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Piivogogische Post
Nr. 50
Würger.* Nun ist es ein erhebender Gedanke, daß Tag um Tag
Und Jahr um Jahr und Jahrzehnt um Jahrzehnt durch Menschen-
alter hindurch die Jugend hier einkehren wird, damit sie durch Er
ziehung und Unterricht für das Leben in der Familie und Gemeinde,
rm Staate und in der Kirche geschult und ertüchtigt werde.
O, möge der Ein - und Ausgang der heutigen Ju
gend und der nach wachsenden Geschlechter immer-
dar gesegnet sein!
Inmitten der bitteren Wohnungsnot für Familien und Schulen
können wir uns heute und in Zukunft doppelt freuen über oie
zweckdienlichen, anheimelnden Räunre und das stattliche .Haus, das
hier der Jugend und der Lehrerschaft bereitet worden ist. und es
ergibt sich von selbst die vornehme Pflicht, das ganze Schulanwesen
zu halten und zu hegen wie persönliches Eigentum Und doch —
wie die Seele mehr wert ist als der Leib, so ist auch der gute Geist,
der in einem Schulhause wohnen soll, wertvoller als das Gebäude.
Darum wünsche und hoffe ich. daß der Geist Overbergs hier
immerdar eine Heimstätte finden möge bei Lehrern und Schülern.
Das ist vor allem der Geist werktätiger Religiosität,
der der treueste Geleitmann durch diele wirre Welt ist und die
goldene Brücke schlägt für eine andere und bessere 'Lelt. Darum
sage ich mit unserm :vestfälischen Dichter Friedrich Wilhelm Grimme:
„D zimmre dir dein HauS im .Herrn
Und las die Flügel seiner Liebe
Das Dach dir decken, und du hast
Die .Heimat, wenn auch nichts dir bliebe.
DaS wanket schnell, waS sonst wir bau'n.
Und wenn wir uns gebettet halten.
So fällt der Strahl ins feste HauS,
Um selbst die Pfosten zu zerspalten. '
Und Zeiten konimen, die stnd schwer.
Und Zeiten, :vo »vir fremd erscheinen
Im Vaterland, im Vaterhaus
Fremd und verlassen stehn und weinen "
Aber wir wollen heute und in Zukunft nicht klagend rückwärts
schauen, sondern mutig vorwärts blicken. Geblieben ist unS sa ein
liebes deutsches Land und Volk, und da gilt für Lehrer und Schüler
die Mahnung des greisen Attinghausen im Teil: „Ans Vaterland.
anS teure, schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen!
Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft." Damit lege ich den
zweiten Grundstein zum innern Schulbau und möchte die
Worte Theodor StormS hi nein meißeln: ,^?ein Mensch ge
deihet ohne Vaterland." Die rechte Vaterlandsliebe zeigt
sich aber weit mehr im Handeln als im Reden, zeigt sich mehr in
der opferbereiten Hingabe an das Gesamtwohl, als in rücksichtslosem
Drängen nach persönlichen- und Standesvorteilen, zeigt sich Vor
allern, kurz gesagt, in treuer Berufsarbeit. Darum möge dieses
neue Gebäude immerdar die Heimstätre für eine rechte Arbeits
schule sein: Arbeit mit der rüstigen Hand, Arbeit mit offenem
Kopf, Arbeit mit fühlender Seele und das alles bei Schülern und
Lehrern. Bor dem Kriege standen wir mit unsern: Schulwesen an
erster Stelle in den Ausgaben wie in den untsrcichtlichen Erfolgen.
