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470 RationaliSmus und Supernaturalismus. =“+“ Raumer.
ſehr alte Forderungen, die nur immer noch nicht eine
entſchiedene Berückſichtigung gefunden haben. Die
Erfüllung dieſer Forderungen, weit entfernt, in Unbe-
ſtimmtheiten hineinzuführen, würde vielmehr dem gan-
zen Religionsunterricht die großte Beſtimmtheit und
Sicherheit zeben.
Daß üÜbrizens der Gegenſaß zwiſchen Rationalis-
mus und Supernaturalismus für das kirchliche Volks-
leben, alſo auch für den Jugendunterricht , keine ent-
ſcheidende Bedeutung habe, wird hier auc) nicht zum
erſten Male behauptet. Vergl. Spieker Ueber den
Gebrauch des Rationaligmus im religiöſen Volks- und
Jugendunterrichte. Herborn 1821. Tzſchirner die
Verſchiedenheit der dogmatiſchen Syſteme kein Hinder-
niß des Zwekes der Kir 1323 Band 1. Heft 1. Beide Syſteme nähern ſich
ja doch inſofern, daß der Supernaturalismus die Noth-
wendigkeit einer Begründung der aus der heiligen
Scrift abgeleiteten Lehrſaße durch wiſſenſchaftliches
Denken, der RationaliSmus im Chriſtenthume einen
nicht aus der Vernunft zu ſchöpfenden hiſtoriſchen In-
halt anerkennt, und der beſonnene Volkslehrer wird
alſo über das, was er zu thun hat, nicht im Zweifel
ſein. =-
Worauf es ankommt, daß dieſer Streit auch wiſſen»
ſchaftlich entſchieden werde, das hat mit beſonderer
Klarheit Haſe in ſeinem , „Lehrbuch der Evangeliſchen
Dogmatik“ S. 18 der zweiten Auflage ausgeiprochen.
Die Entſcheidung zwiſchen beiden Syſtemen ruht auf
der Frage: ob der menſchliche Geiſt, wie er dermalen
iſt, das religiöſe Leben als ein Streben nach dem Voll-
kommnen aus ſich ſelbſt hervorbringen könne. Wenn
er es kann, ſo iſt nicht einzuſehen, warum er ſich einer
fremden Offenbarung, geſeßt auch, daß ſie einſt ge-
ſchehn , alſo einſt nothwendig geweſen ſei, unbedingt
hingeben ſolle, Db er es könne, iſt im Leben durch
die That, in der Wiſſenſchaft durch den Begriff ſo zu
entſcheiden, daß aus dem eigenen Geiſte die Säße des
religioſen Glaubens, in denen das religiöſe Leben ſeine
Darſtellung und Befriedigung findet, entwiEelt werden,
als wodurch das Recht des Rationalismus erwieſen
würde. Cs iſt aber nsthig, ſich zu dieſem Behufe
auf einen Standpunct außerhalb des Chriſtenthums zu
ſtellen. Wenn den hierdurch gewonnenen philoſophiſchen
Glaubensſägten die rein hiſtoriſch entwielten Glanbensartikel weſentlich entſprächen, ſo wäre dadurch
das Chriſtenthum ſeinem Weſen nach als Vernunft-
religion erwieſen und die Nothwendigkeit eines lichen Rationalismus dargethan. Wenn dagegen
der Geiſt ſelbſt in dieſer Entwikelung ſeiner religiöſen
Anlagen auf irgend einem Puncte eine gänzliche Un-
fähigkeit zur Religion oder eine durch eigene Kraft un-
heilbare Störung fände: ſo würde die Vernunft ſelbſt
den Supernaturalismus fordern, welcher hier nicht die
Nothwendigkeit einer unmittelbaren und übernatür-
lihen Erkenntniß bezeichnet, ſondern im einfachen
Gegenſaße des RationalisSmus, das Bedürfniß einer
Mittheilung des. religiöſen Lebens, das aus dem menſch-
lichen Geiſte, wie er dermalen iſt, nicht hervorgehen
kann; und wenn durch dos Chriſtenthum dieſe Mitthei-
lung thatfächlich. geſchehen wäre, ſo würde die Ver-
nunft ſelbſt den: hriſtlichen Supernaturalismus
gebieten. Die Entſcheidung hierüber kann erſt erfolgen,
nachdem der philoſophiſche und der nach ihrem weſentlichen Gehalte entwielt find. Jeden-
falls iſt ſie möglich, weil der Geiſt in dieſer
Sache nur bei ſich ſelbſt anzufragen hat.“ -.
