. Praetor. - -
ununterbrochener, aber geräuſchloſer Thätigkeit ihr
Logewerk: treiben und nicht eher raſten und ruhn, bis
die Nacht einbricht, da Niemand mehr wirken kann.
Dresden am 12. Decbr. 1777 geboren, hatte er in
früher Jugend das Glück, erzogen zu werden von Eltern,
welche in den wichtigſten Angelegenheiten der Erziehung
gleich dachten und, nach ihrem ſchwachen Vermögen,
nichts ſparten, ihm einen nach damaliger Zeit guten
Unterricht geben zu laſſen. Sein Vater war eine Reihe
von Jahren hindurch Feldwebel der ſächſiſchen Armee
und bildete, in ſchöner Uebereinſtimmung mit ſeiner
Gattin, das Herz dieſes ihres einzigen Kindes frühzeitig
zur Gottesfurcht und Frömmigkeit. Dies rühmt der
Werewigte ansdrülich in dem ſtüFweiſe vorhandenen
Album ſeines Lebens. Was aber Gutes und Göttli-
gewöhnlich wie ein Samenkorn des Himmels fort und
fort und bringt reiche Frucht ſür das Leben. So war
es dei dem Manne unſers Andenkens. Der fromme,
gottesfürchtige Sinn ſtand wie ein Denkmal aus der
Ahnenzeit in ſeinem Herzen und war durchaus in ſei-
nem Leben und Wirken erkennbar.
Dreizehn Jahre alt hatte P. das beſondere Mißge-
ſc verlieren. Der Beruf hatte Demſelben bald da, bald
dort eine veränderte Wohnung angewieſen. Die Mut-
ter zog nun mit ihrem Sohne nach ihrer Vaterſtadt,
Görlit, in der damals ſächſ. Oberlauſib. Da ihr Sohn
weder Leibeskräfte noch Neigung hatte, ein bürgerliches
Handwerk oder eine Kunſt zu erlernen, ſo ward er
dem dortigen Gymnaſium in Unterricht gegeben, ob-
ſchon der armen Mutter die Mittel zum Studiren fehl:
ten. Doch eben dieſer Mangel rief den Sohn wieder
von der Gelehrtenfchule ab und in die Werkſtätte eines
Buchbinders. Kaum hatte der Jüngling eine 14:ägige
Probe beſtanden, ſs zwang ihn körperliche Schwäche,
die ſelbſt Lebenslang Über ſein Augenlicht verbreitet war
und ihn zum wirklichen Myops machte, wieder in die
vorige Schulanſtalt zurückzutreten, wozu ihm ein da-
maliger Lehrer derſelben Rathgeber wurde. Hier dlieb
er, freilich von mancher Seite her bedrängt Und oft in
eine trübe Stimmung verſeßt, unter immer regem Um-
gange mic den Wiſſenſchaften und einigen guten Freun-
den bis zum Jahre 1799.
Jekßt begab er ſich auf die Hochſchule zu Leipzig.
Hier ſuchte er, ob auch oft res angusta domi bei ihm
war, doch ſeinen Hunger und Durſt nach Weigsheit zu
ſtillen, Er richtete ſein Studium auf Theologie und
Pyilologie zugleich und arbeitere viel daheim im ſtillen
Kämmerlein 3 aber auch die Hörſäle der damals geach:
tetſten Lehrer blieben von ihm nicht unbeſucht, und er
ging ſehr prüfend bei der Wahl derſelben zu Werke.
Davon berichtet ſein axademiſches Vademecum. P.
fühlte bäld die Schwierigkeiten eines doppelten Stu.
diums und bildete ſich mchr zum Philologen, zumal er
Prediger zu werden nie viel Luſt hattr.
- Nach glülich vollbrachtem academtſchen Leben
übernahm ex eine Hauslehrerſtelle in einem adeligen
Hauſe (des Hauptmann v. Tettenborn) zu Großradiſch
in der Oberlauſit. =“- Im Jahre 1807. erhielt er eine
Anſtellung als Collaborator am Gymnaſium in Görlitz.
