Preußens Schulweſe x. -- Princip der Pädagogik.
ürgerſchulveſen in bh. Provinz. Brandenburg in ſeiner Ent-
Birge 1 feinen drtſchritten, unter Benußung authenti-
ſcher Quellen dar Leipzig, 18840. (15 Nar.). Th.
Arendt d. Erzichungsöpolizei. Eine Zufammenfſtellung d.
in Preußen erlaſſenen Geſetze u, Verordnungen , d. Erzie-
hungsweſen betr. Viclefeld, 1842, Altgelt Samml. d.
eſebl. Beſtimmungen , d. Elenzentarſchulweſen im Bezirk d.
| Reg. zu Düſſekdorf betr. F. Harkort Bemerkt, üb. d.
pr. Vokksſchale u, ihre Lohrer. Iſerlohn, 1842. Zuſtände
d. Volksſhule u. ihrer Lehrer in Rheintaad u. Weſtphalen.
Iſerlohn, 1843. F. Otto üb. d. Behandl. d. öffentl. un-
terrichts. Bemerkungen , geſammelt im Regier.-B. Erfurt.
Mühlhauſen, 1843. W. G. v. d. Heyde Landes - u. Lo-
calverfaſſung in bd. k. pr. Staaten. 4. Thl. Magdeburg,
1843. (v. Hippel) Sendſchreiben ü5. einige Mängel d.
pr. Sculverwalt. au d. Nachfolger d. Staatsmin. Freih. v.
Stein. Bromberg, 18321. J. EC. Kröger Bericht d.
Hrn. M. V. Couſin üb. d. Zuſtand d. öffentl. Unterrichts in
einigen Ländern Deutſchlands 1. beſ. in Preuß. Altona, 1833.
(Die 2. Abth. umfaßt d. Elcmenkarſchulen u. Seminarien
im K. Pr.). v. Be&>xedorff Jahrb. d. pr. Volksſchulwe-
ſens. 1825--28, Dr. Grübnaud. höhere Volksſchulwe-
ſen in Preußen, vgl mit d. gewerbl, u. ſtaatsbürgerl. Anfor-
derungen unſerer Zeit. Danzig, 1842. A, Hinke üb d.
Entwikel. d. pr. Volksſ dric) Wühelms ih, Reiße, 1843. (13. u, 14. Heft des
ſchleſtf. Schulboten). LTL, vy. Römer u. H. Simon die
kir 1842. 3 Bde. „Das Unterrichtöweſen im pr. Staate ==
(aus d. pr. Staatszeitung von 1832) --- 1. A. S-3. 1838.
Nr. 178--183. K. H. Neumann üb.d. jekt eingerich-
tete Berbeſſer. d. Glementarſchulweſens in d. pr. Monarchie.
Potsdam , 1811, Ueber d. jetigen Standpunct d. Volks-
ſchukwſens, beſ. d. Scminare im pr. Staate. Leipzig, 1824.
3. M. E. Berger drutſches Wort üb. d. jcbigen Neuerun-
gen in d. pr. Landſchulen. Quedlinburg , 1818. F. Her z-
berg patriotiſche Wünſche u. Hoffnungen üb. Verbeſſerung
d. Bürger - n. Landſchulen in d. pr. Staaten. Beitlin,
1799. Z. S. Kaulfuß d. Erzieh f. d. Staat. Verſuch
eines Planes z. Eiaricht, d. Erziehungsweſens im pr. Staate.
Breslau, 1817.
K--ſ<.
Princip der Pädagogik. Da die Pädago-
gik den Anſpruch macht, cine Wiſſenſchaft zu ſein; ſo
liegt es ihr auch ob, ein Princip, einen oberſten Grund-
ſaß aufzuſtellen, der unbeſtritten das ganze Gedanken-
gebiet, welßges ihr Name umſpannt, beherrſcht und
ihre Cigenthümlichfeit: neben andern Wiſſenſchaften mit
aller Schärfe ausſpricht. Man kann allerdings ſagen:
die Padagogik iſt eine Erfahrungswiſſenſchaft, und es
iſt unmöglich, die unüberſehbare Fülle und Mannig-
faltigkeit der ihr vorliegenden Erſcheinungen ſo zu be-
wältigen, daß ein oberſter Grundſaß wirklich für das
in allen wiederkehrende Geſes könnte gehalten werden.
