„Kunſtſmn. =“ Kurzſichtigkeit.
Kunſtſinn f. äſthetiſche Gefühle.
Kunſtgriffe des Schullehrers. In einer
zahlreichen Schule, wo die ſämmtlichen Kinder ſtets in
zweEmäßiger Thätigkeit erhalten werden ſollen, und es
dem Lehrer oft ſchwer fällt, für einen alle Kinder er»
greifenden und in ununterbrochener Thätigkeit fortfüh-
renden Unterricht die Zeit zu gewinnen, muß der Lehrer
ſtc Ganze der Schule in Ordnung zu erhalten und einen
allgemein wirkſamen Unterricht ohne unnöthigen Zeito
verluſt möglich zu machen. Zu dieſen Kunſtgriffen ges
hören: 4) das einſylbige, ſelbſt nur in ſichtbaren Zei»
hen ausgedrüte Commando, ſowohl im Unterrichte
ſelbſt, als in der Schulordnung; 2) das Chorſprechen
und Chorleſenz 3) das Fragen und Aufgeben außer
der Ordnung, in welcher die Kinder ſißenz 4) die ſtum»
men Zeichen der Kinder, z. B. dur< Handaufhebung,
wodurch ſie zeigen, daß ſie eine Antwort auf die vorge»
legte Frage geben zu können glauben u. ſ. w.3 5) das
Bilden der Fragen und Aufgaben durch die Kinder
ſeibſt und endlich 6) aufregende und ermunternde Bei-
ſäte zu den Fragen. Wendet der Lehrer 'dieſe Mittel
zwe>mäßig an, ſo wird er finden, daß ſie zur Erleich»
kerung ſeines Geſchäftes viel beizutragen im Stande
ind.
n Kunſtſchulen. Die Frage über die Errichtung
ſdimer und das Weſen derſelben gehört in das Gebiet
der Staatserziehungswiſſenſchaft. Dieſe Schulen bil»
den einen Theil der öffentlichen Erziehung, welche
im Gegenſaße gegen die häusliche oder Privaterziehung,
der Inbegriff iſt aller der Anſtalten im Staate, welche
unter der Oberaufſicht der oberſten Erziehungsbehörde
iim Staate ſtehen, und von derſelben in Hinſicht auf
Organiſation, Umfang, Lehrerperſonale, Lehrplan und
Methode abhängen, Hierher gehören nun aud die
Kunſtſchulen, da die Künſte mit zu den wichtigſten
Bildungsmitteln einer Nation gehören, und von keinem
Staate, in deſſen Kräften es nur irgend ſteht, unbe»
rückſichtigt in Beziehung auf die öffentliche Erziehung
gelaſſen werden ſollten. Die ſchönen Künſte nun um»
ſchließen allerdings ein zu weites, und ein in ſich ſelbſt
zu verſchiedenes Gebiet, als daß in einem Staate eine
vollſtändige Academie der ſchönen Künſte, nach allen
ihren Unterabtheilungen, ſo leicht errichtet werden dürfte.
Die erſten und vorzüglichſten Künſte, Poeſie und Rhe»
torik, werden beinahe durchgehends dem Genie ihrer
Verehrer und Pfleger überlaſſen. Und dennoch wie viel
könnte beſonders in Hinſicht auf Beredkſamkeit ge:
leiſtet werden, wenn irgend ein Inſtititt exiſtirte, wo
dieſe für das Sprechen und Schreiben im bitrgerlichen-
Leben ſo unentbehrliche Kunſt in höherem Umfange ze-
lehrt und geübt würde. "Mehr. iſt im Staake für die
im Leben brauchbaren Künſte geſchehen. Es gibt
Inſtitute für die bildenden , für. die techniſchen Künſte.
