Mechaniſcher Unterricht. => Melanchthon.
9b und-in wie-weit der beim gegänſeitigen Unter»
richte eingeführte Mechanismus ſiatthaft ſei. Im
pen reinen Lankaſterſch ulen; wo ganzt-Maſſer von
Sechülern zugleich zu beſchäftigen ſind. and der Unter:
richt auf das Nothdürftigſte vbeſchräukt werden muß, iſt
Mechanismus unvermeidlich: -auch Khige- Kinder, „FP
Lehrgehilfen gernacht , können über das, was ſie [ wußitfein- bilden, und da auch der Lehrer, unter Hun-
derte geſtellt, ſpeciell wenig oder gar nicht eingreifen
kann, ſo muß am Ende Alles mechaniſch betrieben
werden und die geiſtigen Operationen erfolgen eber. ſv
mechaniſch, wie die auf Commando eintretendez äußeren
Bewegungen. Anders bei der in C'Xexnförde (ſ. d. Art.)
verſuchten Methode; dieſe beſchränkt die Mitwirkung
der kleinen Gehilfen auf: die -Wiederholung umd Cin-
übung des vorher vom Lehrer ſelbſt Dur und daß hierdurch: im Wanzen viel erzielt werden kann,
dürfte kaum einem gegründeten Ztoeifet unterliegen, da
fa ſelbſt in den Lankaſterſchwen bei den Fertigkeiten mit
Hilfe der Unterlehrex überraſchendsg Reſultate erzielt wop-
den find. Sehr beachtenswerth iſt hierbei was Be-
nette (Erziehungs> und Unterrichtölehre U.S. 346 f.
der 2. Aufl.) fagt? „Ich weiß aus den unmittelbarſten
und beſien Quellen, daß bei aller Höhe, zu welcher ſich
das pteuß. Schulweſen hoben hat, und ungeachtet
ger 4obenswerthen Anſtrengungen der pädagogiſchen
und der- übrigen Behörden, ſelbſt hier ix: Berlin
Nicht wenige Kinder;-weiche 4 oder 8 Jahre die Schule
befuchen , doch nicht einmal fertig keſen und ſchreiben
ternen. Wenn das am grünen Holze geſchieht, was-kön-
nen wir von dem dürren vorausſehen?! Und iſt es
alſo weiſe, in einer eitlen Selbſtzufriedenheit mit ſeiner
Höhe, eine Methode zurü&zuſtoßen, welche uns wenig-
ſtens für dieſe mechaniſchen Unterrichtsgegenſtände einen
beſfern Erfolg fichert3 Wenigſtens in dieſem Me-
Angen leuchtet, ſpäter mannigfach die Brü&e zu
Geiſtigem werden kann) wird, bei nur einigernraßen
Wemaßiger Anwendung , über die Fortſchritte jedes
Schülers die genaueſte Controle möglich, und vin ſolches
Zurübkleiben, wie bei der gewöhnlichen Cinrichtung, un-
möglich gemacht:'““ Außerdem ſpricht ſehr zu Gunſten
der genannten Methode, was B. weiter hinzufügt: daß
jeder Schüler in jedem Augenblike genau nach dem
Standpuncte ſeines individuellen Fortſchrittes und Bez
dürfniſſes beſchäftigt wird; da können nicht wohl LüEen
bleiben, da muß mit der Freude am ſtetigen Vorwärts-
gehen auch die Luſt zu größerer Thätigkeit und das Ver-
langen nach reicherem Erwerbe wachſen, während bei
dem hergebrachten Verfahren gar Manche entmuthigt
und abgeſtumpft werden. Was aber die kleinen Gehil:
fen anlangt, ſo beſtätiget ſich bei ihnen recht das. gol-
dene Wort: docendo discimus; ſie müſſen natürlich
des Gelernten nicht blos vollkommen ſicher, ſondern
es muß ihnen dieſes allmählich auch innerlich, kebendig
werden, zugleich ein ſteter Gegenſtand der Freude, ein
ſteter Antrieb zu ausgedehnterer Thätigkeitz für ſie iſt
das. mechaniſche Thun eine unſchäbbare geiſtige Gym»
naſtik, und wie erſprießlich ihre Beſchäftigung auch für
ihre gemüthliche Bildung werden könne, iſt leicht ein-
zuſchen. Was endlich den Lehrer betrifft, ſo iſt doch
klar , daß ihm in dieſer Weiſe die zu häufige Wiederho»
