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Pädagogische Post
Nr. 49
Dag ein Mann mit solch herrlichen Geistes- und Herzensaaben ein
durchaus edler Mensch war. ist wohl ganz selbstverständlich. Sein
schlichtes, einfaches und doch so vornehmes Wesen lieben seine volle
..Persönlichkeit nicht nach außen in die Erscheinung treten. Sein Wirken ge
schah in der Stille. Dort arbeitete er an seiner eigenen Vervollkomm
nung, dort führte er oft bis in die Morgenstunden hinein am Schreib
tisch die Feder, um auch dort verbessern und veredeln zu helfen, wohin
sein Wort nicht drang, dort hat er manchen guten Rat erteilt, man
chen Zweifel gelöst, manches Herz beruhigt und andere Werke christlicher
Barmherzigkeit ausgeführt. Es würde die Bescheidenheit dieses edlen
Mannes verletzen, wollte man nach dieser Seite bin mehr als An
deutungen machen.
Mit besonderer Liebe hing er an seinen Verwandten- Stets und
ständig stand ihnen sein gastfreies Haus offen, immer traf man dort
den einen oder andern aus seiner Verwandtschaft. Geistliche, Lehrer
und Lehrerinnen sind durch sein edles Beispiel, seinen guten Rat und
durch materielle Unterstützungen aus seiner Familie hervorgegangen-
Nun ist das gastliche Haus geschloffen, die Feder ruht auf dem
Schreibtisch, Hilfe und Rat Suchende finden den frommen Priester und
guten Menschenfreund nicht mehr.
Aber in Liebe, Dankbarkeit und Verehrung gedenken seiner alle,
die ihn kennen gelernt haben, Hunderte von Lehrerinnen und Lehrern,
auch der Kath. Lehrerverband, deffen Mitglied er seit seiner Gründung
gewesen ist.
Einem Lehrerhause entstammend, war es ihm ein Herzensbedürf-
nis mit Lehrern zu verkehren. Schon lange vor der Gründung des
Kath. Lehrerverbandes war er Mitglied und Mittelpunkt einer zwang
losen Vereinigung von Lehrern, die in Münster bestand. Nach der
Gründung des Kath. Lehrervereins Münster gehörte er diesem als
ei«es der eifrigsten und tätigsten Mitglieder an. Wenn er nicht ganz
dringend verhindert war, fehlte er bei keiner Versammlung. Seine
öfteren Vorträge, namentlich auf dem Gebiete der Religionswiffen-
schaften und der Katechetik übten auf die Vereinsmitglieder eine
grobe Anziehungskraft aus. seine feinsinnigen, sachkundigen und warm
herzigen Ausführungen haben stets fördernd und befruchtend auf die
Verhandlungen bei allen Fragen im Lehrerverein gewirkt. Als auf
richtiger Freund des Lehrerstandes brachte er auch den materiellen und
anderen Standesfragen der Lehrer vollstes Verständnis und werk
tätiges Interesse entgegen. In einer Zeit. als die Förderung der
materiellen Besserstellung des Standes noch in erster Linie in der
-Hand der Pfarrgeistlichkeit lag, hat er durch sein mannhaftes Ein
treten für die Rechte der Lehrer und die Besserung ihrer äußeren
Lage in jenen Kreisen manches Hindernis hinweggeräumt. Begabt
I mit feinem Humor und einem guten Scherze nicht abhold, bat er an
den schönen Festen, die der Lehrerverein Münster früher zu veran-
anstalten verstand, immer tätigen und lebhaften Anteil geommen. Kein
Wunder, daß die Münsterische Lehrerschaft diesen edlen Lehrerfreund,
der sich nur als Lehrer unter Lehrern gab, in hoher Verehrung und
Dankbarkeit ergeben war. Darin hat ihn der Lebrerverein Münster
bei seiner Berufung zum Seminar-Direktor zu seinem Ehrenmitglieds,
einige Jahre später zu seinem Ehrenvorsitzenden ernannt, aus welchem
Amte er keine Rechte, sondern in selbstloser Weise nur Pflichten her
leitete. Sein Andenken wird im Lebrerverein Münster und weit dar-
Aber hinaus stets in hohen Ehren gehalten werden.
