TCathofifche Zeitschrift für Erziehung und Difdung:
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und Vraunsckweig — Oerössenltiekungsorgan der Heemann-HuKerlus-Zlistung — föe Westfalen * Fortsetzung der Sadagogifcfica Wocfic
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Inhalt: Die Lauretanische Litanei. — Zur Volkskunde in der Schule. — Beaufsichtigung des Religionsunterrichts- — Gedanken
zur Schulleitungsfrase. — Zur Vereinfachung der Bestimmungen über das Besoldungsdienstalter. — Aus den Vereinen. — Ver
einskalender. — Zum Zeitungsbezug. — Anzeigen.
1. Jahrgang
Gfcclfag, 30. 3uni 1922
Stummer 46
Die Lauretanische Litanei.
Unterrichtsstunde aus dem 5. Schuljahr.
Baltin, Winden.
Durch ein Unterrichtsbeispiel soll einmal aus ein in der Bolksschule
meist vergessenes Gebetsgut unserer Kirche hingewiesen werden, auf
die weit ins christliche Altertum zurückgehende Gebetsweise der Lita
neien. Sie sollten Ausdruck und Muster einer heiligen Beharrlichkeit
im Gebete sein, doch die Art und Weise, wie unsere Litaneien beute
vielfach gemeinsam geschnattert werden, lägt von diesem Geist nicht viel
mehr ahnen- Es wird vielmehr manchen ein Recht gegeben, spöttisch
von Prozesstons-, Andachts- und Litanei-Katholizismus zu reden. Und
doch muö es einmal anders gewesen sein, sonst könnte nicht der Gold
faden sich steigender Anbetung oder Verehrung durch die Kette der
Anrufe gehen, sonst mühte die frühe Kirche diese Art zu beten verneint
haben, weil sie dem Gedanken der Neligionsverinnerlichung nicht ent
sprochen hätte. Aber es geht ja auch so schnell, so überhastend beim ge
meinsamen Beten dieser Bittreihen! Es kümmert sich ja auch kaum
eine Kanzel oder ein Pult darum, in die Art und den Geist gerade
dieser uralten Weisen einzuführen. Und dennoch — sollen unsere Kin
der nicht mit Nutzen im Einzelgebrauch und beim Gebet der Gemein
schaft an dem Litaneigebet teilnehmen?
Aus dieser Pflichterkenntnis heraus wuchs folgender Versuch, die
Lauretanische Litanei gedanklich an das Kind heranzubringen, um aus
einem Bitt-für-uns-Eeplärre ein katholisches Marienbild zu gestalten,
oder doch wenigstens auf dieser Stufe ahnen zu lassen. Die Deutung
der Anrufe entspricht persönlicher Einstellung, darf und will keinen
Anspruch auf theologische Genauigkeit machen.
*
Lehrer: Wir haben nun den ganzen Maimonat hindurch die
Mutter Gottes um ihre Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohn angerufen,
alltäglich uns an ihre Mutterliebe und Tngendschönheit erinnert, im
Gebet, in der Masienmesse, abends in der Kirche oder daheim vor
unserm Marienaltar.
Was haben wir an Gebetgut in diesem Monat zusammengetragen?
Schüler: Mariengbete, -lieber, Rosenkranz, Litanei.
L-: Die Lauretanische Litanei wollen wir uns heute einmal in
ihrer Eigenart besehen; denn es hat mir oft gar nicht gefallen, wie
ihr sic gebetet. Ich glaube, dab ihr euch gar nichts Rechtes dabei
gedacht habt.
S: Es ist doch auch immer dasselbe. (!?)
L.: Meinst du? Ja, es ist soweit immer dasselbe, als die Mutter
Gottes immer und immer wieder angerufen wird, für uns zu bitten.
Aber die einzelnen Anrufe sind doch sehr, sehr verschieden voneinander.
Ich habe mir einmal aus der ganzen Litanei mehrere Päckchen oder
Gruppen gemacht, die wir uns gemeinsam verständlich machen wollen.
Habt ihr nichts zu fragen? . . .
