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Rationalismus und Supernaturalismus.
Dies Alles hatte weder Rationalismus noch Super-
naturali8mus verſchuldet; es war die vielleicht unver-
meidlihe Folge des Kampfes zwiſchen beiden. Und
welche Verwirrung, Nüchternheit und Armuth herrſcht
no<. Wie ſchwankend und formlos ſind in allen
Kreiſen der Kirche die Anſichten von Gottes Heilig:
keit und Liebe! welch? eine nebelhafte Geſtalt iſt noch
den Allermeiſten der Erlöſer! wie iſt die Lehre vom
ewigen Leben doch allmählich ein Complex ſentimentaler
Redensgarten oder phantaſtiſcher Träumereien geworden!
Und die Prediger thun noch immer das Ihrige, dieſe
Verwirrung zu erhalten, dieſes Halbleben zu friſten,
die Gemüther mit demſelben ſtets wieder zu verſöhnen.
Es iſt begreiflich, daß ernſtere Gemüther ſich zur
alten Entſchiedenheit zurüFgewendet und viele Unſelbſt:
ſtändige in ihre Bahn mit fortgezogen haben. Ent:
ſchiedenheit iſt Bedürfniß. Eine große Reaction hat
begonnen. Ihr Hervortreten iſt aber kein Beweis für
die Unhaltbarkeit der vom Rationalismus verfochtenen
Anſichten, ja ſelbſt ein momentaner Sieg wäre es nicht.
Wir haben uns indoß hier nicht auf die Unter-
ſuchung der Frage einzulaſſen, auf welcher Seite die
größere Wahrheit und das größere Recht zu ſuchen
ſeiz was in dieſer Beziehung von uns in Betracht ge:
zogen werden kann, wird in den Artikeln Religion
und Vernunft ſeine Stelle finden. Hier foll uns
bloß die Frage beſchäftigen, wie der Religionslchrer in
der Schule hinſichtlich jenes Gegenſatzes ſich zu verz
halten habe. Da ſcheint uns nun aber Folgendes
unbeſtreitbar. 4) Es kommt weniger auf das Objec-
tive, als auf das Subjective an. Man hat zunächſt
und. überhaupt nicht vorzugsweiſe auf das zu ſchn,
was man mittheilt und in welcher Ausdehnung oder
Eigenthümlichkeit man daſſelbe mittheilen kann , fon-
dern darauf, was die kindliche Seele wahrhaft inner-
lich auffaſſen, behalten, verarbeiten und weiter bilden
kann, ſo daß alſo die Hauptaufgabe die iſt, zu erkennen,
wie im Kinde religiöſe Anſchauungen, Vorſtellungen,
Bedürfniſſe ſich bildes, verſtärken und verflechten , und
was man auszuwählen hat, um dieſe Anſchauungen,
Vorſtellungen und Bedürfniſſe zu entwi>eln, zu con-
eentriren , zu vervollſtändigen. So elementariſch iſt
freilich der Religionsunterriht noh gar nicht gewor-
denz man baut noh immer von oben nach unten,
2) Man darf nicht glauben , daß die Mittheilung von
Meligionswahrheiten, auch wenn dieſe wirklich inner-
lich angeeignet, d. h. zu klaren Vorſtellungen in der
Seele des Kindes werden, nothwendig auch religiöſe
Gefühle und Triebe erzeuge (Vergl. den Art. Beleh-
rung erzeugt keine Triebe). Man darf alſo auch
im Beſondern nicht annehmen, daß die Religions-
wahrheiten, in denen die höchſten Bedürfniſſe des Ge-
müths ihren Ausdru> gefunden haben, in der kind-
lihen Seele bei recht nächdrüFlicher Unterweiſung dieſe
Bedürfniſſe hervorrufen können. Dieſe erzeugt allein
- das Leben mit den Kämpfen, welche es bringt, durch
welche es die Seele ſich hindurchringen läßt. .Es ſcheint
alſo nicht wohl gethan, grade auf jene Wahrheiten beim
- Meligionsunterricht der Kinder das Hauptgewicht zu
legen , wo ſie die entſprechenden Bedürfniſſe weder vor-
finden noch erzeugen. Sie werden dann nur als Wär-
terreihen aufgefaßt, ihre tiefe Bedeutung wird kaum
geahnt, und die Kinder gewöhnen ſich auch in Bezie-
hung auf die größten, bedeutendſten Gedanken, mit
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einem Viertelsverſtändniß zufrieden zu fein. Man
wird alſo zwar den ganzen Religionsunterricht von vorn
herein ſo einzurichten, man wird die innern religiöſen
Entwikelungen der Kinder ſo zu leiten und zu ſteigern
haben, daß jene Kernwahrheiten des Chriſtenthums, ---
wir meinen Erlöſung, Verſöhnung, Wiedergeburt, Hei-
ligung, =- ſich anſchließen und einreihen können; aber
es wäre unvorſichtig, die Kinder zu früh und zu ge-
waltſam an dieſelben hinanzuführen. 3) Man hat
unſtreitig einen vorzüglichen Werth darauf zu legen,
daß die Kinder die von ihnen aufgefaßten religiöſen
Wahrheiten in vollſter Uebereinſtimmung unter ein-
ander, in genauejſtem Zuſammenhange mit einander in
ſich tragenz aber es iſt doc) wohl eine Täuſchung, wenn
man ihnen zutraut, daß ſie es darüber zu einem ganz
klaren Bewußtſein bringen können, daß ſie ſelbſtthätiger
Gombinationen, ſelbſithätiger Prüfung fahig ſind.
