eines Lehrenden- dazu, in Augenblicke: oder auch vorbe-
rettet, ſo zu denken und fo zu ſprechen , daß der Hörer
ſirh angeregt fühlt, daß er zum Nachdenken erwekt
Und mif neuen wichtigen Gedanken , Einſichten und
Kenntniſſen bereichert oder doch in ſeinem Wiſſen er-
weitert werde. Der Schullehrex hat daher eine ſchwere
Aufgabe, daß er mündlich und frei vor ſeinen Schü-
lern Vorträge halten, Mittheilungen machen ,. That:
ſachen angeben, Erſcheinungen erkiäten u. dergl. mehr
mit ſeinev Lehrgade vorbringen und darſtellen ſo!l. In
Seminarien. möchte daher der künftige Volksf auch beſonders im freien Vortrage zu üben ſein.
Freilich wenn das Lehren ein bloßes Eingießen
oder Ueberleiten der Kenntniſſe wäre, ſo daß der Leb-
rende nur geben und der. Lernende blos empfangen
dürfte; ſo brauchte man zu dieſem größtenthells mecha-
niſchen Geſchäfte nur einen tüchtigen „„Nürnberger
Trichter“. Allein zu geſchweigen, daß nicht einmal
* ganz gemeine. empiriſche Erkenntniſſe auf ſolche Art
mitgetheilt werden können, fo würde dies noch viel we-
niger bei höhern wiſſenſchaftlichen und am wenigſten
bei philoſophiſchen Erkenntniſſen möglich ſein. Hier
iſt alſo jene Lehrgabe ganz vorzüglich nsthig, um eitt
wirklicher Lehrkünſtler oder Lehrmeiſter zu werden.
Aus demſelben Grunde wird aber au dem beſten Leh-
rer ſein Geſchäft nicht gelingen, wenn: die Lehrlinge
träge oder wenig begabt ſind. Schullehrer! Wie ihr
für euch ſelbſt und um der geiſtigtt Wirkung eurer
Scüler willen die ſchwere Lehrkunſt immer mehr zu
üben und zu vervollkommnen habt; ſo arbeitet auch bei
euern Zöglingen dahin, daß die Mittheilungsgabe aus
ihnen entwirkelt und fortwährend geübt werde. Viele
derſelben bekleiden ja künftig entweder ſchon im Dörf-
lein oder im Städtchen ein Amt, wo ſie an Ändere
Mittheilungen zu machen oder ihnen über etwas Vor-
trag zu halten haben, Andere ſolle einſt zum Landtage
gehen und in kräftiger mündlicher Rede die Angelegen-
heiten ihres Landes und Volkes beſprechen. --
- Lehrgegenſtände der Volksſchule. (Un-
terrichtsfä wurde bis in die lebte Hälfte des vorigen Jahrhunderts
nur der Katechismus, Leſen und (wegen der Theil-
nahme der Schüler am Gottesdienſte) etwas Singen
gelehrt. Das Schreiben,- oft auch das Rechnen, .war
Sache des Privatunterrichts und. bäldete ſomit einen
"Nebenverdienſt der kärglich :beſsdeten Lehrer. Zu den
ſeltenen Ausnahmen gehörte 68, wönü in den öffentli-
" 'gemeinnübige Kenntniſſe. gelehrt. wurden. Vor vielen
zeichnete ſich darin die Oberlauſibor Schulordnung
(vom 27. April 4770) aus: denn-diefelbe zählt niht -
tir das Schreiben unter die - ordentlichen - Lehrgegen-
ſt&tcde der Vokksſchule, ſondern fie fzreibt auch Unter-
"ticht in der Kirehen- und Bälkexgeſchic kehre, im Gebrauche des: Kälendeks., ij) der Kenntniß
der dentſchen und römiſchen Zahſen, fo wie der Münz-,
'Maaß- nnd Gewichtsforten vor.
Leine beſondern Lehrſtunden für den Gofangunterricht
feſt und ſcheint das mechaniſche Einlernon der gewöhn»
Uchſten Ehor&ke dur die Gebetsvodnung der Schule
* "veräusztifeen 3 auch der Rechentwutorricht ſollte nur
* ſokchen Kindern ertheilt werden, die ſich beſtändig in
* der Schtile aufhielten und dazu Neigung und Luſt hat-
Emndenten mn en emer es mern nam mr
Dagegen ſekt ſie
ſchauung bringen.
