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Geste 374
PSbago-ffche Post.
Nr. 40
Ist dem geknechteten Deutschland über
haupt noch zu helfen?
Je weiter das Rad der Weltgeschichte sich dreht, um so dunkler
und trostloser scheint sich der Himmel üb'.r Deutschland zu wölben.
Wir sind ein besiegtes, ein gedemütigtes, gefesseltes und geknechtetes
Volk. Wir mögen uns drehen und winden, wie wir wollen; der
Feind hält uns und knebelt uns, und keiner ist da, der uns eine
helfende und retterlde Hand entgegenstreckt. Auf ein Einsehen der
Feinde haben wir bisher vergeblich gehofft. Auch ist nicht an eine
Selbstbefreiung irrit der Gewalt eines neuen großen offenen
Krieges zu denken, noch vermögen innere Revolutionen, Putsche
von rechts und von links DeutschKmüs Karren aus dem Dreck zu
heben, noch hat die Erfüllungspolitik des Kabinetts Wirth zu den
erhofften Zielen geführt, noch scheinen die Maßnahmen der Cuno-
schen Politik des passiven Widerstandes uns in der rechten Weise
zu befreien. Was man in den Zeitungen liest, ist eine schier end
lose Kette von gelinden Hoffnungen und tief bitteren Eitt-
täiischungen. Der Verdruß und die fast hoffnungslose Nieder
geschlagenheit drohen viele zu übermannen. Mancher, der sonst
mit großem Eifer alles verfolgte, was das Geschick unseres Volkes
zu gestalten unternommen wurde, legt die Zeitung in schwarzem
Pessimismus beiseite und will nicht mehr hineinblicken. „Wir
wissen keinen Ausweg mehr und sehen keinen Hoffnungsschimmer.
Mögen die Staatsmänner tun, was sie fiir gut finden; wir aber
ziehen den Taumel der Unwissenheit um ihr Handeln dem einlösen
Sck-eitern von Plänen und Hoffnungen vor. Wir können doch
nicht helfen."
Ist dem wirklich so? Ist unsere Lage vollends verziveifclt?
Köftnen wir selber nichts helfen? Ist die Sorge darum lediglich
die obendrein noch fast aussichtslose Sache der Staatsmänner?
Oder sind auch andere dazu berufen? Sind andere dazu vielleicht
in einer Weise berufen, die positiver, aussichtsreicher, lohnender ist?
Stunden der Niedergeschlagenheit, des Scheiterns von Wünschen
und Hoffnungen lassen den Menschengeist höherslicgen und hinauf
schauen zu dem Herrn der Welten, zu dem Lenker der Menschen
«nd der Völker. So drängt es uns heute mit Macht, den Flug in
eine Region zu fliegen, von der m^s man hinabschaut ans größere
Räume und größere Zeiten, auf größere Strebungen und größere
Erscheinungen.
Wer mit sinnigem Blick sein Leben und das Leben keiner Mit
menschen betrachtet, erkennt darin das Walten des göttlichen
Fingers. Wer mit dem gleichen Auge die Geschicke der Völker im
Wandel der Weltgeschichte beobachtet, wird dessen noch viel gewisser
inne; der sieht, daß in der Geschichte der Nationen der allgerechte
Linker und Richter schon hier auf Erden Vergeltung übt und
Rationen gedeihen und untergehen läßt nach dem Maße, in dem
ihre Glieder auf seinen Wegen wandeln oder daoon abweichen.
In den heiligen Schriften des alten Testamentes kehrt diese
Tatsache in hundert Geschehnissen und AnSspriichen wieder. Wir
modernen Ddenschen sind so leicht geneigt, uns über derartige
Wahrheiten hinwegzusetzen, das Religiöse nur im Leben des
Einjzelmenschen zu sehen, den Gang der Wettgeschichte aber in
Hvgelschem Materialismus zu deuten. Als ob des Moses und des
Davids Abschiedsworte an das versammelte Volk, sowie die
Drohungen und Versprechen der Propheten Phrasen gewesen seien
«der als ob sie für unser Volk und unsere Jahrhunderte nicht
mehr galten. Man beachte etwa folgende Worte aus der Abschieds
rede deS Josua:
23, 5. „Der Herr, euer Gott, wird eure Feinde vertreiben und
vertilgen, und ihr werdet das Land in Besitz nehmen, wie er euch
verheißen hat.
