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Grgon -es Vereins kacholijcher -eutjcher Lehrerinnen
Nr. n
56. Jahrgang
\7. Mär? ,925
Skhattsverzeichnlr: Stoffels. Zusammensetzung und KufgabenKreis der
Schulvorstände in Preußen S. 65. Pages, Kulturleben an der Saar S. 66
Breuer, Ohne Lesebuch S. 67. pädagogische Rundschau: Klaffenlektüre.
Lesebücher f. d. zweite Schuljahr. Aus der Seit: PSd. Institut. Ws find
die Gre zen? Kl. Mitteilungen, Amtliches: Aus Baden: Beschäftigung
der voldrlchulkmdldaten. Aus unterem verein: Hauptversammlung
Hilfe f. d. Uuhrkinder Berufrichulgruppe. Spar. u. varledn-Kasse. BezirKr-
lehrerratswahlen. Haftpflichtversicherung. Juoendpfi^geKursus Bregenz. Soz
Ionntagstagung Dresden. Jahresbericht 1922. Bezirks« und 3wetg-
»ereine. Oereinskalender. Merktafel. Bücherbesprechungen.
Zusammensetzung und Ausgabentrek der Schulvorstände
in Preußen.
von Elise Stoffels, m. d. pr. c
L Der Schulvorstand ist jene Körperschaft, die die Interessen
der Schule in ländlichen Bezirken vertritt. Das v. U. G. (1906)
unterscheidet Landgemeinden, welche einen eigenen Schulverband
bilden, und solche, die zur Unterhaltung einer odet mehrerer Volks
schulen zu einem Gefamtschulverband vereinigt sind. Selbständige
Eutsbezirke werden betr. Tragung der Schuttast den Schulverbänden
gleichgehalten. Landgemeinden mit über 7000 Einwohnern können
durch Beschluß der Gemeindeorgane an Stelle des Schulvorstandes
eine Schulüeputation einsetzen. Diese haben die gleiche Zusammen
fetzung und Zuständigkeit wie die der Städte, vgl. Halbmonatsschrift
für bath. Lehrerinnen, Jahrgang 1922 Nr. 22 u. 23.
Der Schulvorstand besteht aus dem Gemeindevorsteher —
Ln der Provinz Westfalen und in der Rheinprovinz auch dem Amt-
mann und Bürgermeister — ferner wo es möglich ist. aus soviel
Lehrern und Lehrerinnen, wie die Zahl der zum Schulvorstande
gewiesenen Einwohner beträgt. Dar prozentuale Verhältnis
der Lehrenden kann also im Schulvorstand höher sein als in der
Schuldeputation; denn es fällt hier die zweite Gruppe: die gleiche
Zahl Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, weg. Ferner
gehören dem Schulvorstande an der Dienstälteste oder der dem Dienst
range vorgehende Pfarrer der evangelischen Landeskirche und der
katholischen Kirche, zu deren Pfarreien die Schulkinder gehören.
Doch gilt hier eine Einschränkung, wenn der Schuloerband nur
Schulen umfaßt, die mit Lehrkräften einer Konfession besitzt sind,
fo gehört nur dieser Pfarrer in den Schulvorstand. Der Rabbiner
wird — ebenso wie bei der Schuldeputation — bei 20 jüdischen
Kindern Schulvorstandsmitglied. Falls zw schon der Schulaufsichts
behörde (Lezirksregierung) und der kirchlichen Oberbehörde (Bischof)
Einverständnis besteht, kann an Stelle des genannten Pfarrers auch
ein anderer Geistlicher in den Schulvorstand eintreten.
Die Lehrer und Lehrerinnen werden, sofern eine Wahl erforderlich
ist, von der Lehrerschaft des Schulve bandes gewählt, und zwar,
wenn möglich nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Früher ge
hörte nur ein-Don der Schulaufsichtsbehörde ernannter Lehrer dem
Schulvorstande an. Eine Wahl ist nicht erforderlich, wenn nur soviel
oder weniger Lehrkräfte in dem Schulverband tätig sind, wie die
Zahl der zum Schulvorstand gehörigen Einwohner beträgt. Deren
Zahl best mmt die Gemeindevertretung, sie kann 2 — 6 betragen.
Die Gemeindevertretung tätigt auch die Wahl und zwar ebenfalls,
wo er möglich ist, nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Es
können auch Frauen als Einwohner gewählt werden.
