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I n ba l t: Vo.u Geist der neuen Richtlinien- — Verlogene Pädagogik. — Wirtschaftliche Fragen: Verspätete Gehaltszahlungen-
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Junglehrer- — Aus den Vereinen: Kath. Lrhrerverband, Provinz Rheinland E. V. Nachweisung der Kreisvereine. K. L. ju.
im Reg.-Bez. Cassel. — Vereinsanzeigen. — Anzeigen. — Beilage: Der junge Lehrer Nr. 4.
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2. actstrijeno
Samsfag, den 21. 3mH 1923
dlummet?. 48
Vom Geist der neuen Nichtlmien.
Für welche Art Schulen sind die „Neuen Richtlinien zur Auf
stellung von Lehrplänen für die oberen Jahrgänge der Volksschule
vom 15. Oktober 1922" bestimmt? Man wird ohne weiteres an
nehmen können, daß sie allen bestehenden Schulen dieneir sollen.
Sie stellen also einen Versuch zur Ausführung des Regierungs
entwurfs zum Reichsschulgesetz dar. der in den Paragraphen 3 u. 4
für die Bekenntnis- und die weltlichen Schulen vorschreibt: „Dem
Unterricht sind die allgemein bestehenden Lehrpläne / . . . zugrunde
zu legen." Damit erhalten sie große schulpolitische Bedeutung; sie
zeigen, welche Unterschiede im inneren Betriebe der Schulen die
Unterrichtsverwaltung für notwendig hält.
Man wird nur einen durchgreifenden Unterschied festzustellen
vermögen: das sind die Bestimmungen über den Religionsunter
richt. Je nachdem man die Abschnitte über den Religionsunterricht
stehen läßt oder einzeln oder gemeinsam herausstreicht, paßt der
Lehrplan für die Gemcinschafts-, die Evangelischen, die Katholischen
und die Weltlichen Schulen. Vom Standpunkt der Weltlichen
Schule läßt sich beim Wegfall des Religionsunterrichts nicht allzu
viel gegen die Richtlinien einwenden. Auf das Wenige soll weiter
unten eingegangen werden. Die Gemeinschafts- und Bekenntnis
schulen sind also, von den eben erwähnten Einschränkungen abge
sehen, Weltliä-e Schulen mit angehängtem Religionsunterricht.
Wie große Bedenken also von den Anhängern der Bekenntnis
schulen gegen die Richtlinien erhoben werden müssen, liegt auf der
Hand.
Diese Bedenken werden gemildert durch die Betrachtung der
schwächsten Seite der Richtlinien. Die Schwäche erklärt sich viel
leicht zum guten Teile aus dem Bestreben, allen Schulformcn
gerecht zu werden. Die Richtlinien enthalten nämlich nur formale
Bestimmungen; sie geben diesen aber keinerlei materiellen Inhalt.
Soll der auf Grund der Richtlinien gebildete Schüler Christ oder
Freigeist, Republikaner oder Monarchist, Demokrat oder Massen-
mensch, freier Bürger oder abhängiger Untertan, Persönlichkeit im
Sinne des Humanismus oder real und wirtschaftspolitisch einge
stellt sein? Die Richtlinien machen in dieser Beziehung kaum An
deutungen; sie wagen keinerlei Entscheidung zu treffen. So bleibt
alles möglich, jeder liest heraus, was ihm gefällt, und der Wider
spruch gegen die Richtlinien wird gering.
Wenn nach den Richtlinien „die Bedürfnisse des Lebens" berück
sichtigt werden müssen, wenn „die Bildungsbedürfnisse der Alters
stufe und die Aufgabe stetiger und gleichmäßiger Förderung der kind
lichen Gesamtentwickelung" entscheidend sein sollen, wenn Arbeits
schule und Heimatgedanke stark betont werden, wenn „Mit
verantwortlichkeit für das Volks- und Staatsganze", „Freude an
deutscher Art und Dichtung" als Ziele im Deutsch- und Geschichts
unterricht auftreten, so sind das sämtlich leere Töpfe, in die die
Schule Inhalt bringen soll.
