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Pädagogische Post Nr. 47
Schon diese wenigen Beziehungen aus der Sprachlehre zeigen,
in welch engem Zusammenhänge die Sprachlehre mit dev
Logik steht. Dieses beständige Bezugnehmen sprachlicher Zer
gliederungen auf die im Urteil gegebenen logischen Verhältnisse
macht den Unterricht in der Sprachlehre zu einem geeigneten Mittel
der Geistesschulung. Ehe daher ein Begriffswort als sogenannter
Terminus in der Sprachlehre auftritt, sollen die Kinder zum
Bewußtsein der logischen Bedeutung des betreffenden
Begriffswortes geführt werden; ehe das Eigenschaftswort besprochen
wird, muß der Begiff „Eigenschaft" erst entwickelt oder geklärt
werden.
Winke für den Gebrauch des psycholo
gischen Beobachtungsbogens.
Von B. Otto, Brackwede.
Der in Nr. 33 der „Pädagogischen Post" veröffentlichte Be
obachtungsbogen wird sicher im großen und ganzen die Zustimmung
der Lehrer des ersten Schuljahres gefunden haben. Ueber die Not
wendigkeit einer derartigen „Inventur-aufnahme" der körperlichen
Und geistigen Fähigkeit der uns anvertrauten Kinder, sind wir uns
wohl alle — wird dadurch doch erst die Grundlage siir die Er
füllung der £Lten pädagogischen Forderung, daß der Unterricht den
geistigen Sta^vunkt des Kindes zu berücksichtigen hat, geschaffen.
Wie aber könuL. ich den Standpunkt des Kindes berücksichtigen, wenn
ich ihn nicht kenne! Wenn wir dann ferner bedenken, wie verschie
denartig der bisherige Anschauurrgskreis und die Lebensbeding un-
gen der Schulneulinge toaren, so ist uns ohne weiteres klar, daß
dem Lehrer der Kleinen nicht eine allgemeine Kenntnis des geistigen
und körperlichen Nivaus der Schulrekruten genügen kann, sondern
daß er sich eingehend mit dem Jdeenkreis jedes einzelnen zu be
fassen hat, wenn er eine sichere Grundlage für sein Arbeiten gewin
nen will. Dabei muß das Hauptgewicht auf die Erforschung des
Grades der geistigen Fähigkeiten und Umfanges des kindlichen An-
schauungs-, Ersahrungs- und Wortschatzes gelegt werden. Für
diese Aufgabe sind die Itubrikerr Nr. 11—19 des Beobachtungs
bogens bestimmt. Dieses Erforschen kann sich für die Rubriken
11—15 nur in der Form von Fragen und Aufgaben, vollziehen, wo
bei mehr Gewicht auf die Güte und Art des erfragten Vorstellungs-
und Sinneslebens zu legen ist, als auf die Größe und Vielseitigkeit
jdeS Vorstellungsschatzes. Nicht das im vorschulpflichtigen Alter Er
worbene, sondern das Angeborene, die Veranlagung, ist für unsere
Arbeit das Ausschlaggebende.
Um einen Dkaßstab für die Beurteilung der kindlichen Antiror-
tcn zu finden, müssen an alle zu prüfenden Kinder dieselben Fragen,
die gleichen Anforderungen in genau derselben sprachlichen und sach
lichen Beziehung und Form gestellt werden. Es würde sich sicher
zur Ergänzung und zum bequemeren Gebrauch des Beobachtungs
bogens empfeUen, wenn er ein Frageschema in dem angedeuteten
Sinne enthielt. Dabei wäre es aber wohl am zweckmäßigsten, wenn
für jedes Kind ein besonderer Bogen angelegt würde, dessen Rück
seite die Fragen mit dem notwendigen freien Raum zur Eintragung
der Kinderantworten vorsähe. Ich habe dieses Erforscher: meiner
Schulrekruten im Sinne Zeißigs („Die Erforschung des Gedanken
lebens unserer Schulneulinge", Verlag Zickfeld-Osterwieck) an Hand
folgender Fragen und Antworten vorgenommen:
A. Fragen, die den Borstellungskreis erforschen sollen.
I. Gegenstände.
a) Wohnung:
1. Was habt ihr in der Küche? 2. ... in der Kammer?
3. Was kannst du mir von eurem Tisch sagen?
4. Warum habt ihr einen Tisch?
5. Was kannst du mir von euren Stühlen sagen?
). Warum hat der Stuhl eine Lehne?
