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472 - Real und Ideal.
Im I. 1820 iſt die 32. Aufl. erſchienenz (7 gGr.) im Aus-
zuge. CEbend. 7. Aufl. 1834. 8. (5 Ngr.). db) Hand-
buch f. Lehrer b. Gebr. d. bibl. Geſchichte. Schwelm,
ebend. (1820--21) 1826-31, 3 Thle. (3 Thlr. 25 Ngr.).
Real und JIdeal. Eine der wichtigſten und
ſchwierigſten Aufgaben der Philoſophie iſt die Beſtim-
mung des Verhältniſſes zwiſchen dem Sein und dem
. menſchlichen Vorſtellen. Hierbei kann nun entweder
eine Uebereinſtimmung beider angenommen oder es kann
dieſelbe geläugnet werden. Geſchieht das Erſtere und
behauptet man, daß unſern Vorſtellungen Überall ein
Meales (Wirkliches) außer uns entſpreche und die Dinge,
wie ſie an und für ſich ſelbſt ſind, nicht anders beſchaf-
fen ſeien, als wir ſie in unſern Vorſtellungen aufgefaßt
haben, ſo iſt dies der entſchiedene Realismusz geſchieht
das Andere und erklärt man, daß unſern Vorſtellungen
iddeen) entweder gar kein Neales entſpreche, wo ſie
dann als dur zuſehen ſind, oder das ihnen entſprechende Neale doch
weſentlich anders ſci, als es von uns gedacht werde, ſo
ijt dies der JdealiSmus. Auf dieſen Gegenſatz be-
zieht ſich alle Metaphyſik. = Etwas näher darauf
einzugehen , verlangt der Zwe> unſeres Werkes, da der
Päadagog ja bei den meiſten Untcrrichtsgegenſtänden,
namentlich aber bei den Reatien, zu gründlicher Wür-
digung dieſes Gegenſagtes gezwungen iſt, wenn er nicht
mit der äußerlichſten Betrachtungsweiſe ſich zufrieden
giebt, Wir halten uns dabei an Beneke* 8 Syſtem
der Metaphyſik und Neligionsphiloſophie, aus den
natürlichen Grundverhältniſſen des menſchliczen Geiſtes
abgeleitet (Berlin 1840).
Der bei weitem größte Theil der Menſchen ſcheint
auf der Seite des entſchiedenen Realismus zu ſtehen.
Es iſt faſt unmöglich, einem in philoſophiſchem Den-
ken nicht Geübten einzureden, daß die Außendinge im
Weſentlichen anders ſeien, als er ſie ſich vorſtelle,
Dennoch ſind in Wahrheit die allermeiſten Menſchen
Idealiſten. So ſchon das Kind, wenn es der Puppe,
mit der es ſpielt, Leben unterlegt, wenn es ſein hölzer:
nes Pferdchen mit der Peitſche vorwärts treiben will;
ſo die mit der Natur noch im unmittelbarſten Zuſam:
menhange ſtehenden Völker, die den Geſtirnen, den Bqus
men, Flüſſen, Quellen Leben, und göttliches Leben, zus
ſchreiben. Ueberall die Aönung eines Seins, eines
höhern Seins, hinter Demjenigen, das unmittelbar
den Sinnen ſich darſtellt, Iſt nun auch in dieſen
Fällen mannigfache Täuſchung, ſo giebt es doch viele
andere, wo ſolche Unterlegung eine vollkommen berech:
tigte iſt. Jeder hat doch die Ueberzeugung, daß die
Menſchen, welche er vor ſich ſieht, nicht blos Das find,
was er ſieht, ſondern daß hinter der ſinnlichen Hülle
ein hcheres Leben, ein anderes Sein, das wahre Sein,
verborgen ſei. Bietet ſich aber bei den Thieren nicht
dieſelbe idealiſtiſche Auffaſſungsweiſe als nothwendig
dar? Sind niht auch die Pflanzen innerlich etwas
Andres, als was unſere Sinne von ihnen wahrnehmen?
Oder iſt etwa ihre Form und Farbe, ihr Geſchma> und
Geruch das Weſentliche, ihr wahres Sein? Und ſtei-
gen wir zu der anorganiſchen Natur hinab =- iſt nicht
auch hier überall das eigentliche innere Sein die Kraft?