Kath. Lehrerverein im Regierungsbezirk Cassel.
Nachstehenden Ministerial-Erlaß und die Regierungsverfügungen
geben wir den Mitgliedern unseres Vereins bekannt. Diese Schrift
stücke dürften auch für die Organisten anderer Bezirke von großem
i Interesse sein.
Erhöhung der Stellenzulagen für die Inhaber vereinigte»
Schul- und Kirchenämter.
Der Preußische Minister sür
/Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.
/ U III E IOC U HI D, Gl. G II.
Berlin W. 8, den 12. Mai 1922.
Die Höhe der Stellenzulage für die Inhaber vereinigter Schul-
Und Kirchenämter (§ 16 des VDG.) hat sich nach dem Umfange der
,mit dem Kirchenamt verbundenen Mühewaltung zu richten. Bei
s der Festsetzung des Betrages rnuß auch die Entwertung des Geldes
mitberücksichtigt werden. Es wird daher in vielen Fällen die bisher
festgesetzte Stellenzulage erhöht werden müssen. Die Inhaber ver-'
i einigtet* Schul- und Kirchenämter erhalten ihr gesamtes bares
-Diensteinkommen mit Einschluß der Stellenzulage aus der Landes
schulkasse gezahlt. Die Stellenzulage hat der Schulverband — nicht
etwa die Kirchengemeinde — der Landesschulkasse zu erstatten (8 46
Ziffer 2 des VD-G). Die Entschädigung sür die kirchliche Mühe
waltung hat grundsätzlich der Schulverband auszubringen, der
Kirchengemeinde liegt nicht die Verpflichtung ob, dem Stelleninhaber
eine Erhöhung der Stellenzulage zu gewähren. Nach 8 16 Abs. 1,
Letztem Sah, des VDG. (§ 6 des alten Lehrerbesoldungsgesetzes) ist
die Stellenzulage durch die Schulaufsichtsbehörde nach Benehmen
mit der kirchlichen Aufsichtsbehörde ihrer Höhe nach festzusetzen. Sie
darf aber die Gesamtsumme der Einkünfte aus dem zur Dotation
des vereinigten Amtes bestimmten Schul-, Kirchen- und Stiftungs-
Vermögen, einschließlich der Zuschüsse aus der Kirchmkasse und von
Kirchengemeinden, sowie der sonstigen Einnahmen aus dem Kirchen
dienst zuzüglich des Siutzungswertes des den kirchlichen Interessenten
gehörigen Anteils an dem Schul- und Küsterhaus oder Küflergehöft
nicht übersteigen.
Nach Nr. 39 Abs. 2 der Nusführungsanweisung Teil 1 zum
VDG. sollten die Arbeiten, die eine allgemeine Erhöhung der
Stellenzulage verursachen würden, zunächst noch hinausgeschoben
werden. Nachdem aber inzwischen das neue Volksschullehrer-Dienst
einkommensgesetz in der Hauptsache durchgeführt ist, muß nun auf
eine den Geldverhältnissen entsprechende allgemeine Erhöhung dcr
Stellenzulage hingewirkt werden. Soweit die obengedachte Gesamt
summe nicht ausreicht, dem Stellen Inhaber eine angemessene Stellen
zulage für seine kirchliche Mühewaltung zu gewähren, wird darauf
Bedacht zu nehmeil sein, daß die Kirchengemeinde mit ihren Mitteln
durch Gewährung eines Zuschusses helfend eintritt, was schon bisher
für einzelne Fälle nach der Ausführungsanweisung angeregt war.
Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, eine entsvrechmde Erhöhung
der Stellenzulage festzusetzen.