6. Warum hat der Stuhl eine Lehne?
8. Warum hast'du ein Bett?
9. Sprich von eurer Uhr!
10. Wann sieht man nach der Uhr?
11. Was kannst brr mir von eurem Ofen erzählen? -
12. Warum steckt die Mutter den Ofen an?
d) H a u s:
13. Was ist alles in eurem Hause?
1t. Was kannst du mir von eurer Treppe sagen?
15. Warum ist eine Treppe in eurem Hause?
16. Was weiß du von eurer Haustür?
17. Warrrm habt ihr eine Haustür?
16. Erzähle mir von eurem Keller!
19. Wozu habt ihr einen Keller?
e) Straße:
20. In welcher Straße wohnst du?
21 Was hast du schon auf der Straße gesehen?
22. Erzähle mir etwas vom Pferdes
23. Was weißt du vom Auto?
24. Erzähle mir etwas von der Elektrischen (Fahrrad) l
H. Eigen schäften:
25. Was ist aus Holz gemacht?
26 Eisen? 27 Glas? 28. . . . Papier? 29. .. . Leder?,
30. . . . Stein?
31. Was sicht rot aus? 32. . , . gelb? 33. ,,, blau«
34. . . . grün? 35. . . . schwarz? 36. . . . weiß?
37. Was lautet schön? 38. . . . schlecht? 39. . . . leise?
40. . . . laut?
41. Was riecht gut? 42. . . , schlecht?
43. Was schmeckt süß? 44, . . . sauer?
45. Was ist hart? 46 weich9 47. . , . schwer? 48.... leicht?
49 warm? 50 kalt? 51 . . rauh? 52. . . , glatt?
III. Tätigkeiten.
a) äußere:
53. Was nimmt die Mutter, wenn sie schneidet?
54. Was fährt aus der Straße?
55. Was läuft schrell?
56. Was koch die Mutter?
57. Was frißt das Kaninchen?
58. Welche Tiere beißen?
59. Welche Tiere fliegen?
60. Womit spielst du gern?
b) Innere Tätigkeiten:
61. Wovor bist du bange?
62. Worüber hast du dich gefreut?
63. Was hast du gern?
64. Was hast dir nicht gern?
65. Was willst du werden?
V. Fragen, die das Wiedererkennen bildlich dargestellter
Gegenständer, Eigenschaften und Tätigkeiten priffen und Die
Urteils und Schlnßsühigkeit und den erreichten Grad der!
Abstraktion feststellen sollen.
(Im Anschluß an das Crüwellsche Arischauungsbild:
„Der Frühling" )
66. Was siebst du auf dern Brlde?
67. Wieviel Kindtr siehst du?
68. Sag mir etwas von dem großen Jungen!
69. Warum fassen die Mädchen sich an?
70. Was tut der Mann an dem Baume?
71. Warum bindet er den Baum an?
72. Erzähle mir etwas von dem anderen Manne:
73. Was weißt du von der Gießkanne?
74. Warum steht sie dort im Garten?
75. Was ttlt die Fran?
C. Fragen, die größere pshcholvgssche Gebilde und Zusammeu-
hünge erforschen sollen.
76. Was kannst du beten?
77. Singe mal ein schönes Lied!
78. Was spielst du, wenn du allein im Hause bist?
79. Was spielst du, wenn du allein draußen bist?
60. Was spielst du mit anderen Kindern im Hause?
81. Was spielst du mit anderen Kindern draußen?
82. Sag mir mal ein Berschen!
83. Erzähle mir mal eine schöne Geschichte!
i> Prüfung der Sprechfertigkeit.
Nachsprechen folgender Wörter und Sätze:
84. Zwiebel.
85. Strumpf.
86. Kreide.
67. Getreide.
83. Springbrunnen.
89. Ich habe Fleisch g-egesseu.
90. Wir spielen mit 5 kleinen Krtgeln.
Die Auswahl vorstehender Fragen ist so getroffen, daß sie der
Anscbammgs- und Jnteresscnspliäre wohl aller Schulneulinge an
gepaßt sind und so mithin für alle Kinder die Prüfrmgsbedinguirgerr
die gleichen find. Bezüglich der Prüfung der Zahl-, Form- üvd
Farbenauffassung habe ich folgenden Weg gewählt:
Z a h l a u f s a s s u n g :
1. Umfang der Zahlwortreihe.
2. Dingzählen (Abzählen),
3 Simultane Zahlaufsassung.
Formaufsassung:
1. Decken (einfacher Fornren).
2 Auffassen und Wiedererkennen und Wiedergabe
3. Wiedergab aus dem .Gedächtnis,

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