Nr. 52
Pädagogische Post.
Seile 481
kommt ferner, daß nur verhältnismäßig wenige Beamte sich an Börfen-
aelchä ten beteUlnt haben, das, aber auch die wenigen durch die Maß
nahmen der Banken alsbald „ab-'edrostelt" lein werven. Aber nicht wahr:
Beamienhauste" — so etwas zieht. das letzt sin in den Köpen fest. Die
allermeisten Beamten müssen das geraden» als Hohn empfinden, als ein
irivo'es c-piel. das da mit thuen skrupellos getrieben wird. Zwar. der
eingeweihte Börsianer fällt a»,f solchen plumpen Schwindel ganz cnwitz
nicht herein, aber in der großen Oestentlichkeit kann damit immerhin Ein
druck nemacht werden.
Ein ebenso ausgelegter Schwindel ist es, »venn die Warenknappheit
aür die Vier e'jah»sen»fäu^e der Beamten zurückgeführt wiro. Wie kommt
es daun, daß sie in diesen Tagen und niht vor vier Wachen einsetz e?
Will man die gegenwärtig sich unzwei^e'bukt bemerkbar machende Waren
knappheit auch etwa ven Beamten in die Schuhe schieben? Zurückgehalten
werven die Waren, im Handel sowohl wie in der Lanhmirischast. aus
dem einsacken Grunde, weil allgemein mit weiteren ungeheuren Preis-
ste>gerun->en.gerechnet rv-ro. Nach der Hattet-den-Dteb«Me1hode lucht inan
den Blick von sich au andere abzulenken, und da»u erscheint die Beamten
schaft wiederum als ganz besonders geeignetes Obiekr. denn es ist leider
immer noch so, daß in weiten Krei.en so ein bißchen Schimpfen auf dte
Beamten ein gar zu «rilliges Oh? sindet. Sie wvrden so dargestellt, als
ob sie frei und ledig aller Sorten wären. Ne. nnr üe allein. Mag alles
zusammenbrechen, mag dte Welt a is cen Fugen gehen, ver Beam e hat
se»ne unbedingt „„«sicher e" Stellung! So beupielswetse die „Germania",
wenn sie in ihr r Nr. 202 von» 24. Juli schreibt!
„Alles drängt i n Augenblick zu den Futterkrippen des Staates,
wei> dort nicht allein die Gehälter und Löhne größer sind als in Privat-
berrieben. sondern der Beamte allein vas Ge'ühl der sicheren wirt
schaftlichen Existenz hat. Mag alles zugrunde gehen, der Bermö-enr-
desttz aufgehoben werden uns Er'varniste verlorengehe». dein Beainten
bleibt das Recht auf das Ruhegehalt, das tb»n die schwersten Sorgen,
die heute den Existenzkampf aller anderen Berufe so sehr verbittern,
fernhält."
Es lohnt wirtlich nicht, auf solche Verstiegenheiten sachlich einzugehen.
Wir führen sie nur mit an zur Kennzeichnung der augenblickliche - Kessel-
trerbens geaen die Beamten, mittag alles zugrunde gehen — de u Beamten
bleibt das Recht auf Ruhegehalt! Ja, das Recht schon, vielleicht vielle cht
auch nicht und wenn'» ihm verbleibt, das Recht, w wird er sich, wenn
alles zugrunde geht, dafür ein Viertel „Bea ntenbut er" kanten rönnen.
Aber war verschickn dar? Den Lesern hat man wieder ein,na „aus der
Seele" ae prochen. und eben hier lieat das Betrübende, vaß ,nan sich in
dieser We se auf die Mentalität der Masie einstellt, anstatt sie aufzn laren.
So widerspruchsvoll und fadenscheinig auch oie bisherige Argumentation
gegen die vierteljährliche Gsha'ttszahiung sein mag, so wird ihr doch auch
deshalb die arv'tte Al» nierlsamkeit zu widmen sein. als sie. in der ge chil-
derten Weise fortgeführt, zu einer allgemeinen An,mosttät gezen die Be
amten auswa fen mnß. W,rd der Oestentlichkeit fortgesetzt eingehämmert,
daß dte vierteljährliche Gehaltszahlung zu den Haupttriebkräften der Jn-
flat on gehört, so wird sie ,ehr da d geneigt sein, vie Beamtenschaft für
den ganzen wir schaftlichen Jammer verantwortlich zu machen. Dazu
kommt dte fortgesetzte Beunruhigung der Bevölkerung durch d.e Ar: der
Berichterstattung über dte Besoidunzsrege»ungen. Ueber eine etnztze
Aktion wird in vier oder fünf aufemanderfolgrnden Notizen, teils auch
noch unrichtigen Inhalts, berichtet, so dag es den Anschein erwecken muß,
al» würden dte Beamten tagtäglich mit neuen Papiermassen uverschnl:et.