Auch ließe ſich bemerken, und man hat bemerkt: fär
die Praxis iſt die ganze Frage eine müſſige, und in
Hinſicht auf den Erfolg ift es vollkommen gleichgiltig,
ob die Pädagogen über einen höchſten Grundſaß einig
find, oder nicht. Jn dieſer Weife haben nicht blos
ſolche ſich geäußert, welche zunz Denken zu faul, ſondern
auch ſolche, denen es wahrer Ernſt um die Sache. Was
nun aber den erſteren Einwurf anlangt, ſo iſt .doch klar,
daß, wie groß auch: die Menge der zu umfaſſenden Er-
ſcheinungen, wie ausgedehnt auch der Kreis der zu ver:
arbeitenden Erfahrungen ſein mag, das darauf gerich:
tete Denken, wenn es conſequent vorwärts ſtrebt, nicht
ruhen, nicht aufhören kann, bis es nicht in jener
enge das allem Einzelnen Gemeinſame, in jenem
Kreiſe das Centrum gefunden hat. Denn das iſt Be-
bürfniß des Geiſtes in aller ſeiner Thätigkeit, Zuſam-
Menhang und. Einheit aufzufinden, damit ex jeder Ein-
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zelnheit ihren Plaß anweiſen und ikrer Bedeutung im
Ganzen ſich bewußt werden könne. Was ſodann die
Entbehrlichkeit eines oberſten Grundſaßes in der Pä-
dagogik betrifft, ſo fragen wir: iſt nicht die Praxis,
wenn ſie mehr ſein wiil, als eine elende Routine, eine
mit Bewußtſein deſſen, was ſie kann, ſoll und will,
energiſch waltende, und iſt ein ſolches Walten möglich,
obne ein klares* Bewußtſein über dasjenige, was ſie
Überhaupt, d.h. allgemeinhin, vermag und ſoll, und
kann man ein ſolches Bewußtſein haben, obne das Bes
wußtſein eines oberſten Grundſatßes, der darin ſchon,
wenn auch noch nicht entwielt, gegeben iſt2z Wenn
aber die Praxis Jar eine getreue Anwendung der Theo-
rie zu ſein ſich rühmt, -. was iſt das für eine Theorie,
deren Gedanken nicht zu einer Cinheit zuſammenlaufen,
dercn Geundfaße nicht in einem oberſten Grundſake
ſich abſchließen 2? ---
Allerdings hat die Praxis in vielen Fallen ohne ſoi-
erzielt, und umgekehrt hat Niemand im Beſitze der
durchgebildetſten Theorie die Bürgſchaft, daß er als Er-
zieher Großes oder «uch nur das MNothige leiſten werde;
dort hat oft ein glüklicher Tact den Mangel erſekt,
oder die Gunſt äußerer Umſtände bat berbeigeführt,
was dann der Praxis angerechnet worden iſt; hier ha-
ben die Anlagen gefehlt, welche der Theorie erſt ihre
Anwendung ſichern, oder widrige Verhältniſſe haben
ſich übermächtig in den Weg gedrängt. Was nun be-
ſonders den vielgeprieſenen glüklichen Tact anlangt, ſo
verweiſen wir auf das Bd. 1. S. 630 von uns Ge-
ſagte. Daß er die Theorie nicht entbehrlich mache,
beweiſen die vielfältigen Verſuche, eine ſolche aufzuſtel-
len, und daß eine ſolche wieder haltlos erſcheint ohne
Princip, die zahlreichen Bemühungen, ein allgemein-
giltiges zu gewinnen.
Die Betrachtung dieſer Bemühungen iſt jedenfalls
Ungemein lebrrei Braubach zum Führer, der in ſeiner „Fundamental:
lehre der Pädagogik“ (Gießen, 1841) die zu verſchiede:
ner Zeit aufgeſtellten höchſten Grundſäße der pädagogi-
ſchen Wiſſenſchaft einer ausführlichen und gründlichen
Kritik unterworfen hat. Dabei wollen wir jedoch das
eigene Urtheil nicht gefangen geben. Auf die Verhand-
lungen zwiſchen B. und Curtmann über das Princip
der Pädagogik können wir hier nur verweiſen.
Da die Pädagogik eine practiſche Wiſſenſchaft iſt,
ſo kann ihr höchſter Grundſaß nur einen höchſten Zwes
ausſprechen. Dieſer iſt nun aber auf ſehr verſchiedene
Weiſe beſtimmt worden. Ganz richtig iſt, was Brau-
bach über dieſe Verſchiedenheit bemerkt. „»Daß man in
der Erziehung verſchiedene Zwe>e als natürliche aufſiel-
len kann, geht aus der reichen Mannigfaltigkeit menſch-
licher Gefühle, Gedanken und Wollungen hervor. Hat
man doch ſelbſt. in der Wiſſenſchaft der Moral, ſo be:
ſtimmt und klar die Begriffe in ihrer UEprünglichen
Quelle auch vorliegen, die Glücſeligkeit zum Principe
hinſtellen können, unbekümmert um den innern Wider-
ſpruch, daß ein Handeln zum Zwee des Glülichwer-
dens zwar ein natürliches, unverwerfliches, aber darum
-. kein moraliſches iſt, und daß, da das Glü> nur im
Gefühl und Bewußtſein wohnt und lebt, bei einer
Handlung um Gtü> zu erlangen, das Gefühl und Be-
wuptſein einer moraliſchen Handlung unmöglich iſt.“ Es
läßt ſich übrigens nicht läugnen, daß die Lieblingswöre-

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