Waffäolijche 2eif|cftrfff für Crzichung und Sifdung:
'lOIJfcnfcfiaff — Itunjf — ®o(ififo
Hanptklatt der Zwsigverbonde des AalK. sefirernerSandes des DcuJscficn Stetestes: Stficlnland, lOefffaten, Lasset. HildesKetm. Osnaßrucfi
und VrannfeKwrtg — Veröffentlickungsorgan der Hermann-Hukertus-8ttftiing — Für Westfalen: Aortsehung der Tiidagvgifeken Wocke
F. Schumacficv, Sochum ß a U p f f ch. rifffeifung tR. Stroh, Duisburg
Kanalstraße 53, Fernsprecher 1393 Pulverweg 14, Fernsprecher 4615
Geschäftsstelle: Bochum, Mühleustrahe 12, Fernsprecher 810, 651 und 8830. — Postscheckkonto r Märkische Drrelnsdruckerei Schürmann & Klagge», Nr. 6146 Dortmund.
Sendungen find zurichten: Für den allgemeinen, flandespolitischen, vereinspolt«
tischen und Nachrichtenteil an F. Schumacher, Bochum. Für den wissenschaft
lichen, allgemeinpolitischen und schulpolitischen Teil an A. Stroh, Duisburg.
Anzeigen und Beilagen an Schürmann LKlagges. Bochum, Mühlenstraße 12
Erscheint Mittwoch» und Samstag». Anzeigen und Beiträge müssen für die Mitt«
wochsnummer bis Sonntag, für die Samstagsnummer bis Mittwoch vorliegen. —
Bezugspreis: 40Ml. vierteljährl. (durch die Post zu beziehen). Anzeig enprets:
1,63 Mk. die 6 gespaltete Mtllimeterzeile. Beilagen: Das Tausend von 35 Ml. an
Inhalt: Vom Geiste des Geschichtsunterrichts. — Das Relief als
liche Bedeutung der Flußläufe. — Die Auslandsdeutscheu im Unter
Rückblick und Ausblick. — Gehaltstafel, gültig vom 1. Juni 1922.
1922. — Totenglocke: Seminardirektor F. Schumacher. —
Unterrichtsmittel. — Heimatkunde in der Grundschule. — Die Wirtschaft,
ricljt der Volksschule. — L e h r e r w a r t e: Zur Landbeamtenfrage. —
Nachzahlungen für die Moncrte Juni und Juli, August und September
Aus den Vereinen. — Vereinskalender. — Anzeigen.
1. Sahvgang
Oli^iDocfü, 12. 3u(i 1922
Stummer 49
Vom Geiste des Geschichtsunterrichts.
Oberlebrerin Dr. Kl- M- Fa» bind er, Saarbrücken.
Von je ist den Fächern Deutsch, Geschichte, Religion eine besondere
Stellung im Unterricht eingeräumt worden, da sie vor allen andern
zur Erzielung des Menschen geeignet waren. Heute, da der Ruf nach
stärkerer Betonung des erzieherischen Momentes im Rahmen der Schule
Allenthalben laut wird, ist ihre Bedeutung noch gewachsen, und ein
dringlicher als je müssen sich alle Lehrer die Frage vorlegen: nach
welchen Gesichtspunkten sollen wir unsern Unterricht gestalten, in
welchem Geiste sollen wir den Stoff auswählen und den Kindern
nahebringen?
Die vorliegende Arbeit ist das Ergebnis von zwei Sitzungen der
^katholischen Lehrerinnen an mittleren und höheren Schulen des Saar-
vebietes.
Die Frage nach dem Zweck des Geschichtsunterrichts ist zu rerschie-
penen Zeiten verschieden beantwortet worden. Heute fast allgemein
In dem Sinne, datz der Geschichtsunterricht das Verständnis für die
Gegenwart zu wecken hat. Ohne Zweifel ist dies eine seiner wichtig
sten Aufgab,.«. Wir sehen jeden Tag aufs neue, wie viel gegenseitiges
Witzverständnis, Mitzoerständnis zwischen den Angehörigen der ver
schiedenen Stände, der verschiedenen Religionen und Bekenntnisse, der
verschiedenen Stämme und nicht zuletzt der verschiedenen Völker darauf
surückzuführen sind, datz man den Werdegang der fremden Gemeinschaft
nicht kennt, datz man nur sieht, da ist etwas Anderes, etwas Falsches
And sich nun dagegen auflehnt.
Hier hat der Geschichtsunterricht eine gar nicht genug '.insu-
schätzende Bedeutung.