Daß die Beamten tatsächlich ans ein Drittel ihres
Friedensgehaltr gefetzt sind. daß vie Steigerung
ihrer Gehälter prozentual weit hinter der Steig er nng
der Arbe »terl öh n e zurückgeblieben ist. das wagt dte Tages-
prelle in diesem Zu ammenhange ihren Lesern nicht zu sagen. Jawohl,
d-e vier'eljährltche Gehaltszahlung bietet gewisse Vorteile, die durchaus
nicht geleugnet werden sollen, um so wen g er. als dte Vorteile bei wet em
nicht dte Nachteile aufwregen. dte m ver weitgehenoen Vermin
derung der Gehälter gegenüber dem Friedensstande liegen,
wobei bemerkt sein mag. dag d»e Pterteljahrrzahinng nicht etwa a.»
Kriegs- oder Rach riegsprodukt zum Ausgleich der erwähnten Härte ge-
schaffen ist, sondern einen alten Bestandteil der wohlerworbenen Rechte
der Beamten darstellt. Die Beamtenschaft hat es wagrlrch an Entgegen
kommen nicht fehlen lasten, als sie davon absah, auf Vorauszahlung ver
erhöhten Bezüge jeweils für den Rest des Vterteliahrs zu bestehen, e»n
Entgegenkommen, das ihr schlecht genug geoankt worden ist. Glaubt man
aber damit grundsätzlich Brescke in dte Vierteliahrszahlun, geleat zu haben
und von dieser au» m anscheinend systemalt,chem Angriff das Ganze au,-
rollen zu können, so darf »nan gewiß fein, dabei auf den energischen
Wiverstand der Beamtenschaft gegen eine solche weitere empfindliche Er-
schütierung ihrer wirtschaftlichen Stellung zu stoßen.
iiminiiiiTnmimiiiriimimj
Aus der Pfalz u. Bayern.
SS [
ruiTiMiimin rttr» niTr.-rmm-TTTnrTrrmTnsnniii ti-nrrr.i urnnrtn
Kath. Lehrerverein der Pfalz (E. V.)
Liede Vereinsmitcttiever!
I. Oberlehrer« In der letzten Woche gingen auch in der Pfalz die
Ernennungen zu Oberlehrern hinat^ unv wie Zuschrif en von verschievenen
Setten beweisen, haben die eiben mancherorts leider bittere Enttäuschung
und Niedergeschlagenheit hervorgernen. Nach meiner Er undigung ist die
Liste der zu Ernennenden noch nicht ganz abgeschlagen, und er kann. ehe
d»e Namen im Schulanzeiger veröffen lickt find. noch der eine oder andere,
der stch übergangen glaubte, zum Zuge kommen. Be ordert wird. wer bet
der letzten Qualistkarton tn Fleiß mindestens 1% in Lehrbefahtquni. Un
terrichtserfolg und Erziehungserfolg zusammen noch die Noten,umme 6
ernten. So ziemlich alle, dt« 1891 und früher die Anstellungsprüiung
bestanden und diesen Anforderitngen entsprachen, wurden bis jetzt beför
dert, von jüngeren Jahrgängen bis einschl. Anstellungspcüfnnr 1894 nur
die Befferqualistzterten. Denjenigen, die stch mit gutem Grund benach-
tetltgi glauben, sei der Rat gegeben, nicht bei Klanen und Schimpfen es
bewenden zu lasten, sondern zuerst Einsicht m ihre QuaUfi.'ationslistc und
dann in einem kurz und fach ich gehaltenen Gesuch möglichst bald eine
Neuqualtfikation zu verlangen. Die Vereinriettung wird die nö'igen
Schritte unternehmen, daß nicht, wie es van Seiten des Kollegen Abgeord
neten Walz in der Abgeordnetenkammer verlangt wurde, mit den Nach
holungen Schluß gemacht, sonvern dte Uebergangrzett verlängert wird.