6. Nur seid stark und wachsam, und beobachtet alles, was im
Buche des Gesetzes Moses geschrieben ist; und weichet nicht davon
ab, weder zur Rechten noch zur Linken;
7. damtt ihr, wenn ihr zu den Völkern gekommen seid, die noch
unter euch bleiben werden, nickst bei dem Namen ihrer Götter
schwöret, noch denselben dienet, oder sie anbetet,
8. sondern dem Herrn, eurem Gott, treu bleibet, wie ihr rs bis
auf den heutigen Tag getan habt.
9. Dann wird auch Gott, der Herr, große und starke Völker
vor euch verttlgen, und niemand wird vermögen, euch stand
zuhalten.
10. Einer von euch wird tausend Feinde vor sich hervorjagen, denn
der Herr, euer Gott, wird selbst für euch kämpfen, wie er ver
heißen hat.
11. Nur habet auf das sorgfältigste Acht, daß
ihr den Herrn, euren Gott, liebet.
15. Wie er seine Verheißung durch di: Tat erfüllt hat, und wie
alles glücklich gegangen ist, so wird er auch alles Böse, das er an
gedroht hat, über euch kommen lassen, bis er euch aus die« ein guten
Lande, das er euch gegeben hat. vertreibt und wegtilgt,
16. weil ihr den Bund des Herrn, eur:s Gottes, den er mit
euch geschlossen, übertreten, und fremden Göttern gedient, und sie
angebetet habt; schnell und plötzlich wird der Zorn des Herrn
wider euch entbrennen, und ihr werdet aus diesem guten Landes
welches er euch gegeben hat, vertrieben werden."
Mit gleicher Deutlichkeit reden die biblischen Tatsachen; sie
widerlegen die heute so viel gegen das Walten der eöttlichen Vor.
sehung vorgebrachten Einwände. Denn auch im Alten Testa uente
waren es bei weitem nicht auserlesene und gvttesfürchtigc Völker,
die der Herr zur Vollziehung seiner Prüfungen und Züchtigrungen
heranführte; es waren vielmehr Heiden; die Ammontter und'
Moabiter, die Amalekiter und Philister, die Kaldäer und Syrer.
Aber die Siege dieser Völker bedeuteten keineswegs den wirklichen
Triumph über das in Demut zum Herrn zucuckgekehtt.e Volk
Gottes; sie waren nur eine Episode in der Geschichte; ihnen rennte
Gott nicht eine große, dne ewige Miision übertragen. Das war
dem auernählten Volke vorbehalten. Und wen der Herr lieb hat,
den züchtigt er.
Israels Geschichte ist eine Parallele zur Geschichte jedes Volkes,
insbesondere jedls christlichen Vclk'.s und auch des deutschen
Volkes. Welches Volk den Herrn suchet, das findet ihn; welches
Volk ihn aber verläßt, das wird auch er verlassen.
Erst wenn ein geknechtetes Volk zur Sitt »»strenge, zur Wahr
haftigkeit mst) Aufrichtigkeit, zur Schlichtheit und Gottesfurcht
zurückkehrt, darf es auf neue Freiheit hoffen. Wem die Nerven
starke. die sittliche Kraft, die K'aft der Gottesfurcht fehlt, der nurg
vorübergehend euren Sieg erringen und eine Herrschaft aufrichten^
aber sein Ekbäude ist ein Kartenhaus und hat keinen Bestand.
Liber noch nie in der Weltgeschichte ist ein urwüchsiges und
religiöses Volk der Knechtschaft erlegen; nur innere Morschheit,
nur sittlicher Zerfall ist der Völker Untergang.
Einern gedeniütigten Volke, dem diese Kräfte zurückkommen,
wird der Moment der Freiheit schon aufgehm. Wo die^ sittliche
Freiheit Habitus geworden, da sind der Kampf und der Sieg um
die äußere Freiheit nur noch ein letztes und krönendes Ereignis,
das bestimmt komrnen wird.