Er soll zeigen, wie alle Zustände, in denen wir uns befinden, ge
worden sind, wie sich die Unterschiede der Stände, der Etämnie, der
Weltanschauungen der Völker gebildet haben, sei es im Lichte der ge
schichtlichen Forschung, sei es, da» diese Unterschiede schon hervortreten,
wenn das Dunkel, das über den Anfängen unserer Kulturentwickluna
siegt, langsam zu weichen beginnt. Soll aber das Aufdecken dieser
werdenden Unterschiede wirklich zum inneren Verständnis des Ander»-
Artigen führen, was mit der Kenntnis allein ja durchaus nicht gegeben
ist dann müssen wir bei solchen Darlegungen unbedingt verlangen,
da» sie nicht von einem bestimmten, d. h. dem Standpunkt des Unter
richtenden gegeben werden. Wir müssen uns nicht nur nicht persönlich
daran gewöhnen, die Erscheinungen an sich, ohne Rücksicht auf unsere
eigene Ueberzeugung zu werten, wir schulden die gleiche Einstellung
unsern Schülern.
Zwei Beispiele mögen das Gesagte verdeutlichen.
Wenn wir die Entwicklung der sozialen Frage behandeln, so ge
fügt es nicht, da» wir die Gründe, die zu dieser Entwicklung führten,
>mkt des .Christentums darlegen, die Schüler also potz
vornherein eine bestimmte Einstellung zu ihrer Beurteilung haben. Wir
müssen zunächst die Frage gewissermatzen vom Standpunkt der Soziali
sten selbst geben, unter der Formulierung etwa: Was haben diese Leute
gewollt? Erst wenn diese Frage rein sachlich dargelegt ist, sollen wir
die Schüler selbst sich ein Urteil bilden lassen über das Für und Gegen.
Erst dadurch wird in den Schülern die Fähigkeit erzogen, eine andere
Anschauung richtig einzuschätzen- Das ist aber die grundlegende Be«
dingung für ein gegenseitiges Verständnis. Sich in die Seele des Geg
ners versetzen zu können, mit seinen Augen ein Problem anschauen zu
können, ist auch der einzige Weg, ihn von den darin enthaltenen Irr
tümern zu überzeugen. Wenn rnan heute den Kampf der Geister ver
folgt. hat man immer wieder den Eindruck, datz jeder eine andere
Sprache spricht, und aus dieser Einstellung heraus eine Verständigung
unmöglich ist.
Grade aus diesem Grunde halte ich auch eine gründliche Behänd«
lung der Reformation im Geschichtsunterricht für eine unumgängliche
Notwendigkeit. Wir sind in Deutschland auf das Zusammenarbeiten
der beiden Konfessionen angewiesen und müsien unter allen Umständen
d e Basis dieser gemeinschaftlichen Arbeit stärken. Ich würde dabei
die Beurteilung der dogmatischen Richtigkeit der damals gegenein
ander auftretenden Anschauungen in jeder Schule, in der Volksschule
wie der höheren, in einer konfessionellen wie einer paritätischen, aus
dem Geschichtsunterricht herauslassen und in den Religionsunterricht
verlegen. Für die geschichtliche Entwicklung ist es nebensächlich, ob
eine neue Anschauung, die irgendwo Boden jatzt, richtig ist oder nicht.
Mit dem Augenblick, da sie sich ausbreitet, ist sie eine geschichtliche
Wirklichkeit geworden, die wir nach der Frage ihrer Bedeutung für die
Entwicklung des einzelnen Volkes, bezw- der Menschheit zu werten
haben- Aehnlich verhält es sich mit dem Kampfe des Kaisertums mit
de:n Papsttum im Mittelaller. Auch hier gehört die Frage, welche von
den beiden Gewalten eigentlich der anderen übergeordnet ist, nicht in
den Geschichtsunterricht. Nur das steht zur Behandlung, welches d'e.
historische Berechtigung der gegenseitigen Machtansprüche war. Von
d:nl Geschichtslehrer verlangt diese Einstellung unbedingt ein gründ
liches Quellenstudium. Es geht z. B- nicht an, datz man die Refor
mation behandelt, ohne etwa Luthers Schrift „Von der Freiheit eine»
Christenmenschen" gelesen zu haben. Es wird dabei sicher manchem
wie mir gehen, datz er mit peinlicher Ueberraschung entdeckt, datz dies»
Schrift ganz anders ist, als man sie gemeiniglich in katholischen Schulen
dargestellt bekommt. Ich habe mich damals ernstlich gefragt, ob mein»
Lehrer sie eigentlich selbst gelesen hätten! Ebenso gibt es noch heute.
Eeschichtslehrer, die über die Entwicklung der Sozialdemokratie reden,
ohne je eine der grundlegenden Schriften ihrer Führer gelesen 5N
haben. Dadurch schleppen sich diese vergijtevhM
immer weiter, ’ *

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.