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Kinderbibliothek. == Kinderſpiele.
zu leicht ſind und die Schüler zu langſam von einer
Stufe zur andern fortgeführt werden.
Kinderbibliothek [. Jugendſchriften.
Kinderglaube. Was im Innern des Kindes
vorgeht, das gibt es auch äußerlich zu erkennen, an-
fänglich dur<) Geberden, Mienen und Stimme, ſpäter
au< dur Worte. Hierin beſteht nunmehr auch die
erſte Grundlage zu jener Wahrhaftigkeit, die den Kin-
dern in den fünf exſten Lehensjahren ſo ganz eigen-
'thümlich iſt. Und ſo wie ſie ſelbſt offenherzig und auf?
richtig ſind, ſo ſeen ſie daſſelbe auch an ihren Ael-
tern und allen Menſchen voraus. Dies iſt der zwei-
felloſe Glaube, jenes unbedingte Vertrauen, womit ſie
einem Jeden, ganz aber den Aeltern entgegenkommen.
Dieſer Kinderglaube wird um ſo länger dauern, je län-
ger das Kind vor Täuſchung und Lüge bewahrt bleibt.
Je früher dieſe lestern eintreten, deſto eher faßt der
Zweifel Naum und der prüfende Verſtand tritt an
die Stelle des kindlichen Vertrauens. Nie ſoll daher
der Kinderglaube getäuſcht werden. Er iſt eine der lie-
benswürdigſten Cigenthümlichkeiten der Kindesnatur
und wird, Einmal erſchüttert, nur ſehr ſchwer oder nie
hergeſtellt. Damit wankt zugleich aber auch der Grund
der eignen Wahrheitsliebe des Kindes und mit ihm die
eigentlichſte Stükße ſeiner Sittlichkeit. Das Kind,
welches die erſte gefliſſentlicge Täuſchung entde>Et, iſt
ſofort aus dem Himmel der Unſchuld herabgeſtürzt und
der Sünde anheim gefallen, und trägt ſomit ſchon den
Keim zur erſten Lüge, ſonach zur ſittlichen Unreinheit
in ſich! =- Wer kann in dieſem leßtern Falle die Nach-
theile berechnen, die hieraus ſowohl für das Einzelwe-
ſen, als auch für Andere hervorgehen können? Dar-
um haben ſich Lehrer und Erzieher vor nichts mehr als
vor Täuſchung der Kinder zu hüten.
Kinderkleidung [. Kleidung.
Kinderſchriften ſ. Jugendſ Kinderſpiele, Der practiſche Verſtand übt ſich
anfangs am beſten an Spielen und Beſchäftigungen,
und da am glüliaſten, wo man den Kindern nicht zu
ſchnell mit Rath und That entgegenkommt, ſondern
ſie ſelbſt Mittel finden, ſie durch Mißlingen lernen,
und ſelbſt wenn ſie Hilfe in ihren kleinen Nöthen
ſüchen, noH€ immer verſuchen läßt, ob ſie ſich nicht-ſelbſt
helfen können. -=- Namentlich ſind es die Spiele, die
Jean Paul die erſte Poeſie des Lebens nennt, ſo wie
das Cſſen und Trinken ſeine Proſa-. Krummacher
nennt ſie die eigentliche Kinderwelt. ,, Man würde,
ſagt Po>els, die Seele des Kindes moraliſch tödten,
: wenn man ihm ſeine Spieke entreißen wolltez man
würde ſein Ehrgefühl, ſeine Liebe, ſein Vertrauen zu
den Menſchen, ſeine Anlagen zur Thätigkeit, ſeine Oric
ginalität grauſam erſtiken'. Die Spiele bewahren das
Kind vor langer Weile, die es zu Unarten verleitetz
fie machen das Kindesalter zum goldenen Zeitalter des
menſchlichen Lebensz ſie ſind aber auch Hilfsmittel zur
Bildung der Kinderſeelen. Von der Art des Spiels
: hängt es allein ab, in wiefern das beſchäftigende, un-
'" -
terhaltende Spiel zugleich ein Bildemittel für die äußere
und innere Entwi&elung des Kindes ſein kann, in wel-
Verſchiedenheit der Spiele xichtet ſich zwar nach dem
Alter des Kindes und nach dem Geſchlecht; doch iſt
der Hauptharacter des Spieles ſelbſt in den beiden er-
ſten Lebengaltern in; Ganzen derſelbe und fordert mehr
Die
LOB
oder weniger die Mitwirkung oder Einmiſchung der ev«