lung des Mechaniſchen erſpart und er nun. zu: deſto
2533
frffäoeeem „Anfaſſen und. Durcharbeiten des Höheren
“ ;
en Stand geſebt wird, obwohl auch nicht verkannt
werden kann, daß der Lehrer in anderer Beziehung nicht
ohne große Anſtrengung und Gewandthelt ſeine Aufs
gabe zu löſen vermag. =- Bei den mehr innerlichen
Be fanden kam der ' Tehrer «uch dur) die tüchs
tigſten und willigſten Gehilfen nicht erſeßt werden;
Kindern iſt eine Beherrſchung dieſer Stoffe nicht zuzu«
trauen, deren nicht alle Lehrer ſic) rühmen können, und
Hier wäre- ein verderbliches Herabziehen und Veräußere
lichen unvermeidlich. Cs darf ja ſelbſt bei den Fertige
keiten nicht vergeſſen werden, daß die kieinen Gehilfen
Über das Mechaniſche wenig oder gar nicht hinauszu-
kommen vermögen; ſie können daher z. B. beim Leſe-
unterrichte nur da- beigezogen werden, wo es ſich um die
mechaniſche Aſſociation handelt, während beim logiſchen
und äſthetiſchen Leſen, wo der Lehrer ein klares Bee
wußtſein des - Inhalts haben und in dem Lernenden
erzeugen ſoll, ihre Theilnahme nur verbildend wirken
möchte. „-.. .
Mechaniſch im höheren Style könnten wir eine Une-
terrichtsweiſe nennen, welche bei allem Dringen attf des
wußte Auffaſſung und Aneignung, ein ſicheres Forts
ſchreiten nur durch ſtrengſtes Feſthalten. gewiſſer Nors«
men, mit möglichſtem Äusſchließen freier Bewegung,
erreichen zu können vermeint. In dieſem Sinne lehrt
derjenige mechaniſch, welcher ein Jahr wie das andere
an den von ſeinem Leitfaden ihm vorgezeichneten Gang
knechtiſch ſich bindetz mechaniſcher Unterricht iſt es,
wenn der Lehrer , mit ängſtlichem Blie auf die Regeln
der Katechetik, jede Bemerkung des Schülers, welche
dieſen durchaus nicht zu entſprechen ſcheint, zurükweiſ'tz
ebenſo huldigt einem todten Mechanismus derjenige,
welcher, in unffilliger Vorliebe für eine einzelne Me»
thode, jeden Unterrichtsjtoff in die durch diefe vorge
ſchriebene Form zu zwängen ſucht. So iſt es gekoms
wen, daß ſelbſt Peſtalozzianer, deren Meiſter doch allem
Mechanismus ſo kräftig den Krieg erklärt, z. B. mit
ihren geometriſchen Conſtructionen in einen ziemlich
bedenklichen Mechanismus verfallen ſind. |
m Kämmel,
Melanchthon (Philipp), als Präceptor
Deutſchlands. Schon dieſe, nicht unbekannte, Bec
nennung, wird den Leſern der Real:Encycl.. anzeigen,
was ſie hier von dem treuen und ausgezeichneten Ger
hilfen bei dem Werke der Reformation, zunächſt lefen
werden. Wir wollen nämlich zuerſt die Hauptmoe
mente aus dem äußeren Leben des großen Mans»
nes- mittheilen . beſonders ſofern ſte ſelbſt ein pädagogis
ſches Intereſſe haben, dann in kurzen Andeutungen ſei-
ner unſterblichen. Verdienſte als Lehrer in mögliche
ſter Kürze gedenken. |
Philipp Melan Schwarzerd, lebte in Bretten, einem Städt der Unterpfalz, war ein ſehr tüchtiger Rüſtmeiſter und
Waffenſchmidt, dabei ein bis zur Aengſtlichkeit gottes:
fürchtiger, zuverläſſiger und pünctlicher Mann in Allem,
was er that und verſprach. Er erzog ſeine Kinder ernſt
und fromm, in großer Eintra Barbara Reuter. Er ſtarb, eben in Männheim mit
Ablieferung von neuen Waffen beſchäftigt, in den bec
ſten Jahren. Sein Sohn Philipp (geb. im Jahr
1497), dem er einſt geſagt hatte, „er habe Vieles und
Geroßes in der Welt exlebt, aber Größeres werde kom»
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