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Pädagogische Post
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jahrshefte", die nun ein Jahr bestehen, wurden bei ihrem
ersten Ersclieinen von der maßgebenden Kritik als eine höchst be
deutende Theaterliteratur bezeichnet. Da sie jedesmal ein beson
ders aktuelles Problem von allen Seiten beleuchten, führen sie
auch den Nichtfachmann tief in diese hinein und geben ihm allmäh
lich ein wirklich inneres Verhältnis zu all den brennenden Fragen.
Der Jahrespreis für die sehr schön ausstatteten Hefte in Groß
format, di?, außerdem Proben neuerer Dramen bringen und in
einer Rundschau alle wichtigen Fargrn kurz erläutern, ist sehr
gering. Er beträgt nur 25 Mk. im Jahr. Der Ladenpreis der
Hefte ist 48 SOW, Außerdem werden die Mitteilungen für die Mit
glieder geliefert, die über die Bundesbewegung und ihre Fort
schritte auf dem Laufenden halten. Als nächstes Heft erscheint
eines, das über alle Fragen der „Theaterpolitik" unterrichtet. Es
enthält auch für alle Leiter der Verein: die so sehr notwendigen
Aufschlüsse über alle rechtlichen Fragen, die Vereinsaufführung.m
betreffen. Dw Bestellung kann durch die Post geschehen, auch durch
unmittelbare Anmeldung bei der Zentrale des Bühnenvolksbunües,
Frankfurt a M., Im Sachsenlager 1. (Postscheckkonto 42 067 Köln
a. Rh., Generalsekretär Gerst.) Das obengenannte Heft enthält
den ersten Akt des neuen Werkes von Franz Johannes Wetnrich
.,Das Spiel vor Gott", das bei dem ersten Vorlesen auf der Burg
Rorhenfels allen Quickbornern, die es hörten, einen so unauslösch
lichen Eindruck rnachte. Als nächstes Heft ist eines üb.ic bcii Spiel
plan in Vorbereitung, das diese so schwierige und -so selten anders
als vom Standunkt des Augenblicks behandelte Frage einmal von
hoher Lgarte aus erörtern wird.
Die persönliche Mitgliedschaft des Bühnenvolksbundes bietet
aber noch einen Vorteil, der gerade für Volksbildner nicht hoch
genug eingeMht werden kann. Es ist klar, daß man Theaterreform
nicht mit Erfolg betreiben kann, wenn nicht auch zugleich die ganze
künstlerische Kultur des Volkes gehoben wird. Einer der wichtigsten
Faktoren dabei ist die Hebung unserer Vereinst)ühne
und aller unserer Vereinsveranstaltungen. Dabei bietet der BVB
seine Hülfe an. Mit wachsendem Erfolg bemüht er sich, wirklich
wertvolle Werke für die Vereinsbühne zu schaffen Ich nenne nur
die geistlicheil Spiele von Franz Herwig und die begonnene -Samm
lung von Heimatspielen. Auch für andere Veranstaltungen werden
den Mitgliedern auf ihre Anfragen wertvolle Vorschläge gegeben,
sei es unmittelbar von der Zentrale aus, sei es durch das nächst
gelegene Landessekretariat. Tie bisher mit dieser Arbeit erzielten
Erfolge berechtigen zu den schönsten Hoffnungen. Um die Vereine
für die ganze Angelegenheit zu interessieren und die Stoßkraft der
ganzen Bewegung zu erhöhen, ist der korporativeAnschluß
aller auf dein Boden der christlichen Weltanschauung stehenden Ver
eine zu erstreben. Der Jahresprcis ist für dieses Jahr noch sehr
gering: 30 Adark. Dafür wird die Monatsschrift „Volkskunst" ge
liefert, die mit dein BVB in eine Arbeitsgeincinschaft getreten ist.
Auch den Vereinen werden auf Wunsch Ratschlage erteilt für ihre
Veranstaltungen.
Bisher haben wir vor allein die eine Seite der christlichen
Theaterreformbewegirng betrachtet, die religiöse. Sie hat aber noch
eine andere, die uns nicht weniger am Herzen liegt: die deutsche.
