Leite 7»
Pädagogische Pon
Nr. 51
\i
3
Kuriositäten in der Beamtenbesoldung.
Von K. Wörmkämper, Stade.
In dem Volksschullehrer-Diensteinkommensgefetz § 11 Abs. 2
Heißt cs: In Gesamtschirl verbänden, zu denen Orte verschiedener
Ortsklassen gehören, gilt als dienstlicher Wohnsitz der Ort, in dem
sich die Schule befindet. Sind mehrere Schulen in dem Verbände
an verschiedenen Orten vorhanden, so bestimmt die Schulaufsichts
behörde den Ort, dessen Klasse für die Gewährung des Ortszu
schlages an alle in dem Verbände angestellten Lehrer (Lehrerinnen)
maßgebend zu sein hat.
Durch diesen Absatz soll das buntscheckige Bild der Lehrer-
besoldung inwlge der Ortsklassen in ettva abgeschwächt werden. Die
avzugroßen Härten sollen beseitigt werden. Es ist der erste Anstieg
zur Besoldung nach Wirtschaftsgebieten. Nun wie sieht es aber bei
Einzelschulverbänden „mit mehreren Schulen an verschiedenen
Orten mit verschiedenen Ortsklassen" aus. Da ist die Schulaus-
sichtsüchörde nicht befugt, die Lehrerschaft einheitlich nach einem
bestimmten Orte des Cchnlverbandcs zu besolden. Da entscheidet
einzig und allein der dienstliche Wohnsitz Was berechtigt nun dazu,
unter den gleichen Vcrhältnisien zu entscheiden zwischen Gesamt-
und Einzelvcrbändcn? Warum noch die Besoldungsunterschiede
innerhalb eines Schulverbandes? Gerade durch das üne Wörtchen
„dienstlicher" Wohnsitz, der für die Besoldung maßgebend ist, ist bei
allen andern Beamtenaruvpen schon eine gewisse Einheit gewahrt.
Ich möchte da z. B. die Eisenbahi^ herausnehmen, denn bei der
Aufstellung des Ortsklassenverzeichnisies ist doch gerade das gefaulte
Eisenbahnnetz ein HanptschNn'rgewicht mit gewesen. Hier find zu
meist die Stationen der dienstliche Wohnsitz. So ist aber schon in
etwa eine gewisse Einheit gewahrt. Das hat aber auch gleichzeitig
zur Folge, daß die Beamten ein und desselben Ortes nach verschie
denen Ortsklassen besoldet werden. So liegen die Verhälruisse
z. B. im hiesigen Orte. Die Beamten sind Lehrer m,d Eisenbahn-
beamten. Da die Eisenbahnbeamtcn zur Station Olpe gehören,
hier ist nur ein Haltepunkts so werden sie nach Olpe, also Ortsklasse.
B plus Ueberteuerungszus«l)uß besoldet, dagegen wird nur der
Lehrer nach E besoldet, was euren Jahresunterschied von über
8000 Mk. ausmacht. Noch nicht genug, die Sach? wird noch schöner.
Da der Ort keinerlei Geschäfte hat (nebenbei bemerkt hat der Ort
nur 80 Prozerit Arbeiter), sind sämtliche Einkäufe per Bahn oder
eine Stunde Weges in Olpe zu machen. Demnach kauft der Lehrer
in Ortsklasse B plus Uel'crteuerungszuschuß und wird besoldet
nach E. Wirklich zu einem solchen Besoldungsgesetz gehört unend
lich viel Geist. In so wenig Worten soviel Unsinn. Wie lange
sollen diese Ungerechtigkeiten noch anhalten? Das ganze Orts
klassenverzeichnis mit all seinen Auswüchsen und Kämpfen ist und
bleibt ein Ruhmesblatt in der ganzen Vesoldungsgeschichte. Augen
blicklich ist ein Waffenstillstand eingetreten, denn durch alle Zeit
schriften geht die Nachricht, daß Eingaben zwecks Höherstufung bis
zum Herbst nutzlos seien. Na immerhin iin Herbst kann der Kampf
von Neuem beginnen. Soll er das denn wirklich? Fort mit dem
Otsklassenverzeichnls. Ein einh?itlicher Bcamtensiand erfordert auch
eine ein1>ellliche Besoldung, demnach gleiche Gehälter an allen Orten
und nur eine Staffelung in dem ortsüblichen Wohiumgsgeli5>?.