Aiſo pſychologiſche Ergründung, tief dringende Analyſe
des Selbſtbewußtſeins! Wir ſind der Ueberzeugung,
daß dieſe, wie ſie bisher vielleicht nicht möglich war,
an der Hand der neuen Pſychologie mit großer Hoffnung
auf günſtigen Erfolg werde verſucht werden können,
Treilich ſtehen wir da erſt am Anfange.
Aus der neuen Literatur über Rationalismus und
Supernaturalismus werde hier Folgendes als das Beſts
genannt:
(Röhrs) Briefe über den Rationalismus. Aachen, 1813,
SH 1326. Steiger Kritik d. Rationalismus. Berlin, 1830.
Rudelbach d. Weſen d. Rationaliemus. Leipzig, 1839,
A. S mus u. Supernaturaliemus. Zürich, 1833. J. Körner
Ueber das Princip des Rationalismus. Schneeberg 1833.
Sehr gediegen iſt auch die Abhandlung über
Rationalismus und Supernaturaligsmus im
Converſations - Lexicon der neucſten Zeit und Literatur
Bd. 11. S. 688 -- 703. Daß in den theologiſchen
Zeitſchriften, namentlich in der Allgem. Kirchenzeitung,
in Rehr?s krit. Prediger - Bibliothek von der einen, ==
in der Evang. Kirchenzeitung von der andern Seite der
Kampf noc< immer lebhaft fortgeführt wird, braucht
nicht geſagt zu werden, --l,
Raumer (Karl von), ein Bruder von Friedr.
Ludw. Georg R., ward am 9, April des Jahres
1783 zu Werlit im Herzogthume Anhalt-Deſſau ge-
boren. Bis in ſein 14. Jahr genoß er im väterlichen
Hauſe Privatunterricht, ward dann, wie ſein Bruder,
nach Berlin auf das joachimsthaliſche Gymriaſium ge:
ſhit, von da im Jahre 4801 auf die Univerſität
in Göttingen, um die Rechte zu ſtudiren. 41803 kam
er nach Halle, hörte beſonders Wolf und Steffens
und ging 1805 nach Freiberg.
Wenn er auch nac Studien, in welchen er eine vielſeitige Bildung nicht
auf Unkoſten der Gründlichkeit erſtrebt hatte, in Frei:
berg unter Werners Leitung ganz dem Studium der
Mineralogie und Geognoſtie ſic hingab (wie tüchtige
Menſchen Das, was ſie eben zu erſtreben ſich berufen
achten, mit ganzer Seele treiben), ſo verlor ex doh nie
das Ziel aus den Augen, ſich zum Lehren und Erzie:
hen tüchtig zu machen, und die reiche Ausbeute wiſſens
ſchaftlicher Bildung vornehmlich dazu zu verwenden.
In einem Alter, in welchem die Meiſten nur darnach
trachten , eine bürgerliche Laufbahn zu betreten , auf der
opes und honores zu gewinnen ſein möchten, eilte K,
v. R., günſtigeren Ausſichten die Augen verſchließend,
nach Iferten zu Peſtalozzi und befreundete ſich in. lan-
gem und befreundetem Umgange mit dem Geiſte, der
Methode und dem Lebenszwe> des hochherzigen Schwei-
zers, der, viel verkannt und viel irrend, doch, wenn man
den Werth des Mannes nicht nach dem Erfolg ſeiner
Bemühungen allein, ſondern vorzüglich nach ſeiner Ge-
ſinnung, nac der Lauterkeit und Hochherzigkeit ſeiner
. Beſtrebungen würdigt, zu Denen gezählt werden muß,
die mit. völliger Selbſtverleugnung ein reiches Leben
ganz dem Dienſte der hilfsbedürftigen: Menſchheit gt:
widmet haben. | Nn
Aus der Schweiz im Mai 14810 heimkehrend trat
K. v. M. in das academiſche Lehramt ein, und ward

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