Laune und Launenhaftigkeit, = Lavater,
tere, welche nur bei ſpeciellen Anregungen ſich hinge»
ben und mittheilen können.
Nach allem Geſagten kann übrigens Launenhafs-
tigkeit nichts Anderes ſein, als diejenige. Beſtimmt-
heit der Seele, nach welcher dieſe dei geringen Anläſſen,
ohne rechten Grund, zuweilen in Folge nichtiger Ein-
bildungen, Launen hat. Laune iſt zunächſt. 'nur die
einzelne Erregung, Launenhaftigkeit die Dispofition, der
Zuſtand; aber freilich gebraucht man int. täglichen Lez
ben Laune und Launenhaftigkeit als gleich bedeutend.
Genau genommen iſt alſo auch zwiſchen launiſch und
[launenhaft zu ſcheiden. . -
Sehr verwandt mit der Laune iſt die Grille.
Auch dieſe iſt eine Gemüthserregung ohne gehörige
Gründe. Beide aber kann man ſo diſtinguiren, daß
etſtere mehr auf Gefühle, lektere mehr auf Gedanken
geht. Dies zeigt ſich ſchon in der äußern Erſcheinung.
Der von einer Laune in Anſpruch Genommene offen-
bart das in ihm Vorgehende auch äußerlich, wäre es
auch nur eine Miene, (Adelung erklärt von Laune, es
bezeichne zunächſt die Geſichtsbildung , und davon ins-
beſondere den zufälligen, veränderlichen, in Mienen
und Geberden beſtehenden Zuſtand des Geſichts und
hiervon erſt einen dur< dieſen Ausdru> im Geſichte
ſich darſtellenden Gemüthszuſtand)z; der Griklenfänger
dagegen hält das, was ihn beſchäftigt, in ſich zurü>. ==
Die gelehrten Grillen ſind eine deſonders häufige
Species. "Cs iſt eine Grille; wenn Jemand glaubt,
es gehöre zum. Weſen eines Gelehrten, daß er Mitglied
gelehrter Geſellſchaften feiz eine Grille, wenn ein Sthul-
mann der Methode des wechſelſeitigen Unterrichts einen
ausſchließlichen Werth beilegt;. es war. eine Grille,
wenn ein ſonſt verdienſtvoller +rordſſcher“ Alterthurns2
forſcher Skändinavien für dasjerige 'Land hielt; ws
das Paradies ſich befunden hahe und von wo aus die
Bölker über die Erde ſich verbreſtet, == Dun
- „Mit Eigenſinn kann Laune gar nicht verwechſelt
werden. Freilich geſchieht es oft. Eigenſinn ijt immer
Reackion gegen unwillkommene Einwirkungen und geht
aus einer. -auf Shwädzeanlagen 'begründeten Mißſjims
mung hervor; Laune iſt. ein Beſtimmtewerden durch
Einwirkungen. : May vergl, . den „Axt. Eigenſinn,
Zwiſchen dem Grämlichen, Mürriſchen und Laux
niſchen unterſcheidet Eberhard (Verſuch einer al!ge-
meinen dentſchen Spiionymik. Bd, YU S. 170 der Auss
gabe von Maaß) xxefflich alfo? „Der -Grämſiche
klagt und jammert; dex Mürxiſch e--tadelt und ſchilt
beſtändig, -. der Launiſc Grund und Veranlaſſung: bald pergnügt, bald grüm«-
lich und mürrifch;-balß anzgarter und zufrieden. Man
nennt dje Kinder gxämnlich, - wenn ſie durch einen kla-
genden Ton, - zwiſchen; Weinen und Wimmern, wie
4. B,.- beim Zahnen, zu erkennen geben, daß ihnen. etwas
fehle; „im hohen 'Altex-. ſtad : aber manche Menſchen
ohne Urſach. grämlich und müpriſch, und daher riſirt; Horaz „den. Alten. als „grämlich (querulus) und
mürriſch; „nit :den gegenwärtigen Zeiten. unzufrieden
(laudator 4emporis. atti 38 Pue9)% Kinder hingegau
tonnen wohl. grämlich, : aber. aicht. :mürriſch--ſeinz
denn. ſie können lagen, “ aber nicht;tadeln. Verzogene
Kinder und... weichliche .Weiber ſind launiſch. Ste
laſſen ſich immer von ihrey Empfindungen beherrſchen,
uns do wie dieſs wechſeln, ſo „ſind fie bald unter dex


445
Herrſchaft der Luſt bald der Unluſt, und alfo dald,
grämlich, bald munter und zufrieden.“ . a. -
