Prinzenerzlehung. =- Privatſtunden.
mal conſtikutionelle, möchten in der Regierung des Lan-
des nicht ſo viel Beſchäftigung finden, daß ihnen eine
erheiternde Nebenbeſchäftigung nicht zu gönnen, ſogar
zu wünſchen wäre. --
Wir verweiſen auf
Jean Paul's Levana. Braunſchweig , 1807. Th. 11. S.
152--222. (Brief an d. Prinzenhofmeiſter Hrn. Hefrath
Adelhard üb. Fürſtenerziehung) u. S. 121-+151 (Geh.
Inſtruction eines Fürſten an d. Oberhofmeiſterin ſeiner Toh-
ter). Niemeyer's Grundſäße d. Erzichung u.f. w. Halle,
1825. Th. M. S. 251--264. (Erziehung der höchſten
Stände od. d. Fürſtenkinder). de Vareilles Lettres
Sur Education des Princes. Paris , 1754. Chlers
Winke f. Prinzen u. Prinzenerzüicher. 2 Thle. Hamburg,
1786 f. Baſedow Agathokrator von d. Erziehung künft.
Regenten. Altona, 1771. Ueber d. frühe Sräiehung, beſ.
d. Fürſicn z. Menſchenlicbe. Deſſau, 1785. C.D.N.
Education d'un Prince. Durlach. 1788. (M. de Ca-
raccioli!. 1a vraie maniere d'elever les Priuces de-
tines a regner. Paris, 1788, Chambert Deme-
trius ou Xeducation d'un Prince. Paris , 1790. Jdeen
üb. Erziehung d. Fürſtenſöhne. Stuttgart, 1797. Engel
Fürſtenſpiegel. Berlin, 1798. Arndt Entwurf der Er-
ziehung und Unterweiſung eines Fürſten. Berlin, 1813.
Xenophon's Gyropädie, Fencelon's Les aventures de
Teiemaque u. Wieland's „goldener Spiegel od. d. Kö-
nige von Scheſchian“ gehören auch hierher.
In dem Zeitalter der Neformation unſrer Kirche
ſchried der berühmte Schullehrer Johannes Sturm in
Straßburg: do educatione principum.
Im Mittelalter ſc vais, der einzige pädagogiſche Schriftſteller jener Zeit,
ein Buch „über die Erziehung königlicher Kin-
der“ == in 51 Eapiteln, Es iſt der Königin Mar-
garetha von Frankreich zum Gebrauche bei der Erziehung
igrer Kinder zugeeignet. Schwarz in ſeiner Erzie:
bungslchre (Thl. 1. Abth. 2. S. 216) theilt aus Cop.
43 folgende Stelle mit? .
„Deine Tochter Pauline muß die weltlichen Lieder
niht lernen z ſie muß von ſchlüpfrigen Dingen nichts
erfahren 3; ihre Zunge lerne ſchon in der frühen Jugend
Pjalmen ſingen, und muthwillige Knaben müſſen fern
von ihr bleiben. Laß ihr von Buchsbaum oder Elfen-
hein Buchſtaben machen , laß ſie damit ſpielen, damit
aur Spiel Belehrung ſei; gib ihr beim Lernen Geſpie-
ten"! u. fw. Das 44. Cap. ſpricht gegen die Pußſucht.
- K
--[<.
- Privaterziehung [. öffentliche Schulen.
Privatſtunden. Die den öffentlichen Schul-
Unterricht begleitenden Privatſtunden ſind im dermali-
gen Erziehungsweſen von nicht geringer Bedeutung; ſie
verdienen die ernſte Aufmerkſamkeit Aller, welche es
mit dem Gedeihen der Jugend redlich meinen, Man
tut damit in den höhern Ständen des Guten unſtrei-
tig zu viel; man überlaſtet, man erdrü>t die Kinder,
Ia8 in unſern Tagen manchmal ſo laute Geſchrei über
die Anſpannung der zarten Kinderkräfte durch die Schule,
über die planloſe Ueberfüllung des Gedächtniſſes der
Kleinen durch ebendieſelbe, über „die höchſt einſeitige
Hinwirkung auf Verſtandesbildung, wie man ſie beim
öffentlichen Unterrichte bemerke, iſt in der That nicht
unbegründet; aber ſteigert nicht das Haus, deſſen An-
forderungen zum Theil die Schule erſt zu jenen Ver-
fehrtheiten hingedrängt haben, die angedeuteten Uebel-
ände hie und da noch um ein Bedeutendes? Wer
nicht in dieſe Verhältniſſe ſchärfere Blicke zu thun Ge:
legenheit gehabt hat , glaubt gar nicht, welcher pädago»
Mhen Sünden das Haus ſo häufig ſich ſchuldig macht.