S-: Wer hat die Litaneien gemacht?
L.: Das weih ich auch nicht. Sie sind aber schon viele hundert
Jahre alt und gehen bis in die ältesten Zeiten zurück. Die Litanei von
allen Heiligen, nach der alle andern in der Art gemacht worden sind.
ist die älteste und schon im 8. Jahrhundert !m Gebrauch. Unsere Laure
tanische Litanei, rund 400 Jahre alt, ist um 1500 in Loreto (lat- Lan-
retum anschreiben!) in Italien entstanden.
Wer sie gemacht hat? Ich denke mir so: Die Christen von Lau»
retum hatten auch einmal in besonderer Zeit lange zur Mutter Gottes
gebetet und um ihre Hilfe gefleht. Hier stand nämlich in der Kirch«
ein kleines Heiligenhäuschen mit einem uralten fremden Gnadenbild
der Gottesmutter. Dorthin wallfahrteten die Gläubigen, wie bei uns
nach Mutter-Gottes-Häuschen (Düren); denn eine alte Legende er
zählte ihnen, das Häuschen sei das Wohnhaus der hl. Familie von
Nazareth gewesen. Engel sollten es von da an diesen Gnadenort ge
tragen haben. In dem frommen Glauben und durch wunderbare Er-
hörungen fanden sie Mut, immer wieder aufs neue an der Stelle zur
Mutter Gottes um Hilfe zu bitte». Da haben sie es nun wohl ge
macht wie ein Kind, das seine Mutter immer und immer wieder um
etwas bettelt und dabei bald Mutter, bald lieb Mutter, bald gute
Mutter, bald Mütterchen usw. sagt, damit sie es ihm doch endlich geben
soll. Und so sind dann wohl im gemeinsamen Gebet diese verschiedenen
Anrufungen entstanden:
Heilige Maria, bitt für uns.
Heilige Gottesgebärerin, bitt für uns.
Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, bitt für uns,
Mutter Christi, bitt für uns usw-,
die wir beute Litaneien nennen. Litanei heikt eben in einer anderen
Sprache (griech.) sowie! wie Gebet- Es ist aber ein Gebet gemeint, das
aus lauter kleinen Bitten besteht, die von einem Vorbeter vorgesprochen
und von der betenden Gemeinde wiederholt oder mit kurzen Bitten be
antwortet werden.
So seht ihr dann zunächst eine Reihe von Anrufen, die die Mutter
Gottes als Mutter und nach ihren Tugenden anrufen, da sie als Mutter
des Herrn, durch keine Sünde geschwächt, beim Erlöser am meisten ver
mag. Einer in der Kirche hat sicher angefangen:
Mutter der göttlichen G.-.ade,
und alle haben bitt für uns gerufen; da ist einem anderen wieder
etwas Anderes eingefallen, und so fort:
Du reinste Mutter, bitt für uns.
usw. bis Du Mutter des Erlösers, bitt für uns.
S.: Jetzt kommt immer, du Jungfrau.
L.: Ihr wikt. wir glauben, das, Maria eine reine Jungfrau ge»
blieben ist. weil sie ihr Kindlein vom Hl. Geist geschenkt bekommen
hatte. Die Beter erinnern sich daran und zählen nun die guten Eigen
schaften auf, die Maria so mächtig und tugendschön machen:
Du weiseste Jungfrau, bitt für uns
usw. bis Du getreue Jungfrau, bitt für uns.
Der nun folgende Teil ist wohl für euch der schwierigste.
S.: Was heitzt, du goldenes Haus, du elfenbeinerner Turm?
L-: Ja, ich weiß, ibr versteht kaum etwas davon. Wir wollen die
nächsten Bitten uns deshalb der Reihe nach zu erklären versuchen. Lies!
S.: Du Spiegel der Gerechtigkeit, bitt für uns.
L-: Denkt einmal, hier in Winden gibt es auch so Redensarten.
Wenn ein Kind so lieb und still ist wie ein Schäfchen, so sagen die
Heule: „Wat e Schöfge von enem Köna " Das Schäfchen ist dann ein

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