Lehrgabe. =» Lehrgegenſtände ter Volksſchule,
ten. ==“ Um dieſelbe Zeit, zu welcher jene Schulordn
publicirt wurde, fing v. Rochow an, der Schule zu
Rekahn eine Sorgfalt zu widmen, welche die herrlich»
ſten Früchte trug und auch für andere Dorfſchulen nicht
erfolglos blieb, Allmählig führte man neben dem -Ree-
ligionsunterrichte und dem Leſen, auch Schreiben und
Rechnen und zuleßt die gemeinnüßigen Kenntniſſe iu
immer größerer Ausdehnung ein, ſo daß endlich auch
die Schulgeſebgebungen dem mahnendeu Rufe des Zeits«
geiſtes ſich fügen und den Kreis der bisherigen Lehrgee
genſtände erweitern mußten. In Preußen wurds
nun (z. B. durch eine Verordnung der Regierung zu
Breslau vom Jahre 1824) Sdreiben und Rechnen
zu den allgemeinen Lehrgegenſtänden gezählt, zu
welchen der Lehrer jedes Kind anleiten müſſe. Faſt
alle neuere Schulgeſebgebungen (z. B. Verordnung zum
könig!. ſächſ. Volksſchulgeſeße 8. 29) wollen als Lehr
gegenſtände der Volksſchule anerkannt wiſſen: Reli-«
gion, Leſen, Schreiben, Rechnen, deutſche
Sprache, Geſang und gemeinnüzige Kennt-
niſſe. =- Ja, man ging noch weiterz man nahm un:
ter die Gegenſtände des Unterrichts nor auf: das
Zeichnen (Schulgeſes f. Baſel-Land 5. 59), die Ele«
mente der Geometrie (Baden'ſches Schuledict 6. 1f.)
und des Fekdmeſſens (Sculgeſes f. Canton Waadt
v. IJ. 1834), gymnaſtiſche Uebungen (ſo in Däne-
mark und Griechenland) z. man empfahl dringend den
Unterricht in der Landwirthſc Gartenbau, beſonders Obſtibaumzucht, Seidenbau,
Bienenzucht , man verlangte für Mädchen Untaricht
in weiblichen Handarbeiten. Man erweiterte den
Umfang der fogenannten Realien immer mehr: man
begnügte ſich nicht mit vaterländiſcher Geographie und
Geſchichte, man forderte auch Kenntniß der Pflichten
und Rechte des Bürgers, der Verfaſſung und vorzüge«
lichſten Geſeke des Landesz3 überdies Belehrungen über
allgemeine Geographie, Weltgeſchichte, Naturkunde und
Technologie. Dabei ſollte die Kenntniß der gebräuch«
lichſten Arten von Münzen, Maaß und Gewicht, fo
wie der Zeiteintheilung nicht vernachläſſigt, auch die
Geſundheitslehre nicht übergangen werden. Man gab
ſpecielle Vorſchriften über den Lehrſtoff, der aufgenom:
men werden ſolle: hier weiſt eine Schulzeſesgebung auf
den Werth der Schukpo>enimpfung und auf Be:
lehrungen über Verhütung der Feuersbrünſte hinz dort
ſollen die Rettungsmittel in allen Arten von Scheintod
und nächſt den Giftpflanzen auch, Futter- und Arzvei:
kräuter den Kindern bekannt werden. Kurz, man kam
- von einem Extreme allmählig auf's andere: die alte
Volksſchule gab zu Wenig, in der neuen bietet man
zu Viel! ens
Das mußte Widerſpruch hervorrufen; er wurde
von vielen Seiten laut. Hören wir nur eine Stimme
ſtatt Vieler!
Cl. Harms (Paſtoraltheologie, 3. Buch. Kiel,
1837. S. 102 ff.) ſagt: „„Wenn ſo vielerlei getrieben
wird, das kann nicht anders als nachtheilig für die
Hauptſache gerathen. I< muß es nur zu Ihrer An»
Irgendwo iſt in einer Elaſſe einer
Scule während eines- Winters gelehrt worden: 4) Re-
ligion, 2) bibliſche Geſchihte, 3) Verſtändniß ber
Sonntagsevangelien, 4) Leſen, 5) Schönſchreiben, 6)
Theorie des Rechnens, 7) Tafelrechnen, 8) Kopfrech--
nen, 9) deutſche Sprache, 10) ſchriftliche Auffäße,

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