Hier war viel Schweiß der Arbeit, ader wenig Brot zu
(inten; daber er in die traurige Nothwendigkeit verſeßt
war, nedenbei ſich durch Privatſtunden fortzuhelfen,
Prahlerel. ALS
„am als ehrlicher Mann nicht in Schulden zu gera-
then,“ wie er ſelbſt ſchreibt und um ſeine alternde Mut-
ter unterſtüßen zu können. Sold" ein bittres Loos
-- a ten Schulmännern deſchieden1
P. fühlte ſich in dieſer arbeit» und kummervollen
Lage ſehr gedrü>t und machte eine Menge unangenceh-
mer Erfahrungen, ſo daß er ſich zuleßr genöthigt ſah,
ſeinen dfentlichen Wirkungskreis zu verlaſſen und wie-
der als Lehrer in den engen Kreis eines Hauſes (der
Fr. v. Steinbach) in der Stadt Lauban zu treten.
Doh „plöblich -- ſchreibt er ſelbſt =- ſchenkte mir die
göttliche Vorſehung, welche mich ſchon ſo viele Spuren
ihrer Liede hatte finden laſſen, einen Strahl der Hoff-
nung.“ Er erhielt vom Löbauer Stadtrathe die Ein-
ladung zu einer Conrectorat8sprode, und bald darauf das
Conrectorat ſelbſt an dem Lyceum, im Jahre 1810.
Dieſes Amt legte ihm ſo manche ſchwere Laſt auf, deun
die Anſtalt lag als Gelehrtenſchule im Argen.
Nad einiger Zeit ward dieſelbe in eine a!"gemeine
Stadt- oder Bürgerſchule umgeſchaffen und P. als er-
ſtar Hauptlehrer an derſelben angeſtellt. In ſol Berufe wirkte er bis zu ſciner ehrenvollen Emeritirung
im Jahre 1840. Von dieſer Zeit an nahm er Budiſ-
ſin zu ſeinem Aufenthalte und kbte hier im Schatten
des Hauſes für die Welt. Obſchon Jabkrclang von
einem empfindlichen Körperleiden heimgeſucht, murr:e
und klagte er doch wenig oder nicht, ſondern blicb rut iz
und gelaſſen. Er war viel mit Liſen und Forſ>en b,.:
ſchäftigt, machte fliißig Collec*caneen und mekrte von
Zeit zu Zeit ſeine verfleiner :e Bibliothek mit Scrrif.cnz
auch) machte es ihm Freude, für Bedrängte und Urme
der Ferne und Nähe milde Gaben zu ſammeln. Er
ſelbſt hatte ſich durch ein der Mäßgiugkeit und Sparſam:
keit gewidmetes Leben ein nicht unbedceutendes Vern.dö-
gen geſammelt, und er hat den gtößten Theil deſſeibe:1
in beſonderen Legaten hinterlaſien. .
Außerdem daß er als Mitglied der Oberlauſiker
Geſellſchaft der Wiſſenſchaf en dem neuen Lauſist. Ma-
gazin (S, 1. Bds. 3. Hft. 1822) einen „Beitrag
zur Geſchichte des Schulweſens in Löbau“ ge-
liefert hat, ſind auc in dec Alig, Schulzeitung und
in der von Hergang rediugirten pädag. Real-Encycl.
einige gute Auffäße von ihm verfaßt erſchienen.
Nicht ahnend die Nahe ſeines Todes, welchen er
vielleicht gern noch fern geicken hatte, w.rd er von ihm
Überraſcht am 28. Aprit 1843. Ruhig und gottver=
trauend, wie er gelebt hatte, ſtarb er.
Prahlerei. Alte N.iungen wachſen nur dann
zu größerer Stärke an, wenn ſie befriedigt, und oft
befriedigte werden. Die Befriedigung kann abec ent=
weder eine von Außen kommende Reizerfü'ung, oder
eine gleichfals von Außen kommende Erregung einer
als innere Anlage ſchon vorlandenen Steigerung, odcr
eine rein innerlich bedingte Bewustſeinserregung, oder
eine zwar nicht hinſichtlich der einzelnen Reizungen,
aber hinſichtlich der Gruppirung und Aufeinanderfolge
äußerlicg bewirkte Steigerung, oder endlich nur eine
paſſive Begünſtigung der rein innerlichen Bewußtſeinger-
regung ſein. Beim erſten Falle denke man e:wa an
die Neigung zum Trunke, im zweiten an den Ehrgeiz,
beim dritten an den Stolz, deim vierten an. die Neigung
zu Glisſpielen; in der fünften Claſſe läßt ſicz das
Verhältniß beſonders durch eine genauere Würdigung

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