Nr. 44
BLbagogisch« PoU.
Seit« 40T
Die Leitung der Zweigstelle, die im Kanisiushaus ihren Sitz
hat, liegt in den Händen der Jesuiten (!), die bekanntlich die
ultramontane Richtung im Katholizismus vertreten, alle Moderni-
sierungsbestrebnngen mederhalten, eine weitgehende Ab»
sperrung der Katholiken von ihren andersgläubigen
Mitbürgern und als alleiniges Ziel nickst den religiösen, sondern
den Politischen Katholizismus erstreben. Wer wissen will, was oas
heißt, der möge noch tiraiiol den Aufsatz in Nr. 15» der N. W. L.
Vom 15. April 1922 „Die geistigen Grundlagen der Schulpolitik des
Zentrums" lesen; wie zutreffend war ihre Vermutung, als sie
schrieb: „Neuerdings eröffnete die katholische Schmlorganisation des
Herrn Wdrrx in Düsseldorf das Kanisiushaus als Zentrale für alle
Zwecke ferner schulpolitischeu Bestrebungen. Schon der Name ist
vielsagend und läßt den Verdacht nicht abweisen, daß hier das schul-
politische Zentrum mit der $. J. nicht mir eine ideelle, sondern auch
eine pcrscn!ick)e und finanzielle G»mieinsch>aft gesunden hat." Dem
Streben der Dlehrheit in der Lehrerschaft nach einem Bildungs
gänge ähnlich dem der übrigen gebildeten Stände wird durch diese
Institute ein schwerer Stein in den Weg gelegt. Vor 4 Jahren
noch hat das Zentrum der Verfassung zugestimmt, die im Art. 143
so schön sagt: „Die Lehrerbildung ist nach den Grundsätzen, die
für die höhrreBildung allgemein gelten, für das Reich
einheitlich zu regeln." Und heute? — Heute schon durchlöchert das
Zentrum diese unter seiner Mitarbeit entstandene Verfassung, indem
es Einrichtungen für eine «onderausbildung der Lehrer
auf konfessioneller Grundlage schafft, noch ehe das Reich daran
denkt, einen Entwurf für die künftige Lehrerbildung herauszu
bringen. „So will man also der geplanten simultanen Lehrer
bildung vorbeugen. Wen„n man dann ferner hört, daß zwischen
Berlin und Rom gegenwärtig Verhandlungen schweben, bei denen
von kirchlicher Teste gefordert wird, daß die Klöster das Recht
erhalten sollen, im Deutschen Reiche Lehrerbildungsanstalten zu
gründen und Lehrer an Volksschulen unterzubringen, so dürste der
Gedanke, daß h' r alles in einheitlicher Linie erfolgt, ;a, daß hier
Zug um Zug das gesamte Schulwesen zu verkirch
lichen beabsichtigt wird, sehr nahe liegen." (Vereinsüote, Fachblatt
des Württ. Kath. Lehrer-vereins.) (Der Württembergische Kath.
Lehrerverein ist ein Gebilde ganz eigener Art, wie hier ersichtlich.)
Und die Lehrerschaft von Düsseldorf! — Ihr fehlt ganz der
Blick für die Tragweite dieser Bestrebungen; sie fühlt gar nicht, wie
enipfindlich hierdurch die elementarsten Standcsforderungen nach
Selbständigkeit und Befreiung von jeder Ausnahmestellung berührt
lverden, sonst könnte sie nicht so ruhig alles gut heißen. Zwar kam
die Zweigstelle kürzlich im Lehrerausschntz zur Sprache, wobei der
Lehrer-Stadtverordnete des Zentrums, der eiftige Vorkämpfer der
Bekenntnisschule — der aber selbst an die simultane Mittelschule
ging — sichtlich in Verlegenheit geriet, als er nach den Zielen der
Zweigschule gefragt wurde und nach einiger Bedenkzeit so etwas
von Vertiefung der philosophischen Bildung der Lehrer redete.