Bei der Behandlung der in Kindern hervop«
tretenden Launeuhaftigkeit reichen Mittel, wie ſie Ludes
wig (Die Shuldisciplin, Eisleben, 1840. S. 196)
angibt, nicht aus. Das Hauptmittel gegen dieſen bes
fonders. bei Mädchen bemerklichen Fehler ſei immex,
daß man den Launen des. Kindes nie nachgebe, Das
mit aber drängt man.die; Kaune nur in die Seele zus
rü, entfernt ſie aber nicht; vielmehr bricht ſie, wo dex
unnachgiebigg, Leiter nicht dg iſt, mit doppelter Stärke
hervor. - Das ung guf has Ungnſtändige, Lächerlicht
und Nachtheilige feines: Benehmens aufmerkſam zu
machen, iſt allerdings. ein ſehr leichtes, aber auch ein
ſehr häufig ganz unwixkſames Mittel. Crmahnungen
wirken überhaupt nur dann, weny- in. der Seele des
Ändern gewiſſe intellectyzlle und mqraliſche-Gebilde vor»
handen ſind , welche durch eine yon Außen kommende
Ermahazung zum Bewußtſein gebracht oder verſtärkt,
die ihnen die Waage haltenden Neigungen .u. ſ. w. über-
wiegen. Nun aber find in Kindern die intellectuellen und
morgliſchen Gebilde in der Regel alle noch ſehr ſchwach,
und iſt ihre Seele einmal durc; widerwärtige Cinwir-
kungen zur Launenhaftigkeit verzogen, dann iſt kaum
irgend ein Gebilde von der Art, daß es durch eine von
Außen hinzutretende Verſtärkung kräftig geuug. werden
könnte» um die Launs' :: verdrängez odex-ihr doch das
Gleichgewicht zu halten. Au :Srmahnungen können
nur einzelne Launen beſchranken. -und zurückdrängen,
nicht den Fehler; ſelbſt entfernen, PPirkſamer möchte
das nächſtdem in Vorſchlag Gebrachte ſein; es müſſt
das Kind gezwungen :werden, zu thun, was es aus
ſaunenhaftigkeit unterlaſſen hatte. --- Einen durchgrei«
fenden und nachhaltigen Erfolg darf man aber dann
exſt erwarten, wenn die geſammten Erziehungseinwir-
kungen fo beſchaffen ſind, daß. die ganze Seele allmäha
lig.iun eine ſtetige Richtung hineingelenkt wirdz die Laue
nen verlieren ſich damit von ſelbſt.
Die Anweiſungen Ludewigs ſind allerdings zunächſt
für die Schule berechnet. Aber in Bezug auf dieſe
darf bemerkt werden: 1) Die Launen der Kinder wer-
den dem Lehrer entweder gar nicht oder doch nur ſo be«
merkbar; daß er mit Entſchiedenheit nicht wohl eingrei-
fen kann; die Launen arbeiten oft ganz unbemerkt, ſie
färmen nicht vor dem Katheder, ſondern ſpielen unter
den Bänkenz 2) diejenigen Launen, welche der Lehrer
wirklich wahrnimmt, mögen nun Einzelne, welche darun«
ter leiven, ſich beklagen, ader mag er ſelbſt mit ſcharfem
Auge ;den Feind erſpähen, kann er nur ſelten auf ihre
Felle zurückführen, :und er muß ſich viemehr darauf
beſchygnken, -ayszuglzichen; zu vermitteln; 3) richtet ſich
die Layne gegen. der. Lehrer ſelbſt, ſo ſtraft ſie dies
ſer am. Beſten durch Nichtbeachtung, da laut geäußerte
Empfindlichkeit ſie verſtärktz 4) manche Laune wird
ſchon :in dent beweglichen und alle Kinderſeelen in ein
täglich erneutes Spiel der Kräfte hineinziehenden Schuls
leben entfernt, wie: überhaupt die Schule viele böſe
Seiſer aufſtört und banat, ohne daß Jamand 25 fieht
und. in Rechnung bringt, einzig dadurd<, daß fie alle
Kinder in eine immer neue Bewegung verſekt, die vers
ſchiedenſten Individualitäten ſich ſtoßen läßt und an gw
genſeitiges Sich-accommodiren gewöhn. PZ Kl,
Lavater (Joh. Kaspar). Wer mit ſolchem
pſyhologiſchen Sinne denkt und wielt, wie Lavater,
| !

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.