Katholische Zeitschrift für Grsiehung und IBitdung:
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anhält: Erziehungsziel und Relativismus. — Erziehungsgcundsätze und ihre Bedeutung. — Mrster und die katholische Kirche. — I m Volks,
staat: Die Erziehung zur Organisation. — Schulpolitljche c 11 fragen: Schule und Politik. Lehrer warte: Lebens-
kundlicher Unterricht als Ersatz für den Religionsunterricht. Re,^ lnng der Vergütungssütze für nebenamtlichen Forrbildungsschulunterricht
Zur Besoldungsfrage. — St u s den Vereinen: Vereins kalender. — Zeitungsbezug. — Anzeigen.
1. «Jahrgang
dltitfusocfc, 83. Sunt 1988
Otummev 45
Erziehungsziel und Relativismus
Dan Dr- Erich Selbmann, Bonn.
II.
Was der Blick auf die Wahrheit für das Erkennen, das bedeutet
der Glaube an das Gute und an die Möglichkeit einer sittlichen Ord
nung jenseits der Naturgesetzlichkeit für das menschliche Handeln. Die
ser Glaube sichert Werturteile und Zweckbegrisfe und damit mögliche
Motivationen des Willens. Es entspricht dem Standpunkt des Rela
tivismus, wenn der Glaube durch Zweifel erschüttert wird, welche die
Ueberzeugung van der Herrschaft des Guten in der dem Menschen ge
gebenen Welt- und Lebensordnung untergraben sollen. Dieser gegen
sätzliche Standpunkt gegenüber der Sinngebung des Lebens ist der
Pessimismus mit seiner hoffnungslosen Hinnahme der Uebel und
der Deutung der Welt aus ihrer Vorherrschaft. Mit bleierner Schwere
senkt er sich in die Lebensadern der menschlichen Persönlichkeit wie der
Gesellschaft und vergiftet mit den sittlichen Triebkräften des einzelnen
alle Ansätze zur Erweiterung der geistigen Kultur. Er lähmt den Zeit
geist unter dem Eindruck der Sinnlosigkeit des Kulturwillens und ver
gröbert den inneren Zwiespalt des menschlichen Wesens. Darum fordert
der Zeitgeist in seiner Wendung zur Kultur die Begründung eines
Standpunktes in der Bewertung des Lebens und für das Chaos der
Erfahrung eine Ordnung durch ein dem Wesen des menschlichen Geistes
konformes Wertestem. In diesem mutz die Frage nach dem Wert des
Lebens Besinnung und Handeln, Theorie und Praxis, Welt- und
Lebensanschauung verbinden. Geistesgeschichtliche Ausblicke werden
diesen Prablemverschlinaungen nachgehen und sie für unsere Betrach
tung der Signatur unseres Zeitalters und seines Gehaltes an wahrer
Weisheit fruchtbar machen.
Man hat den Wert des Lebens überhaupt nach der Bewertung der
Kultur eingeschätzt, so lange es eine geschichtsphilosophische Spekulation
gibt. Diese hat das Zeitalter der Aufklärung angebahnt, indem sein
Vernunftssystem in Widerspruch zur geschichtlichen Welt geriet und für
das Abweichen des Lebens von der Norm Erklärungen zu suchen ge-
zwungen war. Seit der paradoxen Fragestellung der Bienensabel ist
die Wirkung dieser Aufklürungsphilosophie auf die gesamte Kultur an
deren Aufrollung des Kulturproblems geknüpft. Das natürliche System
des Rechtes, der Moral und der Religion versprach dem Menschen Sitt
lichkeit und Glückseligkeit durch die Herrschaft der Vernunft, deren An
sprüche die Geschichte in gleichmäßig sicherem Fortschritt garantierte.
Das Ziel der Entwicklung schien daher die intellektuelle Bildung zu
sein, in deren Selbstgefälligkeit sich der Lebensgenuß spiegelte, dessen
Privilegium zum Anstoß des Vewußtwerdens der Klassengegensätze und
ihrer Auslosung durch die französische Revolution geworden ist- Die
Zweifel an solcher Rechtfertigung des Lebensstandes wurden durch die
„Aufklärung" der breiten Masse in Frankreich genährt und durch die
Gewalt der Schriften Rousseaus in der ganzen Welt aufgewühlt. Sie
schleuderten gegen die Aufklärung die Anklage der Verderbnis der
Menschen. Von der Natur zum Guten und zur Glückseligkeit angelegt,
sollte der Mensch durch eine der Vervollkommnung der Natur dienende
neue Erziehung und eine die ursprüngliche Gleichheit und Freiheit der
Menschen erhaltende neue Staatsverfassung in seiner Ursprünglichkeit
erhalten werden, während sein Glück bis dabin durch die Entwicklung
der zivilisierten Gesellschaftsordnung vernichtet schien. So wird der
Genier Philosoph zum Romantiker, der die Schönheit und Vollkom
menheit der Natur preist und an dieses Evangelium des Geistes der
Neuzeit als das Heilmittel für die Menschheit glaubt. Das Zeitalter
der Humanität ist ihm hierin gefolgt. Es erwartet ihre Entfaltung
im Fortschritt der Geschichte und bestimmt sie zur Richtschnur ihrer
moralischen Vernunft und ihres pädagogischen Willens. Darin liegt
die optimistische Weltanschauung der modernen Zeit verankert. Rous
seaus kulturfeindliche Haltung hingegen erklärt sich als „Ressentiment",
weil sie von den Folgerungen eines Pessimismus für die Lebensan
schauung absieht. In dieser Unbestimmtheit haben alle Zeitalter -wi
schen Kulturverdruß und Lebensüberschwang hin- und hergeschwankt.
Nur selten fand der philosophische Genius die Kraft, auf dem empiri
schen Pessimismus ein metaphysisches System zu gründen. Ein solches
würde die praktische Philosophie entscheidend beeinflussen.
Dies anschaulich zu machen, bedarf es der Darstellung der typischen
Versuche einer Deutung des Lebenswertes aus dem 3Be f1, '' innen-
bang, wie sie die Geschichte der Philosophie darbietet. Die antike
Philosophie war auf der Höbe ihrer systematischen Entwicklung mit
ihrer teleologischen Weltanschauung durchaus optimistisch eingestellt.
Die Vollkommenheit des Weltalls bedingt ihr auch eine Zweckmäßig
keit der menschlichen Einordnung in dasselbe, sei es, daß diese von der
Freiheit der Persönlichkeit getragen oder daß sie von der Gesetzmäßigkeit
des Naturzusammenhanges fchicksalsmäßig bestimmt wird. Jener Stand
punkt gründet im Vertrauen auf die menschliche Vernunft und einem
Idealismus der Freiheit bei Sokrates, Plato und Aristoteles, dieser
im Glauben des stoischen Pantheismus an die Güte der Vorsehung.
Was hier ethisch begründet wird. hat der ästhetische Enthusiasmus
der Monisten seit der Renaissance von Eiordano Bruno über Shaftes-
bury bis auf die klassische Dichtung der Deutschen als die Errungen
schaft des weltfreudigen und naturverständigen Geistes der Neuzeit ge
priesen. Erst Leibniz fand die wissenschaftliche Begründung für jenen
universalistischen Optimismus in seiner Theodizee. Er rechtfertigte
hier die Vereinbarkeit der Uebel mit der Weisheit und Güte des
Schöpfers, indem er nachwies, daß aus der Endlichkeit der Welt die
moralischen und aus diesen die physischen Uebel notwendig sich ergeben
und daß jene Endlichkeit als metaphysisches Uebel ebenso notwendig

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