Wie wir anl Anfang dieser Ausführuugcn zu zeigen suchten, krankt
unser Theater daran, daß es nicht mehr Ausdruck des allgemeinen
Volksgetstes ist und darum auch nicht von dem Volksganzen getragen
ist. Auch 'mit der Erkenntnis dieses tiefen Schadens können wir
ihn nicht mit einem Schlage heilen. Wir können aber wohl diejenigen
zusammenfassen, die durch gemeinsame Anschauung enger verbunden
sind. Wir können trachten, diese Verbundenheit auf alle Gebiete
der Kultur zu übertragen und gerade das Theater, das ja, wie wir
sahen, eine Gemeinschaftskunst ist, dadurch neu zu beleben. Es geht
ans deni Gesagten schon hervor, das; bei einer so gewaltigen Auf
gabe die Kräfte einer Konfession nicht ausreichen. Tenn nur eine
allmähliche Beeinflussung aller bedeutenden Theater kann erst eine
Theaterreform genannt werden. Es war darum höchst erfreulich,
daß von vornherein ernsthafte evangelische Kreise, die der inneren
Mission, die von Katholiken ausgehende Bewegung in ihrer Be
deutung erkannten und sich mit ihr vereinigten. Seitdem ist die
Eroberung der evangelischen Landesteile tüchtig vorangeschritten.
In der Wahl von Hannover als Ort der letzten Genernlverscmrm-
lung (6.-8. Mai) drückt sich dies euch nach außen hin aus. In
diesem Zusammenarbeiten auf kulturellem Gebiete werden sich die
Vertreter der beiden Konfessionen näher kennen und einsehen
lernen, daß in einer Zeit, da alles auf dem Spiele steht, das Ge
meinsame stärker ist ruck) sein muß als das Trennende. Die jungen
Dichter der Bewegung sind fast alle Katholiken, und doch haben
ihre Werke in dem kalten Norddeutschland chic überraschend warme
Aufnahme gefunden. Nicht als ob sie ihre Ueberzeugung in ver
schwommener Weise zum Ausdruck gebracht hätten! Im Gegen-
teil! Aber der menschliche, der sittliche und künstlerische Wert dieser
Werke war so groß, daß er icden ergriff. Durch solche Dramen, die
oen katholischen Geist in weite Kreise tragen, wird das Verständnis
kur ihn unsern evangelischen Brüdern erschlossen. Dadurch wird
die Kluft zwischen den beiden Konfessionen überbrückt, — ein großer
schritt zur Einigung unseres Volkes.
In den Theatergemeinden wird ein weiterer Schritt getan.
Gefährlicher für unsere Volkseinheit als der Riß, der durch den ver
schiedenen Glauben durch sie geht, ist gegenwärtig der horizontale,
der die Stände scheidet, — hie Bürger, hie Arbeiter. In den
Tl)eatergemeinden sitzen Vertreter aller Stände gleichberechtigt
nebeneinander. Sie sind geeint im Erleben des gleichen Kunst
werkes, was stärker bindet als alles Wissen. Die obern Schichten
werden erkennen, daß auch der Arbeiter Verständnis hat für echte
Kunst, für Menschenwert Der Arbeiter findet die gesellschaftliche
Gleichberechtigung, nach der er, ob bewußt, ob unbewußt, mehr als
nach der finanziellen verlangt. Er wird auch von der Brücke dieses
starken Eindrucks ein lebendigeres Verlangen »rach Weiterstreben
empfangen als aus den schönsten Ankündigungen. Durch das Kennen
lernen der bedeutendsten Werke unserer deutschen Dichter wird breiten
Schichten unseres Volkes erst ganz aufgehen, was „deutsch" eigent
lich heißt, welche tiefen Werte in den, schlichten Worte angedeutet
werden und tvarum wir alle Kräfte einsetzen müssen, uns zu be
haupten. Gerade in den Grenzgebieten, wo so mannigfache Ein
drücke anderer Art das deutsche Wesen untergraben und verfälschen/
»vollen, ist eine solche Arbeit von höchster Bedeutung, tllian hat
uns soviel genommen. Pflegen wir doppelt, was uns bleibt. Wir
werden eines TageS auch an uns die Wahrheit des Wortes erleben,
daß der Geist ist's, der den Körper bauet, daß wir aus dem Geiste
die Kraft schöpfen werden, auch das Haus unseres Reiches einst
wieder aufzubauen. Hierbei mitzuhelfen, ist der inbrünstige Wunsch
aller, die ihre Kraft in den Dienst des Bühnenvolksbunües gestellt
haben. Möge die katholische Lehrerschaft, die ja mit dem Volke in
so enger Fühlung steht, die in sich selbst den D.rang fühlt, mehr als
bisher an allem geistigen Leben ihres Volkes teilzunehmen, die sich
auch der ungeheuren Bedeutung der religiösen Erneuerung für den
Wiederaufbau Deutschlands bewußt ist, eifrige Mitarbeiter werden
durch die Erwerbung der persönlichen Mitgliedschaft, durch die Hin-
führung der Vereine, mit denen sie arbeiten, zum Bühnenvolksbunü,
endlich durch den Beitritt zu einer Theatergenreinde, falls eine am
Ort oder in erreichbarer Nähe ist. Auskunft jederzeit durch die
Zentrale Frankfurt a. M., Im Sachsenlager 1.
