Pädagogische Post.
Nr. 4Z
Seite 402
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' nens. 4. Wertvolle Aufsatzgebiete. 5. Auslagen der Auf-
L satzhefte zur allgemeinen Einsicht auf dem Lehrerzimmer.
IW) Gutes in der Stadt.
Da hat die Buchhandlung Kroll hervorragend zu Fron
leichnam geschmückt, da hat der Farbenkünstler ein schlafen
des Barockhaus in den Blickpunkt gerückt.
>) Böses in der Stadt.
1. Schamloses Verhalten auf den Bedürfnisanstalten u. ä.
2. Die Mülleimer in Gefahr. 3. Spielleidenfchaft um Geld
Kinderspiel. 4. Schulkinder beim Schrothändler und beim
Altpapiersammeln. 5. Böse Lieder. 6. Schamlose Reklame
und die Schundschrift. 7. Sittliche Gefahren und unsere Ar
beit. 8. Die Zeitung.
4) Unsere Sprach- und Sprechfehler: 1. nachlässige Bildung des
4. Falles bei ein und sein, 2. mir sind am Häufe bauen, 3. Zu-
kumft statt Zukunft, 4. wir ^sprechen wech und schreiben
darum auch wech im Gegensatz zur oberdeutschen Sprachweise.
5. Die Hagener bilen dir und dich fürchterlich falsch im
Gegensatze zum Sauerländer, der in der Mundart beide
Formen scharf unterscheidet. Jede Schule und Klasse sammle
die Fehlerarten. \
’t) Besondere Betrachtungen: 1. Volkswirtschaft in den einzel- 'i
nen Stufen, 2. Staatsauffassung in den einzelnen Stufen.
3. Erft Kunstbetr-achtung, dann Zeichnen. 4. Heimatliche Bau
weise und Raumlehre.
So ist der Vehandlungsstoff überreich, die Konferenz wird
zur Trägerin des Zusammenschlusses und der Anregung, sie
wird den Blick weiten, das Gewissen schärfen und wahr werden
lassen, der Lehrer ist immer rin Dienst.
Wie stellen wir uns zum Klassenbesuch? „Unser Schul
leiter macht von diesem Rechte keinen Gebrauch", höre ich oft
/agen. Damit kann die Angelegenheit für uns nicht erledigt
fein, eine solche Zufriedenheit mit der zufälligen Auffassung
des Rechtes ist eines Mannes nicht würdig; denn Weitblick soll
-er Mann habeg, während der Frau Liebe zur Kleinarbeit
«ierend ins Herz gesenkt ist. Wir haben also die Frage zu be-
rntworten!
Für mich hat es nichts Beschämendes an sich, wenn ein
Kundiger mir einen Rat erteilt, den ich ich nach eigener Prü
fung auch befolge. Mein Selbstbewußtsein leidet nicht dar
unter. Aber ein Doppeltes verlange ich, daß ein Kundiger den
Rat gebe, daß er mir die Wägung gestatte. Niemals aber kann
dieser Rat im Schulleben bester gegeben werden als durch
Vormachen und Vorleben. Darum fordere ich allseitiges Klasten-
besuchsrecht, darüber hinaus die Klassenbesuchspflicht in jedem
Halbjahr.
Jeder Künstler und Architekt kennt die Werke und dis
Schaffensart seiner Zeitgenosten. Mitunter lehnt er sich an
fremde Art an, bildet sie in seinem Geiste um und schafft so
wieder ein Neues, das sein Werk ist; oft auch zieht er einen
harten Strich zwischen seinem Schaffen und dem Wirken an
derer. Ohne Blick auf die Werke anderer aber würde er er
starren. Dieselbe Gefahr droht uns. Wir erstarren in stoff
licher Hinsicht und im Vehandlungsaufbau. Eine Stunde beim
anderen Lehrer belebt unsere Arbeit, vielleicht stärkt sie auch
unser Selbstbewußtsein und spendet uns Trost und Hoffnung.
Das Neue, das so sehr gut sein soll, findet so eine Klärung; wir
erkennen, daß es aiuch nur gut ist, in der Hand eines trefflichen
.Schulmannes. In seiner Hand wirkt auch die alte Unterrichts
weise Wunder der Anregung, der Selbständigkeit, des sittlichen
Erstarkens. So erzieht gegenseitiger Klassenbesuch auch zur Be
scheidenheit. Dann hat jeder Lehrende die Möglichkeit, sich ein
Bild von dem Arbeiten der Schule zu machen, er hat nicht nur
eine Klaste, sondern eine Schule als sein eigen.
In en monatlichen Besprechungen werden viele Abschlüsse
gefaßt, wichtig ist nun, daß sie alle in tätiges Leben eingesetzt
werden. Ich kenne nur ein Beispiel afür, daß der Gesetzgeber
und der Beurteiler der Gesetzesbefolgung ist. Das Geheimnis
ruht in Gott, den die drN Eigenschaften Weisheit, Unveränder
lichkeit und Gerechtigkeit dazu befähigen. Wir fehlenden Men
schen aber haben dafür im Gemeinschaftsleben eine Dreiteilung
der Gewalt schaffen müssen: die Gesetzgebung, die Verwaltung
und Ausführung der Beschlllste wird dem Schulleiter über
tragen, das Richtecamt ruhe in unserm Gewisten, das.geschärft
wurde durch gemeinsame Pflichterfüllung.
