der Nationalversammlung vom 15. Avril
i 1920 bisher einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Schund- und
! Schmutzliteratur nicht ausgearbeitet, sogar durch den Neichsminister des
! Innern in der Sitzung des Reichstages vom 5. Avril die Vorlage eines
solchen Entwurfs ausdrücklich abgelehnt hat. Ein solches passives
Verhalten der Reichsregierung gegenüber einer Entschließung des Par-
- laments verletzt ein demokratisches Prinzip. Zudem stellt die Begrün
dung des Reichsministers des Innern und die von ihm angezogene gut
achtliche Aeubcrung des Reichsjustizmine sters eine befremdliche Ver
kennung des Lebens dar. Wenn der Reichsiustizminister die öffentlichen
! Erscheinungen der Unsittlichkeit als Krankbcitserscheinungen unseres
kulturellen Lebens bezeichnet, denen unter Umständen mit geeigneten
PerwaltungSmaßnahmen in gewissem Umfange abgeholfen werden,
ilff Mühttz dem jytimUet bekannt sein, daß die .Verwaltungsbehör
den eben wegen der völligen Unzulänglichkeit der Gesetzgebung in dem
bestehenden Rechte keine genügende Stütze »ur beachtlichen Gegenwehr
finden.
3. Die von allen Volksfreunden tief beklagten Wirkungen des Kino-
gefetzes vom 12. Mai 1920 verlangen gebieterisch sein« Reform und den
Erlab von Ausführungsbestimmungen. Insbesondere fordert die Ver^
treterverfammlung den Ausschlub der Vertreter des Kinogewerbes au»
den Zensurkommissionen, die Einführung von örtlichen Lichtsvielaus-
schössen mit dem Vetorecht für bedenkliche Bildstreifen und einer ört*
lichen Stelle zur Prüfung von Beanstandungen dieser Ausschüsie. Fer^
ner fordert die Vertreterversammlung die Einführung der Konzeffions-
pflicht für Lichtspieltheater, die Veröffentlichung aller zensurierten
Filme und die Schaffung von besonderen Schutzbestimmungen für die
Jugend durch die Gemeinde.
Vom Büchertisch.
Ueber Gottfried Keller-Ausgaben.
Von Heinz M a n t h e (Boppard).
Es ist eine erfreuliche Tatsache, datz auch heute noch, wo die Bücher
von Tag zu Lag teurer werden, von den «frei'werdenden Grone»
unserer Literatur massenhaft Summetausgaben erscheinen. Es mutz
also doch wohl im deutschen Publikum noch viele Literaturfreunde geben,
d'.e für geistige Bedürfnisse sich einige Gelder abzusparen verstehen und
sie nicht bloß für die modernsten Mode-Gottheiten, die oft so vergäng
lich sind, auszugeben wissen. Vielleicht ist heute der Besitz eines guten
Buches noch eine viel größere Freude, weil einem letzt die Beschaffung
nicht mehr so leicht gemacht wird, w « in der „guten alten Zeit" vor
dem Kriege, in der man für das Geld, das jetzt ein Banb kostet, eine
ganze Bibliothek erstehen konnte.
Auch das „Frei-Werden" der Werke Gottfried Kellers im Jahre
1921 hat dem deutschen Büchermarkt' eine stattliche Reihe von Aus
gaben der Werke des großen Schweizer Erzählers gebracht. Das ist
eine erfreuliche Tatsache, denn Keller ist nicht bloß einer der ausge
zeichnetsten Meister der deutschen Novelle, er ist auch ein ganz köstlicher
vumorist. Gerade diese Eigenart jenes Schaffens aber macht dr«
Lektüre feiner Werke für unsere trübselige Gegenwart so hervorragend
geeignet. Kellers Schaffen ist gerade in den Kreisen des Volkes, dem
leine knorrige, ehrliche Art, seine anschauliche Schildcrungsweise, seine
bildhafte Charakteristik, sein Sinn für das solide Ulid däftige Klein
bürgertum am besten gefallen würde, noch viel zu wenig bekannt.
