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Beobachtungenüber das Verhältniß der fleiſchfreſſenden
Thiere zu den Schlangen dar. Er fand nämlich, daß
der Igel , Dachs, Iltis, der Buſſard, Thurmfalk und
andere die giftige Kreuzotter bekämpfen und verzehren,
wobei ſie den Kopf derſelben zuerſt zerreißen und freſſen,
wohl wiſſend , daß er der Silk des Giftes iſt. Da-
gegen fand er, daß der Fuchs , die Eule , der Sperber,
Stofalk, die Kornweihe und andere ſich nicht an
Schlangen wagen, zum Theil auch große Furcht vor
der Kreuzotter zeigen. Jgel , Dachs und Iltis leiden,
nach ſeinen Beobachtungen, ſelbſt von vielen Otterbiſſen
nicht , wogegen das kleine Wieſel , Thurmfalk, Storch
VU. ſ. w. mehr oder weniger davon erkranken. Seine
Beobachtungen über Schlangen hat Lenz hauptſächlich
durch ſeine „Sc gemacht. 7.
Leſebücher, Die Zahl der Leſebücher für Shu-
ken iſt -- Legion! Jede Buchhändlermeſſe bringt neue
auf den Markt. Viele der ältern haben ſchon eine
Menge Auflagen erlebt und werden immer noch gekauft,
ohne darum werthvoller zu ſein, als die neuern. Site
haben nur das Recht der Erſtgeburt für ſim. Ueber-
baupt ſind die Urtheile über den Werth jener Scul-
bücher ſo verſchieden , als die Anſprüche, welche man
an dieſelben mac vorhandenen Leſebüchern geradezu der Stab gebrochen.
Hören wir, was Harms über dieſelben ſagt:
„Es iſt. doch) eine wahre Noth, daß wir kein
einziges gutes haben. Die griechiſchen Knaben
mußten die Dichter auswendig lernenz in Kreta war
aller Lehrſtoff metriſch gemacht. Was ich tadle an den
ſächfiſchen , holſteiniſchen , Hempel'ſchen und an dem in
einer halben Million Exemplaren und darüber verbrei-
teten Wilmſenſchen Kinderfreunde? =“- Dies unter
Mehrerem, daß ſie alle ſo platt, um es auch platt
zu ſagen, wie Gänſefüße ſind. Der Ausdru> kommt
mit aus den Kinderfreunden ſelbſt, in welchen ſo oft
von Gänſen und Hühnern und überhaupt von dem
Hausvieh die Rede iſt. Das Allererſte, was mir auf
meiner Dorfſchulviſitation ein Kind aus einem ſolchen
Buche vorla8, war: Von den Schafen = haben wir
die --- Wolle. Dergleichen iſt unter der Schulwürde,
unter der Kinderwürde, unter der Menſchenwürde,
darf in der Schule nicht geleſen werden, auch zur Leſe:
übung nimt. Miſchmaſch, Wiſchwaſc<, läppiſch,
täppiſch , alle mit einander und ſich gleich wie ein Ei
dem andern. Von den beiden Kinderfreunden, die ſich
QHriſtliche nennen, iſt der eine, der ältere, für Kinder
zu ſich nur als Buchhändlerſchild. =“-“ Oftmals bin ich
Willens geweſen, jeden Kinderfreund, der ein Freund
der Kinder ſo wenig iſt, aus der Schule zu verbannen,
Und zu erklären: wir wollen hinfort kein Buch in
ber Schule brauchen, als die Fibel, den kleinen und
großen (?) Katechigsmus, Geſangbuch und Bibel, ja
dieſe , die Bibel, als Leſeübungsbuch, als was ſie im
Grunde doch ja auch gebraucht wird.“
Dr. GL. Harms Paſtoraltheclogie. Th. 3, (2ts Aufl. Kiel,
1837) S. 119.*)
Iſt dieſes Urtheil nicht zu paradox? und welche
«) Dr. Larmshat, wie wſr hören, mm auch ein Leſebuch
. für Diete und TLandſchulen geſchrieben, das nächſtens erſc eU.
Leſebücher.
dv.
