Nr. 2
36. Jahrgang
1(3. Januar \925
Inhaltsverzeichnis: Vorbemerkung, päd. Rundschau: Studienplan
S. 9 stus der «Seit: Zum Reichschulgesttz. Beioldungsfraze. Kleine
Mitteilungen. Rmtliches: Richtlinien für Lehrpläne. Pädagog. Institut.
Schulferien. Umzugskoslenoergütung. Reisekosten bei Prüfungen. Privat-
schuldienst. Rus unserm verein: 6lle Mitglieder. Eingabe, varlehns-
balfe. Bez. I>üfjclborf. Jahresbericht 1922. Vereinskalender. Mit-
Leitungen und Rusdünfte.
Vorbemerkung der Schrlstleltung.
Zum ersten Male erscheint als Beilage dieser Zeitung die »Junge
Lehrerin". Rur durch die Umwandlung in eine Beilage und die Ein«
Beziehung in den Umfang der lvochenschrist ist cs möglich, dem Bund der
Lehramtsdewerberinnen sein Organ zu erhalten. Die Bundesmitglieder
beziehen diese Beilage allein, während sie allen Beziehern der Wochen,
schrist ohne weiteres mitgeliefert wird. Wir hoffen, daß sie auch in den
Kreisen Freunde finden wird, die sie bisher noch nicht Kannten.
Oie Junge Lehrerin erscheint in der zweiten Nummer eines jeden Monats.
Der Raum, der dann für das Haupkblatr übrig bleibt, ist natürlich seh-
beschränkt. Nus diesem Grunde kann im vorliegenden Blatte auch nicht
d-r zweite Teil der Festrede de; Herrn profesior Lggersdorfer Platz finden.
Eine nochmalige Teilung würde innerlich Zusammengehöriges zerreißen.
Darum folgt er in der nächsten Nummer.
Wie schon im Jahresbericht erwähnt ist, sind im verein k. d. L.
kurschüfs» zum Studium der Lehrerbildungsfrage gebildet worden, die in
Rürze die Ergebnisse ihrer Rrbeit in eine? Nrrikelreihe veröffentlichen
werden Inzwischen werden alle Mitglieder, ganz besonders die der außer-
preußischen Länder, um ihre Mitarveit gebeten, und die »pädagogische
Rundschau" wird (ohne andere Gebiets zu vernachlässigen) über neue Er
eignisse und Forderungen anderer Kreise berichten. So veröffentlichen
wir im folgenden einen Sludirnplcm für dis Berufsausbildung der Lehrer.
Pädagogische Rundschau.
Ein Studienplasr für die Berufsbildung der Lehrer.
In der .Zeilschrist für pädagogische Psychologie und experimentelle
Pädagogik" (heft 1/2 ff) veröffsn.licht Prof. l)r. R. FÜcher in einer 6d-
handlung über den „Aufbau des Hochschulstudiums" folgenden pädagogischen
Studien plan für die Berufsbildung des Lehrers.
Im ersten Semester hätten die grundlegenden Vorlesungen
Platz zu finden:
1. Geschichte der Erziehung und Erziehungswissenschaft im Nltertum
und Mittelalrer.
2. ^Verbindung damit Lektüre und Interpretation einschlägiger
Quellenschriften in seminarischec Behandlung.
3. Geschichte der Philosophie im Umritz ober Einleitung in die
Philosophie.
4. allgemeine Psychologie und
5. in Verbindung damit psychologisches Praktikum zur Ein
führung in die Methodik der p ycholog scheu Untersuchung.
Im zweiten Semester dürsten sich die Fortsetzung und der
Nbschlutz der einführenden Studien empfehlen:
1. Geschichte der pädagogischen Ideen und Zustände von der
Renaissance bis zur Gegenwart.
2. In Verbindung damit Lektüre und Besprechung eines Klassikers
der Pädagogik der neueren Zeit (zur Nuswahl: Tomenius, Rousseau,
herbart. Schleiermacher, Pestalozzi usw.).
