veijkungen. = Lenz.
Welt, die nur ein Beneke entde>ken konnte. Eben ſo
wichtig und lehrreich iſt das 2. Cap. dieſes dritten
Haupttheils: die Entwielung des Denkens von ihrer
ſubjectiven Seite =-- das man in keiner ſonſtigen Logik
findet.
Gleich ho wir Beneke's Syſtem der Metaphyſik und
Religionsphiloſophie, aus den natürlichen
Grundverhältniſſen des menſchlichen Geiſtes
abgeleitet. Berlin. Dümmler, 1840. Die ſchwie-
rigſten metaphyſiſchen Probleme ſind hier mit einer
Klarheit , Schärfe und Gründlichkeit behandelt, daß es
nie gelingen wird, tiefer und überzeugender Über das
Meſen der Dinge, über Gott und Unſterblichkeit zu
philoſophiren. Studirten dieſe und die vorige Schrift
die Hegelianer und Schellingianer, ſo würden ſie ihrer
Träumereien über die Einerleiheit des Vorſtellens und
Seins, der Welt und Gottes, des Zurükehrens der
menſchlichen Seele in das All der Dinge u. ſ. w. ſich -
ſchämen lernen. Die Beweiſe für das Daſein Gottes
ſind hier auf eine ganz neue, viel tiefer dringende Weiſe
behandelt, die Fortdauer der menſchlichen Seele ganz
neu geſtüßt, das Verhältniß von Vorſtellen und Sein,
und was damit zuſammenhängt, gegen die Cinwendun-
gen Kant?s und Fichte's, Berkelcy's, Hume's u. Anderer
ins wahre Licht geſtellt, über Subſtanz und Accidenz,
über Raum, Zeit, Cauſalverhältniß der Dinge, über
das Verhältniß von Seele und Leib u. ſ. w. die berr-
lichſten Aufſchlüſſe gegeben =- auf einer unumſtöß-
lichen Grundlage gegeben. Dieſe Grundlage iſt
nämlich nicht ein allgemeiner abſtracter Saß =- ein ſo»
genanntes Princip (Beneke hat überzeugend darge»
than, wie verkehrt und unmöglich es ſei, das Syſtem
einer Wiſſenſchaft, oder wohl gar das ganze menſchliche
Wiſſen, wie die Schellingianer, Hegelianer, Fichtia-
ner und ſo viele andere Aner wollen, auf Einen Saß
zu bauen), ſondern die Natur der Dinge, vor allem
die Natur der menſchlichen Seele, die ja, wie der Trä»
ger, ſo auch der Erzeuger alles Wiſſens iſt, auch da,
wo das Aeußere- ſich in ihr mehr paſſiv abſpiegelt, wie
in den Naturwiſſenſchaften, der Aſtronomie, Geogra:-
- phie u. w. (man vgl. Einerleiheit und Beſonde-
res in der Real-Encycl., auch Erkennen, durch- Ct»
was u, ſ. w.).
Kurz, die Hauptdifferenz zwiſchen Beneke und den
zeitherigen philoſophiſchen Forſchern beſieht darin, daß
dieſe von der ſogenannten Vernunft ausgehn, alſo von
Etwas, was doch mit der Seelenentwicelung erſt wird,
nicht ein Fertiges, ein Quell iſt, der die Erkenntniſſe
hervorſprudelte, ſo' daß man ſie nur zu ſchöpfen brauchte,
während dagegen Beneke die Natur der Dinge ſelbſt zur
Baſis nimmt, ſie, die ewig ſich gleich bleibt in ihren
Geſeßen, ſo ſehr auch ihre Entwielungen wechſeln,
kommen und gehen mögen. 'Wer mit der Vernunft
zur Wahrheit gelangen will, mißt das Wirkliche mit
einem Maaßſtabe, der ſich unter ſeinen Händen verän-
dert, ausgedehnter, umfänglicher, nur nach und nach
beſtimmter und richtiger wird, und ein ſo veränderlicher
Maaßſtab könnte die Natur der Dinge unverfälſcht
ausmeſſen , ihre Verhältniſſe und ihr Sein zuverläſſig
feſtſtellen? Wir wenigſtens halten es mit Beneke, der
Anweiſung gibt, wie man die Thätigkeiten des Geiſtes,
die zum Erkennen führen, ungeſtört und normal
walten laſſen, die Einwirkungen der Dinge frei und
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naturgeſeßlich in ſich aufnehmen und Alles entfernen
ſolle und könne, was die pſychiſche EntwiFelung trüben
und aus dem Gleichgewicht werfen möchte, und die
Wahrheit und Vernunft bauen ſich inimer ſchöner in
die Seele hinein.