Darum den Mut nicht stnken lasten, au» höheren Beweggründen seine Pflicht
treu erfüllen» dar Wellers muß sich geben. — Allen lieben Vere »»»genossen,
Freunden und Amt»brUdern, dte Oberlehrer wurden, seien auch an dieser
e .^lle seitens der Vereinrleitung die herzlichsten Glückwünsche dargebracht.
Mögen ste noch recht lang» der wohlverdienten Auszeichnung sich erfreuen.
N. Vereinsbeitrag. Wie ans Nr. 50 ersichtlich. m,»ßte der Vezua»»
preis für die „Päd Post" für dar 3. Vierteljahr 1924 auf 15000 M. erhöh!
werden. Bet ver Festsetzung »»nieres Veretnsbettrags rechneten wir nur
»nit 6000 M. Es müssen also hierfür 9000 M. nacherleben werden. Auch'
die Bei räge tür „Beamtenbund" und „Landesbeamtensäule" erfuhren ein»!
Erhöhring. Wir rechneten mit 2009 M. für das Vierteljaär, jetzt werden
225 > M. für einen Monat verlangt. Dann müssen w.r bet Sierbe ällen-
doch auch einen Zuschuß leisten, der einigermaßen enttpricht. Sobald wi»'
eine Generaluersaminlung abhalten können, wird die Umgestaltung unsere»'
Sterbekaste erfolgen »nassen. Vorerst wrro der Vorschlag gemacht, für
jeden Sterbeiall pro Mitglied 1000 M. zu erheben. Wir hatten in letzter!
Zen 3 Sterbefälle. Tsie Por'okoften wurden ab 1. Aug,,st erhöht uni»!
werden noch weiter erhöht. Wir sind daher gezwungen, den Betlrag für
dar 3. Vierteljahr 1929 wie folgt festzusetzen:
1. für Lehrer nnd Hilfslehrer 80000 M.
2. für Hilfslehrer, die gleichzeitig dem K. I. B.
angehören ............... 22000 M.
3. für Aus'tt fslehrer 1800» M.
4. für Pension,sien. die dis „Päd. Post" beziehen 250-w M.
8. für Pensionisten, diedre „Päd. Post" nicht beziehen 10000 M.
Wer die angeioroer en 15000 M. bezahlt ha,. n»öge oen Reg, vie übrigen
den ganzen Betrag und vre Rückstände emschicken. Aber ich bitte vrrngenv,
den Betrag sofort abgehen zu lasten. Wir alle wtstsn, wre der Geldwert
von Tag zu Tag sinkt, wie oft nach einer Stunde schon der Preis einer
Ware ganz ungeheuer in dte Höhe geschnellt ist. Darum, liebe Mitglieder,
nochmals die lierzllche Bitte, zahlt so ort, erinnert und ermahnt euch
gegenseitig, unterstützt die Bezirlsrechner. daß die Beträge hereinkommen.'
Unsern Mitgliedern tn der S ,arp alz danke ich für dte gesauv en Beiträge'
pro 1. Halbjahr und bitte, auch bald die Beiträge für das 3. V-erreljahr!
zu schicken. — Mer mthmntiz werven will, der lese den Lettararcllel ln 1
Nr 50 ver „Väd. Post", der d.nle daran, welch ungeheure Arbeit unser
Rechner brr dieser Gelderhedunq leisten mnß.
Wir wollen hinter un ern Bcüvern an Rhein und Ruhr nicht zurück
stehen. Die Pfalz voran?
Herzliche Grüsze sendet Euer Vorsitzender
Ludwig Husse.
Gruppe Ptrmasen» (Pfalz): 1. Die Ferienversammlung am 8. Juli'
war außerordentttch stark bemcht und nah»n einen anregenden Verlaus.