Eigenartig ist auch die Tatsache, daß unter den Dozenten die Lehrer-
sckxfft nur vertreten ist durch einen deutschnationalcn (?) Nestor und
einen Seniinaroberlehrcr aus Ratingen. Das; insbesondere die Mit
glieder des katholischen Lebrervcreins so wenig Standesbewnßtsein
haben, ist ein trauriges Zeichen der Zeit. Wie ganz anders die
Stellungnahme der süddeutschen Kollegen! Selbst wenn sie wieder»
holt zum Ausdruck gebracht haben, daß sie bereit seien, den
Religionsunterricht zu übernehmen und in Erziehrmgsfragen Hand
in Hand mit der Kirche zu arbeiten, haben sie dabei aber entschieden
betont, daß sie nicht gewillt seien, ihre berechtigten Standes
forderungen, ihre berufliche Freiheit und Selbständigkeit auf den
Altar der Kirche zu legen, nicht nur in ihrem eigenen Interesse,
sondern namentlich im Interesse einer fortschrittlichen Volks
bildung."
Es ließe sich selbstverständlich vieles zu diesen Verdrehungen
und Gemeinplätzen sagen. Wir verzichten darauf, zeigt uns das
Geschreibsel eines neidischen Skribenten doch, daß wir mit unserer
Gründung ins Schwarze getroffen haben, das berufen ist, der kath.
Schule und der kath. Lehrerschaft wertvolle Dienste zu leisten Im
übrigen heißt es für uns solchen Anpöbelungen und Frechheiten
gegenüber nur: Niedriger hängen. — Ueber den Geschmack läßt sich
sa streiten, aber solche vergiftende Artikel in der heutigen Zeit zu
bringen, ist denn doch auch bezeichnend. *
„Schulfortschritte".
Eine kurze Antwort an Herrn A. Gottwald. Berlin auf
den gleichnamigen Artikel in der ,.P. P." Nr. 29.
„Nun höhlt zwar steter Tropfen den Stein. Aber noch
niemand hat beobachtet, daß Menschen, die längere Zeit "
Rach der Vertreterversammlung in Soest war es. Zwei
^"treter des Coesfelder Vereins sind nachts gegen 12.15 Uhr
aus der Zielstation angekommen. Nun beginnt für sie noch
eine zweistündige Wanderung durch die ebene, sehr fruchtbare
Gegend. Ein starker, anhaltender Regen geht auf die ohnehin
schon aufgeweichte Erde nieder. Die beiden Vertreter haben
zwar keine Löcher in den Kovf bekommen von dem anhaltenden
Regen, aber der zweistündige Marsch in dem steten Tropfenfall
hatte sie dermaßen aufgeweicht, (leider nicht e rh ä rt e t).
daß sie doch herzlich froh gewesen wären, wenn sie unterm
schützenden Dach ihren Schädel ohne das Trommelfeuer der
Regentropfen hätten zur Ruhe legen können. Doch von be
kannten, mitleidigen Seelen bekamen sie einen Schirm. Und
siehe da, ihnen gings wesentlich besser. Der Regen wurde ab
gelenkt und rann, ohne die beiden, bald müden Wanderer noch
merklich belästigt zu haben, ab. Alle Leser werden einsehe^
daß so ein Schirm, gut nach dem Winde eingestellt. Regen, j»
sogar Hagel abhalten kann.
Znbezug auf die „Nagelsendung" muß Herr Gottwald sicher
auch wissen, daß mindestens 90 Prozent aller krumm geschlagene»
Nägel durch unsicheren Schlag ihren ihnen gesetzten Zweck nicht
erfüllen. Das wird jeder Handwerksmeister bestätigen. Ist
aber ein Nagel erst einmal krumm geschlagen, dann raren wir
Herrn Gottwald auch dringend, „Bohrmaschine und Sauerstofs
gebläse" zum Vorbohren zu gebrauchen. „Es sollte satzungs-
gemäß ausgeschlossen werden, daß derselbe Antrag mehr als 10
Mal angenommen (das soll wohl heißen: behandelt) wird; die
elfte Verhandlung wäre auszunutzen, um Zeit für die Ueber«
legung zu gewinnen, ob die bisherige Arbeitsmethode zu ver
bessern wäre", so sagt Herr Gottwald in seinem Artikel dann
weiter. Den ersten Teil des Satzes wird doch wohl im Ernst
keiner in Erwägung ziehen. Unser Provinzialverein hält
satzungsgemäß zwei Vertreterversammlungen jährlich ab. So
mit müßte nach dem Ratschlage des Herrn Gottwald spätestens
in 5 Jahren jede Forderung der Lehrerschaft erfüllt sein. Ist
die Forderung dann nicht erfüllt, darf sie nicht mehr verhandelt
werden. — O, arme Lehrerschaft! Der zweite Teil des ange
führten Sau.es ist noch schwerer verständlich. Soll die Arbeits
methode der Vertreteroersammlung oder die unserer Führer
verbessert werden? Ehe man aber über die Methode sich einigen
kann, ist es unseres Erachtens doch sehr wichtig, sich einmal klar
darüber zu werden, was wir wollen, was wir mittels einer
guten, zum Ziele führenden Methode erreichen wollen. Jede
Forderung ist doch nach unserer Ansicht individuell zu behan
deln. Oder soll die Lehrerschaft eine feste Schablone für dis
Erreichung unserer Wünsche aufstellen, etwa: 1. Vorbereitung
und Zielangabe, 2. Darbietung (mündlich oder schriftlich). 3.