Gewöhnlich finden “ſie ſich üur in Reſidenzenz theils
weil in der Nähe der Höfe die Künſte felbſt (in ökono:
miſcher Hinſicht) am Beſten gedeihen, theils weil hier
zu ihrer Vervollkommnung, beſonders durch Gallerieen,
Theater, Capellen u. ſ. w. am meiſten geſchieht, Es
wäre daher wahl zwe&mäßig, wenn alle diefe äſtheti-
ſchen Inſtitüke,: dk Kunſtſchulen, unter Einer
Auffſicht und Leitung ſtänden und, in verſthiedenen
Sectionen, Ein
0 zuſammenhängendes Ganze
ausmadten, |
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KunſtſtüEXe, pädagogiſche. Dies ſind die
jenigen pädagogiſchen Sünden, wovon man die Kinder
möglichſt früh und möglichſt ſchnell blos zu dem Zweks
Unterrichtet oder vielmehr abrichtet, daß ſie damit vor
den Leuten, wie mit bewundernswürdigen Kunſtſtü>en,
paradiren, wobei nicht auf wahre Bildung Rü>ſicht
genommen, zugleich aber die Characterbildung ſehr ges
fährdet wird. Dahin gehört Folgendes:
Das Kind muß frühzeitig eine fremde Sprache zum
Nachtheile der Mutterſprache redenz dann wird eine
alte Sprache gelehrt, wobei alle Zeit und aller Eifer
aufgeboten wird, um die Grammatik und das ganze
Lernen überhaupt blos methodiſch zu betreiben,
Der MOjährige Knabe muß da ſchon einen ſchweren
Autor üÜberſeßen, auch regelrichtig lateiniſch ſchreiben
und ſprechen können; ebenſo in andern Disciplinen,
ſo daß mit 412 Jahren der Knabe der Quantität der
Kenntniſſe nach zur Univerſität reif iftz ferner: wenn
das Kind zu Seiltänzer - und Kunſtbereiter-Geſchi>lich-
Teiten mißbraucht wird; wenn man das Kind im Spre-
der Converſation der Erwachſenen gelten , dem kindli»-
das Kind in Religiott nur mit Worten unterrichtet,
Man kann es mittelſt einer blos abrichtenden Katechis»
ſirkunſt unglaublich weit bringen. Man hat 8- bis
10jährige Kinder gehört, welche von der Allmacht, Hel:
ligkeit, von Recht und-Pflicht u. f. w. die Begriffe ange:
ben, auflöſen, erklären kommken, daß man Alles für
Entwielung der Vernunft hält. Daß es aber nur
Worte um Worte ohne ſelbſtſtändige Gedanken find,
würde man ſehr bald bei genauerer Prüfung entde>en.
Aber welches Unheil wird durch ſolhe Lüge in das
kindliche Gemüth gepflanzt, wenn es bei allem ſeinen
Red» umd Antwortgeben über die Gotthä&t und die
Rechtfchaffenheit Gott weder vor Augen noch im Hero
zen bat und nur feiner Eitelkeit im Mißbrauche der
heiligen Worte dient! +
Kurzſichtigkeit. Die Weitſichtigkeit beruht
auf der Kraft des Auges, die nur durch die Uebung
gewe>t werden kann. Der Menſch kommt nicht eigent-
lich weitſichtig zur Welt; ſeine Sehkraft erſtre>t ſich
anfangs nur auf den enggezogenen Kreis der nächſten
Umgebungen. Wahrſcheinlich würde daher ein Menſch
nie in ſeinem Leben weit um ſich her zu ſchen im
Stande ſein, wenn er ſich beſtändig innerhalb der vier
Wände “ſeiner Wohnung aufhalten müßte und ſeiner
Sehkraft kein größeres, weiteres Gebiet geöffnet würde.
Dadurch erſt erweitert ſich ſein Geſichtskreis und im
Freion wird- ſein -Auge geſtärkt und lernt die Sehkraft,
den fernen Gegenſtänden ſich zu aſſimiliren.
Bei unſerer gewöhnlichen Erziehung fängt daher das
Gobrechen dex Kurzſichtigkeit insbefondere: dann an,
wenn dem Kinde Arbeiten vorgelegt werden, bei denen
es die Augen lange .an nahe Gegenſtände zu gewöhnen
veranlaßt wird, wie beim Leſen, Schreiben, Nähen,
Sticken u. f. w. Hierzu kommt, daß auch dann noc<
die Arbeit dem Auge immer näher gerü>t wird, als
es eigentlich nöthig wäre. Ferner trägt zur Atsbils'
dung der Kurzſichtigkeit bei, wenn die Gegenſtände nur
matt beleuchtet ſind, wie zur Zeit der Morgen- und
Abenddämmerung, oder wenn die Formen und Jarben
zu ſcharf und blendend ſind. Um Kurzſichtigkeit, welche
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