Anſprüche darf man überhaupt an ein Schulleſebuch
machen? --- Stellen wir die Antwort auf lektere Frage
feſt, ſo werden wir im Stande ſein, uns über die
bereits vorhandenen und noch künftig erſcheinenden
Leſebücher ein ſicheres Urtheil zu bilden. Die Fordos
rungen, die man an dergleichen Bücher zu machen pflegt,
betreffen theils deren Inhalt, theils deren Form.
A. Inhalt.
Hinſichtlich des Inhaltes fordert man von den Leſs«
büchern gar mancherlei.
1) Einige ſagen: Das Leſebu ſoll ein Leſe-
buch ſein, =-- nicht ein Leitfaden für den Unterricht in
der Geographie, Geſchichte u. ſ. w. (S. L, Kell-
nern der A. S.-Z. 1840. S. 1679.) Damit for-
dert man alſo, das Leſebuch müſſe ſo eingerichtet ſein,
daß dadurch zunächſt und ausſchließlich das Leſen
gefördert werde. Die Leſeſtüke müſſen, vom Leichtern
zum Schwerern fortſchreitend, ſo beſchaffen ſein, daß
an ihnen die Leſeregeln practiſch gezeigt werdenz ſie
müſſen naM dem Stufengange des Leſeunterrichts
geeignet ſein, zuerſt das mechaniſche, dann das gramm
tiſche, endlich das melodiſche Leſen zu üben.
Für die unterſte Srufe des Leſeunterrichts --- alſo
für das blos mechaniſche Leſen =-- iſt dieſe Forderung
durchaus begrändet. Für jedes erſte Leſebuch iſt Leſen»
lernen der Hauptzwe> und ſeine ganze Anordnung
muß dieſem Zwe&e entſprechen. Nad erlangter mecha»
niſcher Leſefertigkeit tritt jener Hauptzwe> zurü>: denn
das rhythmiſche und euphoniſche Leſen läßt ſich auch an
Abſchnitten üben, die nicht gerade für den Leſezwe>
geſchrieben ſind. Der gewandte Lehrer wird dieſe Ab»
ſchnitte eben ſowohl aus ſeinem Leſebuche , als nöthi-
genfalls aus dem Geſangbuche ſo zu wählen wiſſen, daß
dadurch die Kinder im melodiſchen Leſen gefördert werden.
Leſebücher , welche vorzugs8weiſe dem Leſezwee die:
nen , ſind alle ſogenannten ABC- Bücher und Fibeln.
(Val. Bd. 1. S. 1 ff.) |
Für Leſen in ſachgemäßer Anordnung nah den Leſe»
regeln:
Dieſterweg, Sculleſeburß in ſachgemäßer Anordnung
U. ſ. w., 5. Aufl. Crefeld 14838. (Der 2. Th. --- 1840 ==
iſt nach der Verwandtſc S Leſetones in Volksſchulen. 12. Aufl. Gießen 1842. 32 Sgr.
Z. Wagner, Lehr- und Leſebuch für die mittkern Claſſen
der Clementarſchulen u. ſ. w. Aachen 1841.
2) „Andre verbinden damit die Forderung, daß das
Leſebuch zugleich auch ein Sprachbuch ſein müſſe.
„Das Leſebuch (ſagt Kellner a. a. O.) iſt des Unteps
richtes wezen da: es ſoll Stoffe zum eupboniſchen
Leſen bieten, das äſthetiſche Sprachgefühl und den Ge»
ſchma> für's Schöne ausbiiden und in lebenvollen,
wahrhaften Werth habenden Erzählungen, Parabeln 7c.
das Herz ergreifen.“ =- Diefe Forderung iſt alſo eine
doppelte: das Leſebuch hat theils einen grammatiſchen,
theils einen äſthetiſchen Zwe.
Leſebücher, welche faſt ausſchließlih den erſten
- Zwe verfolgen, ſind:
Dr. W. Lange, erſtes Spre Leſe- und Unterrichtöbuch für die deutſche Elementarfchule.
Magdeburg 1832.*)
Dieſterweg, Lefe- und Sprachbuch für mittlere Schul
9) Ein empfehlenswerthes Bud - das nur den Fehler hat, aud em
Zeſchuch ſein 4. we De Di bie Dee „Belkeſcutberein hof
Unlängſt einen Preis ausgeſe r dis beſts Bearbe eine j
teſebu.hs für Volksſchuleke-“ en vd

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