wohlwollende Ablehnung seitens der Regierung, 4. stille Trauer
mit Betrachtungen über etwa unterlaufene Fehler bei den
Punkten 1, 2 und 3.
Auf den Ausdruck „Wortführer von Eoesfeld" hin, müssen
wir feststellen, daß wir diese Einrichtung nicht kennen, wenig,
stens nicht in dem Sinne des Artikels. Der Antrag Coesfeld
betr. Konreltorfrage und Altersaufstieg ist e i n st i m m i g (auch
unsere Konrektoren waren dafür) angeuommen. Wie kommt
der Verfasser doch nur auf den Gedanken? . . . .!
Zu dem Antrag Astenberg sagt Herr E. u. a.: „Solange
bei einem Widerstreit zwischen Weltanschauung und Standes-
intereffe die Lehrer nach der zweiten Richtung fallen, wenig
stens dieser Eindruck besteht, ist an maßgebenden Einfluß der
Lehrerschaft in bezug auf das Schulwesen nicht zu denken. Es
ist schlimm, wenn Einzelpersonen ihre Stellung im eigenen In
teresse ausnutzen. Ein ganzer Stand, der diesen Verdacht er
weckt, schaltet sich im öffentlichen Leben aus." Dieser Ge-
dankengang ist unzweifelhaft richtig, müßte wenigstens immer
richtig sein. (Ob diese volkswirtschaftliche Notwendigkeit aus
den Astenberger Antrag richtig bezogen war, wollen wir damit
hier nickt festgestellt haben). Wir Coesfelder wollen nun, daß
dieser Grundsatz als Richtschnur für alle unser« Forderungen
und für all unser Handeln gelte, aiuch in bezug auf die Frag«
des Konrektorats. Wenn nun die Beförderung der Lehrerschaft
nach Gruppe 9 durch das Konrektorat eine schreiende Ungerech
tigkeit gegen einen Teil der Lehrerschaft ist, wenn die Beförde
rung nach dem genannten Muster eine Versündigung an der
Jugend ist. da die Lehrerschaft aus ihrer idealen Arbeit her
ausgerissen und auf teilweise unbedeutende Nebenarbeit ge
drängt wird, wenn es sich erwiesen hat, daß häßliches Kriecher-
tum, Angeberei und Speichelleckerei Treibhausluft in diesem
Befördcrunassyftem gefunden haben (Lehrer find auch Men
schen), dann müssen wir uns doch einmal ehrlich die Antwort
geben. Die gewonnenen lumpigen Papiermarken heben de«
ethischen Verlust nicht auf.
Herr Gottwald behauptet dann weiter, daß das Festhalten
der Lehrerschaft an dem Aufstieg „b ew ä h r t e r" Lehrer nach
dem Dienstalter, grundsätzlich die Trennung der Lehrerbesoldung
von der der Beamten fordere. Das sehen wir durchaus r' t
ein. Es fehlen bei der gleichen Arbeit aller Lehrer (gleiche a -
beitsmenge (jeder muß feine ganze Kraft einsetzen) und a e
haben gleiche Verantwortung) die sachlichen Grundlagen s r
eine Beförderung wie bei den anderen Beamtengruppen. D«
deutlich hervorheben und dann Gerechtigkeit fordern, das he" t
sich selbst treu bleiben, das ist ein fester Grund, auf dem weiter

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