Der Tatbestand wird deutlicher, wenn man die Richtlinien mit
der Humboldtschen Schulreform vergleicht. Vor 100 Jahren be
herrschte der Gedanke des Humanismus alle Schulpläne. Wie
dieser Bildungsinhalt den Schülern zu vermitteln sei, blieb fast
unerörtert. Heute stehen die äußeren Fragen der Methode nicht
bloß im Vordergründe, sondern vom Bildnngsinhalt ist überhaupt
nicht die Rede. Wer die Richtlinien liest, dem weitet sich nirgend)
der Blick auf die Bedeutung der Schule für unser Volk, den reißt
nicht der Gedarcke vorwärts, daß er an dem großen Werke einw
Weiterentwickelung unseres Volkes, an der Schaffung einer
deutschen Kultur mitarbeitet. Man spannt einfach 120 000 preußische
Volksschnllehrer vor den Bildungswagen, ruft „Hüh" und wartet
ab, wo der Wagen einmal landen wird. Schließlich muß ja aus
jeder fleißigen Arbeit sich einiger Nutzen ergeben, und so ist anzu
nehmen, daß auch die preußische Volksschule auf der durch die Richt
linien geschaffen Grundlage einigen Wert für das deutsche Volk
besitzen wird Wenn heute das Schicksal des deutschen Volkes und
des deutschen Staates außenpolitisch völlig dunkel erscheint, so liegt
über der Zukunft der deutschen Schule kaum helleres Licht: wir
wir treiben und warten ab, wohin uns ide Wellen bringen.
Die Richtlinien sind, abgesehen von den Abschnitten über den
Religionsunterricht, durchaus relativistisch eingestellt. Sie kennen
keine absoluten Werte, sondern lassen cllen Anschauungen Spiel
raum. Dieser Relativismus entspringt Zweckmäßigkütsg-.ündn;
deshalb ist der Unrerrichtsverwaltung aus dieser Gestaltung kaum
ein Vorwurf zu machen. Sie würde einen Sturm der Ent«
rüstung hervorgerufen haben, wenn sie eine bestimmtere Haltung
eingenommen hätte; dieser Sturm hätte vermutlich ihr Werk ver
nichtet. Aber dieser opportunistische Relativismus genügt den An
hängern der Weltlichen Schule nicht, sie verlangen grundsätzlichen.
Deshalb beanstanden sie, daß der künftige Beruf und „die Bedürf
nisse des Lebens" berücksichtigt werden; die Volksschule soll vielmehr
ausschließlich der „allgemeinen Bildung" dienen; sie erkennen keine
Ziele für die einzelnen Unterrichtsfächer an, einzig das Interesse
und die Entwicklung des Kindes ist für die Gestaltung des Unter
richts maßgebend; daß der Religionsunterricht „Wahrheiten" lehren
will, ist ein Verbrechen; er darf nur Tatbestände der Beurteilung
durch die Kinder unterbreiten; selbst im Rechtschreibeunterrichk
werden keine „absoluten" Werte anerkannt, vielmehr soll sich jedes
Kind seine eigene Rechtschreibung schassen. In diesem Bestreben,
tritt freilich der ganz unverholene Wille hervor, alle Schulen den
, eigenen Anschauungen dienstbar zu machen.
Etwas weniger nimmt man in „weltlichen" Kreisen daran An
stoß, daß die Richtlinien nicht vollständig rationalistisch eingestellt
sind. Wohl spielt der Rationalismus eine große Rolle, aber der
Standpunkt-, daß der Mensch allein von seiner Einsicht gelenkt
werde, wird doch nicht völlig geteilt. Deshalb soll die kindliche
Entwicklung „auch nach der Gefühls- und Willensseite" gefördert
werden, es soll „Freude an deutscher Art und Dichtung", „Liebe zu
Volk und Vaterland", „Lust am Liede", „Geschmack für das Ge
fällige und Gediegene" geweckt werden. Doch wird dieser Stand
punkt nicht einheitlich innegehalten. Die große Freiheit, die die
Richtlinien inbezug auf die Erzichungs- und Bildungsziele lassen,
besteht für die Unterrichtsziele nicht, und es ist von Interesse und
ctlvas erheiternd, wie verschiedene Standpunkte die Anweisungen
für die einzelnen Unterrichtsfächer einnehmen; man merkt, daß
viele Köche die Speise bereiteten und daß ein Ausgleich nicht gelang.
Der Abschnitt über den katholischen Religionsunterricht steht
auf dem Boden einer Wertphilosophie; es werden Wahrheiten aa«

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