433
Umgekehrt aber zwingt die Schule ihrerſeits wieder das
Haus, den ormen Kindern in beſondern Stunden durch
beſondere Lehrer nachhelfen zu laſſen. I1liacos intra
muros peccatur et extra. So kommt es, daß nament-
lich Knaben, welche in den höhern Claſſen der Bürger-
ſchulen und in den untern Claſſen der Gymnaſien wö»
ſten Tage auch noh eine oder zwei Cxtraſtunden aus-
halten müſſen und von dorther ſchon mit häuslichen
Arbeiten reichlich verſorgt, auch von dieſer Seite noch
füchtig beladen werden.
Die Privatſtunden kann man aber eintheilen in
Nachhilfeſtunden und in Ergänzungsſtunden,.
Zu den erſteren gibt die Schule Veranlaſſung. Eltern,
welche die von ihren Kindern für die Schule zu leſenden
Aufgaben nicht bloß obenhin beachten, ſind betroffen
über die Menge und Schwierigkeit derſelben. Sie
werden von den kleinen Geiſtern um Hilfe, um Rath
und Aufſchluß gebeten, und fühlen ſich dazu unfähig z;
Überdies wünſchen ſie ein ſchnelles Fortrücken ihrer
Kinder in den Claſſen, und je weniger vielleicht die
Leiſtungen derſelben und die von der Schule in ſtum::
men Zahlen gegebenen Urtheile mit den Vorſtellungen
zufammſtimmen, welche ſie von den Anlagen und Fä-
higkeiten ihrer Lieblinge haben, deſto mehr fühlen ſie ſich
gedrungen, nebenher noch dieſe Anlagen und Tähigkei:
tin in Bewegung ſeßen zu laſſen. Alſo Privatſtunden,
Nachhilfeſtunden. Dabei nehmen ſich die Eltern nur
ſelten die Mühe, ſich mit den öffentlichen Lebrern zu
berathen, ob die Aufgaben wirklich fo mannigfach und
ſc dadurch herausfommt, daß die Kinder die Zeit nicht
einzutheilen wiſſen, und ob die Schwierigkeiten einzel-
ner Aufgaben ſo groß ſein können, nachdem die Schule
die Anleitung gegeben hat. Ebenſo wenig halten es
im Allgemeinen die Eltern für angemeſſen, die öffent
lichen Lehrer bei der Wahl von Privatlehrern zu Rathe
zu ziehen, oder dkeſe zu veranlaſſen, ſich mit jenen über
die Behandlung der Kinder, an denen ſie nun gemein-
ſchaftlich zu arbeiten haben, und über die gemeinſchaft:
lich zu befolgende Methode zu verſtändigen. Die üblen
Jolgen bleiben dann freilich ſelten aus. Man belaſtet
die Kinder niht nur unnösthigerweiſe , ſondern bringt
nun auch Verwirrung in ihre Arbeiten und in ihce
Köpfe, gewöhnt ſie an GlÜchtigkeit in allent Thun,
macht ſie ſchulmüde und ſtumpft ſie nach und nach
ad, Denn wer ſind die Privatlehrer nun? Junge
Leute, die nicht immer des Stoffes, welchen ſie mit-
zutheilen und einzuüben haben, vollkommen mächtig,
in der Methode aber gewöhnlich ſehr unſicher ſind.
Was thun dieſe? Site betreiben die Sachen eben
auf ihre Weiſe, fügen zu den Sculaufgaben neue,
machen irre und unſicher in dem, was die Scule
mühſam begründet hat, und begründen vielleicht, was
die Schule mühſam wieder entfernen muß. =“ Aehns
liche Mißgriffe werden bei den Ergänzungsſtunden ge-
macht, Obwohl die höheren Schulen Alles aufbieten,
durch Vielſeitigkeit den Wünſchen der Eltern zu ents
ſprechen, = das ſchafft den Kindern keine Erleichte:
rung. J< rede nicht von den Muſikſtunden, welche
im Erziehungsweſen der Gegenwart eine fo hohe Stelie
einnehmen und recht behandelt, Erholungsſtunden wer-
den können, (obwohl zweierlei Muſikſtunden neben ein-
ander dei Knaben von 42 Jahren, wie mir es vorgs-
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