Die Regicrungell ersuche ich, da wo es erforderlich ist, ans die
Kirchengemeinden durch Vermittlung der kirchlichen Aufsichtsbehörde
einzuwirken, daß sie die Zuschüsse aus der Kirche nkasse erhöhen, und
daraus die Stellenzulagen nach der Vorschrift im 8 6 des alten
Lehrerbesoldungsgesetzes neu festzusetzen.
Die Konsistorien erhalten Abjchrift dieses Erlasses.
Im Auftrage: gez. Klotz sch.
An die Regierungen pp. Cassel.
Regierung, Cassel, den 12. Juni 1922.
Abt. sür Kirchen- und Schulwesen.
B II Nr. 6 533.
Abschrift übersenden wir auf die Eingabe vom 1. 6. 1922 264/22
zur gefälligen Kenntnisnahme Wir erhalten täglich Anträge von
Inhabern verbundener Kirchen- rmd Schulstellen arrf Trennung der,
Aeinter vorbehaltlich der BermLgensauseinandersetzung. Die An
träge werden vielfach mit der zu geringen Besoldung begründet.
Ailgestchts der durch den vorstehenden Ministerialerlaß veränderten
Sachlage haben wir mit dem Konsistorium für die Auseinanoer-
setzungsverhandlungen folgendes Verfahren vereinbart:
1. Diejenigen Kirchen- und Schulämter, deren Jnliaber aus
drücklich erklären, daß sie nach der Trennung den Kircheirüienst frei
willig im Privatvertrage nicht wieder übernehmen wollen, wer
den zum 1. Oktober 1922 getrennt vorbehaltlich der Vermögensaus-
einaudersetznng. Da die betroffenen Kirchengemeinden in die Lage
versetzt werden müssen, über bestimmte Vermögensstücke zu Gunsten
der Besoldung des von ihnen anzunehmenden besonderen Kirchen-
beamten zu verfügen, werden die Auseinandersetzungsverträge ftir
diese Stellen sofort in Angriff genommen und mit tunlichster Be
schleunigung zum Abschluß gebracht.
2. Diejenigen Kirchen- und Schulämter, deren Inhaber bereit
sind, nach der Trennung im Privatvertrage den Kirchendienst weiter
zu versehen, bleiben zunächst verbunden. da wir selbstverständlich
einfach außer Stande sind, für so viele Stellen in Kürze die Aus
einandersetzung durchzuführen. Wir werden aber sofort eine ange
messene Erhöhung der Stellenzulage im Sinne des Ministerial
erlasses vom 12. Mai 1922 und auf Grundlage der auch vom
Konsistorium als berechtigt anerkannten Forderungen der Bereini
gung der Kirchschullehrer des Konststorialbezirks Cassel in die Wege
leiten und die Vermögensauseinandersetzung sür diese Stelllu als
laufende Geschäfte wie bisher abwickeln.
Die schwebenden Auseinandersetzungen werden von. dieiec SLeu-
regelnng auch nicht berührt, sofern der Stelleninhaüer nicht einen
Antrag gemäß 1 stellen sollte Sämtliche Sonderanträge von
Stelleninhabern lassen wir nunmehr durch dir Herren Kreisschut-
räte zurückgehen mit der Weisung, neue Erklärungen gemäß 1. oder
2. einzufordern und die Erklärungen zu 1. uns, die Erklärungen
KU 2. den Herren Landräten vorzulegen. Die Landräte werden
alsdann unverzüglich die Verhandlungen wegen der Erhöhung der
Stellerizulage einleiten.
Wir stellen anheim, die Lehrerschaft durch Vermittlung der
Kreislehrerräte von der vorstehend umrissenen Neuregelung in
Kenntnis zu setzen.
Für die katholischen Mrchenschulstellen
VeMgrrng.
ergeht noch besonder?
An den Brzirkslehrerrat.
Regierung,
Abt. ftir Kirchen- und Schulwesen.
Cassel, 27. Juni 19*22.
B II Nr 7 330
Unsere Verwgun« »,'l2. 6.22. - S3 » 6533 (such- vorsehend,--
mit sinngemäßer Abänderung auch für die organisch vervnn
©•tr.'hprt, imb Schulstellen.

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