Oder sollte man etwa eine Einheitsfront im Veamtenstande fürchten.
Hätte man all das Geld, was die Ausstellung des Ortsklassenver
zeichnisses nebst all seinen Kämpfen gekostet hat, für Beamten-
erholungsheime usw. venvandt, wieviel Leid und Elend hätte da
gestillt werden können!
Wer besetzt die Schulstellen auf dem Lande.
Darüber sollte nach dem B. D. G. ein Zweifel kaum möglich sein.
Die Landlehrerschaft hat die Bestimmung seinerzeit begrüßt, weil sie
hoffte, das; dadurch der Einfluß aller männlichen und weiblichen Tanten
bei der Stellenbesetzung beseitigt tuürde. Das scheint allerdings noch
nicht überall der Fall zu sein, wie folgendes Vorkommnis zeigt.
An der vierklcssigen kath. Schule in H. im Kreise Geldern ist
eine Lehrerinnenstelle zu besetzen. Der zuständige Kreisschulrat geht
nun nicht etwa den 'ordnungsmäßigen Weg. sondern er sagt dem Herrn
Pfarrer von L>.: „Suchen Sie sich nur eine aus!" Man
kann es dem Geistlichen wirklich nicht verdenken, wenn er dieser liebens
würdigen Aufforderung nachkommt. Die Regierung in Düssel
dorf nrächten wir jedoch fragen, ob sie mit dieser
Art der Auswahl für die Besetzung einer Lehre
rin neu st clle einverstanden ist.
Ferienwanderungen u. Jugendherbergen.
Die großen Ferien stehe,: vor der Türe. Zahlreiche Wander
scharen werden das Saucrland aufsuchen. Ter Andrang wird
größer als jemals sein. Im Interesse der Jugend,vanderer und
der Herbergsleiter bitten wir deshalb um Beachtung folgender
Punkte:
1. Rechtzeitige Anmeldun g unter Beiffigung von Rück
porto ist unbedingt erforderlich Der Andrang zu bestimmten Her
bergen ist besonders groß. Jnnner wieder komnicn unangemeldete
Gruppen, off recht spät. tvünschen Unterkunft. Ueberfüllung, Lärm
und Aerger sind die Folge. Ruhe und Erholung sind dahin. So
war z. B. Pfingsten die Herberge zu Kühhude bis unter das Dach
gefüllt, während das eineinhalb Stunden entfernte Langewiese (40
Betten) nur 8 Gäste hatte. Erfahrungsgemäß ist der Andrang nach
Mtena und der Astenberger Gegend besmrders groß, während die
Bleiben des Sicgerlandcs oft vergebens auf Gäste martern
2. Wenig besucht find: Baloe, Bamenohl, Oesterau, Stein
kuhle, Sündern, Vorwald, Werthenbach, Weftfeld, Wür-
gendorf, Hülscheid, Irmgarteichen, Langewiese, Lenne,
Latzbruch, Mellen, Niedersalvey, Niederschelden, Ober
holzklau, Oberhundem, Breiterrbruch, Bruchhausen, Dorlar,
Eversberg, Holzhausen, Herscheider Mühle. Vielfach sind die
Herbergen als Standbleiben sehr begehrt. Wir machen daher darauf
aufmerksam, daß längerer Aufenthalt nur in Frage komint, soweit
Platz vorhanden ist. Auf jeden Fall kommen die besten Plätze
(Betten) den Weiterziehenden zu. Dauergäste müssen sich mit
Streulager begnügen oder abrücken, falls jene nicht untergebracht
werden können. Der Andrang läßt in den letzten Ferienwochen
nach. Wer also Gedrängel vermeiden oder sich mit feiner Horde
festsetzen will, waiwere Ende der Ferien.
