“ Kirche, == Kirchlicher Sinn,
des, der ein Bund des Glaubens in der Liebe iſt. (S.
Abendmahl.) d) Das Gebet im Namen Jeſu.
Matth. 18.19. 20. Apg. 2, 42. 6,4.
Das Haupt der Gemeinde iſt Chriſtus (zugleich
Grund und Eſtein. des heiligen Tempels), und dieſe
iſt ſein Leib, in ſofern in ihr Chriſtus zur ſichtbaren
Darſtellung kommt, weshalb ſie auch die Herrlichkeit
Chriſti, ja Chriſtus ſelbſt genannt wird. Eph. 1. 23.
1. Cor. 12,12. Denn in der Kirche oder Gemeinde
foll durchaus Chriſtus herrſchen. Der ganze Leib ſoll
von ihm Licht und Kraft empfangen, und in jedem
Einzelnen ſoll Chriſtus wohnen. Daher wird geſagt,
daß Chriſtus die Gemeindeämter, durc; welche der
Leib Chriſti erbauet wird , geordnet und eingeſeßt habe.
Eph. 4, 11 ff.
Chriſto unterthan geworden und- der Tod aufgehoben
fein wird, wird auch Chriſtus ſein Mittleramt nieder?
legen und die Kirche ihr Ende erreichen. 14. Cor. 15,
28. Vgl. die Artt, Apoſtel, Kir Lehrer, Propheten.
Kirche, im Verhältniß zur Schule dem
Staate gegenüber. Wenn ein Menſch zur Welt
* geboren wird, ſo hat er nach der weiſen Einrichtung
des Schöpfers zwei Erzieher, den Vater und die Mut-
ter. Die erſte Geſellſchaft, in welcher - er auch die
Sprache lernt, iſt die Familie. Die andere Gemein-
ſchaft, in welcher der Menſch erzogen wird, iſt die Kir-
und lehret. Und als die Eltern ihm ihre Kinder brach-
ten, und die Jünger ſie abwiefen, ſagte er: Laſſet die
Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn
ihrer iſt das Himmelreich. Die beiden urſprünglichen
Gewalten alſo, in deren Händen die ziehung liegt, ſind: die Eltern, welche die Kinder erzie-
hen, und die Kirche, welche die Kinder und die Eltern
erzieht. Wo eine Mehrheit von Familien vorhanden
iſt, bei denen daſſelbe Bildungsbedürfniß obwaltet, führt
. zunächſt die Natur der Sache auf eine gemeinſchaft:
-Jiche Erziehungz die Gemeinde wird eine eigene Schule
anlegen und ihr einen Theil des Geſchäfts übertragen,
welches die Eltern, durch Berufs- und Nahrungsſorgen
verhindert, nicht felbſt beſorgen können. Iſt nun die
Gemeinde eine von ſelbſt in die nächſte und unmittelbarſte Beziehung
zur Kirche geſtellt. - Ja es iſt hiſtoriſch der gewöhnliche
Weg, daß die Stiftung und Errichtung der Schule von
der Kirche ausging und die Schule ſchon ihrem Entſte-
hen nach Pfarrſchule iſt, wodurch ihre Leitung und Bes
aufſichtigung in den Händen der Kirche liegt. In den
erſten Zeiten aber, wo dur die Kirche eine andere Er-
ziehung eingeführt werden follte, als wie ſie der Staat
gewährte, und die Kirchengemeinde gleichſam ein Staat
im Staate war, wollte ſie eben durch die Erziehung
das Mangelhafte des Staates ergänzen. Der Staat
in ſeiner Unzulänglichkeit für die erwachten höhern Be-
dürfniſſe war für die Kirchengemeinde gewiſſermaßen
nicht vorhanden, und die Kirche war der Staat. Je
mehr“ aber nach und nach dex Staat unter dem Ein-
ftuſſe der immer allgemeiner herrſchenden Kirche mit
ſeiner Religion ſich in feinem Weſen vereinbarte, deſto
mehr nahm er von der Kirche in ſich auf und veränderte
fich die Stellung der lebtern zu ihm. Hauptſächlich in
Hinſicht der Erziehung, welche für den vollſtändig aus-