Rußland hatte 60 Prozent Analphabeten. Italien 30. Belgien 10,
Frankreich 3,2, England 1 und Deutschland 0,03 Prozent. Und nach
den: Kriege muß es so bleiben und im gesunden Fortschritt noch
bester werden, wenn wir aus den dunklen Niederungen wieder zur
Sonnenhöhe vaterländischen GlückeS emporsteigen wollen. Aber
Wisten allein kann uns nicht retten, wenn das Wollen fehlt. In der
Erziehung zu Gottesfurcht mib Nächstenliebe, zun: Fleiß und
Gehorsam, in der Abkehr von rücksichtsloser Ichsucht mib nimmer
satter Vergnügungssucht liegt die schwerste und edelste Ausgabe der
Arbeitsschule. Mehr als je tut der Jugend Erziehimg not, damit
die furchtbare Verwilderung der sittlichen Begriffe wirksam be
kämpft werde, so hat noch in den jüngsten mörderischen Tagen
unser Unterrichtsminister in alle Schulen hinein gerufen. Und bei
den hohen Zielen der erziehenden Arbeitsschule wollen wir die
Jugend durch Beispiel, Gewöhnung und Unterricht inrmer wieder
darauf Hinweisen, daß jede treue Arbeit ehrenvoll und
achtunggebietend ist, mag sie nun körperlicher oder geistiger Art sein.
„Ein jeder Stand der Welt ist gut, wenn treu ein Mann das
Seine tut", oder wie Freiligrath es ausdrückt:
Wer den wucht'gen .Hammer schwingt,
Wer im Felde mäht die Ähren,
Wer ins Ällark der Erde dringt,
Weib und Kinder zu ernähren:
Wer stronmn den Rächen zieht.
Wer bei Woll nnd Werg und Flachse
Hintern: Webestuhl sich müht, '
Daß sein blonder Jllnge ivachse;
Jedem Ehre, jedem Preis! '
Ehre jeder Hand voll Schwielen!
Eher jedem Tropfen Schweiß,
Der in Hütten fällt und Mühlen!
Ehre jeder nassen Stirn
Hintern: Pfluge! — Doch auch dessen.
Der mit Schädel und mit Hirn
Hungernd pflügt, sei nicht vergessen'.
Und nun lassen Sie mich noch den vierten und Schlußstein zu
unserem geistigen Schulbau legen! Auf de:: berußten Eisenplatten
eines münsterländischer: Bauernherdes habe ich einmal die Worte
gefunden: „Friede ernährt. Unfriede verzehrt." DaS
ist ein goldener Spruch für alle Schulen, die r:icht im Zeichen deS
Schwertes, sondern nur unter den Palmin des Friedens gedeihen
können. In der brandenden Welt voll Zank und Streit sollte die
Schule chic Insel des Friedens sein, dann wird sie auch die Insel
der Seligen werden können. Möge sie stets lehren und lern»:«:
Friede im eigenen Innern bei Schülern und Lehrern, Friede im
Lehrkörper und mit dem Elternhause, Friede in der Gemeinde und
unter den Konfessionen, getreu dem Spruche Friedrich Wilhelm
Webers: „Was euch heilig, will ich dichten; waS mir heilig, laßt es
gelten!" Aber kein Kirchhofsfriede, der Gottes Wasser über GotteS
Hand fließen läßt, sondern ein Friede, der seinen Mutterboden hat
in Nächstenliebe und Opscrsinn» in Ueberzeugungstreue :md
Standesehre. '
Ich sagte einleitend, daß dieses neue Gebäude auf alten festen
Fundamenten aufgebaut fei. Wir wolle:: darin ein Bild, ein
Shmbcll auch für den inneren Schulbai: erblicken. Auf diese
geistigen Fundamente für den inneren Schulbau habe ich soeben
in großen Zügen hingewiesen; sie sollen nicht w e i ch e n u n d
wanken in dieser neuen Zeit; was aber Gutes in den
Bestrebungen des Gegenwart und Zukunft liegt, das soll an dieser
Stätte stets fortschrittlich aufgegriffen und dankbar nutzbar gemacht
werden. Möge das Neue so zweckdienlich und erfreulich sein wie
das jungfräuliche Schulgebäude hier im Festge—"»'bel
Im guten Alten in Treue hatten.
