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Inhalt: Von pädagogischer Erkenntnis der reifenden Persönlichkeit. — Geistesströmungen und Literatur. — Leid und Dichter. —.
Ueber Gerrit Engelke. — Sprachliche Benennungen in der Volksschule. — Lehrerwarte: K. L. V. d. D. R. Vertreterper
sammlung in Fulda. — Bezirkslehrerkammer Minden. — Bottrop. — Eine Ausbildungsstätte für Gewerbelehrer im Westen. —
Mitgliederbestand des K. L. V. Provinz Rheinland. — Totenglocke. — Vereinskaleuder. — Briefkasten. — Vom Büchertisch. —
Anzeigen.
1. SoSivgang
Samsfag, den 22. Suß 1922
(Hummer 52
Von pädagogischer Erkenntnis der reifen
den Persönlichkeit.
Von Professor Siegfried Behn, Bonn.
Jedweder junge Erzieher, der unmündige Menschen zu bilden
anfängt, ist heute durch eine Schule der wissenschaftlichen
Vorbereitung hindurchgegangen, wo er mancherlei über die
Gesetze des Seelenlebens und die Entwicklung des kindlichen Organis
mus gelernt hat. Schon der übliche Glaube an die neuesten Er
rungenschaften der fortgeschrittenen Wissenschaft hat in ihm den
Vorsatz gereist, seine Aufgaben recht methodisch zu bewältigen;
und erst die Fülle der praktischen Anforderungen selbst, die doch in
seinem Plane nur zum geringen Telle vorgemerkt waren, — die
Schwierigkeit des Beginnens bestärkt diesen Entschluß. Die
Methode ist der Kompaß, auf den er zunächst schaut; kaum wagt
der junge Lehrer den steten Blick auf das brausende Meer der ihm
anvertrauten Kinderköpfe. So ließe sich ja denn wohl eine Weile
unterrichten, bis man nämlich bemerkt: es fehlt die Fühlung.
Nichts hllft, man muß die werdenden Persönlichkeiten
kennen lernen. Die Hilfsmittel der experimentellen Psychologie aber
find nicht zur Hand, sind im fernen Institut; und wären sie auch
bereit, das nützte immer noch nicht. Hier soll ja gelehrt werden
und nicht geforscht. Da wird dann vielleicht so oder so versucht,
fich gewisser Gesetze des Seelenlebens zu erinnern, etlicher Ent
wicklungsstadien zu gedenken, wozu ja Beleg und Beispiel
leibhaft auf Bänken sitzt oder rutscht. Allein die Mannigfaltigkeit
will sich nicht fügen, bis plötzlich ein entschlossen-verzagter Blick in
das Kindergesicht klar werden laßt, daß man da etwas mehr vor
sich hat, als vielleicht eine Antlitzwahrnehmung. Man sieht
nicht nur Stirn, Nase, Mund und Augen sowie dergleichen; sondern
man erblickt eine werdende Persönlichkeit. Ebenso deutlich
wie die abirrende Bewegung eines Augenpaares schaut man das
fahrig träumerische Seelchen in seiner Zerstreutheit. Und unbeirrt
durch theoretisch-einseitiges Vorurtell erwächst einem die pragmatische
Ueberzeugung: nicht nach Erkenntnis irgendwelcher
Gesetz Mäßigkeiten, Regelmäßigkeiten oder Gleich
förmigkeiten, nicht durch noch so weit getriebene
Beobachtung und Analyse, nicht durch noch so ver
wickelte Synthese von Einzelin hallen läßt sich hin
reichend bestimmen oder erschöpfend beschreiben,
was denn eigentlich die oder jene menschliche Per
sönlichkeit fei. Das ist gewiß kein „Beweis", genügend, eines
der preisgegebenen Vorurtelle zu entkräften; dennoch aber eine
innige und unausrottbare, eine praktisch unabweisliche
Ueberzeugung eines Menschen, die er auf frischer Tat bei
jedweder ernstzunehmenden Erziehung gewinnen und in sich be
festigen wird. Ja, vielleicht gibt es kaum ein Willensverhält-
n i s, das so fruchtbarer Ursprung praktisch unabweislicher Ueberzeu
gungen wäre, wie die Gemeinschaft zwischen der mündigen und der
unmündigen Seele, die reifen soll. Ueberlege ein pädagogischer
Forscher theoretisch noch so scharfsinnig und erfinderisch, — wenn er
sich seiner Lebtage aller frischen Tat entwöhnt, so wird er (be
graben unter Büchern) mancher Einsicht entbehren, die ihm den
Reichtum der Wirklichkeit ausschließt; verkümmern wird sein ge
sunder Menschenverstand."*)
Bei alledem ist niemand verurteilt, bei der pragmatischen
Ueberzeugung stehen zu bleiben; sie wird immerhin den Ueber-
gang zur kritischenBesinnung erleichtern. Lenkt nian näm
lich die Aufmerksamkeit auf die Systeme und Methoden der Päda
gogik, (gleichviel was davon anerkannt oder verworfen wird,) nie
wird man umhin können zu bemerken, daß alle pädagogischen Urtelle
die Wirklichkeit mündiger und unniündiger Per
sönlichkeiten (tranßendental)**) voraussetzen. Selbst den Fäll
gesetzt, daß einmal eine allgemeine Einleitung in die Pädagogik sich
gar materialistisch gebärdete und einige Seiten lang von Ge
hirn-Erziehung fabelte, — dringt der pädagogische Forscher
erst bis zu den Einzelheiten vor, enthüllt er, mit welchen Mit
teln er Einfluß sucht auf das Wachstum eines jungen Geschöpfes,
schon wird er sich gefaßt machen müssen auf sonderbare und wesent
lich un v o ra n s sa gba r e Widerstände, er wird sich von dem
Ursprungsmittelpunkt jener seltsamen Kräfte angezogen fühlen. Je
mehr er befugt ist, über die Wirksamkeit von pädago-
gischenMethoden urtellend mitzureden, desto niehr wird er sich
gedrungen spüren, die (tranßendentale) Voraussetzung anzuerkennen,
daß die individuelle Eigenart einer menschlichen
Persönlichkeit eine einmalige, ja einzige, eine un-
ableitbare, auch unwiederholbare, eine gleichwohl
sehr wertvolle Wirklichkeit ist- So urteilend und zustim
mend wird er völlig konsequent die pragmatische Ueberzeugung des
gesunden Menschenverstandes erhellen und erhärten.
Dabei wird ihm die Sonderart jener (tranßendentalen) Voraus
setzung nicht entgehen. Es ist im Grunde nicht so, (wie Kant an
nahm): ein zusammenhängendes und anerkennenswertes, ein theore
tisch vollziehbares Geftige von Urteilen einer Einzelwissenschaft for
dere die kritisch erprobte Geltung von Grundurteilen. Nein;
*) Dergl. .Pädagogische Post" vom 13. und 17. Mai. ■>.,
** Zm Sinne Oswald K ü l p e 8.
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auf Grund des Vertrages mit der
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