Immerhin aber findet sich auch in seinen Werken manches, toas sie
Nicht ohne weiteres für die breite Masse des Lesepublikums geeignet
macht Kellers Stellungnahme zu religiösen Fragen — er ist Schüler
des Materialisten Feuerdach — verlangt Vorsicht bei der Auswahl
der geeigneten Werke. Anderseits wäre es falsch und banausisch, wollte
man das geiamte Schäften des Meisters ablehnen. Aus dieser
ErkemitniS heraus hat der bekannte katholische Literaturforscher Pro-
sesior Dr. Otto Hellinghaus für den Verlag von Herder & Co.
in Freiburg ztvei Bände „Ausgewählte Werke von Gott
fried Keller" zusammengestellt. Hier sind die schönsten Kleinode
von Kellers Novellen gesammelt, 10 an der Zahl, und eine Auswahl
der schönsten Ged chle.ft Hellingrath gibt eine gute Einleitung über:
Leben und Schaffen des Dichters und zu den einzelnen Stücken beson-
dere Einführungen und Anmerkungen, die dam Verständnis in unauf
dringlicher Weife zu Hilfe kommen. Die Ausgabe gehört in jede katho
lische Volksbücherei und ist auch für die reifere Jugend gut geeignet«
Sie ist mit der bekannten gleichartigen Stormausgabe und der Klassiker-
und Novcllen-Bibliothek des Herderschen Verlages vorzüglich berufen,
dre Flut der Schund- und Schmutzliteratur von unseren Familien
und besonders unserer Jugend fernzuhalten, eine Flut, die nur durch
die Darbietung bester Lektüre auf die Dauer m t Erfolg bekämpft wer
den kann. Die Herdersche Keller-Auswahl loird man am besten den
literatlirgeschichtlich nicht interessierten Lesern empfehlen.
Wer indes mit literaturgeschichtlichem Interesse an die Persönlich
keit eines Dichters herangeht — und das ist gerade bei Keller beson
ders dankenswert — der wird gern nach e ner größeren Ausgabe von
Kellers Werken greifen. Als solche kann nachdrücklichst empfohlen wer
den dre von Max Lollinger in Verbindung mit Heinz
A m e l u n g und Karl Polheim besorgte Ausgabe der
Goldenen Klassiker-Bibliothe I. 9 j Die Ausgabe hat viele
Vorzüge: Der Wortlaut der Dichtungen ist auf Grund der neueste»
Forschungen von zahlreichen Fehlern gesäubert. E nleitungen und An-
mcrtungen sind das Ergebnis eingehender, größtenteils in der Hei
mat des Dichters durchgeführter Studien. Alle lyrischen und epischen
Dichtungen, die zu Lebzeiten des Dichters in den zehn Bänden der
„Gesammelten Werke" vereinigt waren, sind in der Zoll ngerschen Aus
gabe enthalten. Darüber hmauS bringt sie noch eine Sammlung dev
nachgelassenen Dichtungen und vermischten Aussätze, die zahlreiche,
bisher wenig bekannte Arbeiten enthält. Das warmherzige Lebensbild
aus der Feder des Züricher Kellerforschers Max Zollinger sucht d.e
ganze kraftvoll-knorrige Persönlichkeit des Dichter» zu ersassen; e»
*) 1921; 1. Band 868 Seiten. 2. Band 364 Seiten; beide geh.
68 A, geb. 90 A.
*) „Gottfried Kellers Werke". Herausgegeben, mit Ein
iettungen und Anmerkungen versehen von Max Zollinger in Verbin
dung mit Heinz Amelung und Karl Posheim. 10 Teile in 5 Bände»
190 A. Halbleinen 210 A, Lernen 137,50 A. auch in Luxus- unv
Ledcrbänden zu je 40—80 A. Deutsche» VerlagKhaus Bong & Go-#
Ner sin ffi. N,

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