Bücherschau.
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bedürfen, so steht immerhin fest, daß diese
Arbeit ein wertvoller Beitrag zur Lehre
vom Vorstellungsablaufe ist. Rezensent ist
der Ansicht, daß der Einfluß der sekundären
Nebenasioziationen noch eingehender studiert
werden sollte, insbesondere in bezug auf das
Problem der Frage im Unterricht. Die vor
liegende Arbeit soll durch einen zweiten Teil,
der sich mit der Untersuchung der Aufmerk
samkeit und des Willens beschäftigt, ergänzt
werden. vr. Wilibald Kammer, Wien.
Tschudi, Pubertät und Schule. Langen
salza, Beyer u. Söhne. 1913. 16 Seiten.
25Pfg. (PädagogischesMagazin, 532.Heft.)
„Es ist... ungemein wichtig, daß der Er
zieher mit der Psychologie und der Psycho
pathologie des Pubertätsalters bekannt ge
macht werde" (S. 16). Darum sucht sich der
Verfasser darüber zu vergewissern, „wie der
Eintritt der Pubertät sich in einer Mädchen-
klasse einer städtischen Volksschule äußert,
und wie dadurch Lern- und Erziehungserfolg
erschwert, ja sogar verringert werden" (S. 3).
Es werden aus dem bekannten (fehlerhaft
zitierten!) Werke von Frau vr. L. Hoesch-
Ernst anthropometrische Daten über die in
der Pubertätszeit vortretenden Eigenheiten
der körperlichen Entfaltung entnommen (stär
keres Längenwachstum, Gewichtszunahme).
Die seelischen Veränderungen versucht Tschudi
zu beschreiben und in vier Typen zu fassen,
die er bei seinen „Beobachtungen während
der Unterrichtszeit und auf Grund der Schil
derungen, welche die Mädchen über sich selbst
in freien Aufsätzchen gegeben haben" (S. 6)
glaubt aufstellen zu können; er nennt einen
apathischen, ängstlichen, träumerischen und
gereizten-zornigen Typ. Den Aufsätzchen lag
die Disposition zugrunde: a) Veränderungen
in bezug auf den Körper (Schmerzen, Schlaf,
Träume), b) Veränderungen in bezug auf
Fleiß in Schule und Haus, o) Veränderungen
in bezug auf Betragen in Schule und Haus
(Empfindlichkeit, Zorn usw.), ä) sonstige Ver
änderungen, die ich an mir wahrgenommen
(siehe im übrigen des näheren S. 6—7). —
Wir überlassen es der Nachprüfung und Dis
kussion, ob und inwieweit diese Fragestellungen
für 13- bis 15jährige Mädchen zur Gewin
nung der erstrebten Auskünfte geeignet sind;
uns scheinen sie zu viel Anforderungen zum
Teil schon an die Ehrlichkeit uud Demut zu
stellen, von anderem abgesehen Einige inter
essante Züge sind immerhin schon festgehalten
worden; über die heutige jugendpsychologische
Literatur und die wissens chaftliche Jugend
psychologie einschließlich ihres Teilgebietes,
der „Pubertätspsychologie", als Desiderat der
Forschung vergleiche im übrigen die Aus
lassungen in unserem Aufsatz zur Jugend
pädagogik (.Pharus' 1914, 5. Heft). Die
Mahnung zur Beachtung vieler Seelen
zustände in jenen kritischen Jahren, die als
Störungserscheinungen anzusehen sind, „an
das Krankhafte grenzen" (S. 16), ist oft
und weit spezialisierter schon formuliert wor
den; und da auch die deskriptive Arbeit, die
eigentliche Grundlage des praktischen Ver-
Haltens, nicht mehr gar zu sehr zurücksteht, ist
mehr vorhanden, das Wegweiser bilden kann,
als Herrmanns allein empfohlene „Grund
lagen für das Verständnis krankhafter Seelen
zustände beim Kinde" (.Beiträge zur Kinder-
sorschung und Heilerziehung', *1911, Heft 67,
Langensalza). Neues, das heißt über die
angegebenen Quellen und sonderlich über die
praktische Erfahrung des tüchtigen Schul
mannes Hinausgehendes bieten die 17 Seiten
der popularisierenden Broschüre nicht.
H. Rüster, Bonn.
Geschichte der Pädagogik.
Appel, Benedikt, Das Bildungs- und
Erziehungs-Ideal Quintilians
nach der Iu8titutio oratoria. Jn-
augural-Dissertation zur Erlangung der
Doktorwürde der hohen philosophischen
Fakultät (1. Sektion) der Kgl. Bayerischen
Ludwig-Maximilians-Universität zu Mün
chen. Donauwörth, L. Auer. 1914. 95 S.
Dem Verfasser ist es zuvörderst darum zu
tun, die Zusammenhänge aufzudecken, die
Quintilians Bildungsideal, der vir bonus
dicendi peritus, sowohl mit den pädagogi
schen Traditionen der vergangenen Jahrhun
derte als auch mit den gleichzeitigen philo
sophisch-rhetorischen Strömungen aufweist.
Die aus dieser Untersuchung sich ergebenden
Schlußfolgerungen zeigen einerseits nahe Be
ziehungen zu Cicero und zur Stoa, anderseits
einen bewußten Gegensatz zum Asianismus,
wie er damals in der sogenannten zweiten
Sophistik sich verkörperte. Im Rahmen dieser
geschichtlichen Betrachtung erscheint uns das
vom Verfasser gezeichnete Bild des orator
perfectus nicht etwa als das flüchtige Er
zeugnis eines pädagogischen Reformators,
sondern als die Summe einer mehr als halb
tausendjährigen Theorie und Praxis der
Griechen und Römer. Ein weiterer Abschnitt
befaßt sich mit der Untersuchung der subjek
tiven Voraussetzungen des Quintilianischen
Bildungsideals und, wie ich noch hinzufügen
möchte, mit der Methode der unterrichtlichen
Unterweisung. Unter dem Einflüsse seiner
Vorbilder fordert Quintilian als Grundlage
einer erfolgreichen Geistestätigkeit eine drei
fache Voraussetzung: natura, arg, exsreitatio.
Inhalt und Bedeutung dieses Ternars der
Bildungsfaktoren wird mit reichem geschicht
lichen Einschlag eingehend erörtert, wenn auch
in diesem Zusammenhange nach der rein
didaktischen Seite hin einzelne Gedanken
etwas kräftiger herausgearbeitet werden könn
ten. Im ganzen hat der Verfasser, der als
Theologe nicht zur eigentlichen Zunft der

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