Also, deutsches Volk, du faiijnft, wmn du nur willst! Du
brauchst dich nicht im Pessimismus ob der Fesseln deiner Feinde
zu zergräwen. Stell himmelwärts, stell himmelwärts wie eine
Sonnenuhr dein Herz!
Und du, Lehrer und Erzieher der deutschen Jugend, sei dir
bewußt, daß Deutschlands Zukunft in deiner Hand liegt'. Wie du
die Jugend erziehest, so gestaltet sich die Zukunft. Arbeite treu
und redlich in der Stille deiner Schule und deiner Gemeinde und
bereite den großen Morgen vor! Vergeude dich nicht im Haschen
nach Scheinkultur, nach eitlem Wissen, das die Herzen u. Charaktere
allein nicht bessert! Sei dir bewußt, daß der Herr da droben
einem jeden vergilt nach seinen Werken, meist nnr dem Einzel,
menschen, sondern auch den Völkern und Nationen!
G-n, Lehrer.
Abgeordneter Gottwald zum Haushalt
der Unterrichtsverwaltung.
Wer den Verhandlungen über den Haushalt der Unterrichts-
Verwaltung in den letzten Jahren beiwohnte, lvird feststellen, daß
immer wieder die gleichen Fragen besprochen wurden. Mein Herr
Vorredner hat eine Rede gehalten, die er in demselben Ausmaße!
schon vor ein oder zivei Jahren vorgetragen hat. Diese Fragen
wurden also in der Zwischenzeit nicht gelöst und beantwortet. Dis
Arbeitskraft des Parlaments scheint sich im wesentlichen in An
trägen zu erschöpfen, so daß für wirkliches Handeln nicht viel
Raum übrig bleibt. Die Llntragsteller mögen mir verzeihen, wenn
ich glaube, diese Hochflut, die sowohl im Hauptausschuß wie im
Plenum auf uns herniodergeht, ivird dem Schnlioesen kaum dienen.
Sparsamkeit aus diesem Gebiete wäre wirklich erwünscht. Dabei
stehen alle, die mit der Volksschule irgendeine Verbindung unter
halten, unter den; Eindruck, daß wir vor einem bdnahe nickst auf
zuhaltenden Niedergang uns befinden. Wir brauchen nnr an di«
ungeheueren äußeren Hemmungen zu denken, die von der Beschlag
nahme vieler Schulen durch die feindliche Besatzung bis zu denl
übertriebenen Sparmaßnahmen der Gemeinden reichen. Wir
brauchen nur zu denken an die inneren Hemmungen, die sich aus
dem Gesundheitszustand, aus der Unterernährung unserer Schüler
ergeben Wir brauchen dann an den sittlichen Niedergang zu
erinnern, der nicht bloß in der gestiegenen Kriminalität dev
Jugendlichen zum Ausdruck kommt. sondern auch in Erscheinungen,
über die der Mnister durchaus zutreffend geredet hat.^daß unsers
Jugend vielfach aufumchst in einer Atmosphäre, die von Spekulation!
und Schiebertum erfüllt ist
Die äußeren Vttttel, die namentlich von den Parteien der
Linken zmn Teil in anerkennenswerter Weise vorgeschlagen iver-
den, Organisationsändenurgen, werden zur Bekämpfung dieser
Uebelstände kaum ausreichen. Denn die Mittel fehlen, und wir
werden auch für des Schulwesen anerkennen müssen, daß die
Personen unser größter Reichtirm sind. Deshalb möchte ich mit
allem Nachdruck den Gedanken unterstreichen, den ich im Haupt-
ausschuß äußerte. daß die Persönlichkeiten der Lehrer und Lehre«
rinnen heute wehr als früher für die Schulen von Bedeutung sind,
daß sie a! ein imstande sind, den Niedergang aufzuhalten und
unser SchuÜvcsen auf einer Höhe zu erhalten, mit der wir zy-
frieden und auf die wir stolz sein können. Aus diesem Gesichts-

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