Daß endlich die Erziehungs- und Unterrichtslehre von
Beneke, nach ſolchen Forſchungen entworfen, ein
eigenthümliches Werk ſein und neue Bildungsregeln in
Menge aufzuſtellen haben werde, leuchtet von ſelbſt
ein. Seitdem die Pſychologie dur< Beneke Nature
wiſſenſchaft geworden, kommen wir auc in der Ers
ziehungslehre nicht mehr mit aprioriſtiſchen Annahmen
und fromm klingenden Regeln fortz die Natur will.
überall nach ihren eigenen Geſekßen behandelt ſein, +
Man ſ. den Art. Beneke. --r.
Lenz (Harald Otmar). Dieſer auf dem Felde -
der Naturwiſſenſchaft rühmlich bekannte Pädagog ward
zu Schnepfenthal im Jahre 4799 geboren. Er blieb
bis zu ſeinem 14. Jahre daſelbſt in der Erziehungsans
ſtalt ſeines Großvaters Salzmann, der noch heute im
dankbaren Andenken der Nachwelt ſteht. Dann wurde
ihm das Gymnaſium zu Weimar, an dem ſein Vater
Direckor war, als weitere Bildungsjtätte angewieſen.
Er vollbrachte ſeine academiſchen Studien zu Göt-
tingen und Leipzig, und widmete ſich) beſonders der Phi-
lologie und Naturwiſſenſchaft. Im Jahre 1820 bec
gab er fic) nac) Berlin, und nachdem er ip Thorn und
Marienwerder als Lehrer angeſtellt geweſen war, folgte
er dem freundlichen Rufe als Lehrer an die Erziehungs-
anſtalt zu Schnepfenthal. Hier lebt und wirkt er ſeite
dem in edler und nüklicher Thätigkeitz er hat aber
auch ſeinen Fleiß und Ruhm als Schriftſteller bewährt.
Er gab heraus:
a) Gemeinnüßige Naturgeſ phirten Abbildungen. 1.--4. Bd. 2. ſehr verm. Aufl. 1842.
(6 Rthlr. 20 Ngr.).
b) Die nüßlichen und ſ<ädlihen Schwämme,
nebſt einem Anhange üb. d. isländ. Flechte. Mit 77 illum.
Ablild. u. einer Anſicht von Schnepſenthal. Gotha, Be&>er
1832. (3 Rthlr. 10 Nar.). ? "a, Zeder,
Beide Werke baben bei den Sachkennern eine
ruhmvolle Anerfennung gefunden; ſie ſind eben ſo ans
ziehend als lehrreich. H. Lenz weiß, worauf es ans
kommt, um das Intereſſe der Jugend für die Natur:
kunde zu wecken und zu feſſeln. Die Inſeecten ſind ſehr
ausführlich behandelt. Der Verfaſſer folgt dem Cuvier:
ſchen Syſteme.
Lenz hat ſich beſonders mit Beobachtung der deuts
ſchen Schlangen, zumal der Kreuzotter, beſchafigt, und
da deren Naturgeſchichte bis jekt noch ſehr iim Dunkeln
lag, Gelegenheit gefunden, manches Neue zu erforſchen.
So fand er, daß unſre deutſchen Schlangen ſich in
der Regel jährlich fünf Mal häuten, daß ſie im Wine '
ter bei einer Temperatur, wo das Waſſer gefriert,
ebenfalls erfrieren und ſterbenz daß die Verſchiedenheis
ten, welche man in der Färbung der Kreuzotter gefun
den und als Merkmale verſchiedener Arten betrachtet
hat, regelmäßige Abänderungen dvs Alters und Ger
ſchlechtes ſind. Ueber die Wirkungen des Giftes- der
Kreuzotter hat er viele Verſuche angeſtellt, und das
Chlor, innerlich gegeben , als ein treffliches Gegenmite
tel erprobt, zugleich auch Frzeigt, daß dieſer Stoff, der
für andere Thiere und Menſchen unſchädlich iſt, auf
die Otter ſelbſt tödlich wirkt. Viel Neues bieten ſeine

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