3. Geschichte der neueren Philosophie.
4. Rinder- und Jugendpsychologie mit Teilnahme
5. an einem entsprechenden Praktikum oder Seminar.
Im dritten Semester könnten folgen:
1. Systematische Pädagogik (pädagogische Grundbegriffe oder wie
man sonst sagen will! in Verbindung mit
2. seminarischen Übungen zur Theorie der Erziehung entweder
wieder an der Hand eines gut ausgebauten Systems oder beschränkt auf
einen der wesentlichen Teile eines Systems (z. B. Übungen zur Tharakter-
Pädagogik, über Disziplin, Kunsterziehung, Sexualpädagogik usf.).
3. Geschichte der Schulgesetzgebung und Schulpolitik (das Ver
hältnis von Erziehung und Gesellschaft klärend).
4. Fortsetzung der psychologischen Studien in einer Spezialvor
lesung über pädagogische Psychologie.
5. Einführung in die pädagogische Hygiene.
Im vierten Semester könnte auf der bisher entwickelten
historischen und systematischen allgemeinen Grundlage die Bildungs-
theorie im engeren Sinne aufbauen. Der Stud erende mutz von
diesem Zeitpunkte an die Ausgestaltung seiner Studien teilweise selbst
in die Hand nehmen können, vor allem gilt das für die Wahl
von Spezialoorlefungen und Sonderstudien, die von jetzt an rätlich
werden.
1. Theorie der Bildungswerte.
2. N^gememe Didaktik und Methodik,' in Verbindung damit
3. ULsngen zur Didakt.k entweder einer Schulstufe oder eines
Unterrichtsfaches (im Wechsel).
4. Kulturxhuofophie oder eine philosophische lvertwissenschast
(Ethik, Religionsphilosophie, Ästhetik usw.) zur Vertiefung der
dildungstheoretischen Gedanken.
5. Eine pädagogische bzw. - didaktische Spszialvorlesung ohne
Rücksicht auf bestimmte Schulgattungen (z. B. Heilpädagogik, Volks
bildungswesen, Jugendpsiege, Fürsorgeerziehung, EZiehung des
Kleinkindes in Familie und Kindergarten, Spezialstudium eines
Systems oder Abschnittes aus der Geschichte der Pädagogik usw.).
Im fünften Semester kann die Bildungstheorie zum Abschluß
gebracht und das Studium der best henden Biidungsverhaltniffe
unter Nuswertung des inzwischen wsA angebahnten eigenen Stand
punktes, der sich konsolidierenden persönlichen pädagogischen Über
zeugungen, begonnen werden. Nls Vorlesungen bzw. Übungen
kommen in Betracht:
1. Theorie der Schulorganisation.
2. Das Bildungswefen des In- und Nuslandes (Schulkunde).
3. Spezialvorlesungen mit entsprechenden Übungen im Zusammen
hange mit der Theorie der Bildungsorganisation (z. B. Lehrplan
theorie, Pädagogik und Didaktik der Volksschule, Pädagogik und
Didaktik der höheren Schule, das hilfsfchulwefen, Internatspäd
agogik usw.).
Im sechsten Semester mutzte die eigene wiffenschastliche Nrbelt
im Mittelpunkte stehen; soweit Vorlesungen und Übungen noch er
forderlich sind, könnten sie sich auf ganz spezielle Fragen beschränken.
1. Spezialoorlefungen (aus dem oben umschriebenen Kreise, so
weit sie noch nicht gehört wurden und für die persönlichen Nbsichten
in Betracht kommen).
2. Spezialdidaktik (des mathematischen, historischen, naturwissen
schaftlichen Unterrichtes, der sprachlichen Fächer usw., zu wählen
nach Gelegenheit, Berufsabsicht und Fachstudium).
> 3. Die Nufgaben der Schulleitung und Schulverwaltung.

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