Krummacher.
Erhaltung und Ausbildung des Verlaſſenen zu ſorgen,
wurde er veranlaßt zur Erforſchung der einfachſten Mitz
tel und Wege, im Kinde durc Uebungen die ſchlummernde Kraft zu ween. Hierbei
entſtand und entwielte ſich in ihm die Jdee eines ele-
mentariſchen Lehrganges für das Sprechen und Leſen,
ſowie für das Zeichnen und Schreiben und für die Ber
handlung des Rechnens und der Sprachlehre. Am
Ende des Jahres 1795 ging er als Hauslehrer in die
Oberlauſit nac Meffersdorf, einem volkreichen Nitter-
gutsdorfe des damäls als Gelehrter und Phyſiker eben ſo
ſehr als durch ſeine Humanität bekannten von Gersdorf.
Hier gab er in ſeinen Nebenſtunden einer Anzahl Kin»
der unentgeltlichen Unterricht in den nothwendigſten Eles-
“ mentarkenntniſſen und Fertigkeiten, wodurc< er Gele-
- genheit erhielt zu weiterer Ausbildung und Anwendung
ſeines Lehrganges auf ganze Claſſen von Schülern.
Hieraus entſtand ſein „Erſtes Lehr» und Leſebuch“
(Dresden, 4802. 2. Aufl., Leipzig, 4807.). Mit
Gedike, der zum Director der neuen Bürgerſchule beru-
fen war, ging K. 1803 als erſter Lehrer dieſer Anſtalt
nach Leipzig, wo er, troß mancher Hinderniſſe und Cin-
reden, beſonders von Seiten des Profeſſors Olivier,
'der ſeine damals Aufſehen erregende Lautmethode in die
Anſtalt eingeführt zu ſehen wünſchte, ſeine Clementar-
methode in allen Unterclaſſen in Gang brachte. Die
-K. ſche Leſelehrart, an ſich betrachtet allerdings ſcharfſinnig
ausgedacht und durchgeführt, geht davon aus, daß man
die Bedingungen angibt, unter welchen ein Laut entſteht,
und ſodann das Kind dahin führt, durc dieſer Bedingungen den Laut hervorzubringen, ohne
daß es vorher denſelben gehört hat. Auf den Mecha-
nismus der Sprache wird daher tiefer eingegangen, aber
eben dadur<, ſo wie durch die von den Stellungen und
Bewegungen der Sprachwerkzeuge hergenommenen oft
ſonderbar klingenden Namen der Laute und die ganze
- künſtliche Ausführung, entfernt ſich dieſe Leſeart ſo ſchr
von dem Natürlichen, Cinfachen und e ſchen, daß man ſich nicht wundern darf, warum ſie in
Leipzig, Zittau und Dresden ſo wenig freundlich auf»
genommen, von vielen Lehrern und Pädagogen be:
kämpft und aus den wenigen Sculen, die ihr geöff:
net waren, durc verdrängt wurde. In Leipzig ſchrieb K. beſonders fol»
gende, ſeine. Lehrart darſtellende Schriften: „Hochdeut-
ſches Syllabir= und Sprachbuch“ (Leipzig, 1806.).
Nach einer pädagogiſchen Reiſe in das ſüdliche Deutſch»
land und in die Schweiz, unter andern zu Peſtalozzi
und Fellenberg , folgte er 4809 einem Rufe nach Zit:
'tau, um daſelbſt eine allgemeine Stadtſchule als Direc:
kor derſelben einzurichten. Schon nach 3 Jahren zeigte
dieſe Anſtalt ein erfreuliches Gedeihen und von Jahr
zu Jahr gereiftere Früchte. Hier ſchrieb K. ſein „evan:
'geliſches Lehrbucß der 'Offenbarungsgeſchichte' (Zittau , 1817) und gab „Dr.
Luther*s KatechisSmus mit erläuternden Anmerkungen“
(Zittau, 4817. 2. verb. Aufl. 4830.) heraus, Mit
großen Hoffnungen nahm er 4818 den viel verſprechen»
den Ruf nac NRegierungsjubelfeier des Königs vom Städtrathe unter
dem Namen Friedrich - Auguſtſchule geſtiftete 'höhere
Bürgerſchule für Knaben einzurichten und zu leiten.