Die Chemie bejaht dies auf tauſendfache Weiſe, =“
Kurz, auch für das allgemein-menſchliche Bewußtſein
macht ſich der Jdealismus mit Nothwendigkeit geltend,
und der RealiSmus wird nuyr darum von ſo Vielen
feſtgehalten als die allein richtige Auffaſſung weiſe,
weil ſie ſich, wie ſie überhaupt darüber nicht nachden:
ken, die Bedeutung des conſequent ausgebildeten Reg»
ligmus nicht vergegenwärtigen. „Für die volle Uebers
einſtimmung des Jdealen mit dem Realen würde ja
eine Congruenz zwiſchen beiden erfordert werden;
alſo indem wir eine Buche, ein Stü Quarz u. ſ.w,
wahrnehmen , müßten wir mit uns in dieſer Wahrneh:
mung ſo werden, wie die Buche, das Stü> Quarz
n. ſ. w. in ſich ſelber ſind. Aber iſt dies wohl die
Annahme des gewöhnlichen Bewußtſeins 2“' =. Bez
aller vermeintlichen Uebereinſtimmung läßt man immcx
eine gewiſſe Diſferenz beſtehen.
Aber damit wird der Realismus keineswegs aus
ſeinem wahren Rechte verdrängt. Auch das ſchärfſte
Denken muß eine reale Grundlage anerkennen, und das
eine ſolc ſic) das allgemein - menſchliche Bewußtſein ohne Beweis
gewiß. Nur kann dieſes nicht mehr ſein wollen, as
Ausgangs- und Stüßpunct für die metaphyſiſche
Betrachtung z; das Weitere muß durch eine rüEgängig
genetiſche Conſtruction gewonnen werden. -+
Intereſſant iſt es nun, zu beobachten, wie die
philoſophiſchen Syſteme der neuern Zeit ſeit Des8cartes
immer entſchiedener und conſequenter dem Jdealismuz
huldigen. Jhren Höhepunct erreichte dieſe Entwide:
[lung mit Fichte, der jeden äußern (objectiven) Factor
unſerer Erkenntniß leugnete und diefe rein aus dem
vorſtellenden Subjecte, aus der ſchaffenden Thätigkeit
des I<, ableitete. Daß ſo durch Jahrhunderte die
angeſpannteſte Thätigkeit des Denkens dem Jdealismus
zugewandt ſein konnte, iſt für deſſen Nothwendigkeit
und Wahrheit nicht der ſchwächſte Beweis. Je genauer
man das im aligemein - menſchlichen Bewußtſein Gege:
bene analyſirte, deſto mehr mußte man einſehn, das
Unſere Wahrnehmungen uns zunächſt nur als Unſere
Zuſtände oder Thätigkeiten gegeben ſind, und es fragte
ſich dabei immer, theils, in wie weit dieſe das Objec:
tive enthalten, theils, in welcher Reinheit von
ihnen das Objective aufgefaßt werde. Was nun das
Erſtere anlangt, ſo iſt im Allgemeinen freilich unbe:
ſtreitbar, daß die Dinge EindrüFe auf uns machen und
ſo Etwas von ihrem Sein in unſere Seele übertragenz
aber daraus folgt ja doch nicht, daß wir in dieſen
Cindrü>en ihr Sein vollſtändig erhalten, es kann ſe:
gar ſein, daß das von nns Wahrgenommere, mit dem
nicht wahrgenommenen innern Sein verglichen, etwas
ganz Unbedeutendes iſt. Anlangend das Andere, ſo
iſt auch nicht zu leugnen, daß die Seele das von ihr
Aufgenommene nicht rein paſſiv aufnimmtz ſie bringt
vielmehr dem Neuen das in ihr ſchon Gebildete etrigegen,
und jede neue Wahrnehmung und Empfindung iſt ein
Product aus einem objectiven und einem ſubjectiven
JTactor. Unſere Vorſtellungen von den Dingen haben
alſo nicht volle, unbedingte Wahrheit, ſie haben nur
als Ideen Realität.
Aber dies ſcheint noh nicht zu dem überſpannten
Ideglismus Kants und Fichtes zu berechtigen. „Wäre
uns, wie dieſe Philoſophen behauptet haben, von
keiner Seite ein Sein gegeben, ſo würden wir auch
nicht einmal den Begriff des Seins haben können,
ja nicht einmal den Begriff des Vorſtellens , welcher
den des Seins als nothwendiges Correlatum voraus:
ſetz ſondern alle die pſychiſchen Entwielungen, welche

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