Bei solcher Arbei tist der Schulleiter nur Beauftragter der
Konferenz, verantwotlich ist er der Behörde, der Selbstverwal
tung, verantwortlich ist er aber auch der Konferenz für die
.Ausführung und Beschlüße. In ihm ruht ein Stück Anregung
für seine Mitarbeiter, aber er empfängt auch Anregung und
Schaffensfreude aus ihrer Mitverantwortlichkeit für das Ganze.
Erleichtert wird diese Zusammenfastung durch den Ausbau
edlen gesellschaftlichen Verkehrs, dessen Bedeutung nie hoch ge-
yug eingeschätzt werden kann, und durch das Bestreben aller,
en andern Lehrenden zu „entpersönlichen".
Wann kann eine solche Auffassung Gesetz werden? In dem
selben Augenblicke, in dem ein Kollegium mannhaft und ehrlich
den Willen hat, sie einzuführen, lebt diese Art der Schulleitung.
Den Willen zur Tat haben wir, in uns lebt der Gedanke: Alles
für die Schule, der Lehrer ist immer im Dienst, es gilt alle
Kräfte einzustellen zum sittlichen uird damit zum wirtschaft
lichen Aufbau unseres notgepeitschten Volkes!
Allerlei Gedanken zur kollegialen Schul»
leitung, zusammengestellt aus den Er-
fahrungenderVergangenheitu.Gegenwart
A. Watermann, Lehrer, Ncub.
I. Rückblick in die Vergangenheit.
a) Sonnenseiten:
1. Die alte Schule stand in hohem Ansehen in der ganzen
Welt. Jetzt soll auf einmal vieles nicht mehr taugen: Lehr
pläne, Lernschule, Lehrerausbildung, Aufsicht u. a. m.
2. Der autorative Zwang der alten Zeit hatte viele Mittel,
pflichtvergessene Lehrer auf den rechten Weg zu zwingen.
3. Die guten Gedanken und Anregungen konnten leicht in
die Tat umgesetzt werden.
4. In der alten Schule kam das erfahrene Urteil mehr zut
Geltung.
b) S ch a t t e n f e i t e n:
1. Lehrer und Rektoren hatten eine ganz subalterne
Stellung.
2. Viele Kräfte in den Kreisen der Lehrer lagen latent und
konnten sich nicht entfalten.
3. Die Eigenpersönlichkeit trat zu sehr zurück.
4. Der Lehrer hatte ein zu beschränktes Beratungsrecht.
5. Beurlaubungen durch den Rektor und Anklagen über
Lehrer bei ihm drückten das Ansehen der Lehrer und störten
oft das gute Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern, zwischen
Lehrpersonen und Rektor.
II. Einblick in die kollegiale Schulleitung.
a) Wesen der kollegialen Schulleitung.
1. Die kollegiale Schulleitung ist ein Kind unseres demo
kratischen Zeitgeistes.
2. Die kollegiale Schulleitung ist ein Ideal, das wohl er
strebt, aber nie erreicht werden kann.
3. Das Kollegium der Schule müßte gebildet werden aus
lauter Lehrern derselben Weltanschauung, derselben Erziehungs
ansichten. Es müßte eine Eesinnungsgemeinschaft bilden, durch
Wahl zustandegekommen und durch Kooptation ergänzt.
4. In Wirklichkeit besteht das Kollegium aus Einzelperfön-
lichkeiten mit verschiedener Weltanschauung, zusammengewürfelt
nach Zufäiigkeiten auf Gedeih und Verderben.
5. Die kollegiale Schulleitung soll nun einigen; denn er
zieherische Einheit ist in jeder Erziehungsgemeinschaft die wich
tigste Voraussetzung des erzieherischen Erfolges.
6. Die kollegiale Schulleitung nimmt die Verantwortung
für das Ganze von den Schultern des Rektors und legt sie auf
die breiteren Schultern des Lehrkörpers.
7. Die kollegiale Schulleitung entscheidet nur in grundsätz
lichen Fragen.
8. Der Rektor ist das Instrument des Gesamtwillens des
Lehrkörpers.
d) So ne nen seiten der kollegialenSchulleitung.
1. Durch die angesehenere Stellung des Lehrers wird seine
Berufsfreudigkeit erhöht.
2. Der Lehrer kann feine Anlagen und Fähigkeiten zur
besseren Entfaltung bringen.
3. Er hat den Eltern gegenüber ein größeres Ansehen, wo
durch sein Wirken erfolgreicher wird.
c) SchattenseitenderkollegialenSchulleitung.
1. Wird sich die kollegiale Schulleitung soviel Autorität ver
schaffen können, um pflichtvergessene Lehrer zur Erfüllung ihrer
Pflichten mit Erfolg anzuhalten?
2. Wer soll bei Pflichtverletzung der Konferenz Anzeige er
statten? .
3. Wohin wird es führen, wenn Weltanschauung und
Grundsätze weit auseinandergehen?
4. Wird bei brutaler Abstimmung die Verufsfreudigkeit
nicht erst recht gedrückt werden, besonders dann, wenn erfahrene
Lehrer von jugendlichen Lehrern überstimmt werden?
5. Ruht nicht in der Wahl des Rektors eine Gefahr?
6. Ist nicht Gefahr vorhanden, daß der Rektor bei allem,
was er tut, Rücksicht nimmt auf feine Wiederwahl? (Klebe
rektor.)
f. Werden nicht die Lehrer und Lehrerinnen, die nach dem
Posten des Rektors streben, bewußt oder unbewukt vielleicht

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