Die Anſtalt ruhte aber auf unſicherm Grunde, da nach
dem Plane und den Vorausſebungen des Stadtraths, mit
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denen K. erſt ein Jahr nach ſeinex Berufung bekannt
wurde, das hohe Schulgeld nicht nur zur De>ung der
laufenden Ausgäben für Lehrerbeſoldungen und*andere
Schulbedürfniſſe, ſondern auch zur Rüzahlung der er-
borgten Einrichtungskoſten und zur Anſammlung eines
Schulfonds für künftige Erbauung eines Schulhauſes
dienen ſollte. Da bei der Unordnung im Schulweſen
Dresdens und den Gegenwirkungen einer übergroßen
Anzahl von Privatſchulen die Vorausſezungen nicht in
Erfüllung gingen, der Stadtrath auch aus ſtädtiſchen
Kaſſen die zur Erhaltung der Friedrich » Auguſtſchule
nöthigen Mittel nicht bewilligen wollte, ſo wurde 1826
der Beſchluß zu Aufhebung dieſer Anſtalt gefaßt. Bei
den Verhandlungen des Stadtraths mit K. über die
beſchloſſene Auflöſung war dieſem mehr an dem Fortbe:
ſtehen der Schule und einer beſſern Schuleinrichtung
im Dresden, als an ſeiner eigenen Exiſtenz gelegen.
Daher nahm er, von Vielen ermuntert, ſeine Schule nicht
ſinken zu laſſen, und auf die Erſtreitung des ihm gebühr
renden Amtsgehaltes verzichtend, den ihm vom Stadt»
rathe gemachten Vorſchlag an, die Scule als eins
öffentliche, jedoch auf eigene Rechnung, bei einem jähr»
lichen Zuſchuſſe, mit Wegfall des bisherigen Gehalts
und Scullocals fortzuſezen. Bei der unzulänglichen
thätigen Theilnahme und den von allen Seiten ſich häus-
fenden Hinderniſſen konnte K., obgleich zweimal vom
Könige unterſtüßt, nur mit Aufopferung ſeines Ver»
mögens. und unter Anhäufung einer bedeutenden Schul-
denlaſt, das Beſtehen der Anſtalt 43. Jahr friſten. Zu
Michaelis 4831 ſah er beim Mangel aller Hilfe und
weiteren Unterſtüßung fich endlich mit den Seinigen
der äußerſten Noth ausgeſebt und dadurc dieſe dur< ihn bis dahin gefriſtete öffentliche Bildungs»
anſtalt, das Denkmal Friedric) Auguſt's, den Keim
zu den in der Hauptſtadt Sachſens ſo nothwendigen
Verbeſſerungen des Volksſchulweſens , der vom Stadt»
rathe beſchloſſenen Vernichtung zu überlaſſen und ſich
mit einer Penſion zu begnügen. In Dresden ſchrieb
K. , außer mehren Programmen, folgende Bücher:
„Kleiner Leſeſchüler, oder hochdeutſches Syllabir- und
Sprachbuch“ (Leipzig, 1822); „Hoc ſchüler“ (Leipzig, 1825)z „Der Denkſchüler, oder An:
regungen für Kopf und Herz (Leipzig, 1825)3; und
als Werk der Wohlthätigkeit: „Leben des blinden Za-
K, ſtarb im April 1843. ---
Krummacher (Friedrich Adolph). Geboren
am 13. Juli 1768 zu Telenburg in Weſtphalen.
Nachdem er eine Zeitlang an der Hochſchule zu Duis-
burg als Profeſſor der Theologie thätig geweſen war,
entſchied er ſich, ſeinem Herzensdrange folgend, für den
„Beruf des practiſchen Seelſorgers und übernahm 1807
"die Stelle eines ref, Predigers zu Crefeld , die er jedoch
noch in demſelben Jahr gegen eine Landpfarrei zu Kett:
wich in Weſtphalen vertauſchte. Später folgte er dem
" Rufe zu einem erweiterten Wirkungskreiſe nach Bern»
burg, wo er als Conſiſtorialrath., Superintendent und
Oberprediger bis 1824 mit Segen wirkte. Seit dies
ſem Jahre lebt er als Prediger an der Ansgariikirche zu
Bremen. Das Bibelſtudium und die Lectüre der Diche
' fer alter und neuerer Zeit gaben ſeinem Geiſte eine vor»
herrſchende edle poetiſche Richtung. Von frühe auf
' gewohnt, dem Geheimniſſe der EntwiFelung des Men-
' ſchengeiſtes durch alle Lebensftufen nachzuſpüren, mit
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