3. Wanderer über 20 Jahre (Ausnahme Schüler, Stu
denten und ältere Führer von Jugendgruppm) haben nur Anspruch
auf Unterkunft, falls sic Mitglieder eines Zweigausschusses oder
einer Ortsgruppe des Verb. f. D. JH. sind und .oweit Platz vor
handen ist. In keinen, Falle dürfen Erwachsene zu Ungunsten der
Jugendwanderer bevorzugt werden. Bereits in der .Herberge
untergebrachte Erwachsene müssen allemal ihre Plätze räumen^
wenn später diese noch von Jugendwanderern beansprucht werden.
1 Immer wieder kommt es vor, daß Wanderer in den Herbergen
verspätet eintreffen und die bereits zur Ruhe gegangenen Gäste
stören und den Hv. um einen Teil seiner Nachtruhe bringen. Um
diesem Unwesen zu steuern, lxrt der ZwA. die H. angewiesen, ab
1. August von allen nach 9 Uhr abends eintreffenden Gästen ein
um 50 Prozent erhöhtes Kopsgeld zu verlangen, ebenso von
denjenigen, die vor Tagesanbruch abrücken.
5 Die klagen über mangelndes Betragen wandern
der Horden wollen nicht verstummen. Schlechtes Benehmen einer
Wandergruppe fällt stets auf den Führer zurück. Deshalb nicht
zuviel Jungvolk mitnehmen! (Höchstens 12—15 Mann.) Um
10 Uhr mns; Ruhe in der Herberge herrschen Vor dem Abrücken
diese in Ordnung bringen und reinigen! B o r s i ch t b e i m Ab
kochen im Freien!
6. Um späteren Beschwerden sowohl vonseiten der Gäste
als auch der Hv nackfgehen zu können, ist darauf zu achten, daß die
Eintragung in das Herbergsbuch mit Angab? des gezahlten Kopf
geldes (1,50 Mk für Schüler und deren Führer, 3 Mk. für Erwach
sene. Streu die .Hälfte. Für Licht,. Brennstoff, Bettwäsche und
Sonderleistungen entsprechender Aufschlag) sofort nach Eintreffen
geschieht.
7. Falls eine Herberge von Wnirderern nur zum Tagaufent
halt benutzt wird, können die Ho. von Jugendlichen eine Steuer
bis zu 0,50 Mk. und von Erwachsenen bis zu 1 Mk. erheben. Gäste,
die in der Herberge nächtigen, sind von dieser Abgabe befreit.
8. Bettwäsche kann nur noch in den allerwenigsten Herbergen
gegeben werden. Daher ist die Mitführung eines Schlafsackes
zu empfehlen.
9. Herbergsverzeichnis 1922 ist erschienen und von
der Geschäftsstelle Hilchenbach für 15 Mk. (ohne Postgeld) zu be
ziehen.
10. Winke zur Durchführung von Wander
fahrten gibt das im Scmerlandverlag zu Iserlohn erschienene
Schriftchen „Buck, Frohe Fahrt" (Anhang Kochbuch), Preis 9 Mk.
Ertrag des Büchleins kommt den Sauerlander Herbergen zugute,
11. Berichte über Herbergen sind sehr willkommen.
Diese, wie alle Anregungen, Wünsche und Beschwer
de n an den Herbergswart. (Lehrer Buck, .Herscheid, Kr. Altena).
Zweigansschutz Sauerland für deutsche Jugendherbera-
I A. Paul Buck. Herbergswart.
numiiumnuu
Aus den Vereinen.
iTirmiuq
Bezirkslehrerkammer Minden.
Protokoll über die Vortagung am 13. Juni 1922 im Rats
keller zu Bielefeld. Amvesend alle Mitglieder der B. L. K., Beginn
,0 Ubr. Mittagspause 1—2,30 Übe. Schluß 5 Uhr

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.