Der Zusammenschluß der Bezlrte Pirmaens Dahn mit der Junglehrer-,
gruppe wie oie Satzungen wurde» ein,t»,nutz „»«geheißen. Nä-Ystr Per-
annal.ung dteier Art tm Oktober zu P,rma,ens. 2. Am 29. Juli verstarb :
un er Verelnsmitgtied, Ooerlegrer Trau.h »m Bunsenral. An.on» fen.)
htel» die Gradreoe und leg-e e,nen Kranz nieder; vte Bor lanvichaft w.»r
durch den Geichä,»s>nhrer verireten uns lägt eine Me,se leien. Bitte den
Verstorbenen im Gebete nicht zu vergessen. In einer darauf ol enden
Ausschußsitzung wurde dte Lterbesürsorge ,ofort geregelt. Far Fall Tramh
w ro e»ne Umlage erhoben, und zwar zahlen: Ober« und > aupllehree
30 090 Mt., Lehrer 20000 Mr.. Hilfslehrer uns Schulau» »bewsrbsr 1o0)0 M.
Gr uchs drese Betrage sofort de.n glaisterrr (Blatt-Da,n) ober dem Geichäft»-
iuhrer (Karch Rooalven) zu »verwetten, ,owie noch 100^0 Ml. für v»a
Fall Lickte g.
Der Ka.sierer stellte am nächsten Tage der Witwe Trauth sofort.
1 Million zur Verfügnng, «olleae Ltckrerg eine halbe Million. A»jo vttt»'
sofort ausgleichen! Na «-ste A. G. zu Roo«aldrn am 18. August, mittag»
2 Uhr in» Schulhause. Karch.
i
Totekiglocke.
Zwei liehe treue Mitglieder hat der unerbittliche Tod jrz
jüngster Zeit uns entrissen.
Mitten aus arbeitsreichem Leben ivurde W. Ste idle aus
Hochsrein plötzlich zur ewige»! Heinlat abgerufen. Die Teilnahme
an feiner Beerdigung, tiefenlpfundene L^orte an feinem frische»
Grabe bewiesen, wie er sich durch treue PflichtersüUung und
christkatb. Leben dlr Achtung und Liebe aller erworben hatt«
die ihn kanntell.
Im Alter von 81 Jahren starb in Burrweiler Johannes
Boßler, nachdem ihm noch enige Jahre im wohlverdiente»
Ruhestände gegönnt waren. Bom Tgge der Gründung gehörte er
unserm Vereille an, ohne L>»erlscljen.furcht bekannte er desse»
Grundsätze und war ob seines vorbildliclsen Wirkens in der Schule,
seines Lortbildungseifers, der sich besonders im „Gcbirgslehrer-
tränzchen" auswirkte, hochgeachtet bei Freund und Gegner. Wir
wollen den lieben Toter» ein treues Gedenken bewahren und ih^er
im Gebete nicht vergessen. H.
Seminaroberlehrer Philipp Kraus f.
Unser Lehrer Kraus ist tot! Am Sonntag, den 1. Juli 1933,
früh morgens 8,05 Uhr, hat er, das Sterbctreuz in der Hand, das
er sich in Rom geholt hat, den letzten Atemzug getan. Am 3. IM
haben wir ihn feierlichst begraben.
Unser Lehrer Kraus ist tot! Hört Jhr's, Ihr Freunde und
Mitschüler! Einer von Euch stand am Sterbebette, betete die
Sterbegebete mit, legte zum letzten Grutz für Euch die Hällde ihm
auf die noch ivarme Stirn und hat ihm gelobt Treue und Gedentfn
bis zur Pforte der Ewigkeit. Hört Jhr's, Ihr Schüler alle, Ihr
katholrschen Lehrer der Pfalz: Kraus ist tot und unsere Jugend
ist zur Vergangenheit gewandert, mit ihm, dem Lehrer von uns
Lehrern.
Er war ein Stück unserer Jugend selbst.
Wie sie kannten wir ihn.
Hier ist sein Leben:
Ein Bauernsohn vom Zellertal (geb. 8. 8. 1844), reich begabt,
vorbereitet bei seinem Dorflehrer sseuerstein, den er zeitlebens hoch
verehrte. 1860-62 im Seminar zu Speyer. Absolviert mit Rote 1,
wird etatmäßiger Hilfslehrer in Eppenbrunn, dann 1863 Schul
verweser in Burrweiler. In die Zeit seiner Anstelluligsprüfung
(wieder Note „vorzüglich") fällt die Errichtung der Präparanden-
schulen Kraus wird sofort als Hilfslehrer an die Speyerer Schule
gerufen nnd rückte schon nach 4 5?ahren auf die Hanptlehrerstelle
vor, welche er 11 Jahre bekleidete. 1861 wird die Präparande»»

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