ziehenden Hand bis zum Knabenalter. Sailer ſagt:
7 Die Kinderſpiele ſind , unter Aufſicht und Leitung eines
verſtändigen Kinderfreundes, die eigentlichen Profeſſo»
ren der Kinderwelt, die, ohne die Phänomene der Zwie«
tracht und des Handwerksneides darzuſtellen, ihre Lehre
ſtelle trefflich verſehen, ſind die lebendigen Kinderaca»
demien. Sie ſind es, die in den Kindern a) Sinn
und Verſtand, Kunſtſinn und Gefühl des Schönen
entwielnz b) die Langeweile verhütenz «) die Kinder
vor dem ſteten Eſſen, das den Leib wie die Seele krank
macht, weghaltenz d) heftigen Leidenſchaften zuvorkom-
men, in der die Spielenden, in ihrer Spielwelt befan:-
gen, gleichſam ihrer ſelbſt vergeſſen lernen.“ =- Be-
neke ſagt: „„Die Spiele der Kinder ſind in der man-
nigfaltigſten Beziehung von ausnehmender Wichtigkeit,
ja in den frühern Jahren wichtiger als alles Lernen.“'--
Wir können im Allgemeinen drei Claſſen von Spielen
unterſcheiden. Die erſte wird durch die Spiele gebil-
det, welche eine Vervollſtändigung des Auffaſ«-
ſens enthalten. Das Kind dreht die Gegenſtände her-
um, oder gibt ihnen ſonſt verſchiedene Stellungenz läßt
den Stein, die Kugel wiederholt auf dem Boden fal-
len , auf andere Gegenſtände aufſchlagen, von denſelben
zurüprallenz zerpflükt die Blumen u. ſf. w. Wir ha-
ben hier den erſten Keim des Experimentirens, welcher
ſo, wie dieſes ſelbſt, von größerem Werth iſt, als die
bloße Wahrnehmung oder ſelbſt die Beobachtung, weil
ſich dabei Selbſtthätigkeit und Luſt vermiſchen. -- Die
zweite Claſſe begreift die große Menge von Phanta-
ſieſpielen, wozu wir nicht nur die ſüße Beſchäftigung
des kleinen Mädchens mit der Puppe, die Uebungen,
welche der Knabe mit ſeinem Steenpferde anſtellt,
das Kriegsſpiel mit ſeinen bleiernen Soldaten und Aehn-
liches rechnen, ſondern auch das Für:ſichephautaſiren
und das Erzählen von Dichtungen, mögen fich dieſel-
den auf die Zukunft des Kindes ſelbſt oder auf andere
und blos erdachte Perſonen beziehen. Zur dritten
Claſſe endlich können alle Spiele gerehnet werden, in
denen ein äußeres Thun, Bewegung und Uebung des
Körpers die Hauptſache iſt, wie Laufen, Springen,
Jagen, Ballſpielen u. ſ. w., wobei jedoch zugleich Auf-
faſſung der Sinne, Erwartungen, Vorſtellungen von
Zweken durch bekannte und erſonnene Mittel, durch
Beſtandtheile der beiden vorigen Claſſen, in derſelben
Art oder mit practiſcer Bedeutung, in den manniz-
faltigſten Verdältnifſen und Abwechſelungen hinzutreten
können, =-- Vor Allem wird es zur Beurtheilung aller
dieſer Spiele darauf ankommen, was das Kind pro-
ducirt oder reproducirt. Beſonders bei Phantaſieſpie-
len, welche unabhängiger ſind von den durch die Um-
gebung dargebotenen Objecten oder Veranlaſſungen,
und demnach freier und reiner die Richtung des Innern
offenbaren. Sind es ſchöne Gegenden, oder Perſonen,
Begebenheiten, ſind es Herzens- oder Thätigkeitsver-
hältniſſe, welche das Kind in innern Anſchauungen
durchbildet z gehören dieſelben der Vergangenheit oder
der Gegenwart, oder Zukunft an, erhebt es ſich damit
zu etwas geiſtig Höherem , oder ſtimmt es ſich zu einem
Niederen herab, z. B. die Nachahmungen von Thieren,
auf jeden Fall wird der Erzieher aus der Art der Spiele
die jehbigen Neigungen und Geiſteskräfte ſeines Zög-
lings abnehmen, und dieſe Offenbarung als einen höchſt
wichtigen Leitſtern für ſeine Erziehungsmaximen be-

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