gebildeten Staat ein weſentlicher Beoftandtheil iſt, Dit
Erſt in dem Jenſeit, wenn Alles
I03
Kirche iſt nun ein den übrigen Mitteln coordinirtes
Bildungsmittel im Staate. Die erſte Sorge für die
Erziehung aber muß vom Staate, ſeinem Zwe>e und
Weſen nach, ausgehen. Ihm kommt daher auch die
Oberaufſicht über das geſammte Erziehungsweſen zu,
und nicht der Kir aber nicht Bildung und Erziehung beaufſichtigen. =-
Kirchengeſang. Gewiß iſt dieſer eines der wirke
ſamſten Mittel zur geiſtigen Erbauung, ſomit zur Bil-
dung und Erziehung. Nicht umſonſt führte ſchon David
ſeine herrlichen Pſalmen zu der öffentlichen Gottesver»
ehrung ein. Der Apoſtel Paulus ermahnt die Chriſten
ſeiner Zeit, ſich gegenſeitig durch geiſtliche Lieder zu be-
lehren und zu erbauen. Auch der Kirchenvater Augu-
ſtinus bekennt in der Geſchichte ſeiner Bekehrung, daß
er von dem Geſange der land tief gerührt worden, daß mit den feierlichen Tönen,
die ſein Ohr vernommen, die göottlihe Wahrheit in
ſein Herz eingedrungen, es zur Andacht entflammt, und
. er fich unter herabfließenden Thränen ſelig gefühlt habe,
Im Mittelalter verlor der Kirc daß er durchaus lateiniſch, mithin den Laien unverſtänd-
lich war. Daher erwarb ſich Luther ein großes Vere-
dienſt durch die Einführung des deutſchen Kirchenge
fangs, welcher ſeine höchſte Vollkommenheit in der
deutſch-proteſtantiſchen Kirche hat.
Vergl. Rambac, über Luther's Verdienſt um den deutſchen
Kirc Kirchengeſchichte [. Religions8geſchihte.
Kirchenväter, lateiniſch patres ecclesiae, wers
deu diejenigen Lehrer und Schriftſteller der alten Kirhe |
genannt, welche nach den Apoſjieln vom 2.--6. Jahr»
hundert lebten, im weiteren Sinne aber auch alie bis
zu den Scholaſtikern , welche mit dem 12. Jahrhundert
anfangen. ZJIhr Studium ſollten ſich die Pädagogen
eben ſo gut, vielleicht noch mehr wie die Theologen ans
gelegen ſein laſſen , weil ihre Schriften hauptſächlich
auf Erklarung und practiſche Anwendung der ehen Lehren, auf deren Vertheidigung und eindringliche
Darſtellung abzwe>en. Sie waren es, welche die
griechiſche und romiſche Wiſſenſchaft in das Chriſten
thum einführten und eine ausgezeichnete rhetoriſche
Bildung zu ihrem Berufe mitbrachten. Sie theilen
ſich in griechiſche und lateiniſche. Die berühmteſten
unter den griechiſchen ſind: Clemens von Alexandrien,
welcher zuerſt über das Chriſtenthum philoſophirtez
Origenes, ausgezeichnet als Apologet, Exeget und
Homiletz Euſebius, welcher die erſte Geſchichte der
B“ldung des Lehrbegriffs entf Chryſoſtomus, der ausgezeichnetſte Kanzelredner dex
alten Kirche. Die merkwürdigſten lateiniſchen Kirchen
väker ſind: Tertullian, einer der originellſten, Augue-
ſtin, ein Mann von eigenthümlichem Geiſte, Ambro-
ſius , als Kanzelredner ausgezeichnet , und Hieronymus,
ein gelehrter Exeget, zugleich aber auch Beförderer des
Aberglaubens. >
Rösler, Bibliothek der Kirchenväter. 10 Bände. |
1296 1 h < nde. Leipzig,
Kirchlicher Sinn, kir Kind wird in der liche Religion gebildet. Der Geiſtliche empfängt es
alſo für die Unterweiſung und Fortbildung in der kirchs
lichen Lehre aus den Händen der Eltern, Da nun
. ' 15

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