Bücherschau.
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Rudolf Hildebrands geschrieben ist, der mit
der Sprache auch den Inhalt der Sprache
frisch und warm erfassen wollte. Wort und
Sache mästen sich im Kopfe des Kindes
vermählen. Dies erstrebt Werner nicht
durch trockene Worterklärungen, sondern
er füllt den Klassenraum mit der ganzen
Fülle des Lebens, wenn er mit den Kin
dern vom „Heim", vom „Hag", vom „Hel
fen" usw. spricht und er bildet so Ver
stand, Phantasie und Gemüt zugleich; den
ganzen inneren Menschen bereichert er,
worauf es doch in erster Linie ankommt.
Daß solcher Unterricht auch die rechte Liebe
zu Heimat und Vaterland weckt, braucht
kaum eigens betont zu werden. Erteilen
kann ihn freilich noch nicht, wer Werners
wertvolles Buch gelesen hat; Voraussetzung
ist eine gründliche Vertiefung in die Schätze
der deutschen Sprache und Literatur. Aber
Lust, Anregung und auch Aufschluß wird
jeder, der im Sinne Rudolf Hildebrands
unterrichten möchte, aus der vorliegenden
Arbeit schöpfen. vr. Schmelzte.
wen;, Di-. Gustav, Germanisch. Deutsche
Sprachgeschichte bis zum Ausgang des
Mittelalters. Leipzig 1924, Quelle u.
Meyer. 59 Seiten. 60 Pfg. (Deutfchkund-
liche Bücherei gew.)
Weber, Dr. Ernst, Geschichte der epischen
und idyllischen Dichtung von der Refor-
mation bis zur Gegenwart. Leipzig 1924,
Quelle u. Meyer. 60 Seiten. (Deutsch-
kundliche Bücherei.)
Bergmann, Professor Dr. Karl, Deutsche
Wortkunde in Bildern aas der deutschen
Kultur. Leipzig 1924, Quelle u. Meyer.
48 Seiten. 60 Pfg. (Deutschkundliche
Bücherei.)
ttluge,Fr., Deutsche Namenkunde. 45 Seiten.
50Pfg. Deutschkundliche Bücherei. Quelle
u. Meyer, Leipzig.
Deutschkundliche Bücherei.
Die Vorzüge dieser Bändchen sind die
gedrängte Kürze und doch erschöpfende Be
handlung des Stoffes. Alleroings leidet
darunter manchmal das eine oder andere
Kapitel — so bei Weber die katholische Dicht-
kunst, die auf knappen 4 Seiten behandelt
Wird. Als kurze Zusammenfassung sind die
Bändchen wohl geeignet für Arbeitsgemein
schaften und Volkshochschulen, doch auch nur
für Reife; denn was Bergmann in dem
Bändchen „Deutsche Wortkunde" Seite 14
„der geistliche Stand" bietet, das ist nicht
objektive Berichterstattung, das grenzt nahe
an „Verächtlichmachung". Jungwirth.
Methodik.
vohm, A., Das freie Unterrichtsgespräch im
Dienste der freien geistigen Tätigkeit des
Schülers. Langensalza 1925, Hermann
Beyer u. Söhne. 37 Seiten. 50 Pfg. (Päd.
Magazin. Heft 1009.)
In einem Heftchen von 37 Seiten bringt
der Verfaffer eine Fülle von beherzigens-
werten Anregungen für eine freiere Unter
richtsgestaltung im Dienste der geistigen
Selbsttätigkeit des Schülers. Diese Grund
sätze wurden bereits von namhaften Arbeits
schulpädagogen betont und verwirklicht. Es
ist letzten Endes nichts anderes, als was
Willmann schon forderte: Obsich nun die
geforderte Art des freien Unterrichtsge
spräches immer so verwirklichen lasten wird,
wie Verfasser fordert, möchte ich bezweifeln.
In manchen Punkten scheint mir seine Art
— Platzordnung, Erwiderungen usw. —
eine Auflösung der unbedingt nötigen Ruhe
und Ordnung zu unterstützen, die doch zum
gedeihlichen Unterricht nötig ist. Wenn
letzten Endes jeder Schüler Zwischenrufe
machen kann, was ja eigentlich selbstver
ständlich ist, wenn die Geister warm werden,
dann erleben wir stürmische Sitzungen in
unserer Klaffe und leisten den Schülern
schlechte Dienste. Eine Verbindung der alten,
mehr autoritativen mit dieser neuen, mehr
demokratischen Form, wird sicherlich zum
Segen unserer Schule sein und hierzu bietet
das Heftchen mancherlei Anregungen, die
ja immer höher gestellt sind als sie in der
Praxis sich durchführen lasten. Jungwirth.
Schnatz Franz, Messer August und Steuber.
Albert, Methodik des Unterrichts an höhe -
ren Schulen. I.Teil: Deutschkunde,Philo-
sophische Propädeutik, Geschichte, alte und
neuere Sprachen. Breslau 1925, Ferdi
nand Hirt. 143 Seiten. Gebunden 3 Mk.
Jedermanns Bücherei. Abteilung: Er
ziehungswesen.
Mit größerer Ausführlichkeit ist das päd-
agogische Neuland „Deutschkunde" und
„philosophische Propädeutik" behandelt.
Deutschkunde bedeutet nicht ein neues Fach,
sondern eine Bildungsidee, die ja in den
Mittelpunkt der preußischen Schulreform
gestellt ist und deren Verwirklichung die ein -
trächtige Zusammenarbeit aller Lehrkräfte
verlangt. Was über Behandlung, Auswahl
und Gruppierung von deutschen Dichtungen
gesagt ist, entspricht durchweg den modernen
Anschauungen. Soweit die „Gliederung"
aus der Beschäftigung mit dem Aufsatzstoff
herauswächst und nicht etwa bis in die
Einzelheiten festgelegt wird, sollte man sie
nicht als unbequemen Schnürleib ablehnen,
wie es Schnatz tut, zumal er selbst warm
für logische Entwicklung der Gedanken im
Aufsatz eintritt. Anregend für jeden Lehrer
ist der Abschnitt über die philosophische
Durchdringung des Gesamtunterrichtes.
Auch die Arbeiten über Geschichte und

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