Am kräft'gen Neuer: sich stärken und freuen
Wird niemand gereuen.
Ausländischer Besuch.
Die Seminarabsolventen des kathol. deutschen Lehrerseminars
aus TemeSvar (Banat, jetzt Runränien, ehem. Ungarn) werden
in diesem Jahre ihre 2. Studienfahrt ins Mutterland unternehmen.
Am Montag. dem 17. Juli werden sie, direkt von Berlin kommend, in
Bochum eintreffen, wo sie für 4 Tage ihr Standquartier aufschlagen.
Zweck der Reise ist, Land und Leute des Mutterlandes aus eigener
Anschauung kennen zu lernen, um sich als Pioniere des Deutschtums
und als spätere Kulturträger ihrer Völker im Banat im Deutschtum
zu stärken und zu festigen. Die im Mutterlande gewonnenen Erfah
rungen und Kenntnisse wollen die Lehramtskandidaten in den Dienst
der ihnen anvertrauten Jugend stellen, zugleich aber a:uh die gei
stige Verbindung der Stmnmesgenoffen im Banat mit denen deS
Mutterlandes ankrüipfen.
Das „Zentral-Jnftitut für Erziehung und Unterricht, Auslands-
Abteilung, Berlin" und der „Reichsverband für die katholischen
Ausländsdeutschen, Berlin" baten die „Auslandsgruppe deS Kathol.
Lehrerverbandes des Deuffchen Reiches", für die Durchführung der
Studienfahrt in Rheinland und Westfalen Sorge zu tragen. Gern
ist der gesamte Kathol. Lehrerverband dieser Bitte nachgekommen, da
er von der Bedeutung des kathol. Auslandsdeutschtums überzeugt ist
und noch kürzlich in der Vertreter-Versammlung in Fulda h: einer
Entschließung seine tatkräftige Mitarbeit in dieser wichtigen Ange
legenheit -um Ausdruck brachte.
Bei der diesjährigen Studienfahrt der Temesvaer Seminar
absolventen wetteifern geradezu die in Betracht kommenden Orts-
Lehrervereine in Bochum, Herne, Essen, Duisburg, Düsseldorf und
Köln darrrm, um den verehrten Auslandsfreunden einen angenehmen
Aufenthalt in Rheinland und Westfale:: zu gewähren. Das „Zentral-
Jnftitut für Erziehilug und Unterricht" in Berlin bittet die „Aus-
lanüsgruppe des K. L. V.", dem Gesamtverbande für die Durchfüh
rung der Reise den herzlichsten Dank abzustatten, besonders aber den
betreffenden Orts-Lehrervereinen, die sich in so hervorragendem
Maße an der lokalen Führung, Bewirtmrg und Unterkunft der Gäste
beteiligen.
Bon Köln aus erfolgt die Weiterfahrt nach Mainz, Frank
furt a. M., Heidelberg, Freiburg i. B., Stuttgart, München, Ober
ammergau, am 7. August über die deutsche Grenze nach Salzburg.
Möge sich ein inniges Verhältnis zwischen unseren auslands
deutschen Freunden und uns entwickeln, und mögen die lieben Gäste
erkennen, welche Werte und Kräfte in unserm deutschen Familien-
leben lebendig sind, wie hier deutsche Art und deuffches Bewuhffein
gepflegt werden, und daß aus diesem Zusammenkommen der Aus
landsbrüder mit denen des Mutterlandes Glück und Segen für di«
gen:einsame Sache unseres Volkstums entspringen möge!
Bei dieser Gelegenheit sei einiges über die Heimat der Gäste ge-
gesagt. Banat. Wie fremd dürfte der Name wohl vielen klingen,
und doch wird manch deuffcher Krieger, den das Schicksal während
des BalwnfeldzugeS dorthin führte, erzählen können von dem

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