Schulkmos.
Gedanken über ihre Einrichtung und Bewährung aus der jüngsten
Praxis.
Von Rektor Hammelrath -Düsieldorf.
Ueber den Kino ist bereits viel geschrieben worden. Liesegang
zahlt in seinem „Handbuch der praktischen Kinematographie"') nur —
96 Bücher und Schriften neben einigen 20 Zeitschriften auf. Am mei
sten wurde über den Schundfilm geschrieben, aber wenig erreicht. Der
Worte sind zweifellos genug gewechselt worden. Wir müssen zu Taten
schreiten, wenn auch die Zeiten so ungünstig wie nur möglich zu sein
scheinen. Es liegen doch in der Zeiten Not auch wieder günstige Mo
mente, die zur Einrichtung von Schulkinos ermuntern. Und zu solchen,
zu, Einzelapparaten für die einzelne Schule, müßen wir kommen. Be
zirkskinos, Vereinskinos, in die in regelmäßigen Zeitabständen oder
beim Vorhandensein eines geeigneten Films die Schüler benachbar
ter Schulsysteme geführt werden, sind höchstens ein Notbehelf, dienen
aber nicht dem Lebrzwecke nach pädagogischen Rücksichten. Äe Ein
ordnung in den Lehrplan, die Anpassung an die Vorstellungswclt der
Kinder, nicht selten gar die genaue Kenntnis des Lehrfilms durch
den Erläuternden fallen ja fort. Gemeinsame Kinos führen uns nicht
in d:e vielgestaltige Verwendbarkeit des Films hinein und nicht aus
der Kinomisere heraus.
Es erbebt sich demnach als wichtigste und für den Praktiker inter-
esianteste erste Frage diese: Wie kommen wir zu einem Lichtbild
an unserer Schule?
Aus Horst-Ruhr wurde darüber in Nr. 27 der Päd. Postl
bereits kurz berichtet. Düsseldorf hat z. Zt. sechs Volksschulzmecken
dienende Kinos, in nächster Zeit tritt ein siebtes hinzu, davon drei
ausschließlich der Schule gehörige. Die übrigen dienen bis zur völligen
Kostendeckung auch noch Vereinszwecken. Die Erfahrungen mit diesen
Letztgenannten führen trotz fleißiger Benutzung durch benachbarte Schu
len zu dem oben ausgesprochenen Erfahrungssatze: Schulkinos für
die Einzelschule! Diese Forderung erschwert nicht die Anschaffung,
sie erleichtert sie im Gegenteil. Ein Wille, möglichst der des Eefamt-
kollegiums, unterstützt durch die vom Elternbeirat dargestellte Für*
derung seitens der Schulgemeinde, ist ideeller und finanzieller Träger
des Unternehmens. Es genügt ein Apparat mit Lichtstromzufübrung.
etwa der vorzügliche Kruvv-Ernemann-Magister der Ernemann-Werke
in Dresden. Die kostspieligen und raumraubenden Anlagen bei Siark-
stromzuführung, die wegen ihrer Feuergefährlichkeit auch lästigen bau
polizeilichen Verordnungen unterliegen, fallen weg. Ein Klasienraum
mit einer ausgespachtelten, mit einfacher Leimfarbe gestrichenen Wand-
fläche, verdunkelt durch Doppelvorhänge, von denen die einen in der
Hausfärberei geschwärzt sind, genügt. Anschluß ans Lichtkabelnetz der
*) Düsseldorf. 1919, Selbstverlag 25 Mk
") S. 42b

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