Die Dauer der Wahl beträgt ebenso wie bei der Schuldepu
tation sechs Jahre, jedoch ist Berechtigung zum Niederlegen nach
)rei Jahren vorhanden, wenn die im § 65 Abs. 2 der Land
gemeindeordnung vom 3. 6. 91 genannten Entschuldigungsgründe
vorliegen: Lebensalter von 60 Jahren, anhaltende Krankheit, Geschäfte,
die eine öftere oder langdauernde Abwesenheit mit sich bringen,
ein unmittelbares Ztaatsamt. sonstige besondere Verhältnisse. Zur
Beschlußfassung muß wenigstens I mehr als.die Hälfte der
Mitglieder anwesend sein; bei einer zweiten Zusammenberufung ist
aber Beschlußfähigkeit vorhanden ohne Rücksicht auf die Zahl der
Erschienenen.
Eine bei der Beratung des Abanderrmgsgefetzes über die Schul
deputationen und Schulvorstände heißumstrittene Frage war die der
Vorsitzenden. Stärker noch fast als bei der Schuldeputation kämpfte
die Lehrerschaft um den Vorsitz im Schulvorstande, hoffte sie gerade
davon eine Hebung des vielfach deshalb so darniederliegenden Land
schulwesen?, weil nicht pädagogische, sondern wirtschaftliche Momente
bei seiner Behandlung ausschlaggebend waren, voll ist dar Ziel
nicht erreicht worden. Immerhin ist die Möglichke't zur Berufung
des Lehrers dadurch geschaffen worden, daß die Bindung für die
Schulaufsichtsbehörde hergestellt wurde, den Vorsitzenden aus der
Zahl der Mitglieder des Schulvorstandes zu ernennen. Sie soll,
wie es in den ttu;führungsbestiminungen heißt, „den nach Lage der
Verhältniße Geeignetsten" ernennen.
In Gutsbezirken, die einen eigenen Schulverband bilden, wählt
oder ernennt die Gutsoertretung die Gruppe der „Einwohner".
In den Gesamtschulverbänden, welche mehrere Gemeinden
bzw. Gutsbezirke umfaßen, regelt die Schulangelegenheiten ein Schul
vorstand und ein Verbandsvorsteher. Der letztere ist die ausführende
Behörde.
Der Schulvorstand fetzt sich zusammen aus den Vertretern der
zum Schuloerbande gehörigen Gemeinden oder Gutsbezirke, min
destens aber aus drei Vertretern. In Landgemeinden sind er der
Gemeindevorsteher oder sein Stellvertreter und Abgeordnete, die von
der Gemeindevertretung gewählt werden, — in Ztadtgemeinden der
Bürgermeister oder sein Stellvertreter und Abgeordnete, welche die
Stadtverordnetenversammlung gewählt hat.
Die Zahl der Vertreter der einzelnen Gemeinden, bzw. der auf
die einzelnen Gemeinden entfallenden Stimmen wird verhältnismäßig
nach dem Gesamtbeträge bestimmt, den die Gemeinden für die Ge
samtschullasten des Gefamtfchulverbandes zu tragen haben. Lehrer
und Lehrerinnen. Geistliche und Rabbiner treten nach den
auch für den Einzelschuloerband geltenden Bestimmungen ein. Die
dem Gutsbezirke zustehenden Stimmen werden vom Gutsbesitzer oder
deffen Beauftragten geführt. Der Gutsbesitzer kann auch eine Zahl
von Vertretern ernennen entsprechend der ihm zustehenden Stimmenzahl.
Der Verbandsvorsteher (8 5!) sowie ein Stellvertreter für
ihn werden von der Schulaufsichtsbehörde aus der Zahl der Mit
glieder des Schulvorstandes ernannt. Ist keine geeignete Persönlich
keit im Schulvorstande vorhanden, so wird von der Schulaufsichts
behörde eine andere Persönlichkeit kommissarisch mit den Geschäften
des Vorsitzenden oder seines Stellvertreters betraut. Der kommissarische
Vorsitzende hat jedoch in den Angelegenheiten der Feststellung der
Schulhaushalts, der Bewilligung der für die Schule erforderliche»
Mittel und der Rechnungsentlastung kern Stimmrecht.

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