Grade die Religionswahrbeiten geſtalten die Kinder am
wenigſten mit Selbſtſtändigkeit nach; ſie nehmen ſie
vielmehr auf Treu? und Glauben an und in der Form
und Verbindung, wie der Lehrer ſie ihnen giebt. Es
iſt alſo widerſinnig, ſie zu Urtheilen über divergirende
Anſichten, über verſchieden aufgefaßte Glaubensſäte,
oder gar Über die Quelle der dieſer oder jener Weiſe zu veranlaſſen. Der Lehrer
gebe eine einfache Gedankenreihe, nicht zwei durch ein-
ander laufende. 4) Man hat beim Abſchluſſe des
Religionsunterrichts allerdings feſte Formen für die
weitern religiöſen Entwielungen zu bieten, und die
Kinder ſind dann hoffentlich weit genug in ihrer reli-
givſen Bildung, daß ihnen nun auch das Höchſte inner-
lich gemacht werden kann für ihr Vorſtellen und Be»
greifen; man hat ſie, beim Uebergange in das größere
Leben und in den weiteren Kirc daß ſie mit den in dieſem geltenden Wahrheiten umzu:
gehen und die von jenem nun in größerer Fülle und
Mannigfaltigkeit dargebotenen Erfahrungen an den
höchſten Wahrheiten zu meſſen verſtehn.
Hält man dieſe Puncte feſt, ſo ergiebt ſich aus
4) daß für die erſte Zeit des Religionsunterrichts nicht
nur, ſondern ſo ziemlich für den ganzen Religionsunter-
richt die dogmatiſchen Differenzen noch gar keine Be-
deutung haben; aus 2) daß eine einſeitige Hervorhebung
des Poſitiven (Supernaturalen) eine vielleicht für
die geſammte religioſe Entwi>elung nachtheilige Ver-
frühung herbeiführt; aus 3) daß ein einſeitiges Drin»
gen auf Beweiſen und Prüfen in anderer Weiſe nicht
minder nachtheilig iſt; aus 4) endlich, daß ein Hin-
führen zu ſtrenger dogmatiſchen Auffaſſungen erſt an
das Ende des Untkerrichts gehört. Darnach möchte
allerdings der Gegenſatz zwiſchen R. und S. N. die
Schule weit weniger berühren, als man wohl in der
Regel geglaubt hat, ---
Hiermit wird keineswegs dem Indifferentimus
das Wort geredet, es wird keine8wegs eine vage, in
lauter Unbeſtimmtheiten ſic< herumtreibende Behand-
„lung der Religionswahrheiten gefordert, wir erklären
uns nur gegen Alles, was die kindliche Seele belaſtet,
ohne ſie zu nähren, eine Anſpannung ihr zumuthet, die
leiht in traurige Abſpannnng übergeht, wir verlangen
nur ein genaues Anſchließen an den natürlichen Ent-
wielungsgang der Seele und dem gemäß eine möge
lichſt große Vereinfachung, eine jenem Entwielungs-
gang folgende Abſtufung des Lehrſtoffes. Das ſind

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