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Bücherschau.
Philologen zählt, unter ausgiebigster Heran
ziehung der einschlägigen Literatur ein Werk
geschaffen, das als schätzenswerter Beitrag
zur pädagogischen Würdigung Quintilians zu
begrüßen ist. Gymnasiallehrer Joseph Hauser,
Günzburg a. D.
Rühnel, Joseph, I. I. Rousseau und
unsere zeitgenössische Pädagogik.
Prag, Haase. 70 S. Kr. 1,20; geb. Kr. 2.
(Schriften für Lehrersortbildung, Nr. 2.)
In geistreichen Essays unter zahlreichen
Hinweisen auf führende andere Werke be
leuchtet der Verfasser den Einfluß Rousseaus
auf die Pädagogik der Gegenwart. In um
fassenden Kapiteln bespricht er dessen Ver
hältnis zur modernen Jugendkunde, zur Per
sönlichkeits-Bildung, zu den Kunsterziehungs
bestrebungen, zum selbstschöpferischen Prinzip,
zur modernen Mädchenerziehung und Unter
richtslehre. Es ist nicht Alltagskost, was uns
geboten wird, sondern eine aus reicher Literatur
kenntnis fließende, tiefgründige Studie. Doch
müssen wir von unserem Standpunkt aus be
dauern, daß der Verfasser in allzu begeisterter
Hingabe nur von den Lichtseiten des Rousseau-
schen Erziehungsideals spricht, während er
von den vielen Schattenseiten desselben nichts
zu berichten weiß. Mit Rousseau hat ein
antichristlicher Naturalismus in der Päda
gogik Boden gewonnen, der von Pestalozzi
und Basedow bis zu Diesterweg sich des
deutschen Schulwesens bemächtigt hat und
gerade in der Gegenwart die beklagens
wertesten Triumphe feiert.
Ghmastallehrer Joseph Hauser,
Günzburg a. D.
Rolle, Di-. Hermann, Schleiermachers Di
daktik der gelehrten Schule. JmZu-
sammenhange seines philosophischen Systems
dargestellt. Berlin, Reuther u. Reichard.
1913. X, 160 S. Mk. 3.
Schleiermachers bildungstheoretische Be
strebungen fallen in die große Zeit der Neu
ordnung des preußischen Unterrichtswesens
unter Wilhelm v. Humboldt. Ein heftiger
Kampf tobte damals auf pädagogischem Ge
biete, von allen Seiten stießen entgegengesetzte
Prinzipien aufeinander und stritten um den
Vorrang. Schleiermacher wählte den Stand
punkt des Vermittlers, indem er die wert
vollen Gedanken der sich herandrängenden
Neuerungen mit dem guten Ueberkommenen
in Einklang zu bringen suchte. Seine Auf
fassung des Bildungswesens hängt aufs engste
zusammen mit seinen grundlegenden philo
sophischen Anschauungen, seine Didaktik wächst
aus seinem dialektischen und ethischen System
hervor. Das ihm vorschwebende Bildungs
ziel schließt ein Doppeltes in sich: Entwick
lung der Persönlichkeit des einzelnen in allen
ihren Fähigkeiten und Kräften (individuelle
Aufgabe) und Hineinbildung derselben „in
den Komplex der menschlichen Verhältnisse"
(soziale Aufgabe). Damit ist zugleich der
Weg für die Gliederung des Schulwesens in
Volksschule, Bürgerschule und gelehrter Schule
vorgezeichnet und der Aufgabenkreis der ein
zelnen Schulformen bestimmt. Was im be-
sonderen seine Auffassung der gelehrten Schule
im Sinne unseres Gymnasiums betrifft, so
verlangt er gegenüber dem einseitig-formali
stischen Standpunkt der Vertreter des Neu
humanismus eine Verschmelzung des alt-
klassischen mit dem modern-realistischen Bil
dungs-Ideal. In seiner Forderung eines
gründlichen realen und muttersprachlichen
Unterrichts und in seinen Vorschlägen über
den Betrieb der alten Sprachen eilt er seiner
Zeit weit voran. Manche seiner Gedanken,
die leider ohne Einfluß auf die damalige
Praxis blieben, stehen in dem gegenwärtigen
Kampf um die Reform des Mittelschulwesens
im Mittelpunkt des Streites und haben zum
Teil in der Gleichstellung der Realgymnasien
und Oberiealschulen mit den Gymnasien greif
bare Gestalt erlangt. — Wenn wir auch
Schleiermacher nicht auf allen seinen Gedanken
gängen folgen können, so müssen wir doch
seiner Didaktik einen weitgehenden Einfluß
auf die Lösung der großen Bildungsprobleme
zuschreiben. Darum wissen wir dem Ver
fasser des vorliegenden Werkes Dank, daß er
Schleiermachers Theorie der gelehrten Schule
einer Würdigung unterzogen hat, wie sie der
neben Humboldt vielleicht geistreichste und weit
blickendste Bildungstheoretiker jener Zeit mit
Recht verdient. Gymnasiallehrer I. Hauser,
Günzburg a. D.
Ratechetik.
Katechismus, Katholischer, für Kinder. Be
arbeitet von Simplex. Entwurf für die
Religionslehrer, als Manuskript gedruckt.
Wien. H. Kirsch. VII. S. 279-524. Kr. 1,50.
Neu ist die Gliederung des Stoffes in
die fünf Hauptstücke: Glaube, Gebet und
Hoffnung, Gebote und Pflichten, Sakramente,
Meßopfer. Neu ist auch die Methodik in
der Darstellung der einzelnen Lehrstücke. Ver-
faffer bringt erst eine „bündige Vortrags
skizze" und dann Fragen und Antworten mit
Anmerkungen. Von Zeit zu Zeit folgt eine
„Wiederholung und Vertiefung". Auswahl
des Stoffes und Fassung der Lehrsätze sind
anzuerkennen. Manche der einleitenden Vor
tragsskizzen sind vorzüglich geraten. Doch
weist das Büchlein große Mängel auf. Die
meisten dieser Vortragsskizzen sind trockene
und lehrhafte Darstellungen, ohne alle Plastik
und ohne kindlichen Ton, sogar häufig mit
den gleichen Ausdrücken dasselbe, was die
folgenden Lehrsätze enthalten. Der eingefügte
Abriß der Kirchengeschichte (342—348) ist
ungenügend und ungenießbar. Was sollen
Liebhabereien wie die Schreibweise Jezus und
die überlegene Feststellung: Im Jahre 1858

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